{"id":2123,"date":"2023-10-23T15:43:18","date_gmt":"2023-10-23T15:43:18","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2123"},"modified":"2023-10-23T15:43:20","modified_gmt":"2023-10-23T15:43:20","slug":"max-botner-beyond-the-greek-new-testament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2123","title":{"rendered":"Max Botner: Beyond the Greek New Testament"},"content":{"rendered":"\n<p>Max Botner: <em>Beyond the Greek New Testament. Advanced Readings for Students of Biblical Studies<\/em>, Grand Rapids\/MI: Baker Academic, 2023, Pb., 375\u00a0S., $\u00a036,99,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/bakeracademic.com\/p\/beyond-the-greek-new-testament-max-botner\/436005\">978-1-5409-6502-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>An einer zunehmenden Anzahl von Fakult\u00e4ten und Ausbildungsst\u00e4tten geht die Vermittlung und damit die Kenntnis der f\u00fcr die Theologie so zentralen Altsprachen immer weiter zur\u00fcck. Als eine durchaus hilfreiche Gegenma\u00dfnahme dieser grassierenden Tendenz sind \u00fcber die letzten Jahrzehnte eine Reihe von Readern erschienen, die etwa die Hebr\u00e4ische Bibel, die LXX und das NT sprachlich durch Annotationen und Vokabelhilfen originalsprachlich erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diese Reihe stellt sich auch das neue Textbook von Max Botner. Selbst im Rahmen interdisziplin\u00e4rer Altphilologie-Kurse w\u00e4hrend des Studiums begeistert f\u00fcr das klassische Griechisch, legt Botner nun eine 375-seitige Textsammlung vor, die momentan auf dem Markt ihresgleichen sucht. Die urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Unterricht zusammengestellte Sammlung, die augenscheinlich mehrfach auf ihre Tauglichkeit ebenda getestet wurde, vereint zwei Dinge, die selten zusammenkommen: zum einen das realistische Wissen um die Begrenztheit der Griechischkenntnisse eines durchschnittlichen Theologiestudiums und -studenten, zum anderen die Begeisterung f\u00fcr das sukzessive Eintauchen in die Weite und Tiefe dieser Sprache \u00fcber das NT hinaus. So bietet das Textbook in acht Kapiteln Einblicke in \u00fcberaus zentrale Corpora und Str\u00f6mungen vor, w\u00e4hrend und nach der Zeit der fr\u00fchen Jesusbewegung, die wiederum diese \u2013 gewiss in unterschiedlichem Ausma\u00df \u2013 beleuchten und einordnen k\u00f6nnen: LXX (11\u201340), Apostolische V\u00e4ter (41\u201366), Pseudepigraphen der Hebr\u00e4ischen Bibel (67\u2013112), Philo (113\u2013158), Josephus (159\u2013206), griechische Geschichtsschreiber und Biographen (207\u2013256), griechische Philosophen und Rhetoriker (257\u2013326), griechische Poeten und St\u00fccke (327\u2013361).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswahl der exemplarischen Abschnitte ist jeweils freilich hinterfragbar [etwa die Aufnahme durchaus anspruchsvoller Homerpassagen, die zeitlich wie sachlich weit von der Welt des NT entfernt liegen (329\u2013337)], l\u00e4sst aber insgesamt einen guten Einblick in die Denk- und Lebenswelten der griechisch(-r\u00f6mischen) Antike zu. Zur Freude des Rezensenten finden sich viele Abschnitte, die auch theologisch interessant sind, was die R\u00fcckbindung an den geneigten Theologen als Zielpublikum unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Verdienst, eine gute Auswahl getroffen zu haben, zeichnet sich die Sammlung noch in zwei weiteren Hinsichten aus. So ist die Reihung der Kapitel nicht nur dem Medium \u201aBuch\u2018 geschuldet, sondern gibt das zunehmende, sprachliche Niveau der Textpassagen wieder. Das Lied Moses aus Dtn 31,30ff (13\u201321) bietet einen leichten Einstieg, ebenso 1Clem (43\u201348), doch steigert sich das Niveau schon bald bei Joseph und Aseneth (81\u201389) und tut dies kontinuierlich bis hin zum bereits angesprochenen Homer. Das \u201eBeyond\u201c des Titels bezieht sich also sinnvoll sowohl auf die Textauswahl als auch auf das deutlich schwierigere Niveau im Gegensatz zum neutestamentlichen Griechisch. Es handelt sich eben um \u201eadvanced readings\u201c, die aber allezeit f\u00fcr den geneigten Studenten erreichbar bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Botner, selbst mittlerweile Bibelwissenschaftler als Associate Professor an der Willem Jessup University (CA, USA), bietet neben seinen sprachlichen Anmerkungen im durchlaufenden Fu\u00dfnotenapparat auch eine Reihe ausgesprochen hilfreicher Kommentare, die jeweils ans Ende des \u00dcbersetzungsst\u00fccks gestellt werden. Etwa zur Frage nach dem Ursprung textlicher \u00c4nderungen innerhalb der LXX gegen\u00fcber einem potenziellen Proto-MT. Tendenziell nehmen diese Bemerkungen ab, je schwerer die Texte werden. Einerseits wird das vermutlich daran liegen, dass die meisten \u00dcbersetzer dieser Texte schon mit dem Wortlaut an sich Herausforderung genug empfinden werden, andererseits wahrscheinlich auch an der fehlenden Expertise des Autors in den Spezialfragen der griechisch(-r\u00f6mischen) Altphilologie.<\/p>\n\n\n\n<p>So l\u00e4sst sich manches kritisieren, was aber durchweg diskutabel bleibt: Ob die Fragmente hellenistisch-j\u00fcdischer Schriftsteller, Ezekiel der Tragiker, Aristobul der Philosoph und Eupolemus der Historiker (99\u2013112) nun tats\u00e4chlich unter dem Titel \u201eReading Old Testament Pseudepigrapha\u201c zu fassen sind, scheint angesichts der aktuellen Forschungslage etwa zu Theodotus (wie auch Artapanus, der hier nicht gelistet ist) fraglich. Auch verharren die referenzierten Werke der Sekund\u00e4rliteratur selbstverst\u00e4ndlich stark in der angels\u00e4chsischen Diskussion und f\u00fchren nur bedingt zu einem ausgewogenen Forschungs\u00fcberblick. Des Weiteren ist Philo vor Josephus zu verorten zwar historisch korrekt, h\u00e4lt der Rezensent aber hinsichtlich der mitunter ausgesprochen komplexen Sprache Philos f\u00fcr verfehlt. Verglichen damit ist Josephus, insbesondere aufgrund seiner starken, mancherorts paraphrastischen N\u00e4he zur biblischen Tradition, in den ausgew\u00e4hlten Textstellen leichter zu verstehen und zu \u00fcbersetzen. Zuletzt noch formal: Um den Sinn eines echten Arbeitsbuches zu erf\u00fcllen, w\u00e4re Hardcover von N\u00f6ten gewesen. Nach nur einmaliger Durcharbeit ist das Buch schon deutlich in Mitleidenschaft gezogen, was f\u00fcr das st\u00e4ndige Heranziehen zum Erhalt der eigenen Sprachkenntnisse wenig hilfreich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt liegt mit diesem Reader ein momentan einzigartiges Werk vor, das \u00e4hnliche Konzeptionen aus dem letzten Jahrhundert wie von Debrunner gut abl\u00f6st. Es f\u00fchrt den Theologiestudenten in die Welt des Antiken Judentums, der griechisch-r\u00f6mischen Mehrheitsgesellschaft und den Denkraum des NT ein, jedoch nicht durch \u00dcberblicksaufs\u00e4tze, sondern \u2013 ganz reformatorisch (ad fontes!) \u2013 durch die Auseinandersetzung mit repr\u00e4sentativen Textabschnitten der relevanten Autoren, Corpora und Texte selbst. Durch die Fu\u00dfnoten und Anmerkungen l\u00e4sst sich dieser Kurs auch im Selbststudium erarbeiten, wobei gerade im theologischen Kontext freilich die Diskussionen, die diese Texte auszul\u00f6sen verm\u00f6gen, im Austausch besser gef\u00fchrt werden k\u00f6nnten und verortet w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun fehlen nur noch die Seminare, die diese Textsammlung unter Anleitung mit geneigten Studenten auch erarbeiten. Doch daf\u00fcr braucht es zun\u00e4chst ein curriculares Umdenken, was mitunter auch eine erneut steigende Studentenzahl erfordert. Werkzeuge f\u00fcr ein fundiertes, vertieftes Studium liegen nun um eine sch\u00f6ne Textsammlung erweitert zu Gen\u00fcge vor.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Magnus Rabel, M.Th., Doktorand bei Prof. Dr. J\u00f6rg Frey am Lehrstuhl f\u00fcr neutestamentliche Wissenschaft an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max Botner: Beyond the Greek New Testament. 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