{"id":2126,"date":"2023-10-23T15:44:48","date_gmt":"2023-10-23T15:44:48","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2126"},"modified":"2023-10-23T15:44:49","modified_gmt":"2023-10-23T15:44:49","slug":"gerhard-tauberschmidt-das-koine-griechisch-des-neuen-testaments","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2126","title":{"rendered":"Gerhard Tauberschmidt: Das Koine-Griechisch des Neuen Testaments"},"content":{"rendered":"\n<p>Gerhard Tauberschmidt: <em>Das Koine-Griechisch des Neuen Testaments<\/em>, utb\u00a06085, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2023, Pb., 619\u00a0S., \u20ac\u00a033,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/altertumswissenschaft\/graezistik\/58303\/das-koine-griechisch-des-neuen-testaments?number=VUR0010129\">978-3-82-526085-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Frisch aus dem Hause Vandenhoeck &amp; Ruprecht erschien im September 2023 ein neues Buch zur Vermittlung eines einf\u00fchrenden Griechischkurses. Obwohl der Titel dies auf den ersten Blick suggerieren mag, handelt es sich nicht um eine Grammatik zum ntl. Griechisch, sondern nach eigener Bezeichnung um ein \u201eLehrbuch\u201c. Der Inhaber der Professur f\u00fcr \u00dcbersetzungswissenschaft und Biblische Sprachen an der Internationalen Hochschule Liebenzell legt mit diesem \u00fcber 600 Seiten starken Werk 44 Kapitel und 11 Anh\u00e4nge vor, die vom Erlernen der Buchstaben bis zum fl\u00fcssigen \u00dcbersetzen f\u00fchren sollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgegliedert wie vergleichbare Werke macht sich der Autor aktuelle linguistische Erkenntnisse zu Nutze, um m\u00f6glichst fr\u00fch ins eigenst\u00e4ndige \u00dcbersetzen neutestamentlicher Originaltexte zu kommen. Anhand eines eher induktiven Ansatzes verfolgt das Buch neben der Vermittlung der Sprachkenntnisse obendrein das hehre Ziel, Spa\u00df am Erlernen des Griechischen zu vermitteln, auszul\u00f6sen und dann auch zu empfinden. Linguistisch interessiert sich Tauberschmidt stark f\u00fcr einen diskursanalytischen, synchronischen Ansatz, was das Buch besonders von \u00e4lteren Lehrwerken unterscheidet und der Koine einen ganz eigenen Stellenwert innerhalb der Entwicklung des Altgriechischen einr\u00e4umt. Historischen Aporien wie das Importieren attischer Bedeutungsspektren in die ntl. Texte wird st\u00e4rker vorgebeugt und Koine per se erlernt und angewandt. Der Ansatz an sich ist bereits zu loben. Obwohl freilich die gro\u00dfe Mehrzahl moderner Lehrb\u00fccher f\u00fcr ntl. Griechisch in der einen oder anderen Weise linguistisch informiert sind, ist dieser besondere Blick aus linguistischer Perspektive auf das Erlernen der Sprache hilfreich und wird manchem mehr liegen als das (scheinbar) trockene Erarbeiten von Regeln und Paradigmen. Mancherorts finden sich Verweise ins klassische Griechisch, die jedoch recht sparsam eingesetzt werden. Teil des hier modifiziert angewandten induktiven Ansatzes sind zahlreiche Lieder des Autors, die beim Einpr\u00e4gen und Wahrnehmen grammatischer und philologischer Ph\u00e4nomene helfen k\u00f6nnen. \u00dcber QR-Code oder Link lassen sich diese als Aufnahmen online abrufen. Vorausgesetzt wird dabei stets die in Deutschland \u00fcbliche erasmische Aussprache. Ebenso online findet sich zum Lehrbuch noch ein Arbeitsbuch, das wiederum mit Anhang gut 100 Seiten stark ist und zahlreiche \u00dcbungen zu den einzelnen Kapiteln im Lehrbuch bietet. Alle \u00dcbungen sind an einen NT-Text r\u00fcckgebunden und f\u00fchren damit tief in das NT selbst hinein, was sowohl die Relevanz des Sprachenerwerbs pr\u00e4sent h\u00e4lt als auch f\u00fcr das eigene theologische Wissen weiterf\u00fchrend sein wird. Hervorragend konzipierte Tabellen erleichtern dar\u00fcber hinaus das Repetieren und den \u00dcberblick.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts einer solchen F\u00fclle von Angeboten und Seiten wird einerseits viel \u00dcbung erm\u00f6glicht, andererseits fragt man sich, ob insgesamt 700+ Seiten den Rahmen einer Einf\u00fchrung ins ntl. Griechisch nicht doch unn\u00f6tig stark sprengen. Auch ist der sprachwissenschaftlich-informierte Ansatz deutlich zu w\u00fcrdigen, doch bringt dieser auch neue Schwierigkeiten mit sich, wenn man sich die Komplexit\u00e4t eines zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten Satzes vor Augen f\u00fchrt (61): \u201eDas Genetivobjekt fungiert als direktes Objekt der verbalen Idee im Nomen.\u201c Ob ein Studienanf\u00e4nger, der heutzutage nur noch selten das Latinum oder weitergehende Deutschkenntnisse bereits mitbringt, diese Erkl\u00e4rung als hilfreich empfinden wird? Auch trifft man im Buch immer wieder bei der Erkl\u00e4rung grammatischer Ph\u00e4nomene auf etwas irref\u00fchrende S\u00e4tze wie (62): \u201eWenn kein Subjekt (Nomen) vorhanden ist, finden Sie es im Verb\u201c. Um diesen Satz logisch einwandfrei zu halten, m\u00fcsste man entweder das Nomen stehenlassen und \u201eSubjekt\u201c streichen oder so umformulieren: \u201efalls kein explizites Subjekt (Nomen) vorhanden ist, finden Sie es im Verb\u201c. Doch finden sich solche holprigen Formulierungen nicht regelm\u00e4\u00dfig. Im Gro\u00dfen und Ganzen ist das Buch verst\u00e4ndlich geschrieben, auch wenn der Eindruck bleibt, dass bereits eine gute Menge an Fachsprache bei der Lekt\u00fcre hilfreich ist, um den zu vermittelnden Inhalt umgehend zu verstehen. Das bringt mich zur Hauptfrage, die sich bei der Arbeit durchs Buch immer wieder stellte: Ist das Lehrbuch nun als solches, n\u00e4mlich zum Lehren, konzipiert? Dann enth\u00e4lt es zu viele \u00dcbungen und h\u00e4tte deutlich konzinner ausfallen k\u00f6nnen. Ist es ein Lehr- und Lernbuch? Dann sollten die Anwender auch genug Platz erhalten, \u00dcbungen direkt im Buch zu machen. Ist es ein Lehrbuch, mit dem man sich selbst lehren soll? Dann w\u00e4re ein L\u00f6sungsbuch in der Cloud hilfreich gewesen, obgleich nicht unbedingt n\u00f6tig angesichts der hinzugef\u00fcgten Stellenangaben im NT. Betrachtet man manche Tabellen, wird man durchaus einen zus\u00e4tzlichen Lehrer brauchen, um diese auf Anhieb richtig zu verstehen (z.&nbsp;B. 43\/44). \u00c4hnlich verh\u00e4lt es bspw. mit Anhang 3, der deutlich gewonnen h\u00e4tte, w\u00e4ren die Formen nicht nur tabellarisch gelistet, sondern auch nach H\u00e4ufigkeit und Aussagekraft gewichtet worden. So k\u00f6nnte ein unangeleitet Lernender meinen, die einzelnen Aktionsarten eines Verbalaspektes (etwa die gnomische im Vergleich zur durativen Aktionsart im Imperfekt) tauchten auch \u00e4hnlich oft auf und seien \u00e4hnlich wahrscheinlich, was freilich nicht stimmt (und das Buch anderswo auch nicht f\u00e4lschlich suggeriert). Auch fragt man sich bei Anhang 11, einem Vergleich zwischen NA27 und NA28, ob dies f\u00fcr heutige Theologiestudenten noch n\u00f6tig und zeitgem\u00e4\u00df ist, wurde doch NA27 bereits 2012 abgel\u00f6st. Obwohl die bereits erw\u00e4hnten Tabellen und Visualisierungen hilfreich sind, erscheinen die Graphiken aus NA28 und UBS5 dagegen beinahe als zu unscharf f\u00fcr eine sinnvolle Benutzung (vgl. 432f). Auch \u00fcber die seltsam eindeutige Determinierung im Titel \u201e<em>Das<\/em> Koine-Griechisch des NT\u201c k\u00f6nnte man angesichts der hohen sprachlichen Varianz innerhalb des ntl. Corpus streiten. Zuletzt f\u00e4llt das Format auf. Neben fehlendem Platz f\u00fcr eigene Eintragungen (au\u00dfer dem gro\u00dfz\u00fcgigen Rand) ist es schade, dass so ein umfangreiches Lern- und Lernwerk in Paperback erschienen ist. Freilich geh\u00f6rt dies zur utb-Reihe, ist aber dennoch ein Manko, da bei intensiver Benutzung und Transport (wie im Fall des Rezensenten) das Buch schnell in starke Mitleidenschaft gezogen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt liegt mit diesem Lehrbuch ein umfangreiches Werk vor, das das Eintauchen ins ntl. Griechisch erm\u00f6glicht und dies durch Lieder und induktives Arbeiten durchaus vergn\u00fcglich aufbereitet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Magnus Rabel, M.Th., Doktorand bei Prof. Dr. J\u00f6rg Frey am Lehrstuhl f\u00fcr neutestamentliche Wissenschaft an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard Tauberschmidt: Das Koine-Griechisch des Neuen Testaments, utb\u00a06085, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2023, Pb., 619\u00a0S., \u20ac\u00a033,\u2013, ISBN 978-3-82-526085-9 Frisch aus<\/p>\n","protected":false},"author":101,"featured_media":2127,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-2126","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/101"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2126"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2128,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2126\/revisions\/2128"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}