{"id":2137,"date":"2023-11-03T10:32:27","date_gmt":"2023-11-03T10:32:27","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2137"},"modified":"2023-11-03T10:32:28","modified_gmt":"2023-11-03T10:32:28","slug":"lisbeth-zogg-hohn-danielle-cottier-gastliche-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2137","title":{"rendered":"Lisbeth Zogg Hohn\/Danielle Cottier: Gastliche Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p>Lisbeth Zogg Hohn\/Danielle Cottier: <em>Gastliche Kirche. Handbuch zur Gemeindeentwicklung mit dem Modell Generationenkirche, Z\u00fcrich: TVZ<\/em>, 2023, Pb., 304\u00a0S., \u20ac\u00a036,\u2013, ISBN\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tvz-verlag.ch\/buch\/gastliche-kirche-9783290185084\/?page_id=1\">978-3-290-18508-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Das Modell \u201eGenerationenkirche\u201c ist in vielen Deutschschweizer Kirchgemeinden bekannt. Ziel ist, dass in der Kirche Menschen unterschiedlicher Generationen und verschiedener Lebensstile Raum zum Leben und sich begegnen finden. Gem\u00e4\u00df dem hier vorgestellten Buch ist dies m\u00f6glich, wenn eine Kultur der Gastlichkeit gelebt wird. Das Modell entwickelt haben die ehemalige Pfarrerin Lisbeth Zogg und die Projektberaterin Danielle Cottier in jahrzehntelanger gemeinsamer Gemeindeberatung. Nun haben sie das Handbuch \u201eGastliche Kirche\u201c als Verm\u00e4chtnis verfasst. Sie b\u00fcndeln darin intensive Konzeptarbeit und Praxiserfahrung und zeigen Chancen von Kirchgemeinden heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autorinnen pl\u00e4dieren f\u00fcr einen Perspektivenwechsel: Sie denken Kirche gezielt von den Menschen und deren Bed\u00fcrfnissen her. Die gastliche Kirche ist \u201eentgegenkommend und zugewandt\u201c (52). Sie orientiert sich an der <em>philoxenia<\/em> (=&nbsp;\u201efreundschaftliche Liebe zum Fremden\u201c (57)). Auch der Kirche gegen\u00fcber Wohlwollende und Distanzierte werden dabei als vollwertige Mitglieder betrachtet, ohne dass diese \u201en\u00e4her r\u00fccken\u201c m\u00fcssen (42). Das Evangelium wird vor allem implizit verk\u00fcndet und wirkt in der Atmosph\u00e4re. Daf\u00fcr eignet sich ein niederschwelliges Setting am besten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann Gemeindeentwicklung geschehen? Die Autorinnen haben eine \u201e5-S\u00e4ulen-Struktur\u201c entwickelt, mit der sich kleine und gro\u00dfe Projekte durchf\u00fchren lassen. Die S\u00e4ulen sind: Selbstverst\u00e4ndnis\/Identit\u00e4t, Angebote\/Dienstleistungen, R\u00e4ume innen\/au\u00dfen, Betriebsorganisation und Kommunikation extern. Dabei k\u00f6nnen sowohl einzelne als auch alle S\u00e4ulen fokussiert werden. Je gr\u00f6sser das Projekt ist, desto empfehlenswerter ist, mit der ersten S\u00e4ule zu starten und ein von allen Beteiligten mitgetragenes Identit\u00e4tsprofil zu entwickeln. Dazu finden sich im Buchkapitel hilfreiche Leitfragen und praktische Tipps.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schade, dass Erfolg von Kirche am Gottesdienst gemessen wird, finden die Autorinnen. Sie treten f\u00fcr die Gleichwertigkeit kirchlicher Angebote ein; die vier Handlungsfelder \u201eAlltags-, Lern-, Feier- und Kulturkirche\u201c sind gleichwertig. Besonders die Alltags- und die Kulturkirche haben noch viel ungenutztes Potential. Zu beachten ist, dass Angebote unterschiedlich hohe Schwellen haben. Eine Sensibilisierung daf\u00fcr hilft, die Ausgewogenheit von kirchlichen Angeboten zu \u00fcberpr\u00fcfen. Kirchgemeinden ben\u00f6tigen eine Mischung von Nieder-, Mittel- und Hochschwelligem mit den je eigenen Arten von Gruppenbildung. An Niederschwelligem mangelt es oft in Gemeinden. Die Autorinnen haben deswegen die \u201eniederschwellige Drehscheibe\u201c als ein Herzst\u00fcck des Gemeindemodells entwickelt: Im Sinne von \u201ethird place\u201c bieten Gemeinden eine offene r\u00e4umliche Anlage an, in der es sowohl niederschwellige Grundangebote als auch feste Programmpunkte gibt. Dabei ist definiert, wann die Anlage f\u00fcr alle und wann f\u00fcr einzelne Gruppen ge\u00f6ffnet ist. Entscheidend ist, dass Bezugspersonen pr\u00e4sent sind. Wenn Pfarrpersonen sowie andere Mitarbeitende und Freiwillige zu Gastgebenden werden, ver\u00e4ndert sich das Berufsverst\u00e4ndnis. Die Berufe sollen dabei prinzipiell als gleichwertig betrachtet und die Zusammenarbeit gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Expertisengebiet der Autorinnen ist die Spielkultur. Diese passt gut zur Generationenkirche, denn Spielen verbindet Generationen und auch Kulturen. Im entsprechenden Kapitel erfahren Lesende beispielsweise, wie eine praxistaugliche Spielinfrastruktur konzipiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders gro\u00dfe Aufmerksamkeit kommt den R\u00e4umen zu. Sie sind \u201eBotschafter der Gastlichkeit\u201c (14). Eine St\u00e4rke der Autorinnen ist, dass sie dabei speziell auch kirchgemeindliche Au\u00dfenr\u00e4ume im Blick haben. Deren Potential liegt in vielen Gemeinden noch brach. Mit Erfahrung f\u00fchren die Autorinnen aus, wie R\u00e4ume generationenfreundlich eingerichtet werden k\u00f6nnen. Dabei sind auch praktische Hinweise \u2013&nbsp;beispielsweise, dass gen\u00fcgend Stauraum wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemeinde soll im \u00f6ffentlichen Raum sichtbar sein. In der Kommunikation sollen Stereotype von Kirche vermieden und bewusst ein \u00fcberraschendes Kirchenbild transportiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum nachhaltigen Gelingen von Gemeindeentwicklungsprojekten tr\u00e4gt bei, wenn alle relevanten Personen einbezogen werden. Dazu geh\u00f6ren die Partizipation der Gemeindemitglieder \u2013 auch derer an den R\u00e4ndern der Gemeinde \u2013&nbsp;und die breite Vernetzung mit inner- und au\u00dferkirchlichen Akteuren im Umfeld. Einige der von den Autorinnen begleiteten Gemeinden haben gute Erfahrungen mit tempor\u00e4ren niederschwelligen Drehscheiben gemacht. Solche k\u00f6nnen als Labor f\u00fcr langfristige Projekte bzw. gr\u00f6\u00dfere Ver\u00e4nderungen dienen. Je nach Gr\u00f6\u00dfe des Projekts ist es lohnend, Fachkr\u00e4fte (z.&nbsp;B.&nbsp;f\u00fcr Prozesssteuerung, Architektur, Entwicklung der Organisationsstruktur, Kommunikation usw.) miteinzubeziehen. Interne Konflikte \u2013 solche werden bei Entwicklungsprojekten immer zutage treten \u2013&nbsp;sollen beachtet und fr\u00fchzeitig angegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer kompakten \u00dcbersicht \u00fcber das Modell der Generationenkirche zu Beginn des Buches, dem daran anschlie\u00dfenden Hauptteil, betreffend die Grundlagen der gastlichen Kirche zusammen mit Erkenntnissen aus einer umfangreichen Befragung (\u00fcber 1100 Gespr\u00e4che!) in Gemeinden und den Ausf\u00fchrungen zum 5-S\u00e4ulen-Modell, schlie\u00dft das Werk mit Portraits von f\u00fcnf Projektgemeinden. In ihnen wird ersichtlich, dass das zuvor Beschriebene erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl in den Portraits als auch im gesamten Buch wird deutlich, dass die Autorinnen selbst partizipativ arbeiten. Im Hauptteil sind zahlreiche bereichernde Zitate eingebettet und das umfangreiche Bildmaterial stammt gr\u00f6\u00dftenteils aus umgesetzten Projekten. Ein besonderes Verdienst von Zogg\/Cottier ist, dass Bed\u00fcrfnisse unterschiedlicher Generationen \u2013&nbsp;insbesondere von kleineren Kindern \u2013&nbsp;konsequent im Blick sind. Das mutmachende Werk ist \u00fcbersichtlich und ansprechend gestaltet mit vielen Illustrationen, einem breiten Rand f\u00fcr Notizen und hilfreichen Reflexionsfragen f\u00fcr die Anwendung und zum Weiterdenken. Es eignet sich sehr als Arbeitsmittel f\u00fcr die Gemeindeentwicklung. Hilfreich k\u00f6nnten auch die herunterladbaren Ressourcen auf der eigens eingerichteten Website sein, deren Links in den Kapiteln angegeben werden. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Rezension waren sie jedoch nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk w\u00fcrde an Weite und theologischer Tiefe gewinnen, wenn im Fokus auf Menschen der Blick auf die Beziehung zu Gott erg\u00e4nzt w\u00fcrde. Es k\u00f6nnte noch weiter dar\u00fcber nachgedacht werden, was geschehen kann, wenn Menschen im Gotteshaus Gott selbst als dem ersten Gastgeber begegnen \u2013\u00a0wie beispielsweise niederschwelliger Zugang zum Staunen \u00fcber Gott und f\u00fcr Gebet geschaffen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Daniela Sommerhalder lic. theol., Doktorandin und Assistentin am Lehrstuhl f\u00fcr Praktische Theologie, Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lisbeth Zogg Hohn\/Danielle Cottier: Gastliche Kirche. 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