{"id":2141,"date":"2024-04-30T12:41:35","date_gmt":"2024-04-30T12:41:35","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2141"},"modified":"2024-04-30T12:41:35","modified_gmt":"2024-04-30T12:41:35","slug":"johannes-unsok-ro-benjamin-d-gifone-hg-inscribe-it-in-a-book-scribal-practice-cultural-memory-and-the-making-of-the-hebrew-scriptures","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2141","title":{"rendered":"Johannes Unsok Ro \/ Benjamin D. Gifone (Hg.): Inscribe It in a Book. Scribal Practice, Cultural Memory, and the Making of the Hebrew Scriptures"},"content":{"rendered":"\n<p>Johannes Unsok Ro \/ Benjamin D. Gifone (Hg.): <em>Inscribe It in a Book. Scribal Practice, Cultural Memory, and the Making of the Hebrew Scriptures<\/em>, Forschungen zum Alten Testament II\/139, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2022, Pb., 339\u00a0S., \u20ac\u00a0104\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/en\/book\/inscribe-it-in-a-book-9783161615252\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/en\/book\/inscribe-it-in-a-book-9783161615252\">978-3-16-161524-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Sammelband \u201eInscribe It in a Book\u201c greift das Thema einer \u201escribal culture\u201c sowie eines \u201ecultural memory\u201c auf. Dabei wird die Frage gestellt, inwieweit bzw. in welcher Art und Weise m\u00fcndliche \u00dcberlieferung verschriftlicht wurde oder ob schon sehr fr\u00fch schriftliche Quellen verarbeitet wurden. Gab es (fast) von Anfang an einen umfassenden Ursprungstext oder entwickelte sich dieser, indem \u201eSchreiber\u201c einen Rahmen, aber auch Inhalte hinzuf\u00fcgten? Dabei wird innerhalb der Wissenschaft meistens angenommen, dass die alttestamentlichen Texte durch \u201escribal communities\u201c innerhalb von oralen Kulturen entstanden (und nicht von einem einzigen Verfasser stammen). Der vorliegende Band soll einen Beitrag liefern, verschiedene Modelle der Quellen-, Redaktions- und Textkritik zu kalibrieren, aber auch zu \u00fcberpr\u00fcfen bzw. zu hinterfragen. Wurden Texte m\u00f6glichst getreu abgeschrieben oder inwieweit wurden sie durch Schreiber erweitert, gek\u00fcrzt bzw. zusammengef\u00fcgt? Zudem wird der Frage nachgegangen, inwieweit in den damaligen Kulturen Schriftlichkeit au\u00dferhalb bestimmter Kreise \u00fcberhaupt eine Rolle spielte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die insgesamt 14 Einzelartikel sind in drei Themenreihen unterteilt. Der erste Teil besch\u00e4ftigt sich mit dem Vergleich von Methoden von \u201escribal origins\u201c biblischer Texte. Daniel Bodi vergleicht das akkadische Wort <em>egirtu<\/em>, das Bibelaram\u00e4ische <em>\u2019iggr\u00e2<\/em> und das Bibelhebr\u00e4ische <em>\u2019iggeret<\/em>. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass das Wort \u201eletter\u201c am besten mit \u201ea word that has been placed\u201c wiedergegeben wird. W.&nbsp;R. Stewards Vergleich von prophetischen zeichenhaften Handlung von k\u00f6niglichen Texten aus Mari mit der Hebr\u00e4ischen Bibel (Jer 19,1\u201313) f\u00fchrt in zu dem Ergebnis, dass biblische Berichte vorexilischer Propheten vornehmlich (wenn nicht sogar ausschlie\u00dflich) das Produkt nachexilischer Schreiber seien. JiSeong Kwon vergleicht das Thema \u201eLeid des Gerechten\u201c in Quellen aus \u00c4gypten, Sumer, Ugarit und Edom mit dem Buch Hiob. Der vierte Beitrag ist (f\u00fcr den Rezensenten) eher au\u00dfergew\u00f6hnlich; Park und Ro vergleichen Platons Menexenus mit den Chronikb\u00fcchern und dabei insbesondere die Rezeption fr\u00fcherer Quellen, d.&nbsp;h. die Reden von Perikles respektive die Reden von K\u00f6nig David.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Teil \u00fcber Schreiberpraxis in der Hebr\u00e4ischen Bibel beginnt mit Benjamin Kilch\u00f6r zum Verh\u00e4ltnis von m\u00fcndlicher und schriftlicher Torah im Buch Deuteronomium. Dabei stellt Kilch\u00f6r drei Stufen von Kommunikation fest: eine anf\u00e4ngliche m\u00fcndliche Zuh\u00f6rerschaft der Reden von Mose, ein schriftliche Kommunikation f\u00fcr die Elite von Priestern und Schreibern sowie eine Kommunikation f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen von Laien. Fried und Mills III untersuchen die Rolle von \u201eEsra dem Schreiber\u201c in Esra 7\u201310. Esra hatte dabei urspr\u00fcnglich die Rolle eines pers\u00f6nlichen Beraters des K\u00f6nigs, die sich nach dem Verst\u00e4ndnis des biblischen Verfassers zur Rolle als Richter und Ausleger der schriftlichen g\u00f6ttlichen \u201eTora\u201c entwickelt. Johanna Erzberger sieht in der Entwicklung des Charakters von Baruch dem Schreiber die Textualisierung prophetischer Autorit\u00e4t reflektiert; dabei vergleicht sie die unterschiedlichen Versionen von MT Jer 36 und 45 sowie LXX Jer 43 und 51,31\u201335. Peter Altmanns Artikel befasst sich mit den Bez\u00fcgen auf \u201eJHWHs Torah\u201c in den Chronikb\u00fcchern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der abschlie\u00dfende dritte Teil umfasst Fallstudien zu unterschiedlichen Themen der Hebr\u00e4ischen Bibel, bei denen Schreibprozesse erkennbar sind. Dabei wird deutlich, dass die Entwicklungsgeschichte einzelner Texte jeweils mit einem gewissen Grad an Sicherheit aufgezeigt werden k\u00f6nnen. In den ersten drei Artikeln geht es um den Zusammenhang von Gesetz und Narrativ. Jin Han untersucht Tr\u00e4ume beim Deuteronomisten mit dem Fokus auf Dtn 13,1\u20135 und den Vorderen Propheten. Benjamin Giffone zeigt einen Konflikt zwischen der Eliageschichte und Dtn 12 auf: Wie kommt es zu einem Altar f\u00fcr JHWH auf dem Karmel, den Elia nicht abrei\u00dft, sondern wieder aufrichtet und verwendet, w\u00e4hrend Alt\u00e4re nach Dtn 12 nur dort in Gebrauch sein sollen, wo JHWHs Name wohnt? Woo Min Lee untersucht den Begriff \u201eRest\u201c, ausgehend von 2K\u00f6n 19,30f, im Hinblick auf ein \u201eDeuteronomistic Cultural Memory\u201c. Roger Nams Fokus liegt auf Schreiberpraxis in Neh 5,1\u201313. Kristin Weingart besch\u00e4ftigt sich mit \u201eChronography\u201c in den K\u00f6nigsb\u00fcchern und dabei mit dem Problem der relativen Zahlenangaben zu den Regierungszeiten biblischer K\u00f6nige und f\u00fchrt eine \u201escribal culture and substantial literature\u201c zur\u00fcck in das sp\u00e4te 9. und fr\u00fche 8. Jh. v.&nbsp;Chr. Abschlie\u00dfend steht der Artikel von Benjamin Ziemer \u201eRadical Versus Conservative? How Scribes Conventually Used Books While Writing Books\u201c. Dabei pl\u00e4diert er f\u00fcr die Annahme von \u201emaster scribes\u201c, die keine blo\u00dfe Reproduktion des Textes ohne Auslassung vornahmen, sondern hinzuf\u00fcgten, verbanden, ersetzen und anders anordneten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Vielfalt an Themen und Untersuchungen liegt es in der Natur der Sache, dass f\u00fcr den Leser die einzelnen Artikel von unterschiedlicher Relevanz sein werden. Jeder Artikel weist interessante Fragestellungen auf. F\u00fcr den Rezensenten war der abschlie\u00dfende Artikel von besonderem Interesse, da ein starker Bezug zu Ziemers Werk \u201eKritik des Wachstumsmodells: Die Grenzen alttestamentlicher Redaktionsgeschichte im Lichte empirischer Evidenz\u201c hergestellt wird. Herausragend ist m.\u00a0E. Kilch\u00f6rs Beitrag, da er sehr stark innerhalb des Buches Deuteronomium argumentiert und damit \u00fcber die Frage vorexelisch-nachexilisch hinausgeht zu der Zeit, in der der Pentateuch spielt. Und nachdenklich stimmen die Worte Giffones, dass auf der einen Seite die meisten Texte der Hebr\u00e4ischen Bibel \u201ecomposite works containing traditions that predate the final form of the text by several centuries\u201c seien, dass aber auf der anderen Seite \u201escholars have not reached any sort of consensus on precisely how and why the texts were shaped into their present form.\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Thomas Kinker, D.Th. (USA), Dozent f\u00fcr Altes Testament am Martin Bucer Seminar Bonn<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Unsok Ro \/ Benjamin D. Gifone (Hg.): Inscribe It in a Book. 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