{"id":2144,"date":"2024-04-30T12:47:44","date_gmt":"2024-04-30T12:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2144"},"modified":"2024-04-30T12:47:45","modified_gmt":"2024-04-30T12:47:45","slug":"thomas-b-dozeman-joshua-13-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2144","title":{"rendered":"Thomas B. Dozeman: Joshua 13\u201324"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas B. Dozeman: <em>Joshua 13\u201324. A New Translation with Introduction and Commentary <\/em>(AYB), New Haven: Yale University Press, 2023, Ln., xix+414\u00a0S., $\u00a075,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/yalebooks.yale.edu\/book\/9780300265408\/joshua-13-24\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/yalebooks.yale.edu\/book\/9780300265408\/joshua-13-24\/\">978-0-300-26540-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Acht Jahre nach <em>Josua 1\u201312<\/em> (2015, 656&nbsp;S., im Folgenden: \u201eBd. 1\u201c) legt der mittlerweile emeritierte Alttestamentler am methodistischen United Theological Seminary (Trotwood, Ohio) nun den zweiten Teil seines Kommentars nach (\u201eBd. 2\u201c). H\u00e4lt man den lange erwarteten Band in der Hand, f\u00e4llt auf, wie leicht er ist. Die Kommentierung selbst umfasst dabei nur 240 der 414&nbsp;S. (105\u2013361, abz\u00fcglich 17&nbsp;S. \u00dcbersetzung, in der AYB doppelt: einleitend und abschnittsweise).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts der immensen Forschungsentwicklung der letzten acht Jahre (hervorragend dokumentiert in dem ebenfalls 2023 erschienenen John Goldingay, <em>Joshua.<\/em> BCOT, Grand Rapids: Baker) verwundert es, dass der umfassenden Bibliographie von Bd. 1 (69&nbsp;S.) in Bd. 2 nur 35&nbsp;S. gegen\u00fcberstehen. So fehlen beispielsweise der theologisch wertvolle Kommentar von Matthias Ederer (NSK-AT 5\/1, 2017), David Mosters Dissertation zu den Gebieten Manasses (Bar Ilan Universit\u00e4t, 2017), Koert van Bekkums Dissertation u.&nbsp;a. zu Jos 13,1\u20137 (2011), William T. Koopmans\u2019 Untersuchungen zu Jos 23 (1988, 1993) oder Terrance A. Clarkes faszinierendes <em>close reading<\/em> von 21,43\u201345: \u201eComplete v. Incomplete Conquest. A Re-Examination of Three Passages in Joshua\u201c, <em>Tyndale Bulletin<\/em> 61 (2010), 89\u2013104.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Orten in Jos 13\u201324 wird derzeit intensiv geforscht in dem Datenbank-Projekt \u201eOrtsangaben der Bibel (odb)\u201c unter der Federf\u00fchrung von Jan Christian Gertz, Erasmus Ga\u00df und Detlef Jericke, wobei aktuelle Ergebnisse auch in das WiBiLex-Projekt der Deutschen Bibelgesellschaft einflie\u00dfen, beide online. Doch wie soll ein Kommentar all diese einzelnen Artikel zu hunderten von Orten aus dem Internet zitieren? Dozeman l\u00f6st dieses Problem, indem er komplett darauf verzichtet. Nicht ganz so aktuell diskutiert bereits Charles C. McKinney in seiner Dissertation <em>A Historical Geography of the Administrative Division of Judah: The Town Lists of Judah and Benjamin in Joshua 15:21\u201362 and 18:21\u201328<\/em>,Ramat Gan: Bar Ilan, 2016, oft mehrere Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Lokalisierung der einzelnen jud\u00e4ischen Orte, die ja die Hauptmenge in Josua darstellen. Dozeman verweist nur dreimal auf dieses Werk (167, 169, 178: zu Skorpionsteig, Bet-Araba und Eschtaol, 15,3.6.33). Alleine bei Juda liest man 19\u00d7 \u201ethe location is\/ remains unknown\u201c, wobei in weiteren F\u00e4llen stillschweigend auf eine Lokalisierung verzichtet wird. M\u00f6chte Dozeman die neuere Forschung nach Zecharia Kallai (1986), Volkmar Fritz (1994), J. Cornelis de Vos (2003) und Hartmut R\u00f6sel (2011) nicht aufnehmen, weil ihm die Lokalisierungsvorschl\u00e4ge zu spekulativ erscheinen, oder nimmt er sie einfach nicht oder nur l\u00fcckenhaft wahr?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Erfreulicherweise interessiert sich Dozeman \u00e4hnlich wie Goldingay f\u00fcr die Bedeutung der hebr\u00e4ischen Ortsnamen. Wenig lesefreundlich verweist Dozeman bei zahlreichen Orten auf Bd.&nbsp;1, da er gleichnamige und \u00e4hnlich lautende Orte je beim Erstbeleg diskutiert, z.&nbsp;B. En-Dor (17,11) unter Dor (11,2).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Unterschied zu Bd. 1 bietet Dozeman keinen Appendix mit \u00dcbersetzung des masoretischen Texts (MT) parallel zu Septuaginta (LXX), auch f\u00fcr eine tabellarische Ortsliste muss man auf Bd. 1, Appendix II zur\u00fcckgreifen. Da der literarkritische Ansatz von Bd. 2 konsequent an Bd. 1 ankn\u00fcpft, ist die Einleitung nur etwa halb so umfangreich (3\u201343). Etwas eigenwillig setzt er ein mit einer angepassten Fassung seines Aufsatzes \u201eThe Twelve Tribe System and Pan-Israelite Identity in the Post-Exilic Period. Reexamining Martin Noth\u2019s Amphictyonic Hypothesis\u201c, in: Reinhard M\u00fcller u.&nbsp;a. (Hg.): <em>Fortgeschriebenes Gotteswort. Studien zu Geschichte, Theologie und Auslegung des Alten Testaments. FS Christoph Levin<\/em>, T\u00fcbingen: Mohr, 2020, 79\u201392, wo er u.&nbsp;a. die Vorkommen der beiden hebr\u00e4ischen Begriffe f\u00fcr \u201eStamm\u201c in Tora und Josua untersucht (16, 20f).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier best\u00e4tigt er im Hinblick auf die Idee der zw\u00f6lf St\u00e4mme (er lehnt Vorstufen mit sieben und zehn ab, 39) und des ungeteilten Reichs seine Sicht des Buchs als \u201eindependent Samarian myth of origin, written in the postexilic period\u201c (36), als literarische Fiktion nur in dem Sinn \u201ehistorisch\u201c, dass es einen persischen Hintergrund habe (25). So seien die berichteten Ereignisse ein Produkt der Fantasie, getrieben von dem Wunsch, die st\u00e4dtische Kultur, welche die R\u00fcckkehrer aus dem Exil vorfanden, durch eine fundamentalistische, l\u00e4ndliche Utopie zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jos 13\u201319 sei eine Sch\u00f6pfung desselben Autors, der 1\u201312 verfasst habe, nun auf Num 26\u201336 zur\u00fcckgreife, sowie auf die von Albrecht Alt postulierten Ortslisten Judas und Benjamins, Grenzbeschreibungen jedoch selbst entwerfe (39). Mit Julius Wellhausen und Rudolf Smend h\u00e4lt Dozeman Jos 24 f\u00fcr das urspr\u00fcngliche Ende, Kap. 23 f\u00fcr eine sp\u00e4tere Einf\u00fcgung, ebenso Kap. 20\u201321 (289f). Das Buch sei jedoch bis zuletzt ein eigenst\u00e4ndiges Werk geblieben, redaktionelle Eingriffe habe es gegeben, sie lie\u00dfen sich jedoch nicht als Bearbeitung \u00fcbergreifender Werke erkl\u00e4ren (Hexateuch, deuteronomistisches Geschichtswerk); lediglich die endg\u00fcltige Einf\u00fcgung in den Kanon habe kleine Spuren im Buch hinterlassen (41f).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So zeigt Dozeman, dass man auch heute noch das Buch Josua als unabh\u00e4ngiges und zusammenh\u00e4ngendes \u201eBuch\u201c verstehen kann. Die literarkritischen Annahmen Dozemans haben nat\u00fcrlich im Chor der zahlreichenden widerspr\u00fcchlichen literarkritischen Modelle der Gegenwart zu Josua kaum noch \u00dcberzeugungskraft (vgl. zu den Alternativen z.&nbsp;B. Erasmus Ga\u00df, <em>Die Landverteilung im Josuabuch. Eine literarhistorische Analyse von Josua 13\u201319<\/em>,FAT 132, T\u00fcbingen: Mohr, 2019; <em>Asyl, Leviten und ein Altar. Eine literarhistorische Analyse von Josua 20\u201322<\/em>, FAT 144, T\u00fcbingen: Mohr, 2021). Auch die Abstreitung der historischen Glaubw\u00fcrdigkeit von Josua basiert auf Modellen und Vorannahmen aus dem 19.&nbsp;Jh., die heute nicht mehr unbegr\u00fcndet \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen (Naturalismus, historischer Skeptizismus, Postulat von \u201eMythen\u201c im Alten Testament). Mehrfach betont Dozeman: \u201eThe present commentary builds upon the accumulated research\u201d (39, 41), in dieser Hinsicht baut er auf t\u00f6nerne F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie in Bd. 1 legt Dozeman auch im Hauptteil dieses Werks einen gro\u00dfen Schwerpunkt auf die Literarkritik. Beispielsweise widmet er von den zw\u00f6lf Seiten zu Jos 23 vier Seiten der <em>Composition<\/em> und nur knapp f\u00fcnf Seiten den eigentlichen <em>Comments<\/em>. Dem gegen\u00fcber zeigt er mit nur sechs allgemein gehaltenen S\u00e4tzen kein erkennbares Interesse an <em>Literary Structure<\/em>. Keine der gebotenen Strukturentw\u00fcrfe zu Jos 13\u201324 gibt einen Hinweis auf einen Chiasmus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Schwerpunkt liegt bei Dozeman im Bereich Textkritik. In den <em>Notes <\/em>verzeichnet er Unterschiede zwischen MT und LXX minuti\u00f6s, auch sieben der elf Tabellen im Buch dienen diesem Vergleich. Im Hinblick auf das Verh\u00e4ltnis zwischen MT und LXX verwirft Dozeman Versuche einer chronologischen Rangordnung auf der Suche nach Ur-Text oder Vorlage. In einer Phase der Pluriformit\u00e4t (43) h\u00e4tten sich MT und LXX nebeneinander durch Abschreibfehler und ideologische Revision entwickelt. So begn\u00fcgt sich Dozeman mit der Darstellung der Unterschiede dieser Traditionen. Dieser eigent\u00fcmliche, egalistische Ansatz mag im Trend der Zeit liegen, untersch\u00e4tzt m.&nbsp;E. jedoch Willen und F\u00e4higkeit akribischer Abschreiber, einen autoritativen, heiligen Text wortgetreu zu \u00fcberliefern. Textvarianten sind nicht auf Phasen allgemeiner Laxheit, sondern auf einzelne seltene Fehler und schwache Momente zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der genannten Desideria erreicht dieser Band \u00fcber weite Strecken das gewohnte Niveau von Bd. 1 an Gr\u00fcndlichkeit, vor allem im Hinblick auf Text- und Literarkritik, aber auch im Hinblick auf historische Geographie und Exegese bzw. Theologie.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Siegbert Riecker ist Lehrer an der Bibelschule Kirchberg und External Instructor an der Evangelischen Theologischen Faculteit in Leuven.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas B. 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