{"id":215,"date":"2017-05-01T16:56:56","date_gmt":"2017-05-01T16:56:56","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=215"},"modified":"2017-05-01T20:33:30","modified_gmt":"2017-05-01T20:33:30","slug":"barbara-drossel-hg-naturwissenschaftler-reden-von-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=215","title":{"rendered":"Barbara Drossel (Hg.): Naturwissenschaftler reden von Gott"},"content":{"rendered":"<p>Barbara Drossel (Hg.): <em>Naturwissenschaftler reden von Gott<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 2016, Pb., 152\u00a0S., \u20ac 13,\u2013, <a href=\"http:\/\/brunnen-verlag.de\/naturwissenschaftler-reden-von-gott.html\">ISBN 978-3-7655-2046-4<\/a> (Buch), <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.e-bookshelf.de\/naturwissenschaftler-reden-von-gott-8071701.html\">978-3-7655-7370-5<\/a> (E-Book)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Drossel_Naturwissenschaftler.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>In dem von der Physikprofessorin Barbara Drossel herausgegebenen Buch kommen neun zeitgen\u00f6ssische Naturwissenschaftler mit pers\u00f6nlichen Berichten zu Wort, darunter auch die Herausgeberin selber. Sie schildern, wie sie ihr Fachgebiet und ihre wissenschaftliche Arbeit mit ihrem pers\u00f6nlichen Glauben an Jesus Christus bzw. den in der Bibel sich offenbarenden Gott zusammenbringen. Als gemeinsames Motiv verbindet die Autoren, dass \u201eGlaube und Wissenschaft verschiedene Aspekte der Wirklichkeit beleuchten und einander gut erg\u00e4nzen\u201c (7, Vorwort). Die Autoren kommen aus den Fachgebieten Astrophysik, Geologie, Biologie, Chemie, Medizin und Physik, es handelt sich (in der Reihenfolge der Beitr\u00e4ge) um Alister McGrath, Peter C. H\u00e4gele, Joan Centrella, Siegfried Scherer, Barbara Drossel, Francis Collins, Monika Sch\u00f6nhoff, Jonathan Sleeman und Robert White. F\u00fcnf Beitr\u00e4ge entstammen dem 2009 von R.\u00a0J Berry unter dem Titel <em>Real Scientists \u2013 Real Faith <\/em>herausgegebenen englischen Original; die vier weiteren Beitr\u00e4ge sind f\u00fcr die vorliegende deutsche Ausgabe neu verfasst worden.<\/p>\n<p>In den neun Berichten kommen einige Elemente mehrfach, z. T. fast durchweg vor. So berichten viele davon, dass sie mit einem Erstaunen konfrontiert werden, wenn Kollegen davon h\u00f6ren, dass sie als Naturwissenschaftler an Gott glauben. Die Meinung, beides zusammen vertrage sich nicht, scheint in der akademischen Welt und dar\u00fcber hinaus sehr weit verbreitet zu sein. Vermutlich h\u00e4ngt das damit zusammen, dass \u201eNaturwissenschaft\u201c f\u00e4lschlicherweise mit \u201eNaturalismus\u201c und auch pauschal mit \u201eEvolution\u201c gleichgesetzt wird. Ein Indiz daf\u00fcr ist, dass in den meisten Beitr\u00e4gen Richard Dawkins genannt wird, der diese Auffassung bekanntlich offensiv und publikumswirksam propagiert. Viele Autoren berichten von Umbr\u00fcchen in ihrem Leben, einige von anf\u00e4nglichem Glauben durch Pr\u00e4gung in ihrem christlichen Elternhaus, einer Abkehr davon und einer erneuten und dann bleibenden Umkehr. Die einzelnen Berichte unterscheiden sich darin, wie eng der pers\u00f6nliche Glaube an Jesus Christus mit dem eigenen Fachgebiet zusammenh\u00e4ngt, welche Konflikte es auf diesem Gebiet gab und wie diese \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 gel\u00f6st wurden. Bei Siegfried Scherer ist dieser Zusammenhang sehr eng und das ziemlich durchg\u00e4ngige Thema seiner recht pers\u00f6nlich gehaltenen Ausf\u00fchrungen, bei anderen scheint er weniger pr\u00e4gend (gewesen) zu sein. Entsprechend ist der Einfluss des eigenen Fachgebietes auf das Leben im Glauben und damit verbundene Konflikte bei den neun Autoren verschieden stark ausgepr\u00e4gt. Bei einigen sind die Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Spannungen zwischen Naturwissenschaft und Glauben eher akademischer Natur. So gesehen sind die pers\u00f6nlichen Berichte recht vielseitig, in einigen F\u00e4llen allerdings wenig ergiebig in Bezug auf die Frage, wie und warum man gerade als Naturwissenschaftler an den in der Bibel bezeugten Gott glaubt.<\/p>\n<p>Fast alle Autoren thematisieren ihre Einsch\u00e4tzung der Evolutionslehre, auch diejenigen, die in ihrer wissenschaftlichen Arbeit wenig mit Ursprungsfragen konfrontiert sind. Das ist kein Zufall, schlie\u00dflich sind die Fragen nach Ursprung und Geschichte der Sch\u00f6pfung genuin christliche Themen und \u201eSch\u00f6pfung\u201c h\u00e4ngt in der Bibel mit vielen anderen Themen eng zusammen. Hier haben bis auf Siegfried Scherer alle Autoren keine Probleme (mehr) damit, eine evolution\u00e4re Weltsicht anzuerkennen, und auch er schlie\u00dft eine Evolution aller Lebewesen nicht kategorisch aus (65). Jonathan Sleeman vermerkt immerhin ausdr\u00fccklich, dass bei der Entstehung des ersten Lebens ein \u201ekreativer Sch\u00f6pfungsakt\u201c die \u201eeinzig sinnvolle Erkl\u00e4rung\u201c zu sein scheint (131). Es gen\u00fcgt den meisten Autoren offenbar, Gottes <em>Sch\u00f6pfung<\/em> <em>ex nihilo<\/em> im Sinne des Hervorbringens der Materie und der ausgefeilten und feinabgestimmten Naturgesetze zu bezeugen, die eine Evolution des Kosmos und auch der Lebewesen erm\u00f6glicht h\u00e4tten (z.\u00a0B. H\u00e4gele, 32). Keiner der Verfasser geht auf die Fragen ein, die sich aus der weitgehenden oder v\u00f6lligen Akzeptanz einer allgemeinen Evolution aller Lebewesen, auch der Menschen, ergeben: Was ist mit der Erschaffung des Menschen, die Jesus Christus ausdr\u00fccklich buchst\u00e4blich best\u00e4tigt (Mt 19,3ff: \u201eHabt ihr nicht <em>gelesen<\/em> \u2026\u201c), was ist mit dem Zusammenhang Adam \u2013 Christus nach R\u00f6m 5,12ff und 1Kor\u00a015,20ff, warum betont Paulus auch den heidnischen Athenern gegen\u00fcber, dass Gott aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen hat? Die Liste lie\u00dfe sich fortsetzen. Wohl nicht nur der Rezensent wird das Buch zumindest im Hinblick auf diese Fragen entt\u00e4uschend finden. Zwar gibt es viele Befunde, die als Belege f\u00fcr Evolution gelten k\u00f6nnen \u2013 f\u00fcr Barbara Drossel sind sie vollkommend \u00fcberzeugend (75) und f\u00fcr Francis Collins \u00fcberw\u00e4ltigend (89) \u2013 aber was ist mit den vielen Gegenargumenten und <em>systematisch<\/em> unpassenden Befunden, die nur bei Siegfried Scherer ein wenig zur Sprache kommen? Der Mainstream schl\u00e4gt in Sachen \u201eEvolution\u201c fast voll durch. Peter C. H\u00e4gele bedauert, dass Christen sich hier so schwer einigen k\u00f6nnen (30) \u2013 sprich sich nicht mit dem Mainstream anfreunden.<\/p>\n<p>Selbst der theologisch unspezifische Ansatz des \u201eIntelligenten Designs\u201c kommt bei Francis Collins sehr schlecht weg und wird mit fragw\u00fcrdigen und teilweise untauglichen Argumenten regelrecht vom Tisch gefegt, auch unter Einsatz von Polemik. So behauptet er, es werde mit dem \u201eL\u00fcckenb\u00fc\u00dfer\u201c-Gott argumentiert, was sachlich falsch ist und ein offenbar unausrottbares Vorurteil darstellt. Die Meinung, es handle sich bei \u201eIntelligent Design\u201c um \u201eschlechte Theologie\u201c (93), ist verbreitet, aber ebenfalls falsch, da theologische Aussagen bei diesem Ansatz keinerlei Rolle spielen. Und die Meinung, es handle sich um \u201eschlechte Wissenschaft\u201c, stellt den wissenschaftstheoretischen Grundsatz in Frage, dass Wissenschaft ergebnisoffen sein sollte. Genau diese Ergebnisoffenheit ist das Anliegen des Design-Ansatzes und genau diese wird nicht nur vom Naturalismus, sondern \u2013 wie auch in diesem Buch best\u00e4tigt \u2013unter Berufung auf theistische Evolutionskonzeptionen <em>de facto<\/em> bestritten.<\/p>\n<p>Eine Einsicht, die Alister McGrath \u00e4u\u00dfert, sei besonders hervorgehoben: \u201eDa die wissenschaftliche Methode offensichtlich nicht notwendigerweise zum Atheismus f\u00fchrt, m\u00fcssen jene, die unter Berufung auf die Wissenschaft den Atheismus verteidigen, eine Reihe von nicht belegbaren, metaphysischen Annahmen in ihre Beschreibung der Wissenschaft einflie\u00dfen lassen, und hoffen, dass niemand diesen intellektuellen Taschenspielertrick bemerkt\u201c (17). Hilfreich erscheinen McGraths Ausf\u00fchrungen zu Methodenfragen, insb. zum Thema Gottesbeweise. Das Konzept \u201eBeweis\u201c ist in empirischen und erst recht historischen Wissenschaften zu hoch geh\u00e4ngt (nicht nur im Hinblick auf die Frage nach der Existenz Gottes), vielmehr l\u00e4sst sich lediglich die Frage beantworten, zu welcher Weltsicht die naturwissenschaftlichen Befunde besser passen. Vor diesem Vergleich m\u00fcssen sich Christen als Naturwissenschaftler wahrhaftig nicht scheuen.<\/p>\n<p>In den neun Berichten stehen pers\u00f6nliche Werdeg\u00e4nge und Erlebnisse im Vordergrund, aber auch wissenschaftlich-systematische Fragen werden \u00f6fter aufgeworfen und abgehandelt. Die Autoren geben zu diesen Sachfragen zwar einige Anregungen zum Weiterdenken mit, diese werden aber aus Sicht des Rezensenten teilweise \u2013 wie angedeutet \u2013 nur unbefriedigend andiskutiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Reinhard Junker, Mitarbeiter der SG Wort und Wissen e. V., Baiersbronn<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barbara Drossel (Hg.): Naturwissenschaftler reden von Gott, Gie\u00dfen: Brunnen, 2016, Pb., 152\u00a0S., \u20ac 13,\u2013, ISBN 978-3-7655-2046-4 (Buch), 978-3-7655-7370-5 (E-Book) Download<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":216,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-215","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/215","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=215"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/215\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":217,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/215\/revisions\/217"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/216"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=215"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=215"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}