{"id":2150,"date":"2024-04-30T13:13:14","date_gmt":"2024-04-30T13:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2150"},"modified":"2024-04-30T13:13:14","modified_gmt":"2024-04-30T13:13:14","slug":"stefan-kuerle-das-zweite-buch-mose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2150","title":{"rendered":"Stefan K\u00fcrle: Das zweite Buch Mose"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stefan K\u00fcrle: <em>Das zweite Buch Mose<\/em>, Edition C Bibelkommentar Altes Testament 4, Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2022, Hb., 371\u00a0S., \u20ac\u00a028,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/das-zweite-buch-mose-edition-c-at-band-4.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/das-zweite-buch-mose-edition-c-at-band-4.html\">978-3-417-25088-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist sehr zu begr\u00fc\u00dfen, dass der Kommentar zum Exodus-Buch von Stefan K\u00fcrle nunmehr eine weitere L\u00fccke in der Edition-C-Reihe schlie\u00dft. Er ist einer der letzten unter der Herausgeberschaft von Helmuth Pehlke, der diese Reihe \u00fcber Jahrzehnte betreut und vorangebracht hatte. K\u00fcrle war Dozent an der Faculdade Teol\u00f3gica Sul Americana in Londrina, Brasilien, und lehrt seit 2017 Biblische Theologie am Theologischen Studienzentrum Berlin, das mit der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg verbunden ist. K\u00fcrle ist ein Kenner des zweiten Mosebuchs. Bereits in seinem Dissertationsprojekt hat sich K\u00fcrle mit diesem befasst: <em>The Appeal of Exodus. <\/em><em>The Characters God, Moses and Israel in the Rhetoric of the Book of Exodus<\/em>, 2013. Sein 2022 vorgelegter Kommentar behandelt auf rund 55 Seiten einleitende Fragen, dem ein Kommentarteil von fast 300 Seiten Umfang folgt. Der Autor beachtet in seinem Vorgehen sowohl den theologischen als auch den literarisch-\u00e4sthetischen Charakter dieses wichtigen biblischen Buches, und h\u00e4lt zugleich an der Historizit\u00e4t der in diesem Buch erz\u00e4hlten Ereignisse und der Vertrauensw\u00fcrdigkeit dieser Schrift als Wort Gottes fest. Die Zeit der Entstehung des Exodus-Buches macht er f\u00fcr die Mosezeit wahrscheinlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00fcrle sieht das Exodus-Buch als eine in sich sinnvolle und geschlossene kompositionelle Einheit. Daher geht er in seiner Auslegung der Texte zun\u00e4chst immer buchimmanent vor. Erst diesem nachgeordnet nimmt er die Bez\u00fcge zu den weiteren B\u00fcchern des Pentateuchs, des alttestamentlichen Kanons und schlie\u00dflich der gesamtbiblischen \u00dcberlieferung in den Blick. Eine seiner hermeneutischen Grundvoraussetzungen ist die kommunikative Absicht des Textes. Diese ermittelt er zun\u00e4chst in der urspr\u00fcnglichen Kommunikation zwischen dem Autor und seinen intendierten Lesern \u2013 also den Erstlesern. Auch wenn er immer wieder von \u201eAutor\u201c redet \u2013 eine Festlegung in der Autorenfrage erfolgt, wenn ich recht sehe, nicht. Vielmehr weist K\u00fcrle darauf hin, dass in alttestamentlichen Schriften der konkrete Autor absichtlich in den Hintergrund tritt. K\u00fcrle gesteht aber auch die M\u00f6glichkeit zu, dass mit komplexeren Textentstehungen zu rechnen sein d\u00fcrfte, was den Autorenbegriff weitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinen Beobachtungen, welche stets die Kommunikationsabsicht des Textes im Blick behalten, gibt K\u00fcrle der jeweiligen literarischen Form gro\u00dfes Gewicht, da diese die theologischen Inhalte in einer bestimmten Weise interpretieren und darbieten. So betont er etwa die Notwendigkeit, f\u00fcr die Auslegung der Gesetzes-Passagen deren narrative Einbindung einzubeziehen, was zeige, dass die regulativen Texte in richtiger Weise als freiwillige Antwort des Gottesvolkes auf die Erw\u00e4hlung verstanden werden wollen. Die Positionierung bestimmter Textaussagen sieht K\u00fcrle als intendiert und intentional, etwa die Stellung der Bundesbruch-Passage zwischen Ausf\u00fchrungsbestimmung zum Bau der Stiftsh\u00fctte und Ausf\u00fchrungserz\u00e4hlung: \u201eDas Heiligtum muss nach Kap. 32\u201334 als Antwort Israels auf Gottes Vergebung gelesen werden\u201c (358). Dies entspricht seiner N\u00e4he zu den Pr\u00e4suppositionen des <em>close reading,<\/em> welche die Kommunikation im prozessualen Vorgang des Lesens verankert: Das bisher Gelesene wirkt auf das Verst\u00e4ndnis des sp\u00e4ter Gelesenen ein. K\u00fcrle gibt damit in seiner Auslegung der Endtextfassung eine klare Pr\u00e4ferenz und pl\u00e4diert f\u00fcr die Vertrauensw\u00fcrdigkeit des vorliegenden Textes. Dabei sieht er zurecht zwischen den Erstlesern und den heutigen Lesern eine deutliche Differenz. So erkl\u00e4rt er beispielsweise vermeintliche Probleme in der Chronologie oder andere Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten mit einer grunds\u00e4tzlich anderen Art von Denken, von Textgestaltung, Weltbild und \u00dcberzeugungen des postmodernen Lesers gegen\u00fcber dem Erstleser. Dar\u00fcber hinaus erweitert er aber sein Kommunikationsmodell auf den heutigen Leser hin: \u201eGott soll uns begegnen k\u00f6nnen \u2026\u201c (13). Damit nimmt er konsequent den heutigen Leser in die Kommunikation des Textes mit hinein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kommentarteil wird in jeden der vier ermittelten Hauptabschnitte eingef\u00fchrt. Die Auslegung erfolgt sodann abschnittsweise (nicht versweise). Alle Abschnitt enthalten: die \u00dcbersetzung des Bibeltextes, Ausf\u00fchrungen zur Struktur, die eigentliche interpretatorische Auslegung und schlie\u00dflich Anregungen zur Bibelarbeit. Sowohl die Ausf\u00fchrungen zur Struktur als auch zur Textinterpretation sind durchweg gehaltvoll und erhellend sowie in einer erfrischenden Sprachform dargebracht. Die homiletischen Anregungen runden die jeweiligen Abschnitte ab. Sie schlagen die Br\u00fccke vom Text zum nach-modernen Leser und bieten eine gute Grundlage f\u00fcr eine eigene Anwendung in der Gemeindepraxis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nach klaren Antworten auf Fragen der historischen Verortungen von Orten, Personen, oder nach vertiefter Reflexion von Autorenschaft oder Textentstehung sucht, f\u00fcr den ist dieser Kommentar nicht das richtige Instrument. Wer hingegen das Exodus-Buch in seiner uns \u00fcberkommenen Gestalt besser verstehen und tiefer durchdringen m\u00f6chte, ist mit dem K\u00fcrle-Kommentar wirklich sehr gut beraten. F\u00fcr gew\u00f6hnlich liest man einen Bibelkommentar nicht kursorisch. Dieser Kommentar allerdings hat das Potential dazu. K\u00fcrle beherrscht die Kunst, reflektierte Textauslegung interessant und unkompliziert zur Darstellung zu bringen. Der Exodus-Kommentar ist in einer so feinen Art, mit so wertvollen Beobachtungen und zugleich in so verst\u00e4ndlicher Sprache geschrieben, dass es nicht nur m\u00f6glich ist, ganze Passagen fl\u00e4chendeckend zu lesen, sondern sogar wahrscheinlich, dass man dies auch tut, sobald man den Kommentar einmal zur Hand genommen hat. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Andreas K\u00e4ser, Dozent f\u00fcr Altes Testament an der Theologischen Akademie Stuttgart<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan K\u00fcrle: Das zweite Buch Mose, Edition C Bibelkommentar Altes Testament 4, Holzgerlingen: SCM R. 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