{"id":2153,"date":"2024-04-30T13:15:21","date_gmt":"2024-04-30T13:15:21","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2153"},"modified":"2024-04-30T13:15:22","modified_gmt":"2024-04-30T13:15:22","slug":"benjamin-d-giffone-storymaking-textual-development-and-varying-cultic-centralizations-gathering-and-fitting-unhewn-stones","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2153","title":{"rendered":"Benjamin D. Giffone: Storymaking, Textual Development, and Varying Cultic Centralizations. Gathering and Fitting Unhewn Stones"},"content":{"rendered":"\n<p>Benjamin D. Giffone: <em>Storymaking, Textual Development, and Varying Cultic Centralizations. Gathering and Fitting Unhewn Stones<\/em>,FAT II\/142, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2023, Pb., 269\u00a0S., \u20ac\u00a094,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/storymaking-textual-development-and-varying-cultic-centralizations-9783161562389\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/storymaking-textual-development-and-varying-cultic-centralizations-9783161562389\">978-3-16-156238-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Benjamin Giffone (Vf.) lehrt an der LCC International University in Klaip\u00e9da, Litauen. Wie bereits der Titel anzeigt, verbindet die Monographie verschiedene Fragestellungen und Untersuchungsgegenst\u00e4nde. Teile davon gehen auf fr\u00fchere Publikationen zur\u00fcck (u.&nbsp;a. die Monographie <em>\u201eSit at My Right Hand\u201c<\/em>, 2016, zum Stamm Benjamin in der Chronik) und werden hier in eine \u00fcbergreifende Fragestellung integriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Vf. unternimmt es zu erkl\u00e4ren, warum und wie in persischer Zeit bei der Editierung der Hebr\u00e4ischen Bibel (HB) \u00dcberlieferungen aus dem Bereich der Nordst\u00e4mme bzw. des Nordreichs Israel, das seit 722 v. Chr. nicht mehr existiert, aufgenommen wurden. Im Vordergrund der Untersuchung stehen dabei Stoffe, die nicht der Theologie der auf Juda (mit Benjamin und Levi) ausgerichteten Schreiberschaft entsprachen: der Kultzentralisation in Jerusalem unter Obhut der levitischen Priesterschaft. Es geht um die fr\u00fcheren, meist im Gebiet der Nordst\u00e4mme liegenden Kultorte (v.&nbsp;a. Bethel, Sichem, Schilo) und Kultpraktiken. Sie haben samt ihren Erz\u00e4hlungen in die HB Eingang gefunden, obwohl sie von der auf Jerusalem ausgerichteten, von D\/DtrG und P\/H bestimmten Theologie abweichen und ihr teils widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vf. geht davon aus, dass die perserzeitlichen Editoren \u00dcberlieferungen \u00fcber vergangenes Geschehen aufnahmen, welche sie selbst und die empfangende Glaubensgemeinschaft als real und zuverl\u00e4ssig einstuften (keine sp\u00e4ten, tendenzi\u00f6sen Fiktionen), und erkl\u00e4rt das Geschehen folgendermassen:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Die f\u00fcr die finale Formierung zust\u00e4ndige Schreibergemeinschaft war zwar frei, gewisse \u00c4nderungen an der Tradition in Richtung ihrer Theologie vorzunehmen, aber zugleich verpflichtet, solche, die in der empfangenen Glaubensgemeinschaft verbreitet und anerkannt war, aufzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Mithilfe der narrativen Modulierung der Texte, inklusive der Benutzung von Framings und leichter Bearbeitung der \u00dcberlieferung gelingt es den Herausgebern, diese Kult\u00fcberlieferungen weithin zu integrieren unter zugleicher Modifizierung und Marginalisierung von alten Kultorten wie Bethel und Sichem. Damit behalten nordisraelitische \u00dcberlieferungen (samt denen \u00fcber die Patriarchen) und fr\u00fchere Formen der JHWH-Anbetung ihre Stimme und werden durch die finale Perspektive der editierenden \u201emaster scribes\u201c bzw. \u201eStorymaker\u201c nicht einfach \u00fcbert\u00f6nt. \u201eNarrativity allowed the biblical editors to present their perceived version of the past while also steering their audience into the desired destination of Jerusalem-centered centralization\u201c (5). Ein wichtiger, vermittelnder Schl\u00fcsseltext stellt das Altargesetz (Ex 20,22\u201326) dar, das eine Mehrzahl von anikonischen JHWH-Alt\u00e4ren zul\u00e4sst und insofern auch die kultischen Aktivit\u00e4ten der Patriarchen legitimiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In mehreren Kapiteln werden die diversen Kultorte sowie die entsprechenden Erz\u00e4hlungen v.&nbsp;a. in den B\u00fcchern Josua bis K\u00f6nige er\u00f6rtert (eingehender behandelt werden Jos 22; 24; Ri 17\u201321) und durch die Linsen von unterschiedlichen \u201eZentralisierungen\u201c betrachtet, mit folgenden Ergebnissen: Vor-dtn Erz\u00e4hlungen werden, mit kleinen Anpassungen, bei Texten mit zentralisierender Sichtweise untergebracht. In den Vorderen Propheten kommt weithin das dtn Zentralisationsverst\u00e4ndnis zur Geltung, wenn auch nicht vollst\u00e4ndig. Editorische Aktivit\u00e4t findet sich dabei namentlich an Schl\u00fcssel- und Scharnierstellen der B\u00fccher. Die Chronik w\u00e4hlt einen st\u00e4rker vereinheitlichenden Weg, vermengt Vorstellungen von pluralen Alt\u00e4ren, ikonischem Kult und Polytheismus und transformiert vor-dtn Elemente grunds\u00e4tzlich. Die \u00f6rtliche D- und die priesterliche P\/H-Zentralisierungen werden verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sozialwissenschaftliche Modelle der politischen \u00d6konomie nutzt der Vf., um strukturelle Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die Ausbalancierung von Identit\u00e4ten und Gesichtspunkten innerhalb der Texte befriedigend darstellen und erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Dabei wird die Rezeption von Erz\u00e4hlungen \u00fcber nicht-zentralisierte politische Instanzen (St\u00e4mme) und ihre Kultpraxis vom Vf. als Versuch verstanden, \u201eto incorporate Samarians into the Jerusalem cult and scribal school\u2019s sphere of influence\u201c (12).<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist auch gesagt, dass lange nach dem Untergang des Nordreichs als politischer Gr\u00f6sse Israel und seine zw\u00f6lf St\u00e4mme in der perserzeitlichen Gegenwart als ein \u201enecessary component of Yehudian self-understanding\u201c (24) aufgefasst wurden. Ganz-Israel ist demnach keine optionale Zuschreibung, vielmehr essentiell f\u00fcr die JHWH-Glaubensgemeinschaft und ihre Erinnerungen. Ein Abschneiden von Israel als Land und Volk sowie eine Reduktion auf Juda\/Jehud w\u00fcrde ihre eigene Identit\u00e4t beeintr\u00e4chtigen: \u201eWe could not have ,Judah\u2019s Bible\u2018 in its received form without the legacy of Israel embedded within it\u201c (28, mit Bezug auf D. Fleming, <em>The Legacy of Israel in Judah\u2019s Bible<\/em>, 2012).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vf. ist f\u00fcr sein insgesamt gelungenes Buch zu begl\u00fcckw\u00fcnschen. Das Rechnen mit zuverl\u00e4ssiger \u00dcberlieferung ist anerkennungsw\u00fcrdig. Unter Annahme einer perserzeitlichen Formierung der HB bietet er ein valables Erkl\u00e4rungsmodell f\u00fcr die Textentwicklung, insbesondere die Verbindung von \u00dcberlieferungen aus Juda\/Jerusalem und den Nordst\u00e4mmen. Letztere hat das Interesse des Rezensenten geweckt und zur Lekt\u00fcre dieser Monographie gef\u00fchrt. Die auch in nachexilischer Zeit anhaltende Bedeutung der Joseph- bzw. Zehnst\u00e4mme f\u00fcr die Gesamtheit von Jakob\/Israel liesse sich durch weitere Texte (z.\u00a0B. in Hos 14; Ps 78; Jer 31; Ez 37; Sach 9) unterst\u00fctzen. Auch die Chronik ist nicht desinteressiert am Norden (man lese allein schon die Hiskia-Kapitel). Die Zion-Erw\u00e4hlung und damit Jerusalem als exklusiver Kultort ist freilich unaufgebbar, so dass ich von den Texten her keine Einladung an die Samarier \u2013 unter Beibehaltung eines Garizim-Heiligtums! \u2013 sehe (die Frage ist, was der Vf. unter \u201eInkorporation\u201c versteht). Gemeinhin wird als formative Periode der HB die persische oder hellenistische Zeit angenommen. Auf dieser Annahme basiert das Argumentarium. Sind die Zeit- und Verschriftungsverh\u00e4ltnisse anders gelagert, w\u00e4ren auch die Verbindungen von Nord- und S\u00fcd\u00fcberlieferungen nochmals neu zu bedenken. Fazit: Insgesamt ein lesens- und empfehlenswertes Buch, das zu weiterf\u00fchrenden \u00dcberlegungen einl\u00e4dt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Beat Weber, Pfr. Dr. theol., <\/em><em>Basel, Research Associate am Department of Ancient and Modern Languages and Cultures, Universit\u00e4t Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benjamin D. Giffone: Storymaking, Textual Development, and Varying Cultic Centralizations. 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