{"id":2162,"date":"2024-04-30T13:21:46","date_gmt":"2024-04-30T13:21:46","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2162"},"modified":"2024-04-30T13:21:46","modified_gmt":"2024-04-30T13:21:46","slug":"bill-t-arnold-the-book-of-deuteronomy-chapters-1-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2162","title":{"rendered":"Bill T. Arnold: The Book of Deuteronomy. Chapters 1\u201311"},"content":{"rendered":"\n<p>Bill T. Arnold: <em>The Book of Deuteronomy. Chapters 1\u201311<\/em>, NICOT, Grand Rapids\/MI: Eerdmans, 2022, geb., xli+660\u00a0S., $\u00a060.00, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/9780802821706\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/9780802821706\">978-0-8028-2170-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Bill T. Arnold er\u00f6ffnet mit diesem ersten Teilband zum Deuteronomium eine zweite Generation des Deuteronomiumkommentars der NICOT Reihe (New International Commentary on the Old Testament), deren Mitherausgeber er seit 2020 ist. Der kompakte Vorg\u00e4ngerkommentar von Peter C. Craigie (1976, 424 Seiten) hat ein halbes Jahrhundert lang vielen Theologen und Studenten, die das Profil der NICOT Reihe sch\u00e4tzen, kirchlich und wissenschaftlich gute Dienste getan (und wird es weiterhin tun). Dass allein der erste Teilband zu Dtn 1\u201311 mit 660 Seiten deutlich umfassender ist als der gesamte Vorg\u00e4ngerkommentar, zeigt, wie gr\u00fcndlich und gehaltvoll der neue Kommentar ist. Bill Arnold hat schon viele Beitr\u00e4ge nicht zur zum Dtn, sondern auch zu Gen und zur Umwelt des Alten Testaments, vorgelegt und von diesem Horizont profitiert auch dieser Kommentar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einleitung in den Kommentar macht rund 90 Seiten aus. Sie beginnt mit der Frage nach dem Charakter des Dtn und betont, dass dieses nicht einfach ein Gesetzesbuch ist, sondern eine katechetische, verk\u00fcndigende Gestalt hat. In dieser Dimension wird auch \u201eTora\u201c verstanden. Ein erster historischer Horizont des Buches sind die Ebenen Moabs, wobei das Buch sofort mit einer R\u00fcckblende zur vorhergehenden Generation beginnt und an den Fu\u00df des Horeb f\u00fchrt, bevor es den Blick auf die Spitze des Horeb und die Offenbarung Gottes richtet. Der Blick zur\u00fcck verbindet sich aber mit einem Blick voraus, denn die Unterweisung kommender Generationen ist ein zentrales Anliegen des Buches. Danach wird die Einheit der Komposition untersucht, wobei das System von Ansageformeln, die besondere Sprache des Dtn, und die Klimax des Deuteronomiums mit der Verschriftung der Tora als Buch innerhalb des Buches (J.-P. Sonnet) besonders im Fokus sind. Unabh\u00e4ngig von der Kompositionsgeschichte des Dtn betont Arnold dessen kompositionelle Integrit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Frage nach Verfasserschaft und Datierung gibt Arnold einen kurzen Abriss der Forschungsgeschichte (der leider nicht mit de Wette, sondern mit Graf-Wellhausen beginnt und damit die Frage der josianischen Datierung des Deuteronomiums weitgehend ausklammert), um dann sein Verst\u00e4ndnis des Deuteronomiums als \u201eStimme des Mose\u201c darzulegen. Das Dtn versteht er als Wachstumsliteratur, die Selbstdarstellung als Mosereden ziele nicht auf mosaische Verfasserschaft, sondern auf einen \u00dcberlieferungs- und Aktualisierungsprozess, in dem Schreiber im mosaischen Geiste den alten Inhalt der \u00dcberlieferung (<em>traditum<\/em>) immer wieder f\u00fcr ihre Zeit aktualisiert haben (<em>traditio<\/em>). So erklinge die Stimme des Mose in jeder Generation neu durch die aktualisierende, \u00fcberarbeitende, verk\u00fcndigende und lehrende Arbeit der Schreiber. Arnold vermutet, dass alte Traditionen in der Hiskiazeit gesammelt wurden und das Dtn dann in der Manassezeit als Oppositionsliteratur erste Gestalt gewonnen hat, inspiriert durch das Bundesbuch (Ex 20,22\u201323,33), die Verk\u00fcndigung der Propheten des 8. Jh. (v.&nbsp;a. Hosea) und die Reformen Hiskias. In dieser Gestalt wurde es dann unter Josia wieder entdeckt und sp\u00e4ter erweitert, u.&nbsp;a. durch die Einf\u00fchrung Dtn 1\u20133, die als Einf\u00fchrung ins Dtn, nicht ins DtrG geschrieben wurde. Der wichtigste Entstehenskontext des Dtn ist dann neuassyrisch (8.\/7. Jh.). Dass das Dtn Vertragsstrukturen enth\u00e4lt, die ihre n\u00e4chste Parallele in Hethitischen Vertr\u00e4gen des 2. Jt. haben, ist nach Arnold damit zu erkl\u00e4ren, dass diese durch neuhethitische Staaten im 1. Jt. vermittelt seien. Verbindungen sieht er auch zu den neuassyrischen Vertr\u00e4gen\/Loyalit\u00e4tseiden, wobei er es offenl\u00e4sst, ob das Dtn direkt vom Nachfolgeeid Asarhaddons (EST) beeinflusst sei, oder ob die viel diskutierte inhaltliche N\u00e4he zu EST v.&nbsp;a. im Bereich der Fl\u00fcche (Dtn 13 und 28) Teil einer breiteren nordwestsemitischen Fluchtradition im Kontext der neuassyrischen Zeit sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter bespricht Arnold den Platz des Dtn im alttestamentlichen Kanon und die sog. Kanonformel (Dtn 4,2; 12,32), die er st\u00e4rker als Aufforderung zum Gehorsam versteht denn als an die Schreiber gerichtetes Verbot, den Text zu \u00e4ndern, auch wenn das Dtn wie der ganze Pentateuch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig fr\u00fch eine stabile Textgestalt gewonnen habe. Es folgen Erl\u00e4uterungen zur Textgrundlage. Die LXX zeigt keine signifikanten Abweichungen vom MT und ist \u201ekonservativ\u201c \u00fcbersetzt. Im Licht der Rollen vom Toten Meer behandelt er den MT aber dennoch als Textzeugen wie jeden anderen, so dass textkritische Entscheidungen von Fall zu Fall getroffen werden und LXX und SP gleichberechtigt neben MT stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausf\u00fchrlich wird dann die Theologie des Dtn, auch in ihrem Einfluss auf die ganze Bibel, unter den \u00dcberschriften \u201eOffenbarung\u201c, \u201eDer Gott Israels\u201c und \u201eDas Israel Gottes\u201c dargestellt, bevor Schl\u00fcsselthemen (Tora, Bund, Prophetie, ausgleichende Gerechtigkeit, Zentralisation, Erziehung, Individualismus, Krieg, Exil, Armut) eingef\u00fchrt werden. Ein Gesamt\u00fcberblick \u00fcber die Struktur des Deuteronomiums schlie\u00dft die Einleitung ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Kommentar, die Hauptsache des Buches, kann hier nur kurz angesprochen werden: Er ist in jeder Hinsicht gr\u00fcndlich (textkritisch, philologisch, historisch, theologisch), kennt nicht nur die angels\u00e4chsische, sondern auch die europ\u00e4ische (bes. die deutschsprachige) Forschungsliteratur und enth\u00e4lt damit auch dann, wenn man sich selber schon vertieft mit dem Deuteronomium besch\u00e4ftigt hat, immer wieder neue Einsichten und Anregungen. Es ist somit ein Kommentar, den ich immer wieder zur Hand nehmen werde. Insgesamt (schon bei den Einleitungsfragen) ist Arnold eher vorsichtig mit voreiligen Schlussfolgerungen, sehr abw\u00e4gend und stellt oft mehrere M\u00f6glichkeiten nebeneinander, ohne sich f\u00fcr eine zu entscheiden. Das ist als wissenschaftliche Tugend zu w\u00fcrdigen, auch wenn man sich ab und zu klarere Positionierungen w\u00fcnschen w\u00fcrde. Der angenommene Entstehungskontext (8.\/7. Jh.) spielt f\u00fcr die Textauslegung eine erstaunlich geringe Rolle und scheint nicht sehr viel zum Textverst\u00e4ndnis beizutragen (die narrative Situation des Dtn ist eindeutig die bestimmende Verstehensvoraussetzung). Der Kommentar enth\u00e4lt vier Exkurse (zu den Zehn Geboten, dem Sabbat, dem <em>Schma Jisrael<\/em> und dem Gebot der Gottesliebe im <em>Schma<\/em>) und gibt damit den theologisch und wirkungsgeschichtlich bedeutendsten Texten der ersten elf Kapitel ein besonderes Gewicht und eine besondere Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den zweiten Teilband kann man sich freuen, wenn aus den geplanten zwei pl\u00f6tzlich drei Teilb\u00e4nde werden, w\u00fcrde es auch nicht \u00fcberraschen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bill T. Arnold: The Book of Deuteronomy. Chapters 1\u201311, NICOT, Grand Rapids\/MI: Eerdmans, 2022, geb., xli+660\u00a0S., $\u00a060.00, ISBN 978-0-8028-2170-6 Bill<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":2163,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2162","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2162"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2164,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2162\/revisions\/2164"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}