{"id":2165,"date":"2024-04-30T13:23:23","date_gmt":"2024-04-30T13:23:23","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2165"},"modified":"2024-04-30T13:23:25","modified_gmt":"2024-04-30T13:23:25","slug":"eckhard-j-schnabel-new-testament-theology","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2165","title":{"rendered":"Eckhard J. Schnabel: New Testament Theology"},"content":{"rendered":"\n<p>Eckhard J. Schnabel: <em>New Testament Theology<\/em>, Grand Rapids: Baker Academic, 2023, 1176\u00a0S., $\u00a048,99, ISBN <a href=\"https:\/\/bakeracademic.com\/p\/new-testament-theology-eckhard-j-schnabel\/516456\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/bakeracademic.com\/p\/new-testament-theology-eckhard-j-schnabel\/516456\">978-1-5409-6311-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eckhard Schnabel, Professor emeritus f\u00fcr Neues Testament am Gordon-Conwell Theological Seminary, ist deutschsprachigen Evangelikalen nicht unbekannt als Historiker des fr\u00fchen Christentums (Urchristliche Mission) und als Exeget (Kommentar zum 1. Korintherbrief und zum R\u00f6merbrief in der HTA-Reihe). Nun erg\u00e4nzt er diese beachtlichen Leistungen durch eine umfangreiche neutestamentliche Theologie. Sein Werk ist in sechs Teile gegliedert: 1. History, Faith, and Theology, 2. The Proclamation of Jesus, 3. The Proclamation of the Jerusalem Apostles, 4. The Proclamation of Paul, 5. The Consolidation of the Apostolic Mission, und 6. The Message of the New Testament. Eine ausf\u00fchrliche Bibliografie und umfangreiche Verzeichnisse runden den Band ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mehrfache Betonung auf \u201eProclamation\u201c in den Kapitel\u00fcberschriften ist nicht zuf\u00e4llig; Schnabel ist n\u00e4mlich \u00fcberzeugt, dass die Schriften des NT nicht als theologische Abhandlungen konzipiert sind, sondern im Dienst der Mission und Verk\u00fcndigung stehen. Das Werk ist trotz seines f\u00fcr Laien abschreckenden Umfangs auch keine akademische NT-Theologie. Schnabel verzichtet auf Fu\u00dfnoten zugunsten von kurzen Literaturangaben in Klammern und setzt sich selten mit von ihm divergierenden Ansichten auseinander \u2013 zumindest explizit; wer sich in der Fachliteratur auskennt, merkt, dass er im st\u00e4ndigen Gespr\u00e4ch mit einem breiten Spektrum an evangelikalen und kritischen sowie angels\u00e4chsischen und deutschen Forschern befindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht m\u00f6glich bei einem so ausf\u00fchrlichen Band, dem der Rezensent nach den ihm auferlegten Vorgaben nur ein Wort pro Seite widmen darf, eine tiefgr\u00fcndige Analyse des Inhaltes zu bieten. Der Leser muss sich mit kurzen Eindr\u00fccken begn\u00fcgen. Ich beginne mit Schnabels Ansatz. F\u00fcr ihn besteht die Einheit der neutestamentlichen Schriften in der Verk\u00fcndigung des Evangeliums von Jesus dem Messias als Herrn. Die Kontextbezogenheit dieser Schriften l\u00e4sst aus seiner Sicht eine n\u00e4here thematische Beschr\u00e4nkung dieser Einheit nicht zu. Deswegen argumentiert Schnabel, dass man bei der Analyse der theologischen Inhalte der einzelnen neutestamentlichen Schriften die jeweiligen Publika, an die sie gerichtet sind, st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen muss, als dies manche Abhandlungen vor ihm tun. Denn die Autoren der neutestamentlichen Schriften sprechen in sehr unterschiedliche Situationen hinein und formulieren ihre Texte \u2013 und ihre Theologie \u2013 in Bezug auf den jeweiligen Kontext.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser moderat leserorientierte Ansatz erscheint mir angebracht, auch wenn dabei die Einschr\u00e4nkungen des \u201emirror reading\u201c nicht au\u00dfer Acht gelassen werden d\u00fcrfen. Schnabel meint es jedenfalls damit ernst. Am Ende seiner Ausf\u00fchrungen zu verschiedenen Aspekten der Verk\u00fcndigung der Jerusalemer Apostel und Paulus stellt er sich vor, wie fiktive, verschiedene Lesertypen darstellende Personen auf die Botschaft reagieren \u2013 Ahi, ein Pharis\u00e4er aus Tiberias, Bacchios, ein Fischh\u00e4ndler aus Ephesus, Onesime, eine Sklavin, etc. Es liegt auf der Hand, dass dieser Reflexionsmechanismus kein objektives Bild der realen Leser liefern kann. Schnabels Vorstellungen von den Reaktionen der verschiedenen Typen wirken zudem hier und dort etwas banale oder \u00fcberspitzt, aber er versucht hier etwas Neues, und der Versuch ist auf jeden Fall zu w\u00fcrdigen. In der Regel dienen seine Charakterskizzen befriedigend dem Zweck, f\u00fcr den sie gedacht sind: Sie zwingen moderne Leser dazu, sich in die Gedankenwelt der Erstleser hineinzuversetzen und erinnern sie daran, dass jene Menschen je nach ihrer Lebenslage sehr unterschiedlich auf die neutestamentlichen Schriften reagiert haben werden. Daf\u00fcr, dass Schnabel diesen hilfreichen Ansatz nur auf die Apostelgeschichte und die Paulusbriefe und nicht auf die Evangelien, den Hebr\u00e4erbrief und die Johannesoffenbarung anwendet, gibt er keine Erkl\u00e4rung. Schade, dass er ihn nicht \u00fcberall angewandt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufbau des Bandes ist, wenn nicht verwirrend, dann auf jeden Fall gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Man sucht zun\u00e4chst vergeblich im Inhaltsverzeichnis nach einem Teil, der den katholischen Briefen gewidmet ist. Erst ein bisschen Herumbl\u00e4ttern im Buch macht klar, dass sich Schnabel f\u00fcr eine unkonventionelle Vorgehensweise entschieden hat. Die Petrusbriefe, der Jakobusbrief und der Judasbrief werden im dritten Teil (The Proclamation of the Jerusalem Apostles) behandelt. Das hat den Vorteil, dass Schnabels begr\u00fc\u00dfenswerte Fr\u00fchdatierung der Briefe des Jakobus und Judas sowie seine Verteidigung ihrer Abfassung von Petrus und den Herrenbr\u00fcdern theologisch fruchtbar werden. Die Johannesbriefe und die Offenbarung sowie der Hebr\u00e4erbrief, dessen Autor Schnabel den \u201ePrediger\u201c nennt, werden dann erst im f\u00fcnften Teil (The Consolidation of the Apostolic Mission) behandelt. Es ist alles da, aber eine Erkl\u00e4rung im Vorwort h\u00e4tte mir den kurzen Anflug von Angst, ich werde fr\u00fchzeitig dement, erspart.<\/p>\n\n\n\n<p>Leser von Rezensionen zu biblischen Theologien wollen wissen, welchen gesamttheologischen Eindruck ein Werk hinterl\u00e4sst. Schnabel geht von einem konservativen Schriftverst\u00e4ndnis aus und meidet es, eine hermeneutische Mitte des NT zu suchen, um die sich die jeweiligen Texte verorten lassen, ob nahe an der Mitte oder weiter weg davon. Weiter steht er Entw\u00fcrfen, die die neutestamentliche Theologie anhand eines Metanarrativs darstellen, skeptisch gegen\u00fcber, insbesondere bei Paulus (s. 334). Obwohl Vorsicht in dieser Hinsicht geboten ist, kommt niemand, der von einer einheitlichen biblischen Theologie ausgeht, ganz ohne Metanarrative aus. Wer es versucht, l\u00e4uft Gefahr, die vereinenden Elemente der neutestamentlichen Theologie in den Hintergrund r\u00fccken zu lassen, mit dem Resultat, dass seine Darstellung einer Auflistung verschiedener Theologumena gleichkommt. Wer dieses Resultat vermeiden will, muss bestimmte Aspekte der gesamtbiblischen Narrative betonen, und de facto tut es auch Schnabel. Seine empfehlenswerte Darstellung der paulinischen Gesetzeslehre und Soteriologie sch\u00f6pfen zum Beispiel eindeutig aus einer reformatorischen Erz\u00e4hllinie, die sich im Laufe seiner jahrzehntelangen Besch\u00e4ftigung mit biblischen Texten in seinem Hinterkopf, wo sich Metanarrative f\u00fcr gew\u00f6hnlich aufhalten, festgesetzt hat. Durch die Offenlegung der metanarrativen Komponente seiner Theologie w\u00fcrde diese Darstellung meiner Meinung nach nur noch st\u00e4rker werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben diesem Abschnitt, den ich in Zukunft bestimmt noch konsultieren werde, stechen auch Schnabels Behandlung der Geburtsnarrative Jesu sowie seines Gerichtsprozesses und Kreuzestodes durch ihre klare und pr\u00e4zise Auslegung hervor. Schw\u00e4cher hingegen fallen seine Ausf\u00fchrungen zur Johannesoffenbarung aus. Hier wirkt seine Entscheidung, dieses Schreiben zusammen mit der johanneischen Literatur zu behandeln, nach. Das l\u00e4sst zwar viele \u00fcbereinstimmende Momente st\u00e4rker hervortreten, hat aber den Nachteil, dass am Ende nicht klar ist, welchen Beitrag die Offenbarung zu einer gesamtbiblischen Theologie macht. Auch seine Besprechungen der Wiederkunft Jesu bei Paulus (465\u2013468) und das letzte Kapitel (Joyful Expectation: Life and Death, the Return of Jesus, and Eternal Life) lassen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Der Eindruck entsteht, dass sich Schnabel, wie manche andere in der lutherischen Tradition stehenden Theologen, damit schwertut, den letzten Akt der heilgeschichtlichen Narrative in seine neutestamentliche Theologie zu integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz hervorragend finde ich den letzten Teil des Werks (The Message of the New Testament). Jedes der Themen, die er aufgreift (au\u00dfer zur \u201eJoyful Expectation\u201c; siehe dazu oben), schlie\u00dft mit einer Besprechung seiner zeitgen\u00f6ssischen Relevanz ab. Zum Beispiel machen Schnabels Ausf\u00fchrungen deutlich, dass wir es bei Paulus nicht blo\u00df mit einer \u201eimpliziten\u201c oder \u201einspirierenden\u201c Ethik zu tun haben, sondern dass der Apostel ganz oft und direkt Handlungsforderungen aus seiner Theologie ableitet und seinen Gemeinden geltend macht. Wer diesen Teil liest, kommt auf den Geschmack, neutestamentliche Theologie nicht nur als akademische Disziplin zu betreiben, sondern sie f\u00fcr die Gemeinde zu erschlie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Joel White, Freie Theologische Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eckhard J. 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