{"id":2183,"date":"2024-04-30T13:40:06","date_gmt":"2024-04-30T13:40:06","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2183"},"modified":"2024-04-30T13:40:07","modified_gmt":"2024-04-30T13:40:07","slug":"christian-lustig-tod-und-opfer-jesu-im-hebraeerbrief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2183","title":{"rendered":"Christian Lustig: Tod und Opfer Jesu im Hebr\u00e4erbrief"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christian Lustig: <em>Tod und Opfer Jesu im Hebr\u00e4erbrief<\/em>, WUNT II\/589, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2023, geb., XII+304\u00a0S., \u20ac\u00a099,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/tod-und-opfer-jesu-im-hebraeerbrief-9783161621284\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/tod-und-opfer-jesu-im-hebraeerbrief-9783161621284\">978-3-16-162128-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vorliegende Buch stellt die leicht revidierte Fassung einer Doktorarbeit dar, die von Wolfgang Kraus an der Universit\u00e4t des Saarlandes betreut und mit welcher der Verfasser dort im Fr\u00fchjahr 2022 promoviert wurde. Inhaltlich geht es um die \u201eFrage \u2026, welche Bedeutung der Tod Jesu f\u00fcr den Autor des Hebr\u00e4erbriefs hat\u201c (2). Die Antwort wird in drei Teilen entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im unter der \u00dcberschrift \u201eJesu Tod und Unverg\u00e4nglichkeit\u201c stehenden Teil A (5\u201375) werden zun\u00e4chst die \u2013 wenigen \u2013 Stellen des Hebr\u00e4erbriefes vorgestellt, in denen es um Jesu Tod bzw. Sterben geht (Hebr 2,9.14; 5,7; 6,6; 9,15\u201317; 9,27\u201328; 12,2; 13,20). Hierzu betont Lustig: \u201eDass im gesamten Traktat \u2026 nie explizit von Jesu eigenem Tod gesprochen wird, und dass man ebenso die verbale Aussage, Jesus sei gestorben, vergeblich sucht, ist \u2026 bemerkenswert\u201c (16).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem n\u00e4chsten Schritt wird die in Hebr 7 anzutreffende Lehre von Jesu Unverg\u00e4nglichkeit behandelt. Diese steht zu seinem Tode auf den ersten Blick zwar in einem gewissen Widerspruch, welcher von Lustig aber mit dem Hinweis auf Jesu unsterbliches \u03c0\u03bd\u03b5\u1fe6\u03bc\u03b1 aufgel\u00f6st werden kann. Es wird deutlich, \u201edass es f\u00fcr Jesus, wie auch f\u00fcr den Menschen, einen organischen Tod gibt, der aber das Leben nicht in einem ganzheitlichen Sinn beendet \u2026 Infolgedessen kann der im Hebr\u00e4erbrief (vorsichtig) erw\u00e4hnte Tod Jesu nur als ein blo\u00df physisches Ableben der Person verstanden werden\u201c (74).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hiermit erkl\u00e4rt Lustig zudem seine Beobachtung, im Hebr\u00e4erbrief sei nirgends von Jesu Auferstehung bzw. Auferweckung die Rede (74). Ob dies so zutreffend ist, darf m.&nbsp;E. jedoch bezweifelt werden. Im Vor\u00fcbergehen (d.&nbsp;h. lediglich in Anm. 76) und ohne jegliche exegetische Beweisf\u00fchrung verneint Lustig im Hinblick auf Hebr 11,17\u201319 die (doch durchaus bestehende) M\u00f6glichkeit, die Bindung Isaaks (auch) als Hinweis auf den Opfertod und die Auferstehung Jesu aufzufassen (vgl. Hebr 13,20; Barn 7,3).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der lange Teil B (77\u2013252) tr\u00e4gt den Titel \u201eDie Heilsbedeutung des Todes Jesu\u201c und ist das Herzst\u00fcck der Monografie. In einem forschungsgeschichtlichen \u00dcberblick skizziert Lustig die \u00e4ltere, aber neuerdings (etwa in den Arbeiten von Georg G\u00e4bel, David Moffitt und Benjamin Ribbens) wiederauflebende Auslegung, \u201eKreuzestod und himmlische Darbringung voneinander zu trennen und das eigentliche Opfer an das himmlische Heiligtum zu binden\u201c (78). Daraus ergibt sich f\u00fcr Lustig die \u201eFrage, wie sich im Hebr\u00e4erbrief der Tod Jesu und sein Opfer zueinander verhalten\u201c (87).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei deren Beantwortung geht Lustig von vorne bis hinten durch den Brief, wobei er (\u00e4hnlich wie viele andere Neutestamentler) das ganze Kapitel 13 (also auch Hebr 13,20!) f\u00fcr sekund\u00e4r h\u00e4lt (251). In Bezug auf Hebr 1\u201312 ergibt sich f\u00fcr ihn folgendes Bild: Zu Beginn wird im Brief grundlegend herausgestellt, dass Jesu Tod heilseffizient ist (Hebr 2,9.14\u201315). Dies gilt dann auch f\u00fcr die erst im Anschluss einsetzende Hohepriesterchristologie (Hebr 2,17; 9,15\u201316.27\u201328). \u201e[E]ine materiell gedachte Blutapplikation im himmlischen Heiligtum (etwa Hebr 9,12; 9,23)\u201c kommt, so Lustig, f\u00fcr den Autor des Hebr\u00e4erbriefes nicht infrage (166). Als Ergebnis h\u00e4lt Lustig vielmehr fest, \u201edass der Tod Jesu Christi selbst f\u00fcr den Autor \u2026 das eine entscheidende Heilsereignis gewesen sein muss\u201c (238).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend David Moffitt in Bezug auf das von Jesus bewirkte Heil von der chronologischen Reihenfolge \u201eTod, Auferstehung, Eintritt ins himmlische Heiligtum und dann dort die Blutapplikation zur S\u00fcndenvergebung\u201c ausgeht (192), entwirft Lustig im sehr kurzen Teil C seiner Monografie (253\u2013264) ein v\u00f6llig anderes Szenario, das bereits in der \u00dcberschrift \u201eIrdisches Opfer in himmlischem Heiligtum\u201c angedeutet wird: \u201eChristus wird hinsichtlich seines Priesteramtes nach melchisedekischer Ordnung als unverg\u00e4nglich, lebendig und ewig bezeichnet. Bei seinem physischen Tod stirbt sein \u03c0\u03bd\u03b5\u1fe6\u03bc\u03b1 nicht, sondern er bringt sich selbst gerade kraft des ewigen \u03c0\u03bd\u03b5\u1fe6\u03bc\u03b1 dar. Das \u03c0\u03bd\u03b5\u1fe6\u03bc\u03b1, das zu den \u1f10\u03c0\u03bf\u03c5\u03c1\u03ac\u03bd\u03b9\u03b1 geh\u00f6rt, schafft dabei die Beziehung zum himmlischen Heiligtum. Physisch befindet sich Jesus auf Erden, der Geist betritt im Opfer das Heiligtum. Als Opfermaterial benennt AuctHebr [Auctor ad Hebraeos] unmissverst\u00e4ndlich Jesu Blut und Leib\u201c (262). Diese Sicht der Dinge ist jedoch nicht (v\u00f6llig) neu, sondern wurde, worauf Lustig auch deutlich hinweist, bereits von Franz Laub angedacht (78).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Lustig wird eingangs zwar zu Recht betont, dass sich der Autor des Hebr\u00e4erbriefes \u201edezidiert gegen eine spiritualisierte oder ethisierende Auslegung des Opfers [wendet], denn ohne Blutvergie\u00dfen gibt es f\u00fcr ihn keine S\u00fcndenwegnahme (Hebr 9,22)\u201c (4). Dennoch h\u00e4tte die \u201eint\u00e9rpretation non-sacrificielle\u201c bzw. sogar \u201eradicalement anti-sacrificielle\u201c, die Fran\u00e7ois Vouga am Hebr\u00e4erbrief vornimmt, zumindest erw\u00e4hnt bzw. kurz diskutiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der B\u00fcndelung der im Gro\u00dfen und Ganzen \u00fcberzeugenden Ergebnisse (Teil D; 265\u2013268) wird das lehrreiche, logisch aufgebaute und sorgf\u00e4ltig aufgemachte Buch durch ein Literaturverzeichnis (269\u2013285) sowie durch Autoren- (287\u2013288), Stellen- (289\u2013299) und Sachregister (300\u2013302: deutsch; 303\u2013304: griechisch) abgerundet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist \u00fcberaus erfreulich, zu dem f\u00fcr den christlichen Glauben so zentralen Thema \u201eTod und Opfer Jesu\u201c nun diese gr\u00fcndliche biblische Studie zur Verf\u00fcgung haben zu d\u00fcrfen. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Boris Paschke, Guest Associate Professor of New Testament, Evangelische Theologische Faculteit, Leuven, Belgien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian Lustig: Tod und Opfer Jesu im Hebr\u00e4erbrief, WUNT II\/589, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2023, geb., XII+304\u00a0S., \u20ac\u00a099,\u2013, ISBN 978-3-16-162128-4 Das<\/p>\n","protected":false},"author":47,"featured_media":2184,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-2183","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/47"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2183"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2183\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2185,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2183\/revisions\/2185"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}