{"id":2204,"date":"2024-04-30T14:53:45","date_gmt":"2024-04-30T14:53:45","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2204"},"modified":"2024-04-30T14:53:47","modified_gmt":"2024-04-30T14:53:47","slug":"manuel-herder-hg-stefan-von-kempis-mitarb-der-papst-der-buecher-schluesseltexte-zum-denken-benedikts-xvi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2204","title":{"rendered":"Manuel Herder (Hg.) \/ Stefan von Kempis (Mitarb.): Der Papst der B\u00fccher. Schl\u00fcsseltexte zum Denken Benedikts XVI."},"content":{"rendered":"\n<p>Manuel Herder (Hg.) \/ Stefan von Kempis (Mitarb.): <em>Der Papst der B\u00fccher. Schl\u00fcsseltexte zum Denken Benedikts XVI<\/em>., Freiburg i.\u00a0Br.: Herder, 2023, geb., 336\u00a0S., \u20ac\u00a028,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/religion-spiritualitaet\/shop\/p3\/57442-der-papst-der-buecher-gebundene-ausgabe\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.herder.de\/religion-spiritualitaet\/shop\/p3\/57442-der-papst-der-buecher-gebundene-ausgabe\/\">978-3-451-39213-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Benedikt XVI. war ein Ausnahmepapst. Das gilt f\u00fcr deutschsprachige Leser nicht nur deshalb, weil er aus Deutschland stammte. Er hat an Gelehrsamkeit und christuszentrierter Fr\u00f6mmigkeit sicher die meisten seiner Vorg\u00e4nger in den letzten Jahrhunderten \u00fcbertroffen. Sein hervorragendes Erinnerungsverm\u00f6gen, das ihm bei Forschung und Amtsf\u00fchrung zugute kam, war legend\u00e4r. Wenn er sprach, war sein Text druckreif. Auch in den Ansprachen und Predigten seiner Amtszeit in Rom ist er durch und durch Professor geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph Ratzinger hat das Papstamt nie angestrebt. Er wusste, was f\u00fcr eine Verantwortung der Amtsinhaber hatte. Doch durch seine Amtsf\u00fchrung als Kardinal und durch seine Mitarbeit in der Kurie wie auch als Pers\u00f6nlichkeit war er f\u00fcr dieses Amt pr\u00e4destiniert wie keiner der anderen Kandidaten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Leben von Papst Benedikt XVI. ist viel geschrieben worden. Evangelikale Autoren haben zum Ende des knapp achtj\u00e4hrigen Pontifikats das Lebenswerk des deutschen Papstes aus ihrer Sicht gew\u00fcrdigt: Christoph Raedel (Hg.): <em>Mitarbeiter der Wahrheit. Christuszeugnis und Relativismuskritik bei Joseph Ratzinger\/ Benedikt XVI<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen; G\u00f6ttingen: Edition Ruprecht, 2013. \u2013 Der Journalist Peter Seewald hat als ein hervorragender Kenner von Benedikt XVI. mehrere Gespr\u00e4che mit dem Papst gef\u00fchrt und sowohl diese als auch weitere biographische Werke ver\u00f6ffentlicht. Zuletzt publizierte er eine umfangreiche Biographie: <em>Benedikt XVI. Ein Leben<\/em>, M\u00fcnchen: Droemer Knaur, 2020, 1184&nbsp;S. und eine Untersuchung zu <em>Benedikts Verm\u00e4chtnis. Das Erbe des deutschen Papstes f\u00fcr die Kirche und die Welt<\/em>, Hamburg: Hoffmann und Campe, 2023. \u2013 Erg\u00e4nzend ist Joseph Ratzingers R\u00fcckblick auf Kindheit, Jugend, Studium und Berufslaufbahn bis zu seiner Ernennung zum Bischof wichtig:<em> Aus meinem Leben. Erinnerungen (1927\u20131977)<\/em>, M\u00fcnchen: DVA \/ Random House, 2015, und eine Zusammenstellung autobiographischer Texte, die im Herbst unter dem Titel <em>Aus meinem Leben<\/em> in der Reihe <em>Gesammelte Schriften, Bd. 15 <\/em>bei Herder erscheinen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Manuel Herder stellt in diesem Buch Benedikt XVI. als den \u201ePapst der B\u00fccher\u201c vor. Aus der nur f\u00fcr den Fachmann \u00fcberschaubaren F\u00fclle der Ver\u00f6ffentlichungen von Joseph Ratzinger \/ Benedikt XVI. hat der Freiburger Verleger eine praktische Auslese von \u201eSchl\u00fcsseltexten\u201c ausgew\u00e4hlt. \u00dcber diesen k\u00f6nnte das Benedikt-Zitat stehen, das Peter Seewald als Motto seiner Benedikt-Biographie als Motto vorangestellt hat (<em>Benedikt XVI. Ein Leben<\/em>, 8, unpaginiert): \u201eMein Grundimpuls war, unter den Verkrustungen den eigentlichen Glaubenskern freizulegen und diesem Kern Kraft und Dynamik zu geben. Dieser Impuls ist die Konstante meines Lebens.\u201c Als \u201eKirchenvater unserer Zeit\u201c, so der Mitherausgeber Stefan von Kempis in der vorangestellten Editorischen Notiz (13\u201316, hier: 14) schreibt Ratzinger zu geistlichen Themen und zu Lehrfragen. Unter dem Titel \u201eGlaube \u2013 Hoffnung \u2013 Liebe\u201c er\u00f6ffnen deshalb die beiden Enzykliken \u00fcber Liebe (2005) und Hoffnung (2007) zusammen mit einer Regensburger Predigt \u00fcber den Glauben und das Glaubensbekenntnis (2006) die Textsammlung (17\u201362). Im zweiten Teil \u201eJesus Christus begegnen\u201c sind Abschnitte aus den drei Jesusb\u00fcchern zusammengestellt (63\u2013120).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAcht gro\u00dfe Reden des Pontifikats\u201c bilden die sachlich-theologische Mitte des Buchs (121\u2013177). Mit ihrer Auswahl spannen die Herausgeber Herder und von Kempis den Bogen von den Predigten bei der Er\u00f6ffnung des Konklaves und beim Amtsantritt 2005 bis zur Ansprache bei der letzte Generalaudienz vor dem R\u00fccktritt 2013. Benedikts Reden in Auschwitz-Birkenau und Regensburg (2006) haben wohl gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit gefunden. Im Bundestag (2011) sprach der Papst \u00fcber die \u201einnere Identit\u00e4t Europas\u201c, die aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom entstanden ist (160, vgl. zum Thema Europa 284\u2013289). Im Erfurter Augustinerkloster (2011) betonte er vor Theologen verschiedener Kirchen, dass den Christen im \u00f6kumenischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte das Gemeinsame bewusst wurde (163). Der Freiburger Vortrag \u00fcber die \u201eEntweltlichung des Glaubens\u201c (2011) stellte Benedikts Sicht der Kirche vor. Sie findet durch immer neue Schritte der S\u00e4kularisierung zu ihrem eigentlichen missionarischen Auftrag zur\u00fcck (168f).<\/p>\n\n\n\n<p>Den umfangreichsten Teil des Buchs bildet mit 66 Seiten der Themenkreis \u201eKirche \u2013 \u00d6kumene \u2013 Religionen\u201c (179\u2013245). Der Abschnitt beginnt mit der \u201eevangelischen\u201c Frage \u201eWas bedeutet Jesus Christus f\u00fcr mich?\u201c Benedikt antwortet darauf, dass ihm in seinem pers\u00f6nlichen Leben Jesus \u201evon Anfang an\u201c bekannt wurde als \u201ejemand, der heute lebt und wirkt, dem man heute begegnen kann\u201c (181). In weiteren Beitr\u00e4gen erl\u00e4utert er seine Sicht der Kirche, beschreibt das Zweite Vatikanische Konzil und die Probleme, die es l\u00f6sen wollte, und er geht auf die Fragen der \u00d6kumene mit Ostkirchen und den evangelischen Kirchen ein. Drei Thesen \u00fcber Kirche und Religionen (242\u2013245) beschlie\u00dft den Abschnitt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das vorletzte Thema \u201eDen Glauben feiern\u201c nimmt die katholische Liturgie in den Blick (247\u2013281). Hier wird auch der Text zur Wiederzulassung der r\u00f6mischen Liturgie aus der Zeit vor 1970 als Auszug abgedruckt (280f). Die 34 Seiten dieses Abschnitts seien als geeignete Zusammenfassung denjenigen Theologen empfohlen, die \u00fcber Grundlagen des katholischen Gottesdienstes noch nicht informiert sind oder nur evangelische Verurteilungen der Reformationszeit \u00fcber kritikw\u00fcrdige gottesdienstliche Praktiken kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu evangelischen Modestr\u00f6mungen, das Abendmahl als Sederfeier \u201ewie zur Zeit Jesu\u201c zu halten, bemerkt Ratzinger: \u201eDenn der Herr hat das Neue des christlichen Kultes zwar im Rahmen eines j\u00fcdischen (Pascha-)Mahles gestiftet, aber nur dies Neue und nicht das Mahl als solches zur Wiederholung aufgetragen\u201c (277).<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte Satz aus dem Brief zur Wiederzulassung der alten Messliturgie steht pars pro toto f\u00fcr Benedikts Verst\u00e4ndnis von Liturgie und Gottesdienstgeschichte: \u201eEs tut uns allen gut, die Reicht\u00fcmer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben\u201c (281).<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich besinnt sich Ratzinger in \u201eGesellschaft und Politik\u201c auf Fundamente und Gef\u00e4hrdung des westlichen Gesellschaftsmodells (283\u2013326).<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph Ratzinger hat ab 1982 vierzig Jahre lang in Rom gelebt. Wer seine T\u00e4tigkeit in diese Zeit, besonders sein Pontifikat ab 2005, mitverfolgt hat, wird einige der im vorliegenden Buch abgedruckten Texte schon kennen. Es ist sehr zu loben, dass Verleger Manuel Herder diesen Band herausgegeben hat. Hier kann jeder den genauen Wortlaut nachlesen, wenn die Erinnerungen verblassen. Es darf mit Recht vermutet werden, dass das Werk weitere Auflagen erleben wird. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Schriesheim<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manuel Herder (Hg.) \/ Stefan von Kempis (Mitarb.): Der Papst der B\u00fccher. 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