{"id":2219,"date":"2024-04-30T15:36:59","date_gmt":"2024-04-30T15:36:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2219"},"modified":"2024-04-30T15:37:00","modified_gmt":"2024-04-30T15:37:00","slug":"william-lane-craig-erik-j-wielenberg-a-debate-on-god-and-morality-what-is-the-best-account-of-objective-moral-values-and-duties","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2219","title":{"rendered":"William Lane Craig \/ Erik J. Wielenberg: A Debate on God and Morality. What is the Best Account of Objective Moral Values and Duties?"},"content":{"rendered":"\n<p>William Lane Craig \/ Erik J. Wielenberg: <em>A Debate on God and Morality. What is the Best Account of Objective Moral Values and Duties?<\/em>, New York: Routledge, 2021, Pb., XII+234\u00a0S., \u20ac\u00a040,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/A-Debate-on-God-and-Morality-What-is-the-Best-Account-of-Objective-Moral-Values-and-Duties\/Craig-Johnson-Wielenberg\/p\/book\/9780367135652\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.routledge.com\/A-Debate-on-God-and-Morality-What-is-the-Best-Account-of-Objective-Moral-Values-and-Duties\/Craig-Johnson-Wielenberg\/p\/book\/9780367135652\">978-0-367-13565-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Am 23. Februar 2018 debattierten William Lane Craig und Erik J. Wielenberg an der North Carolina State University \u00fcber der Frage: \u201eWhat is the Best Account of Objective Moral Values and Duties?\u201c (\u201eWas ist die beste Erkl\u00e4rung f\u00fcr objektive moralische Werte und Pflichten?\u201c). Craig argumentierte, dass der Theismus eine solide Grundlage f\u00fcr objektive Moral bietet, w\u00e4hrend der Atheismus dies nicht tut. Wielenberg entgegnete, dass Moral auch ohne Gott objektiv sein kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Verlag Routledge entschied sich aufgrund des unerwartet hohen Interesses f\u00fcr eine Herausgabe des Werkes, welche die vollst\u00e4ndige Debatte, sowie Endnoten mit ausf\u00fchrlichen Diskussionen enth\u00e4lt, die in der Debatte nicht enthalten waren. Ein Kapitel beinhaltet jeweils eine Rede der Philosophen. Bei der Debatte kamen beide viermal zu Wort, anschlie\u00dfend gab es noch eine Fragerunde mit dem Moderator. Dar\u00fcber hinaus enth\u00e4lt das Buch nun f\u00fcnf Kapitel von anderen Philosophen, die substanzielle Antworten auf die Debatte verfasst haben. Den personalen moralischen Realismus vertreten dabei die christlichen Apologeten J. P. Moreland, David Baggett und Mark Linville. Wes Morriston und Michael Huemer sind mit ihren Essays dagegen Verfechter eines apersonalen moralischen Realismus. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch bietet grundlegende und weiterf\u00fchrende Ressourcen f\u00fcr ein besseres Verst\u00e4ndnis des moralischen Realismus und seiner Abh\u00e4ngigkeit von bzw. Unabh\u00e4ngigkeit von theistischen Grundlagen. Die beiden Philosophen untersuchen, welche Sichtweise die beste Erkl\u00e4rung f\u00fcr eine objektive Moral liefert. Dieses Buch behandelt also nicht die Frage, ob es eine objektive Moral gibt. Unabh\u00e4ngig von ihren atheistischen und theistischen Perspektiven setzen die Autoren eine objektive Moral voraus. Vielmehr behandelt dieses Buch die Frage, ob Craigs theistische Sichtweise eine bessere Erkl\u00e4rung der objektiven Moral liefert als Wielenbergs atheistische Sichtweise. Beide Autoren vertreten eine realistische Auffassung von Moral, das hei\u00dft, dass Moral unabh\u00e4ngig vom Menschen als eine konkrete Realit\u00e4t besteht. Dabei ist \u201ekonkret\u201c als Gegenst\u00fcck zu dem philosophischen Adjektiv \u201eabstrakt\u201c zu verstehen. Die beiden Grundansichten lassen sich wie folgt zusammenfassen: <\/p>\n\n\n\n<p>Der christliche Apologet Craig, Professor an der Biola Universit\u00e4t bei Los Angeles, vertritt eine theistische Sichtweise, die sich vorwiegend an den Arbeiten von Robert Adams und William Alston orientiert. Nach Craigs Ansicht werden moralische Verpflichtungen durch Gottes Gebote bestimmt und moralische Werte durch Gottes Natur erkl\u00e4rt (Divine Command Theory). Die Idee dahinter ist, dass eine moralische Tat nur dann moralisch <em>verpflichtend <\/em>sei, wenn Gott sie befiehlt (31). Ebenso ist etwas nur dann moralisch gut, wenn es in relevanter Weise der Natur Gottes \u00e4hnelt. Craig argumentiert, dass Gott wesentlich f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Moral ist, da moralische Eigenschaften nur aufgrund von Gottes Geboten und Natur existieren. Dabei ist anzumerken, dass die Befehle und Gesetze Gottes eben nicht nur durch die Bibel oder in h\u00f6rbar-direkter Weise zu den Menschen gelangen k\u00f6nnen, sondern in das Herz der Menschen geschrieben sind (R\u00f6m 2,14\u201316). Ein weiteres Hauptargument ist bei Craig, dass er nicht-nat\u00fcrlichen Dingen eine konkrete Realit\u00e4t zumisst. Er behauptet, dass Wielenberg dies nicht tun kann, da er ohne Theismus einer platonischen Ansicht verpflichtet sei. Mit Platonismus bezieht er sich dabei auf die Ansicht, dass abstrakte Objekte existieren. Wielenberg vertritt diese Auffassung nicht, wie aus den Fu\u00dfnoten und seinem sp\u00e4teren Antwortaufsatz hervorgeht. Hier w\u00e4re es um der Verst\u00e4ndlich-keit willen hilfreicher gewesen, wenn das Problem des Platonismus im Voraus gekl\u00e4rt worden oder ganz ausgelassen worden w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p>Wielenberg, Professor f\u00fcr Philosophie an der DePauw Universit\u00e4t in Greencastle, Indiana, vertritt eine atheistische Sichtweise, die er als gottlosen, normativen Realismus bezeichnet. Seine Sicht ist eine Kombination aus Atheismus und robustem normativem Realismus. Dieser besagt (anders als der naturalistische Atheismus), dass moralische Eigenschaften <em>nicht-nat\u00fcrliche, irreduzible Eigenschaften<\/em> von Dingen sind, die unabh\u00e4ngig von uns existieren (40). Zentral f\u00fcr Wielenbergs Auffassung ist die Idee, dass nicht-moralische Eigenschaften moralische Eigenschaften hervorbringen. Seine bekannteste Metapher f\u00fcr diese Sichtweise ist ein in Flammen stehendes Kind. Das Kind schreit vor Schmerz und weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Neben dem Kind steht nun zuf\u00e4lligerweise ein gro\u00dfer Beh\u00e4lter mit Wasser. Jeder Mensch, der nun vorbeil\u00e4uft, sei moralischer verpflichtet, die Flammen zu l\u00f6schen und so das Leben dieses Kindes zu retten (39). Wielenberg bietet jedoch keine plausible Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum nicht-moralische Eigenschaften wie der Wasserbeh\u00e4lter im Beispiel moralische Eigenschaften hervorbringen k\u00f6nnen. Es handle sich hierbei um eine blo\u00dfe Tatsache der Realit\u00e4t (42). Nach Wielenbergs Ansicht ist Gott somit nicht notwendig, um die Moral zu erkl\u00e4ren, da nicht-moralische Eigenschaften moralische Eigenschaften hervorbringen. Des Weiteren hat Wielenberg keine substantielle Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, wie man wissen kann, welche Eigenschaften eine moralische Pflicht hervorrufen. Woher wei\u00df der Mensch, welchem konkreten Objekt er eine moralische Pflicht ablesen muss? Zudem bietet Wielenberg keine Grundlage daf\u00fcr, warum ein Kind rettungsbed\u00fcrftiger ist als ein B\u00fcndel Zeitungen. Was gibt einem Menschenleben mehr Wert als alten Zeitungen? <\/p>\n\n\n\n<p>Die Argumente beider Seiten sind pr\u00e4gnant dargestellt, jedoch erschweren teilweise die unn\u00f6tig aufgebl\u00e4hten Satzkonstruktionen das Verst\u00e4ndnis. Es werden sehr gute Kenntnisse metaethischer Konzepte vorausgesetzt, die durch eine Enzyklop\u00e4die der Philosophie oder \u00e4hnliches erlangt werden k\u00f6nnen. Das Buch bietet eine wertvolle Debatte dar\u00fcber, ob Gott die beste Erkl\u00e4rung f\u00fcr objektive Moral ist oder nicht. Die f\u00fcnf zus\u00e4tzlichen Artikel enthalten wichtige Gedanken und Argumente, denen bei der Debatte selbst zu wenig Beachtung geschenkt oder die ganz vergessen wurden. Das Buch bietet somit eine breite Basis, um sich vertieft mit dem Thema zu besch\u00e4ftigen. Theisten und Atheisten treffen selten aufeinander, um einen Abend lang zu debattieren. Das Buch eignet sich daher gut f\u00fcr ein gemeinsames Lesen, eventuell sogar zusammen mit Atheisten und Theisten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Joshua Ganz, Pastor und Armeeseelsorger, Winterthur, Schweiz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>William Lane Craig \/ Erik J. Wielenberg: A Debate on God and Morality. 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