{"id":2225,"date":"2024-04-30T15:40:34","date_gmt":"2024-04-30T15:40:34","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2225"},"modified":"2024-04-30T15:40:34","modified_gmt":"2024-04-30T15:40:34","slug":"juergen-werbick-theologie-anthropologisch-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2225","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Werbick: Theologie anthropologisch gedacht"},"content":{"rendered":"\n<p>J\u00fcrgen Werbick: <em>Theologie anthropologisch gedacht<\/em>,Freiburg: Herder, 2022, geb., 452\u00a0S., \u20ac\u00a048,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral\/shop\/p2\/74201-theologie-anthropologisch-gedacht-gebundene-ausgabe\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral\/shop\/p2\/74201-theologie-anthropologisch-gedacht-gebundene-ausgabe\/\">978-3-451-39265-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Anthropologie ist eines der Urthemen, nicht nur, aber auch der Theologie. So sammelte Georg Brunold in seinem <em>Handbuch der Menschenkenntnis. Mutma\u00dfungen aus 2500 Jahren, <\/em>Berlin: Galiani, 2018 anthropologische Beobachtungen, Mutma\u00dfungen und Spekulationen aus 2500 Jahren. Und Bernd Janowski er\u00f6ffnet seine <em>Anthropologie des AT. Grundfragen \u2013 Kontexte \u2013 Themenfelder,<\/em> T\u00fcbingen: Mohr, 2019, 1 mit folgendem Satz: \u201eDie Frage nach dem Wesen des Menschen spielt in den meisten Kulturen eine zentrale, jeweils unterschiedlich akzentuierte Rolle\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Werbick ist ein seit 2011 emeritierter M\u00fcnsteraner katholischer Fundamentaltheologe. In dem hier anzuzeigenden Werk besch\u00e4ftigt er sich mit der Anthropologie. Zentral f\u00fcr sein Verst\u00e4ndnis sind die \u201eEinleitung\u201c und das erste der insgesamt zehn Kapitel, denn dort positioniert er sich mehrfach. Einer der Haupts\u00e4tze lautet: \u201eEs geht um den ganzen Menschen!\u201c (17) \u2013 aber nicht anthropozentrisch, naturalistisch, szientistisch oder sonst wie verk\u00fcrzt. Mit Dag Hammarskj\u00f6ld, <em>Zeichen am Weg. Das spirituelle Tagebuch des UN-Generalsekret\u00e4rs,<\/em> Stuttgart: Urachhaus, 1967, 54 sagt Werbick: \u201eGanz wird der Mensch, wenn er wahrnehmen darf, dass \u201amein ganzes Dasein zum Werkzeug wird f\u00fcr das in mir, was mehr ist als ich\u2018\u201c (22f).<\/p>\n\n\n\n<p>Werbick setzt sein Werk, die christliche Theologie und die (s\u00e4kularen) Anthropologien derart ins Verh\u00e4ltnis, dass sie sich idealerweise gegenseitig befruchten, aber auch in Frage stellen (10\u201312). Die Metapher vom Gewebe aufgreifend hofft er, dass Glaubens-Wahrheiten \u201eeingewoben werden in anthropologische Diskurse und Einsichten\u201c (11).<\/p>\n\n\n\n<p>Werbick versieht sein Buch mit den folgenden Kapitel\u00fcberschriften: \u201eDer ganze Mensch\u201c, \u201eK\u00f6rper und Geist\u201c; \u201eFreiheit und Bindung\u201c, \u201eSelbstbewusstsein-Selbstgef\u00fchl-Identit\u00e4t\u201c, \u201eLieben: Wor\u00fcber Gr\u00f6\u00dferes nicht erlebt werden kann\u201c, \u201eWirklichkeits-offen, Wahrheits-bezogen\u201c, \u201eLeibhaft: geburtlich und sterblich\u201c; \u201eDas Mysterium des B\u00f6sen \u2013 und seine \u00dcberwindung\u201c, \u201eSprache und Kommunikation\u201c und \u201eLeben in F\u00fclle\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Als freundlich gestimmter Leser freut man sich an der F\u00fclle der von Werbick bearbeiteten Felder. Ein (sehr) kritisch, fortschrittlich und gr\u00fcndlich gesonnener Geist w\u00fcrde nach dem ersten Reinlesen vermutlich die Nase r\u00fcmpfen und erste Kritiken anmelden: Es fehlen allerneueste Fragestellungen, vor allem die nach der KI. Dazu kommen die vielen mit den Fortschritten in Biologie und Medizin verbundenen ethischen Probleme. Man kann auch kritisieren: Werbick fasst zu viele Themen an und verletzt damit den alten Grundsatz <em>non multa sed multum<\/em>. So ist in Kap. 8 (\u201eMysterium des B\u00f6sen&#8230;\u201c) kein Wort von der schwierigen Theodizeefrage zu lesen! In einem ganz anderen Kapitel findet man dagegen wertvolle \u00dcberlegungen zu Leibniz (234\u2013243). Werbick traktiert das B\u00f6se nur mit einigen exegetischen Bemerkungen zu Gen 3 und zur Erbs\u00fcndenlehre, vor allem als individuelles ethisch-moralisches Problem. Mit Ingolf U. Dalferth, <em>S\u00fcnde. Die Entdeckung der Menschlichkeit<\/em>,Leipzig: EVA, 2020 u.&nbsp;a. sieht er jedoch auch soziale und gesellschaftliche Dimensionen (vgl. 331). Leider fehlt in diesem Kapitel jeglicher Bezug zum Vaterunser (\u201eerl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen\u201c) oder ein eschatologischer Ausblick (s. etwa Offb 21,1\u20134, aber auch schon Ps 85,8\u201314). \u2013 Dass Werbick in Kap. 7 (\u201eLeibhaft&#8230;\u201c) noch nicht den 2021 erschienenen Entwurf Gregor Etzelm\u00fcllers, <em>Gottes verk\u00f6rpertes Ebenbild. Eine theologische Anthropologie, <\/em>T\u00fcbingen: Mohr ber\u00fccksichtigte, kann man ihm allerdings nicht vorwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende dieses kurzen, mehr exemplarischen Durchganges seien f\u00fcnf Punkte markiert. (1) Man vermisst Indices zu Bibelstellen und Sachen. Diese m\u00f6gen bitte in einer 2. Auflage nachgeliefert werden. (2) Die Anmerkungsziffern sind extrem klein gedruckt. (3) Werbick zitiert nur dreimal Thomas von Aquin. Viel h\u00e4ufiger bezieht er sich \u2013 durchaus auch kritisch &#8211; auf Augustin. Einige Male kommt auch Luther vor; die Aussagen auf den S. 137f und 330f zu Luthers Anthropologie und zur Rechtfertigungslehre w\u00e4ren allerdings ausf\u00fchrlicher zu diskutieren! (4) Die Themen Gottesebenbildlichkeit und Menschenw\u00fcrde werden gar nicht bzw. kaum ber\u00fchrt. Hier k\u00f6nnte man von Claus Westermann, <em>Genesis. <\/em>Bd. I:<em> Genesis 1\u201311. <\/em>Teil 1:<em> Gen 1\u20133<\/em>, BKAT I\/1,Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, 1974, 4. Aufl. 1999, 217, anthropologisch Elementares lernen: \u201eDie Erschaffung des Menschen zielt \u2026 auf ein Geschehen zwischen Gott und Mensch\u201c; und ebd.: \u201eder Sch\u00f6pfer schuf ein Gesch\u00f6pf, das ihm entspricht, zu dem er reden kann und das ihn h\u00f6rt\u201c (5). Der Ursprung des oben genannten Entwurfs von Etzelm\u00fcller liegt im Heidelberger Marsilius-Projekt \u201aVerk\u00f6rperung als Paradigma einer evolution\u00e4ren Kulturanthropologie\u2018. Sein Gegen\u00fcber sind Vertreter der Naturwissenschaften. Werbicks Buch scheint mir demgegen\u00fcber mehr nach innen gewandt zu sein, also zu Theologie und Kirche hin. Und da tut es einen sehr guten Dienst und wird hoffentlich umfassend rezipiert werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Gerhard Maier, Pfarrer i. R., Neuffen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00fcrgen Werbick: Theologie anthropologisch gedacht,Freiburg: Herder, 2022, geb., 452\u00a0S., \u20ac\u00a048,\u2013, ISBN 978-3-451-39265-8 Die Anthropologie ist eines der Urthemen, nicht nur,<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":2226,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-2225","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2225","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2225"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2225\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2227,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2225\/revisions\/2227"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2226"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2225"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}