{"id":223,"date":"2017-05-01T17:10:26","date_gmt":"2017-05-01T17:10:26","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=223"},"modified":"2017-10-17T22:08:27","modified_gmt":"2017-10-17T22:08:27","slug":"matthias-haudel-gotteslehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=223","title":{"rendered":"Matthias Haudel: Gotteslehre"},"content":{"rendered":"<p>Matthias Haudel: <em>Gotteslehre. Die Bedeutung der Trinit\u00e4tslehre f\u00fcr Theologie, Kirche und Welt,<\/em> G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2015, kt., 333\u00a0S., \u20ac 19,99, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/gotteslehre\/t-0\/1011508\/\">ISBN 978-3-8252-4292-3<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Haudel_Gotteslehre.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Zwei Notizen gleich zu Beginn. Zuerst: Nach Haudels substantiell wegweisender Habilitationsschrift \u201eDie Selbsterschlie\u00dfung des dreieinigen Gottes\u201c (2006), die, wie zuvor auch bereits seine Dissertation, mit dem Theologie- und \u00d6kumenepreis der Katholisch-Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Regensburg ausgezeichnet worden ist, war damals schon irgendwie zu hoffen gewesen, dass die erforschten theologischen Gedanken zur Dreieinigkeit Gottes auch in einem schmaleren, leichter zug\u00e4nglichen Lehrbuch Studierenden und Lehrenden zur Verf\u00fcgung gestellt werden w\u00fcrden. Diese Hoffnung hat sich mit diesem Band erf\u00fcllt. Zum zweiten erregt der Untertitel des Lehrbuches neugierige Aufmerksamkeit: \u201eDie Bedeutung der Trinit\u00e4tslehre f\u00fcr \u2026 die Welt\u201c, ja, man liest da \u201ef\u00fcr die Welt\u201c. Dass die Gottesfrage die Wirklichkeit und die Grundfragen des Menschen ber\u00fchrt, das ist wohl unbestritten. Doch die Trinit\u00e4tslehre? Diesem Gesichtspunkt gilt es genauer nachzusp\u00fcren, wie nun Matthias Haudel, Professor f\u00fcr Systematische Theologie, mit Lehrauftr\u00e4gen an den Universit\u00e4ten M\u00fcnster und Bielefeld, dies wohl meint, k\u00e4me man doch zun\u00e4chst einmal nicht unmittelbar auf die Idee, dass die Trinit\u00e4tslehre eine Bedeutung f\u00fcr die (s\u00e4kulare, nichtchristliche?) Welt h\u00e4tte. Im Folgenden soll darauf geachtet werden, wie dieser Sachverhalt im Buch selbst adressiert und erl\u00e4utert wird.<\/p>\n<p>Wir haben es mit einem Lehrbuch prim\u00e4r f\u00fcr das Theologiestudium zu tun, wie es ja das ausgeschriebene Ziel der UTB-Reihe Theologie vorsieht und wie es der Autor selbst bewusst gewollt hat (10). Rein formal entspricht die Konzeption des Bandes diesem Ziel, wenn auf ca. 293 Seiten an Haupttext (plus Literaturverzeichnis, Bibelstellenregister, Personenregister und Sachregister) in zw\u00f6lf \u00fcbersichtlich strukturierten Kapiteln das Wesentliche der Gotteslehre entfaltet wird. Dem entspricht auch, dass den Haupt- und Unterkapiteln kurze, grau hinterlegte Kernthesen vorgeschaltet werden, die u. a. die Memorierbarkeit der Inhalte oder die Aufarbeitung von Lernskripten f\u00fcr Examina vereinfachen. Au\u00dferdem werden nach jedem Kapitel einige wegweisende Titel gelistet, die zum vertieften Weiterstudium des jeweils behandelten Themenfeldes einladen. Alles wertvolle \u00dcberlegungen, die den praktischen Nutzen des Buches erh\u00f6hen.<br \/>\nIn Kap. I werden des Autors eigene Parameter zur Konzeption des Lehrbuches vorgestellt (13\u201323). Darin wird u. a. auch entfaltet, was es mit der \u201eWelt\u201c auf sich hat (s.o.). \u201eDie Gotteslehre\u201c, so lesen wir da, \u201ebeinhaltet nicht nur die Grundlage der Theologie, sondern sie umfasst auch alle Grundfragen des menschlichen Lebens.\u201c Und dann daraus abgeleitet im anschlie\u00dfenden Satz der Bezug zur Trinit\u00e4t: \u201eErst die Einsicht in das liebende Wesen des dreieinigen Gottes offenbart die Bestimmung des Menschen und den universalen Sinn der Geschichte von Mensch und Kosmos\u201c (13). Dieser prinzipielle Bezug Gottes bzw. des \u201edreieinigen Gottes\u201c zur menschlichen Existenz ist bei Haudel programmatisch. Angesichts der Fragen nach Ursprung und Ziel des menschlichen Lebens, nach Endlichkeit und nach dem Sein \u00fcber die Endlichkeit hinaus usw. wird der Mensch \u00fcber sich selbst hinaus gewiesen auf den \u201eGrund des Daseins\u201c und den \u201ebleibenden Sinn (\u2026) des Lebens\u201c (13). Und diese h\u00e4ngen f\u00fcr Haudel ma\u00dfgeblich mit der \u201eGottesidee\u201c (14) zusammen, mit der Selbsterschlie\u00dfung Gottes als dem drei-einen, der Liebe ist. <\/p>\n<p>Durch solche Formulierungen werden dann nat\u00fcrlich f\u00fcr den Studienanf\u00e4nger herausfordernde, ja, steil anmutende Denkm\u00f6glichkeiten der christlichen Gotteslehre vorweggenommen, deren Plausibilit\u00e4t eigentlich erst einmal h\u00e4tte plausibel entfaltet und auch \u201enachgewiesen\u201c werden m\u00fcssen (Dreieinigkeit, Liebe), bevor man sie als grundlegend annehmen kann. Dennoch ist es bereits zu Beginn erfrischend und hilfreich, dass die Leserschaft informiert ist, welche Kerngedanken im Lehrbuch vorausgesetzt werden und welche die nachfolgenden Argumentationen leiten. Insbesondere das fundamentaltheologische Paradigma der notwendigen Selbsterschlie\u00dfung Gottes vor der erkenntnistheoretischen Aussagef\u00e4higkeit des Menschen, \u00fcber Gott etwas auszusagen (16ff), ist wegweisend. Dazu die \u00dcberlegungen, dass die trinitarische Gotteslehre \u201egrunds\u00e4tzlich in die \u00fcbrigen Traktate und Topoi der Dogmatik\u201c einf\u00fchre und daher nicht isoliert behandelt werden d\u00fcrfe (17), betonen in diesem Gotteslehre-Lehrbuch, dass g\u00e4ngige Gotteslehren, die bei den generellen Eigenschaften Gottes bzw. des G\u00f6ttlichen beginnen und die Trinit\u00e4tslehre meistens auf wenigen Seiten ans Ende der Abhandlung verbannen, verneint und zur\u00fcckgewiesen werden m\u00fcssen. Dieses Konzept Haudels, die Trinit\u00e4t Gottes \u2013 nachdem religionsgeschichtliche und philosophische \u00dcberlegungen zum Gottesbegriff er- und gekl\u00e4rt wurden, samt der Verh\u00e4ltnisbestimmung von Vernunft und Glaube (Kap. II, 24\u201345) \u2013 an den alles bestimmenden Anfang und in das Zentrum der christlichen Gotteslehre zu stellen, ist erfreulich und mutig, weil \u00f6kumenisch-theologisch geurteilt \u201eklassisch\u201c, und es ermutigt zum Weiterdenken!<\/p>\n<p>In den f\u00fcnf Kapiteln III bis VII (46\u2013173) werden der Leserschaft in notweniger Klarheit, und doch in der gebotenen K\u00fcrze, um das Lehrbuch nicht uferlos mit Text anwachsen zu lassen, die Debatten rund um trinitarische und christologische Streitfragen seit der Alten Kirche bis zur j\u00fcngeren Gegenwart nahegebracht. Die Darstellung erinnert insgesamt an dogmen- und theologiegeschichtliche Diskurse in der einschl\u00e4gigen Literatur zur Sache, geht aber \u00fcber das rein historische Interesse dieser Disziplinen hinaus, indem in gut nachvollziehbarer Manier dogmatisch konnotierte Argumentationswege und Problemstellungen angezeigt und anhand ausgew\u00e4hlter Positionen bzw. Personen er\u00f6rtert werden. F\u00fcr das entsprechende \u00dcberblickswissen, das so erzielt wird, l\u00e4sst die inhaltlich kondensierte Darstellung kaum etwas zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Die Passagen tragen zum Ziel des Lehrbuches positiv bei. <\/p>\n<p>Luthers, Zwinglis und Calvins Trinit\u00e4tsvorstellungen bekommen auf vierzehn Seiten einen geb\u00fchrenden Platz einger\u00e4umt, wenngleich den dort vollzogenen dogmatischen Weichenstellungen in \u00dcbereinstimmung mit, aber gerade auch in bewusster Abgrenzung gegen\u00fcber der herk\u00f6mmlichen Lehrauffassung r\u00f6misch-katholischer Herkunft mehr Platz gewidmet h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, liegen doch dort auch Einsichten des spezifisch protestantischen Erbes vor, die nicht unterschlagen werden sollten (105\u2013119). Die Gottesbeweise werden im Kontext der Aufkl\u00e4rung er\u00f6rtert (131\u2013139), wo sie ja auch genuin \u2013 angesichts der Kritik Kants an den vern\u00fcnftigen Gottesbeweisverfahren \u2013 gut hinpassen. Allerdings h\u00e4tten auf die in der Gegenwart diskutierten \u201eGottesbeweise\u201c noch etwas st\u00e4rker Bezug genommen werden k\u00f6nnen (fr\u00fcher auf Georg Hamanns Kantkritik; dann beispielsweise Kurt G\u00f6del, Robert Spaemann, Holm Tetens, Alvin Platinga, William L. Craig usw.), was nicht nur f\u00fcr Studierende in diesem Bereich des Verst\u00e4ndnisses der Gotteslehre noch aufschlussreicher gewesen w\u00e4re.<br \/>\nDas Kap. VII \u201eDie Besinnung auf die altkirchliche Trinit\u00e4tslehre im 19. und 20. Jahrhundert\u201c soll hier noch besonders hervorgehoben werden. Es entfaltet protestantische, r\u00f6misch-katholische und orthodoxe Konzeptionen zur Auffassung und Reformulierung des christlichen Dreieinigkeitsglaubens. Diese Zusammenstellung er\u00f6ffnet hilfreiche Perspektiven f\u00fcr den interkonfessionellen theologischen Dialog bis hin zu Gegenwartsfragen. <\/p>\n<p>Kap. VIII f\u00fchrt in die klassischen dogmatischen \u00dcberlegungen ein, die traditionell mit dem Unterschied zwischen immanenter und \u00f6konomischer Trinit\u00e4t verbunden sind. Die wesentlichen Gesichtspunkte fr\u00fcherer und gegenw\u00e4rtiger Debatten werde sachgerecht skizziert und ausgewogen (wenn auch sehr knapp) entfaltet (Personenbegriff der Antike vs. dem der Moderne, Gottes Wesen und Eigenschaften etc.). Der Er\u00f6rterung der Eigenschaften Gottes (182\u2013186) wird \u2013 wie auch sonst im gesamten Lehrbuch \u00fcblich \u2013 in sachlichem Flie\u00dftext entfaltet. Wenigstens hier \u2013 gewiss auch schon an anderen Stellen des Buches \u2013 w\u00e4re es n\u00fctzlich gewesen, die Eigenschaften Gottes tabellarisch oder durch klarer voneinander abgegrenzte Einheiten darzustellen, um dadurch zum einen jeweils die biblischen Grundlagen nachvollziehen zu lernen, die zur Begr\u00fcndung der offenbarten Eigenschaften Gottes beitragen (Allmacht, Allgegenwart, Allwissenheit, Liebe, Heiligkeit, Gerechtigkeit usw.), und um zum zweiten die Memorierbarkeit der Einzeleigenschaften samt den dazugeh\u00f6rigen Begr\u00fcndungen und Er\u00f6rterungen zu erh\u00f6hen.<br \/>\nDas Kapitel IX wirkt wie ein Exkurs im Fluss der sonstigen Darstellung. Auf wenigen Seiten (187\u2013195) beschreibt der Verfasser das Verh\u00e4ltnis des Geheimnisses Gottes als dreieiniger Gott (in \u201everborgener und offenbarer Anwesenheit\u201c) im Verh\u00e4ltnis zum Menschen als dem Ebenbild des dreieinigen Gottes. Kerngedanken Luthers und J\u00fcngels klingen in der Darlegung an, die zwar den Lebenshorizont des Menschen vor diesem Gott zu er\u00f6rtern bem\u00fcht sind, die aber doch nicht selten abgehoben-spekulativ wirken. Gerade auch die Verwendung des Begriffs \u201eHeilsmysterium\u201c in diesem diskutierten Zusammenhang dient nicht der Sch\u00e4rfung des Problembewusstseins, da solche \u2013 durchaus denkbaren \u2013 Begriffe dem Studierenden kaum verst\u00e4ndlich sein d\u00fcrften. Hier w\u00e4re gerade auch von den konfessionellen Hintergr\u00fcnden herkommend eine protestantische, r\u00f6misch-katholische und orthodoxe Differenzierung und Erl\u00e4uterung w\u00fcnschenswert gewesen, gerade auch deshalb, weil Gesichtspunkte, wie \u201eHeilsmysterium\u201c im Blick auf die Gotteslehre und die Dreieinigkeitslehre klassisch nicht immer so akzentuiert zum Reportoire evangelischer Glaubenslehre dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Im nachfolgenden X. Kapitel (196\u2013272) werden in gut nachvollziehbarer Weise bedeutsame trinit\u00e4tstheologische Hauptlehren des dreigliedrigen Glaubensbekenntnisses (Sch\u00f6pfer, Erl\u00f6ser, Vollender) vorgestellt und dogmatisch ausgelotet. Dieses fast 80 Seiten umfassende Kapitel wirkt rein formal wie ein \u201eBuch im Buch\u201c. Das, was dort vorexerziert wird, ist dabei durchweg eine Fundgrube f\u00fcr jeden Studierenden und Lernenden der christlichen Gotteslehre. Insbesondere die wertvollen und sachkenntnisreichen Bezugnahmen auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse (Theologie und Naturwissenschaft) usw. lassen dieses Kapitel noch einmal herausragen aus der sonstigen, ebenfalls soliden Pr\u00e4sentation des Lehrstoffes. <\/p>\n<p>Kap. XI diskutiert nun \u00fcberwiegend dogmatisch interessiert, wie die Trinit\u00e4tslehre auf die Ekklesiologie in \u00f6kumenischer Perspektive eingewirkt hat (bzw. haben k\u00f6nnte). Hier bleibt Haudel seiner Linie treu, die auch in seiner Habilitationsarbeit umfangreich zu Tage trat, die verantwortliche Rede vom dreieinigen Gott als konstitutive Grundlage f\u00fcr ein sachgerechtes Kirchenverst\u00e4ndnis anzunehmen. Die Gemeinschaft der Glaubenden antizipiert gewisserma\u00dfen in analogen Entsprechungen an den \u201eStrukturen der trinitarischen Gemeinschaft\u201c (273), in der Gleichzeitigkeit von Einheit und Dreiheit. Kirche nimmt Anteil am trinitarischen Wesen Gottes. Wie das sachgerecht verstanden werden kann und wo Grenzen der Analogie liegen, beschreibt der Autor so, dass die Leserschaft durchaus am Ball bleibt, die Gedanken zu Ende zu denken. Ob alles auch so schl\u00fcssig ist, was in der Verh\u00e4ltnisbestimmung zwischen Trinit\u00e4t und Kirche in diesem Kapitel vorgebracht wird, sei dahingestellt. Interessant ist das Dargestellte zweifelsohne und auch konsequent skizziert, beachtet man die Grundkonzeption des gesamten Lehrbuches.<\/p>\n<p>In einem letzten Kapitel XII wird nun noch ein Versuch gewagt, die Lehre vom christlichen dreieinigen Gott f\u00fcr den Dialog mit den Religionen vorzubereiten. Der Dialog mit dem Judentum, wie mit anderen Weltreligionen wird angezeigt (286\u2013293). Doch die sp\u00e4rlichen \u00dcberlegungen sind substantiell nicht wirklich geeignet, um die Vorarbeit f\u00fcr einen sachgerechten Dialog zu leisten. Insbesondere werden lediglich Religionswissenschaftler bzw. dann Hans-Martin Barth als Dogmatiker skizziert, die etwas mit der christlichen Trinit\u00e4t interreligi\u00f6s \u201eanzufangen\u201c bem\u00fcht sind. Wegweisende missionswissenschaftliche, apologetische oder religionswissen-schaftliche Reflexionen findet die Leserschaft zur Orientierung nur am Rande. F\u00fcr das Lehrbuch h\u00e4tte daher ein thematisch ertragreicheres Schlusskapitel zur christlichen Gotteslehre gefunden und gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Texte des Lehrbuches sind insgesamt gut fassbar. Sie sind pr\u00e4zise formuliert, mit gro\u00dfem Sachverstand untermauert und sprachlich weitgehend gut lesbar pr\u00e4sentiert. Dies erleichtert Studierenden gewiss den Zugang zu diesem Werk. Das dogmen- und theologiegeschichtliche Grundlagenwissen zur Lehrbildung der christlichen Gottes- und Trinit\u00e4tslehre ist \u00fcberdurchschnittlich gut und kurzweilig dargestellt, sogar bis in ausgew\u00e4hlte Konzepte der Gegenwart hin ausgezogen und stets ausgewogen \u00f6kumenisch orientiert. Studierende und Interessierte profitieren von dieser Stoffanordnung und -vermittlung.<\/p>\n<p>Allerdings sind auch einige Schw\u00e4chen in der Konzeption des Buches nicht zu \u00fcbersehen. M. E. ist es nicht zu begr\u00fc\u00dfen, dass eine christliche Gotteslehre als Grundlage der Lehrbildung nicht ausf\u00fchrlich die biblischen Basistexte heranzieht, auslegt und entfaltet, um die Lehre der Dreieinigkeit als Offenbarung Gottes nachzuweisen und grundzulegen. Die wenigen Seiten des biblischen Zeugnisses (46\u201356) \u00fcberzeugen auf ganzer Linie nicht. Kaum ein Studiosus oder eine Studiosa w\u00e4re mit diesem Lehrbuch in die Lage versetzt, vom biblischen Befund ausgehend, die Lehrbildung der Dreieinigkeit oder auch nur die des christlich \u00fcberzeugten Gottesglauben biblisch gegr\u00fcndet nachvollziehen, geschweige denn, aktiv darlegen zu k\u00f6nnen. Insbesondere innerhalb einer an die Heilige Schrift gebundenen Bekenntnisbildung evangelischer Glaubens\u00fcberzeugung und angesichts konservativer protestantischer Kirchen im \u00f6kumenischen Dialog erscheint dieses Vorgehen leider defizit\u00e4r. Die in den Kapiteln hin und wieder vorgenommenen Schriftzitate und -verweise machen die Suppe nicht fett. Da w\u00e4re f\u00fcr eine Neuauflage konzeptionell nachzubessern.<\/p>\n<p>Ein weiteres konzeptionelles Defizit erscheint dort, wo die protestantische Orthodoxie, deren Kerngedanken und \u00dcberlegungen dem Studierenden nur sehr rudiment\u00e4r aufgezeigt werden \u2013 oft dann ohne Herkunftsangaben \u2013, nicht geb\u00fchrend in ihrer Trinit\u00e4tslehre vorgestellt, reflektiert und diskutiert wird. F\u00fcr den \u00f6kumenischen Dialog mit klassisch konservativ-konfessionellen Kirchen und Freikirchen wird dadurch nur partikular eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet, was zu bedauern ist.<\/p>\n<p>Das Lehrbuch erf\u00fcllt alles in allem sehr gelungen seinen p\u00e4dagogischen und didaktischen Sinn, wenn es darum geht, dass die Studierenden dogmen- und theologiegeschichtliche Kerns\u00e4tze zur Entfaltungen und Begr\u00fcndungen der Dreieinigkeit Gottes dogmatisch reflektiert kennenlernen. In diesem Bereich ist das Lehrbuch f\u00fcr den Unterricht an theologischen Fakult\u00e4ten und Akademien sowie an Hoch- und Bibelschulen sehr zu empfehlen. Studierende profitieren von den pr\u00e4gnanten Darlegungen der einzelnen Kapitel, lernen dabei eindr\u00fccklich, die Vernetzung der christlichen Gottes- und Trinit\u00e4tslehre mit anderen christlichen Lehraussagen (Anthropologie, Soteriologie, Ekklesiologie usw.) wahrzunehmen und im \u00f6kumenischen Kontext zu sch\u00e4tzen. <\/p>\n<p>Angesichts der Betonung der Dreieinigkeit als Ausgangsposition f\u00fcr die Gotteslehre und f\u00fcr des Menschen Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis gibt es kaum ein Lehrbuch, das so stark die Grund\u00fcberzeugungen seit der fr\u00fchen Kirche und der dort entwickelten Trinit\u00e4tslehre hervorhebt, w\u00fcrdigt, lediglich moderat modifiziert und f\u00f6rdert, wie dieses Lehrbuch. Das ist ausdr\u00fccklich zu loben. Die dadurch erreichte \u00f6kumenische Dialogf\u00e4higkeit, ausgehend vom Zentrum der trinitarischen Gotteslehre (protestantisch, r\u00f6misch-katholisch, orthodox), ist als ein genialer Wurf des Verfassers zu w\u00fcrdigen, der m. E. kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen ist, gerade angesichts einer zunehmenden theologisch bewirkten, rationalistisch forcierten Erosion im Blick auf die Lehren \u00fcber die Trinit\u00e4t Gottes oder die Zwei-Naturenlehre Christi. In dieser Hinsicht ist Haudel zu danken, dass er intelligent und ausgewogen, die Trinit\u00e4tslehre f\u00fcr die Gegenwart in die theologische Diskussion hineinstellt und Studierende damit konstruktiv herausfordert, sich diesen klassischen christlichen Auffassungen zur eigenen Urteilsbildung im \u00f6kumenischen Diskurs zu stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Berthold Schwarz, Hochschuldozent f\u00fcr Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Haudel: Gotteslehre. 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