{"id":2240,"date":"2024-04-30T15:59:47","date_gmt":"2024-04-30T15:59:47","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2240"},"modified":"2024-04-30T15:59:47","modified_gmt":"2024-04-30T15:59:47","slug":"henri-blocher-la-doctrine-de-leglise-et-des-sacrements-tome-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2240","title":{"rendered":"Henri Blocher: La doctrine de l\u2019\u00c9glise et des sacrements. Tome 1"},"content":{"rendered":"\n<p>Henri Blocher: <em>La doctrine de l\u2019\u00c9glise et des sacrements. Tome 1<\/em>, Collection Didaskalia, Vaux-sur-Seine: \u00c9difac, 2022, Pb., 312\u00a0S., \u20ac\u00a025,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.xl6.com\/articles\/9782904407871-la-doctrine-de-l-eglise-et-des-sacrements-tome-2\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.xl6.com\/articles\/9782904407871-la-doctrine-de-l-eglise-et-des-sacrements-tome-2\">978-2-904407-83-3<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Henri Blocher ist der zweifellos bekannteste franz\u00f6sische protestantische Theologe in der weltweiten Szene der evangelikalen Theologie. Er ist ein produktiver Autor, der unz\u00e4hlige Artikel und mehrere bedeutende B\u00fccher geschrieben hat, darunter <em>R\u00e9v\u00e9lation des origines. <\/em><em>Le d\u00e9but de la Gen\u00e8se<\/em> (Charols: Excelsis, 1979, <sup>2<\/sup>2018), \u00fcbersetzt als: <em>In the Beginning. The Opening Chapters of Genesis<\/em>, Leicester: InterVarsity, 1984, und <em>Le mal et la croix<\/em>. <em>La pens\u00e9e chr\u00e9tienne aux prises avec le mal<\/em>, Charols: Excelsis, 1990, <sup>2<\/sup>2012, \u00fcbersetzt als: <em>Evil and the Cross<\/em>.<em> An Analytical Look at the Problem of Pain<\/em>, Grand Rapids: Kregel, 1994. Sein neuestes, lange erwartetes Werk ist der erste Band seiner Lehre von der Kirche und den Sakramenten. Dieses erste Buch ist der Kirche gewidmet; das zweite, das demn\u00e4chst erscheinen soll, wird sich auf die geistlichen \u00c4mter und auf die Sakramente konzentrieren. Professor Blocher ist f\u00fcr seinen Gedankenreichtum bekannt. Seine Methode besteht darin, ausgehend von der Exegese der biblischen Texte Lehrs\u00e4tze im Dialog mit der Geschichte des christlichen (und nicht-christlichen) Denkens, sowie mit aktuellen Denkern zu erstellen. Obwohl er in vielerlei Hinsicht konservativ ist, ist er f\u00fcr seinen Irenismus und seine Dialogf\u00e4higkeit bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch, um das es hier geht, besteht aus vier Kapiteln: Das erste befasst sich mit den biblischen Daten, die folgenden mit drei bedeutenden Kirchenverst\u00e4ndnissen: zuerst katholisch, dann reformiert und schlie\u00dflich freikirchlich. In diesem Sinne verf\u00e4hrt er wie der anglikanische Theologe Lesslie Newbigin.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Teil stellt Henri Blocher einen bemerkenswerten \u00dcberblick \u00fcber den biblischen Fundus unter Beweis und legt eine echte biblische Theologie (verstanden als diachrone Geschichte der Offenbarung) des Themas \u201eKirche\u201d in den beiden Testamenten vor. Viele Autoren h\u00e4tten sich schwergetan, eine so reichhaltige Synthese auf so wenigen Seiten anzubieten. Professor Blocher hingegen nimmt diese Herausforderung mit einer verbl\u00fcffenden Leichtigkeit an. Sein \u00dcberblick beschr\u00e4nkt sich nicht darauf, die Lehre der Heiligen Schrift mit wenigen Worten zu wiederholen, sondern nimmt bereits notwendige Unterscheidungen vor, die den verschiedenen ekklesiologischen Verst\u00e4ndnissen Nahrung geben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich nimmt er sich auch die Zeit, auf Schl\u00fcsseltexte wie die ersten beiden Erw\u00e4hnungen des griechischen Begriffs <em>ekklesia<\/em> in Matth\u00e4us 16 und 18 genauer einzugehen. Einen nicht unerheblichen Teil seiner Darstellung widmet er einer viel diskutierten neutestamentlichen Kirchenmetapher: dem Leib Christi. Blocher weist zun\u00e4chst auf eine Reihe von Beobachtungen hin, die von Systematikern oft zu wenig beachtet werden: es handelt sich um eine rein paulinische Metapher, die sich erst mit der Zeit entwickelt: die Hinzuf\u00fcgung des Gedankens von Christus als Haupt erfolgt erst mit den Gefangenschaftsbriefen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den folgenden drei Kapiteln werden drei gro\u00dfe ekklesiologische Modelle ausf\u00fchrlich vorgestellt und kritisch bewertet. Das Fehlen eines Kapitels \u00fcber die \u00f6stliche Orthodoxie oder die lutherische Theologie mag \u00fcberraschen, erkl\u00e4rt sich jedoch dadurch, dass Blocher eine Typologie anbietet, die sich an den drei folgenden gro\u00dfen biblischen Metaphern orientiert: dem Leib Christi (katholisches Modell, das neben der r\u00f6misch-katholischen Kirche auch die Orthodoxie und den Anglikanismus umfasst, denen er einige Seiten widmet), dem Volk Gottes (reformiertes Modell, das die lutherische Theologie einschlie\u00dft) und dem Tempel des Geistes (freikirchliches Modell, \u201eLa conception \u201aprofessante\u2018\u201c (223), beispielsweise der Baptistengemeinden).<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle sei daran erinnert, dass Professor Blocher in erster Linie und vor allem als franz\u00f6sischer Theologe schreibt. Frankreich wurde lange, ob man dem zustimmt oder nicht, als die \u00e4lteste Tochter der r\u00f6misch-katholischen Kirche betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Weit entfernt von den Karikaturen, die leider allzu oft protestantische Darstellungen durchziehen, weist er auf die genialen Z\u00fcge und die inneren Dualismen dieser reichen Tradition hin. Als guter Protestant richtet er vier Hauptkritikpunkte an die r\u00f6misch-katholische Auffassung: (a) Die allzu menschliche Erh\u00f6hung des Menschlichen: Neben der unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Stellung des Heiligenkults und der katholischen Hierarchie weist Blocher auf sp\u00e4tgeschichtliche Entwicklungen hin, die im Widerspruch zur Heiligen Schrift stehen. Dar\u00fcber hinaus zeigt er, dass die r\u00f6misch-katholische Tradition in wichtigen Punkten wie der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis, die selbst von Thomas von Aquin abgelehnt wurde, nicht einstimmig war. (b) Der Angriff auf das Recht Gottes: Dies ist das Gegenst\u00fcck zur vorherigen Kritik. Blocher schreibt: \u201eDie Ausweitung der g\u00f6ttlichen Vorrechte macht die Verherrlichung Gottes zunichte\u201c (149). (c) Die monophysitische Versuchung: Blocher prangert die inkarnationistische Tendenz des Katholizismus an, wobei die Kirche als fortgesetzte Inkarnation Christi verstanden wird, die dazu neigt, die Grenze zwischen dem Sch\u00f6pfer und dem Gesch\u00f6pf zu verkleinern. (d) Die Schw\u00e4chung des \u201eEin f\u00fcr alle Mal\u201c: Die biblische <em>ephapax<\/em> des Werkes Christi wird in der Verwirklichung geschw\u00e4cht, da die Himmelfahrt vernachl\u00e4ssigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Blocher wuchs zwar in einem Land auf, das noch immer vom Katholizismus dominiert wird, er entwickelte sich jedoch weitgehend im Dialog mit der presbyterianischen Tradition, zwischen Anziehung und Unterscheidung. W\u00e4hrend er den lehramtlichen Reformern und ihren Nachfolgern gro\u00dfe Verdienste zuerkennt, \u00fcbt Blocher auch deutliche Kritik an einigen ihrer Schw\u00e4chen. Am meisten scheint ihn die Nivellierung der Unterschiede zwischen dem Alten und dem Neuen Bund und die damit einhergehende \u201ede jure\u201c-Zugeh\u00f6rigkeit der Kinder zur sichtbaren Kirche zu st\u00f6ren. Au\u00dferdem findet er, die einheitliche Tendenz (\u201etendance unitaire\u201c, 221) des reformierten Denkens, das auf die Erhabenheit und die Souver\u00e4nit\u00e4t des einen Gottes besteht, habe zur Folge, dass die eigentliche Aufgabe des Geistes vernachl\u00e4ssigt und die Bedeutung des pers\u00f6nlichen Glaubens der Gl\u00e4ubigen geschw\u00e4cht werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Kapitel entwickelt Blocher sein eigenes Verst\u00e4ndnis der Kirche, das freikirchliche Kirchenverst\u00e4ndnis. Es geht hier um eine Tradition, die in der Schrift ihre Wurzeln hat und im Zuge der radikalen Reformation und der reichen Geschichte der evangelischen Erweckung zum Ausdruck kommt. Es \u00fcberrascht nicht, dass die Anzahl der Fu\u00dfnoten und der historischen Verweise abnimmt, da die Vertreter dieser Sichtweise weniger Literatur als die vorherigen hervorgebracht haben. Trotz des unbestreitbaren Reichtums der Ausf\u00fchrungen, die sich sehr stark auf die Exegese der Heiligen Schrift st\u00fctzen, kann man sich dar\u00fcber wundern, dass Blocher es nicht f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt, die Gr\u00fcndungsdokumente der Baptistenv\u00e4ter heranzuziehen. Ebenso wenig nimmt er sich die Zeit, einen Dialog mit Miroslav Volf, einem der anregendsten Autoren dieser Tradition, zu f\u00fchren. Schlie\u00dflich scheint es ihm schwer zu fallen, die Translokalit\u00e4t der Kirche zu artikulieren, ein Thema, das in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund ger\u00fcckt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Kritikpunkte stellt Henri Blochers Werk unbestreitbar einen Wendepunkt hinsichtlich des Aufbaus einer konfessionellen Ekklesiologie dar. Sowohl formal als auch inhaltlich handelt es sich um ein Buch von hoher Qualit\u00e4t, das von Pastoren, Theologiestudenten und Theologen jeglicher Couleur gelesen werden sollte. Wir warten also sehr gespannt auf Band 2!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Matt Moury ist Pastor der Eglise Evangelique Baptiste in Argenteuil<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Henri Blocher: La doctrine de l\u2019\u00c9glise et des sacrements. 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