{"id":2246,"date":"2024-04-30T16:04:14","date_gmt":"2024-04-30T16:04:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2246"},"modified":"2024-04-30T16:04:14","modified_gmt":"2024-04-30T16:04:14","slug":"michael-berra-towards-a-theology-of-relationship-emil-brunners-truth-as-encounter-in-light-of-relationship-science","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2246","title":{"rendered":"Michael Berra: Towards a Theology of Relationship. Emil Brunner\u2019s Truth as Encounter in Light of Relationship Science"},"content":{"rendered":"\n<p>Michael Berra: <em>Towards a Theology of Relationship. Emil Brunner\u2019s <\/em>Truth as Encounter<em> in Light of Relationship Science<\/em>, Eugene: Pickwick, 2022, Pb., xviii+266\u00a0S., \u20ac\u00a035,99, ISBN <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781666737653\/towards-a-theology-of-relationship\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781666737653\/towards-a-theology-of-relationship\/\">978-1-6667-3765-3<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Dissertation des Schweizer Pastors Michael Berra, geschrieben an der London School of Theology und im Jahr 2022 erschienen, m\u00f6chte mithilfe der Theologie Emil Brunners eine \u201eTheology of Relationship\u201c erarbeiten. Es handelt sich dabei um eine interdisziplin\u00e4re Arbeit, in der die Theologie aus der noch jungen Disziplin der \u201eRelationship Studies\u201c bereichert werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch teilt sich gut nachvollziehbar in vier Teile, wobei zuerst Emil Brunner als <em>der<\/em> \u201eRelationship Theologian\u201c vorgestellt wird. Die Bedeutung Brunners wird anhand der theologischen Spannung aufgezeigt, die sich in Brunners Gegenwart entweder als Subjektivismus oder als Objektivismus zu l\u00f6sen versuchte. Dem stellte Brunner einen dritten Weg entgegen: eine Ich-Du-Beziehung zwischen Gott und Mensch (31). Berra m\u00f6chte mit seiner Arbeit beides neu in den Fokus r\u00fccken: Zum einen den Theologen Brunner, den er f\u00fcr vernachl\u00e4ssigt und missverstanden h\u00e4lt, zum anderen das Thema der Beziehung als ein Schl\u00fcsselthema christlicher Theologie. Gerade in Bezug auf das Thema aber werden Berras Ambitionen deutlich. F\u00fcr ihn bildet das Motiv der \u201eBeziehung\u201c mehr als nur einen Aspekt oder Teilbereich. Es ist vielmehr als hermeneutischer Grundsatz zu verstehen: Christliche Theologie sollte als eine \u201eTheologie der Beziehung\u201c entworfen und entfaltet werden, wozu Berra mit seinem Buch eine Grundlage und einen Ansto\u00df geben will.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem folgt im zweiten Teil eine Darstellung von Brunners theologischem Leitmotiv, der \u201ePersonal Correspondence\u201c. Sie bezeichnet eine Bestimmung Brunners, mit der er die Beziehung zwischen Gott und Mensch zu fassen versucht, einerseits als \u201eGod-towards-human\u201c (\u201eGott-zum-Menschen-hin\u201c, 94) und andererseits als \u201ehuman-towards-God\u201c (\u201eMensch-zu-Gott-hin\u201c, 115). Ontologisch ist diese Bestimmung nur insofern, als sie sich auf den \u201ewahren\u201c Menschen, nicht jedoch auf den \u201ewirklichen\u201c Menschen bezieht. Damit ist aber schon die Aufgabe vorgezeichnet, die Brunner folgert: Die \u201eGod-towards-human\u201c-Beziehung besteht in einem Ruf zur Wiederherstellung der \u201epersonal correspondence\u201c, die \u201ehuman-towards-God\u201c-Beziehung muss dabei als Antwort entfaltet werden. Die Beziehung ist demnach asymmetrisch zu verstehen, jedoch im Sinne einer \u201eHappy Asymmetry\u201c (119). Innerhalb dieser Beziehung wird es dem Menschen m\u00f6glich, durch den Glauben frei auf Gottes Zuwendung zu antworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Teil soll die theologische Figur der \u201eRelationship\u201c sowohl als brauchbare Analogie nachgewiesen wie auch im Licht der \u201eRelationship Science\u201c dargestellt werden. Dabei kann der Leser auf eine knappe Darstellung der Grundz\u00fcge der \u201eRelationship Science\u201c im Anhang zur\u00fcckgreifen (217). Au\u00dferdem geht Berra n\u00e4her auf die Frage nach einer brauchbaren Analogie ein, was wiederum zeigt, mit welcher Gr\u00fcndlichkeit er den Gedanken der \u201eRelationship\u201c auch \u00fcber Brunner hinaus zu seiner theologischen Grundlage machen will. Mithilfe einer funktionalen Theorie der Analogie lassen sich dann qualifizierte theologische Aussagen \u00fcber den Bezug von Gott und Mensch zueinander ganz in Analogie zu den uns bekannten zwischenmenschlichen Beziehungen treffen, da hier wesentliche \u00c4hnlichkeiten bestehen (141). Im Rahmen der m\u00f6glichen Qualit\u00e4ten, mit denen die \u201eRelationship Science\u201c unterschiedliche zwischenmenschliche Beziehungen beschreibt, ist die Gott-Mensch-Beziehung gekennzeichnet von Verbindlichkeit, Vertrauen und Intimit\u00e4t. Auch die Ungleichheit der Beziehungspartner verliert hier ihren bedrohlichen Charakter und markiert diese spezielle Beziehung in positiver Weise (169). Eine wichtige Einsicht Berras lautet, dass auch Brunners Beschreibung den Erkenntnissen der \u201eRelationship Science\u201c voll entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten und letzten Teil f\u00fchrt Berra die Ergebnisse schlie\u00dflich systematisch-theologisch zusammen. Die gesamte Arbeit, vor allem jedoch der letzte Teil, ist als Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Theologie der Beziehung zu verstehen. So versucht Berra mithilfe einer analogischen Argumentation die Notwendigkeit einer solchen Weichenstellung nachzuweisen \u2013 seines Erachtens <em>muss<\/em> Systematische christliche Theologie das Thema der Beziehung als Leitmotiv beinhalten und in jedem der untergeordneten Bereiche entfalten. Dem folgt zuletzt in einem Ausblick eine knappe Darstellung von 10 Thesen, die wegweisend f\u00fcr das zielgerichtete Erarbeiten einer solchen Systematischen Theologie sein sollen, die ganz vom Thema der \u201eRelationship\u201c gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Berra ist in der Lage, seine beiden Hauptanliegen in gro\u00dfer Klarheit zu vertreten; sowohl die Theologie Brunners als auch das Thema der \u201eBeziehung\u201c werden in ihrer Bedeutung \u00fcberzeugend vor Augen gestellt. Man kann ihm darin zustimmen, dass es sich bei Brunner um einen zumindest vernachl\u00e4ssigten Theologen handelt. In diesem Sinne ist durch die Wiederaufnahme von Brunners wesentlichen Anliegen ein wichtiger Beitrag erfolgt. Lehrreich ist auch die Aufnahme der \u201eRelationship Science\u201c und damit die Interdisziplinarit\u00e4t der Arbeit. Zudem kann es als gro\u00dfer Gewinn betrachtet werden, wenn das Thema der <em>Beziehung<\/em> zwischen Gott und Mensch \u2013 und damit ist ja auch die pers\u00f6nliche Ebene angesprochen \u2013 nicht nur praktisch-theologisch, sondern eben auch systematisch-theologisch relevant gemacht wird. Berra tut genau dies.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus besticht die Monographie durch eine gro\u00dfe sprachliche und strukturelle Klarheit, die gerade f\u00fcr theologische Arbeiten nicht immer selbstverst\u00e4ndlich ist. Obwohl es sich um eine englischsprachige Arbeit handelt, wird so der Zugang zum Inhalt auch f\u00fcr deutsche Leser sehr erleichtert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt jedoch vor allem im vierten Teil die Frage auf, ob der Autor dem eigenen leidenschaftlichen Anliegen f\u00fcr eine \u201eTheologie der Beziehungen\u201c nicht in der eigenen Arbeit h\u00e4tte mehr entsprechen k\u00f6nnen. Gerade der letzte Teil h\u00e4tte vielleicht Raum f\u00fcr eine ausf\u00fchrlichere Entfaltung geboten. Dem Ziel des Buches ist zwar in vollem Ma\u00df entsprochen \u2013 \u201e<em>Towards<\/em> a Theology of Relationship\u201c \u2013, die Thesen im Ausblick bleiben dabei dennoch sehr im Allgemeinen und lassen nicht erahnen, wie ein systematisch-theologischer Entwurf mit dem Leitmotiv der Beziehung denn konkret aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Berra gelingt es somit hervorragend, die Relevanz seiner Themen aufzuzeigen. Die von ihm gegebenen Impulse bez\u00fcglich der Theologie Brunners und des Themas der \u201eBeziehung\u201c sind ein wertvoller, wenn auch leider leicht verk\u00fcrzter Beitrag. Interessant ist das Buch nicht nur f\u00fcr die akademische Theologie, sondern auch f\u00fcr den praktischen Gemeindedienst.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Viktor Martens, Gemeindereferent der Bibelgemeinde G\u00fcnzburg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Berra: Towards a Theology of Relationship. 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