{"id":2283,"date":"2024-10-16T13:17:05","date_gmt":"2024-10-16T13:17:05","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2283"},"modified":"2024-10-16T13:17:06","modified_gmt":"2024-10-16T13:17:06","slug":"andreas-kaeser-gepflanzt-am-frischen-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2283","title":{"rendered":"Andreas K\u00e4ser: Gepflanzt am frischen Wasser"},"content":{"rendered":"\n<p>Andreas K\u00e4ser: <em>Gepflanzt am frischen Wasser. Weisheit und Poetik im Alten Testament<\/em>, Marburg: Francke-Buch, 2024, geb., 373\u00a0S.,\u00a0\u20ac\u00a022,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.francke-buch.de\/buecher\/sachbuch\/2971\/0\/andreas-kaeser-gepflanzt-am-frischen-wasser\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.francke-buch.de\/buecher\/sachbuch\/2971\/0\/andreas-kaeser-gepflanzt-am-frischen-wasser\/\">978-3-96362-393-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses Lehrbuch bildet die Fortsetzung zu <em>Reiseziel Altes Testament: Die Welt der biblischen Geschichtsb\u00fccher und ihre Botschaft<\/em>. W\u00e4hrend sich der erste Band mit den biblischen Geschichtsb\u00fcchern befasste, geht es in diesem Band um die Weisheitsliteratur und die poetische Literatur im Alten Testament. Dazu z\u00e4hlt der Vf. das Buch der Spr\u00fcche, Hiob, Prediger, den Psalter, Klagelieder, Hohelied, aber auch die Urgeschichte in Genesis. Au\u00dferdem gibt es einen Exkurs zur apokryphen Weisheitsliteratur.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Verfasser: <em>Dr. Andreas K\u00e4ser<\/em> hat Theologie und Germanistik studiert. 2007 promovierte er an der Uni T\u00fcbingen mit einer Studie zum Verh\u00e4ltnis von Literaturwissenschaft und historischer Exegese in alttestamentlichen Erz\u00e4hltexten. Seit 2017 ist er Dozent an der <em>Theologischen Akademie Stuttgart<\/em> und seit 2024 auch am <em>Theologischen Seminar Adelshofen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor der Vf. in die einzelnen biblischen Texte einsteigt, befasst er sich grunds\u00e4tzlich mit dem Thema Weisheit und Poetik. Einerseits wird hier Weisheit nach alttestamentlichem Verst\u00e4ndnis definiert und in die wesentlichen Merkmale alttestamentlicher Poesie (inklusive g\u00e4ngiger Stilmittel, wie z.&nbsp;B. der Parallelismus membrorum) eingef\u00fchrt. Andererseits wird die Textgrundlage eingegrenzt und dabei festgestellt, dass auch die Erz\u00e4hltexte und Prophetenb\u00fccher des AT weisheitliche und poetische Texte enthalten. Au\u00dferdem werden Josef, Salomo, Daniel und weitere Personen des AT als Vorbilder des weisheitlichen Lebens untersucht. Am Beispiel Salomos wird illustriert, dass Weisheit nicht nur erlangt, sondern auch bewahrt und gepflegt werden muss. Weiterhin wird auch auf Weisheit im NT verwiesen. In Bezug auf die Poetik ist besonders hervorzuheben, dass der Vf. sich nicht damit zufrieden gibt, die Stilmittel der alttestamentlichen Poetik darzustellen, sondern noch ein weiteres Kapitel einplant, indem Sinn und Zweck der Poetik dargestellt werden. Hier betont der Vf. das Prinzip der \u201eEntkonkretisierung\u201c (174), welches es dem Beter bzw. Leser erm\u00f6glicht, Identifikationspunkte zum poetischen Text zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zu den Kapiteln, die die einzelnen biblischen B\u00fccher behandeln. Hierbei geht es dem Vf. prim\u00e4r darum, die B\u00fccher bibelkundlich zu erschlie\u00dfen. Hin und wieder werden Impulse zur Anwendung oder auch Bez\u00fcge zum NT eingestreut. Die Einleitungsfragen werden relativ knapp abgehandelt, wobei der Vf. klar zu konservativen Deutungen tendiert.<\/p>\n\n\n\n<p>So geht er davon aus, dass ein Gro\u00dfteil des Spr\u00fcchebuchs auf K\u00f6nig Salomo (als Sammler, nicht so sehr als Verfasser der Sprichw\u00f6rter) zur\u00fcckgeht, erkennt aber an, dass einzelne Spr\u00fcchesammlungen von anderen Verfassern \/ Redaktoren (z.&nbsp;B. Agur, Lemuel) stammen. Dabei geht er nicht auf historische Anfragen ein, ob es z.&nbsp;B. ein salomonisches Gro\u00dfk\u00f6nigreich und eine salomonische Aufkl\u00e4rung tats\u00e4chlich gab. Die Abfassung des Hiobbuchs wird in die Zeit der Erzeltern eingeordnet. F\u00fcr das Predigerbuch l\u00e4sst der Vf. offen, ob dieses von Salomo verfasst und sp\u00e4ter sprachlich \u00fcberarbeitet wurde oder gem\u00e4\u00df dem Talmud auf Hiskias Schriftgelehrte zur\u00fcckgeht. Der Vf. geht davon aus, dass David der \u201eHauptautor des Psalters\u201c (267) ist, wenngleich einige Psalmen einen anderen Autor haben. Die Zuweisung <em>ledavid<\/em> ist zwar grammatisch \u201enicht eindeutig\u201c (267), dennoch geht der Vf. davon aus, dass die Worte \u201ein den meisten F\u00e4llen als Autorenangabe\u201c (267) zu verstehen sind. Beim Hohelied interpretiert der Vf. die Worte <em>lischlomo<\/em> in Hld 1,1 hingegen als Zuschreibung, welche auf eine salomonische \u00dcberlieferung verweist, die in der Hiskia-Zeit \u00fcberarbeitet wurde, \u00e4hnlich wie der Vf. es f\u00fcr das Predigerbuch in Anspruch nimmt. An dieser Stelle w\u00e4re eine ausf\u00fchrlichere Begr\u00fcndung oder der Verweis auf relevante Literatur hilfreich. Dass Jeremia der Verfasser des Buchs der Klagelieder ist, wie die LXX-Tradition es behauptet, h\u00e4lt der Vf. hingegen f\u00fcr \u201ewenig wahrscheinlich\u201c (300). Die apokryphische Schrift Weisheit Salomos ist laut Vf. pseudepigraphisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der Vf. die Einleitungsfragen nur sehr knapp behandelt, kann, je nach Zielgruppe, durchaus als eine St\u00e4rke des Buchs begriffen werden. Denn so liegt der Fokus darauf, die Aussagen zum weisheitlichen Leben im AT zu verstehen und eine Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die poetischen Texte zu entwickeln, ohne sich in technische Einzelheiten zu verwickeln. Das Buch motiviert, sich mit den Inhalten zu besch\u00e4ftigen, und wer das getan hat, hat anschlie\u00dfend auch eine bessere Grundlage, um die Einleitungsfragen zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit dem Buch der Spr\u00fcche wird der Tun-Ergehen-Zusammenhang als theologischer Begriff eingef\u00fchrt, wenngleich auch auf Ausnahmen im Buch der Spr\u00fcche hingewiesen wird. Das Hiob-Buch wird im Besonderen als solch eine Ausnahme gesehen, wonach es f\u00fcr das Leid nicht immer eine nachvollziehbare Erkl\u00e4rung gibt. Der Vf. sieht hier eine Vertiefung und keinen Widerspruch zur Lehre des Spr\u00fcchebuchs.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der Vf. auch die Urgeschichte behandelt, ist f\u00fcr ein Lehrbuch zur Weisheitsliteratur eher ungew\u00f6hnlich. Inhaltlich ist es jedoch angemessen, da dort Aussagen zu den Themen Sch\u00f6pfung und Anthropologie getroffen werden. Wiederum gelingt es dem Verfasser, inhaltliche Fragen zu kl\u00e4ren, ohne sich an kontroversen Fragen aufzuh\u00e4ngen. Er gibt allerdings zu bedenken, dass die biblischen Texte nicht zur Kl\u00e4rung von \u201enachmodernen Fragen\u201c (336) geeignet sind, wie z.&nbsp;B. dem genauen Hergang bei der Entstehung des Universums und des Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch wendet sich an interessierte Bibelleser und setzt keine speziellen Vorkenntnisse voraus. Es ist nicht erforderlich, aber durchaus von Vorteil, den ersten Band bereits gelesen zu haben, denn jener bietet auch eine allgemeine Einf\u00fchrung in das AT und in das Bibellesen. Das Cover des Buchs ist sehr ansprechend gestaltet; im Buchinnenteil ist die Zahl der Schaubilder noch ausbauf\u00e4hig. Entgegen anderen Lehrb\u00fcchern zu den Weisheitsb\u00fcchern gibt es kein ausgewiesenes Kapitel zur altorientalischen Weisheitsliteratur. Bei der Behandlung der biblischen B\u00fccher wird jedoch auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hingewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schade, dass die Schriftpropheten auch in diesem Band keine Ber\u00fccksichtigung fanden, auch wenn der Vf. anerkennt, dass es bei ihnen weisheitliche und poetische Texte gibt. Es bleibt zu hoffen, dass ihnen noch ein dritter Band gewidmet wird, um so die Reihe zu vervollst\u00e4ndigen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Wolfgang K\u00f6hler, Studienleiter der EuNC Gemeindeakademie, Senior Lecturer f\u00fcr Altes und Neues Testament am European Nazarene College<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas K\u00e4ser: Gepflanzt am frischen Wasser. 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