{"id":2289,"date":"2024-10-16T13:25:14","date_gmt":"2024-10-16T13:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2289"},"modified":"2024-10-16T13:25:33","modified_gmt":"2024-10-16T13:25:33","slug":"karin-finsterbusch-norbert-jacoby-mtl-ez-1125-4835-und-lxx967-ez-1125-4835","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2289","title":{"rendered":"Karin Finsterbusch \/ Norbert Jacoby: MTL-Ez 11,25\u201348,35 und LXX967-Ez 11,25\u201348,35"},"content":{"rendered":"\n<p>Karin Finsterbusch \/ Norbert Jacoby: <em>MT<sup>L<\/sup>-Ez 11,25\u201348,35 und LXX<sup>967<\/sup>-Ez 11,25\u201348,35. Synoptische \u00dcbersetzung und Analyse der Kommunikationsstruktur<\/em>, WMANT 172, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2023, geb., VII+526\u00a0S., \u20ac\u00a0100,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/57948\/mtl-ez-11-25-48-35-und-lxx967-ez-11-25-48-35\">978-3-525-56082-2 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Karin Finsterbusch \/ Norbert Jacoby: <em>MT<sup>L<\/sup>-Ez 11,25\u201348,35 und LXX<sup>967<\/sup>-Ez 11,25\u201348,35. Synoptische Leseausgabe des hebr\u00e4ischen und des griechischen Textes<\/em>, WMANT 172, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2023, geb., VII+194\u00a0S., \u20ac\u00a050,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/57949\/mtl-ez-11-25-48-35-und-lxx967-ez-11-25-48-35\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/57949\/mtl-ez-11-25-48-35-und-lxx967-ez-11-25-48-35\">978-3-525-56083-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Das Ezechielbuch existiert in zwei Editionen: In einer masoretischen Fassung (MT) und in einer Old Greek Fassung (LXX). Als die beiden wichtigsten Textzeugen f\u00fcr Old Greek gelten Papyrus 967 (LXX<sup>967<\/sup>) aus dem 2.\/3. Jh. und Codex Vaticanus (LXX<sup>B<\/sup>) aus dem 4. Jh. Diese beiden Textzeugen unterscheiden sich erheblich, was in der Regel auf den Einfluss der Hexapla des Origenes im 3. Jh. zur\u00fcckgef\u00fchrt wird, der die LXX dem MT angeglichen hat. W\u00e4hrend die nachhexaplaische LXX rund 4\u20135% k\u00fcrzer ist als der MT, unterscheidet sich der vorhexaplaische Textzeuge LXX<sup>967<\/sup>, von dem Ez 11,25\u201348,35 erhalten ist, noch weitergehend vom MT: Einerseits dadurch, dass das Kapitel Ez 37 der Gog-Magog-Perikope nachgestellt ist (36\u201338\u201339\u2013<em>37<\/em>\u201340), andererseits auch durch das Fehlen einiger Passagen (u.&nbsp;a. der sehr bekannten Passage 36,23b\u201338, wo ein neues Herz und ein neuer Geist verhei\u00dfen werden). Nach der \u00fcberwiegenden Mehrheitsmeinung (der sich auch Finsterbusch\/Jacoby anschlie\u00dfen) bietet LXX<sup>967<\/sup> eine \u00e4ltere Textfassung als MT.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Karin Finsterbusch und Norbert Jacoby bereits eine zweib\u00e4ndige synoptische \u00dcbersetzung von MT-Jeremia und LXX-Jeremia vorgelegt haben (2016: Jer 1\u201324; 2017: Jer 25\u201352), folgt nun in zwei B\u00e4nden eine synoptische \u00dcbersetzung und eine synoptische hebr\u00e4isch-griechische Leseausgabe von MT-Ez (in der Textgestalt des Codex Leningradensis, der auch der BHS und BHQ zugrunde liegt) und LXX<sup>967<\/sup>-Ez. Damit wird eine wichtige L\u00fccke geschlossen, gibt es von LXX<sup>967<\/sup>-Ez doch bisher keine \u00dcbersetzung (weder deutsch noch englisch) und auch nur Teileditionen des griechischen Textes.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer konzisen Einleitung im ersten Band werden die Textzeugen kurz vorgestellt. Zuerst wird LXX-Ez charakterisiert als eine insgesamt literale \u00dcbersetzung, in vieler Hinsicht der griechischen \u00dcbersetzung des Jeremiabuches \u00e4hnlich. Die These eines \u00dcbersetzerwechsels wird diskutiert und mit guten Gr\u00fcnden abgelehnt. Aus der originalgetreuen \u00dcbersetzung schlie\u00dfen die Herausgeber, dass der \u00dcbersetzer(kreis) nicht tiefgreifend in die Sinneinheiten des Ezechielbuches eingriff und darum eine von MT abweichende hebr\u00e4ische Vorlage benutzt haben muss. Die hebr\u00e4ischen Handschriften vom Toten Meer (Fragmente von sieben Ezechiel-Rollen) bieten freilich keine Belege f\u00fcr eine solche Vorlage, drei lassen sich nicht klassifizieren, zwei sind als proto-masoretisch, zwei als semi-masoretisch einzustufen. Die masoretische Kapitelabfolge 36\u201340 ist in MasEzek aus Masada belegt (1. Jh. v.\/n.&nbsp;Chr.). Einige Ezechiel-Zitate aus der fr\u00fchj\u00fcdischen Literatur weisen aber auf die Existenz einer nicht-masoretischen hebr\u00e4ischen Vorlage hin. Kleine Eigenheiten in der griechischen \u00dcbersetzung lassen vermuten, dass die \u00dcbersetzung eher in \u00c4gypten (Alexandrien) als in Pal\u00e4stina angefertigt wurde. Auch MT-Ez wird kurz eingef\u00fchrt: Seine Textstruktur wird im Vergleich zu LXX<sup>967<\/sup>-Ez als Erweiterung durch proto-masoretische Redaktoren gedeutet, w\u00e4hrend dem MT auf der Mikroebene auch gegen\u00fcber LXX \u00e4ltere Lesarten zugestanden werden. Als Entstehungszeit des proto-masoretischen Textes wird vorsichtig die fr\u00fche hellenistische Zeit angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend bietet die Einleitung aus dem ersten Band Erl\u00e4uterungen zur synoptischen \u00dcbersetzung (verwendete Textausgaben, Charakter der deutschen \u00dcbersetzung, Anordnung der Texte, Markierungssystem bez\u00fcglich der Unterschiede, Gliederung und Kommunikationsstruktur), bevor auf knapp 500 Seiten die synoptische \u00dcbersetzung geboten wird. Diese ist sehr sorgf\u00e4ltig und \u00fcbersichtlich angefertigt. In der \u00dcbersetzung selbst sind Textunterschiede kursiv markiert, Text\u00fcbersch\u00fcsse (auf beiden Seiten) grau hinterlegt. Damit kann man sich zu jedem Text schnell einen \u00dcberblick verschaffen. Zahlreiche Fu\u00dfnoten bieten Erl\u00e4uterungen zur \u00dcbersetzung, zu m\u00f6glichen hebr\u00e4ischen Vorlagen der LXX, zu m\u00f6glichen Gr\u00fcnden f\u00fcr die Textunterschiede, zu Varianten innerhalb der MT- bzw. LXX-\u00dcberlieferung, etc. In zwei Anh\u00e4ngen wird auch noch eine Synopse von MT<sup>L<\/sup>-Ez 37 und LXX<sup>967<\/sup>-Ez 37 geboten (die im Lauftext aus oben genannten Gr\u00fcnden nicht nebeneinanderstehen) sowie eine Synopse von MT<sup>L<\/sup>-Ez 1,1\u20134 und LXX<sup>B<\/sup>-Ez 1,1\u20134. Drei Beispiele aus der Synopse:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;&nbsp;&nbsp; MT<sup>L<\/sup>-Ez 24,18 formuliert: \u201eUnd ich redete zum Volk am Morgen. Und meine Frau starb am Abend.\u201c LXX<sup>967<\/sup> dagegen formuliert: \u201eUnd ich redete zum Volk am Morgen, eben wie er mir befohlen hatte am Abend.\u201c Da vorher nie von Ezechiels Frau die Rede ist, sondern lediglich von der \u201eLust deiner Augen\u201c (24,16), f\u00fchrt dies dazu, dass in LXX<sup>967<\/sup> wohl gar nicht vom Tod von Ezechiels Frau die Rede ist, sondern die \u201eLust deiner Augen\u201c den Tempel meint (vgl. 24,21).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;&nbsp;&nbsp; MT<sup>L<\/sup>-Ez 28,14 formuliert: \u201eDu (warst) ein Kerub\u2026\u201c, LXX<sup>967<\/sup>-Ez 28,14 dagegen \u201eDu \u2013 mit einem Kerub habe ich dich gesetzt.\u201c Ob der K\u00f6nig von Tyrus mit dem Kerub gleichgesetzt wird oder nicht, ist ein wichtiger Bedeutungsunterschied.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;&nbsp;&nbsp; Nach LXX<sup>967<\/sup>-Ez 46,24 sollen (gegen LXX<sup>B<\/sup>-Ez 46,24 und MT<sup>L<\/sup>-Ez 46,24) in den H\u00e4usern der Kochstellen die Opfer der <em>V\u00f6lker<\/em> (Pl.), nicht des <em>Volkes<\/em> (Sg.) gekocht werden. In der Fu\u00dfnote wird vermutet, dass LXX<sup>967<\/sup> hier sekund\u00e4r sei und die Pilger aus der Diaspora im Blick habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Band bietet sodann nach einer sehr kurzen Einf\u00fchrung eine synoptische Leseausgabe des hebr\u00e4ischen und des griechischen Textes von MT<sup>L<\/sup>-Ez und LXX<sup>967<\/sup>-Ez, wobei hier noch einmal zu unterstreichen ist, dass es sich beim griechischen Text von LXX<sup>967<\/sup>-Ez um die erste zusammenh\u00e4ngende Ver\u00f6ffentlichung des Ezechieltextes von P967 handelt, der bisher nur in Teilpublikationen zug\u00e4nglich war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ausgezeichnete Einf\u00fchrung im ersten Band und die vielen Anmerkungen in den Fu\u00dfnoten beider B\u00e4nde geben eine Interpretationshilfe f\u00fcr den textlichen Befund, doch die Edition erlaubt es nat\u00fcrlich auch, sich ein eigenes Bild zu machen und gelegentlich zu abweichenden Einsch\u00e4tzungen zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassen kann man den Wert dieser zweib\u00e4ndigen Ausgabe vielleicht am besten mit einem Gedanken, der mir bei der Lekt\u00fcre immer wieder durch den Kopf gegangen ist: H\u00e4tte es diese Ausgabe doch schon gegeben, als ich mein Ezechiel-Buch geschrieben habe! Karin Finsterbusch und Norbert Jacoby ist herzlich zu danken f\u00fcr dieses \u00fcberaus hilfreiche und wertvolle Hilfsmittel f\u00fcr das schriftgelehrte Ezechielstudium!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karin Finsterbusch \/ Norbert Jacoby: MTL-Ez 11,25\u201348,35 und LXX967-Ez 11,25\u201348,35. 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