{"id":2298,"date":"2024-10-16T13:31:52","date_gmt":"2024-10-16T13:31:52","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2298"},"modified":"2024-10-16T13:32:11","modified_gmt":"2024-10-16T13:32:11","slug":"sydney-tooth-suddenness-and-signs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2298","title":{"rendered":"Sydney Tooth: Suddenness and Signs"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sydney Tooth: <em>Suddenness and Signs. The Eschatologies of 1 and 2 Thessalonians<\/em>, WUNT\u00a0II\/610, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2024, kart., 251\u00a0S., \u20ac\u00a089,\u00ad\u00ad\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/suddenness-and-signs-9783161635632\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/suddenness-and-signs-9783161635632\/\">978-3-16-163563-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sydney Tooth ist Director of Postgraduate Studies &amp; Lecturer in New Testament and Greek am Oak Hill College in London und hat in der vorliegenden Arbeit eine leicht \u00fcberarbeitete Fassung ihrer 2020 an der University of Edinburgh abgeschlossenen Dissertation vorgelegt. Darin vergleicht sie die Eschatologien der Thessalonicherbriefe, um sie auf ihre Kompatibilit\u00e4t und Koh\u00e4renz zu befragen. Der Titel der Arbeit benennt die Spannung zwischen den unterschiedlichen Schwerpunkten der beiden Briefe: W\u00e4hrend im 1Thess die Pl\u00f6tzlichkeit (suddenness) des Tags des Herrn und der Parusie Jesu betont wird, stehen im 2Thess die Zeichen (signs), die deren Eintreffen vorausgehen, im Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Untersuchung besteht im Wesentlichen aus f\u00fcnf kompakten Teilen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1.&nbsp;Eschatologie des 1Thess (45 Seiten)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2.&nbsp;Eschatologie des 2Thess (41 Seiten)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3.&nbsp;Vergleich der beiden Eschatologien (19 Seiten)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4.&nbsp;Gemeinsame eschatologische Tradition (26 Seiten)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5.&nbsp;Einleitungswissenschaftliche Fragen (38 Seiten)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verfasserin stellt die umstrittene Frage der Verfasserschaft bewusst ans Ende der Arbeit, um nicht durch eine Vorentscheidung bestimmte Interpretationsm\u00f6glichkeiten der eschatologischen Texte in den beiden Briefen unber\u00fccksichtigt zu lassen. Folgerichtig erw\u00e4hnt sie an vielen Stellen die sich aus den unterschiedlichen Positionen zur Verfasserfrage ergebenden Konsequenzen f\u00fcr die Auslegung, ohne sich selbst bereits auf eine Position festzulegen (z.&nbsp;B. 97\u201399).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Kapitel werden zwei l\u00e4ngere (1Thess 4,13\u201318 und 5,1\u201311) und f\u00fcnf k\u00fcrzere eschatologische Texte (1Thess 1,9\u201310; 2,13\u201316; 2,19\u201320; 3,13 und 5,23\u201324) analysiert. Dabei werden die wesentlichen Interpretationsm\u00f6glichkeiten zu den f\u00fcr die Thematik wichtigen Auslegungsfragen \u00e4u\u00dferst pr\u00e4gnant dargestellt und beurteilt. Tooth pl\u00e4diert daf\u00fcr, nicht einseitig den Hintergrund in griechisch-r\u00f6mischen, alttestamentlichen oder fr\u00fchj\u00fcdischen Schriften zu suchen, sondern deren Bildmaterial erg\u00e4nzend heranzuziehen. Somit sei die Rede von der Parusie nicht einseitig als Kritik am Imperium zu lesen, aber doch als k\u00f6niglicher Empfang, der sich aufgrund der j\u00fcdischen Bilder (Trompete, Wolken) auf das Kommen Gottes bezieht (47\u201348). Mit John Barclay weist Tooth auf den Unterschied zwischen der Parusie (4,13\u201318) und dem Tag des Herrn (5,1\u201311) hin. Dieser Unterschied sei jedoch nicht zeitlich, sodass von zwei verschiedenen Ereignissen gesprochen werde, sondern beziehe sich auf Aspekte desselben Ereignisses (52\u201356).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Kapitel werden die zwei eschatologischen Abschnitte 2Thess 1,3\u201312 und 2,1\u201312 untersucht. Weil mehrere Ausleger auch hinter der in 2Thess 3,6\u201315 verhandelten Thematik einen eschatologischen Hintergrund vermuten, geht die Verfasserin im Anschluss auch noch auf diese Argumentation ein, lehnt einen eschatologischen Bezug letztlich jedoch ab. Neben vielen Einzelheiten widmet sich Tooth auch der die Auslegung bestimmenden Frage, weshalb bei den Empf\u00e4ngern das Ger\u00fccht aufgekommen ist, dass der Tag des Herrn bereits gekommen sei (2Thess 2,2). Auch hier schlie\u00dft sie sich im Wesentlichen John Barclays Vorarbeit an, der als Hintergrund eine lokale Katastrophe (z.&nbsp;B. Erdbeben, Hungersnot oder Krieg) vermutet, die von den Gl\u00e4ubigen als Gottes Gericht und somit als Tag des Herrn gedeutet worden sei. Weil aber die Parusie ausblieb, sei in der Gemeinde Angst ausgebrochen (89). Daneben weist Tooth immer wieder darauf hin, dass die Antwort des 2Thess viele Bez\u00fcge zur synoptischen Tradition (Mk 13par) und Daniel 7\u201312 enth\u00e4lt. So deutet sie auch das\/der Aufhaltende (\u03c4\u1f78 \u03ba\u03b1\u03c4\u03ad\u03c7\u03bf\u03bd\/\u1f41 \u03ba\u03b1\u03c4\u03ad\u03c7\u03c9\u03bd) in 2Thess 2,6\u20137 mit Colin Nicholl auf den in Daniel 12,1 erw\u00e4hnten Erzengel Michael.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in der Forschung gel\u00e4ufige Argumentation gegen die Echtheit des Zweiten Thessalonicherbriefs enth\u00e4lt in der Regel auch einen Hinweis auf die Unterschiede in der Eschatologie zum Ersten Thessalonicherbrief. W\u00e4hrend hier zur Naherwartung und einer st\u00e4ndigen Bereitschaft aufgefordert werde, r\u00fccke dort ein Fahrplan von vorausgehenden Ereignissen das Ende in weite Ferne. Nachdem Tooth einige prinzipielle \u00dcberlegungen zur Aussagekraft von Vergleichen zweier Texte anbringt, stellt sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Eschatologien in f\u00fcnf Bereichen dar: 1. Terminologie, 2. Terminierung, 3. Eschatologische Geschicke, 4. Mittlerschaft und 5. Umst\u00e4nde der Abfassung. Hier sei nur kurz eine Diskussion zur Terminierung erw\u00e4hnt: W\u00e4hrend Bart Ehrman und andere die prinzipielle Inkompatibilit\u00e4t der Pl\u00f6tzlichkeit (1Thess) und den vorausgehenden Zeichen (2Thess) postuliert, argumentiert Tooth, dass die Wiederkunft Jesu auch in 1Thess nur f\u00fcr Ungl\u00e4ubige unerwartet kommt, nicht aber f\u00fcr Gl\u00e4ubige. Somit seien in den beiden Briefen verschiedene Akzente aufgrund der verschiedenen Problematik gesetzt. Da sich hier wie auch sonst die Unterschiede auf die jeweilige Situation der Briefe und nicht auf deren Theologie beziehen, stellt Tooth in allen f\u00fcnf Bereichen eine Kompatibilit\u00e4t zwischen 1Thess und 2Thess fest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter der inhaltlichen Spannung zwischen der Betonung der Pl\u00f6tzlichkeit in 1Thess und dem Hinweis auf vorausgehende Zeichen in 2Thess sieht Tooth einen Zusammenhang zur synoptischen Tradition, dem sie im vierten Kapitel auf den Grund geht. In Mk 13,7 und Mt 24,6 findet sich dieselbe Vokabel (\u03b8\u03c1\u03bf\u03ad\u03c9 = erschrecken) in demselben Zusammenhang wie in 2Thess 2,2. Viele weitere Parallelen (z.&nbsp;B. das Bild vom Dieb in der Nacht) werden aufgezeigt und anschlie\u00dfend evaluiert, welche literarische Abh\u00e4ngigkeiten diese Parallelen erkl\u00e4ren k\u00f6nnten. Abschlie\u00dfend argumentiert Tooth (in Anlehnung an David Wenham), dass eine vorsynoptische Endzeitrede die gemeinsame Grundlage der Thessalonicherbriefen und Mk 13par bilde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende der Arbeit steht die bewusst zur\u00fcckgestellte Frage nach der Verfasserschaft. Hier diskutiert Tooth verschiedene Beurteilungen der Echtheit beider Thessalonicherbriefe aufgrund der bisher in der Forschung angef\u00fchrten Argumente. Dabei geht sie verschiedene m\u00f6gliche Konstellationen durch: 1. zwei pseudonyme Briefe; 2. pseudonymer 1Thess, authentischer 2Thess; 3. authentischer 1Thess; pseudonymer 2Thess; 4. zwei authentische Briefe. Ihr Fazit besteht darin, dass keiner der Einw\u00e4nde die Echtheit der Briefe beweisen oder widerlegen kann. Ausschlaggebend sei stattdessen, f\u00fcr welches Szenario ein \u00fcberzeugender \u00abSitz im Leben\u00bb rekonstruiert werden k\u00f6nne. Hier beurteilt sie die bereits erw\u00e4hnte Argumentation von John Barclay, dass die Empf\u00e4nger eine lokale Katastrophe als Tag des Herrn missverstanden haben, als beste Option und sieht daher die Echtheit des 2Thess als best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind zwei eher unbeliebte Themen der Paulusforschung (Eschatologie und Authentizit\u00e4t), deren sich Sydney Tooth in ihrer konzentrierten Arbeit angenommen hat. Ihr besonderer Verdienst liegt darin, dass sie die Eschatologien der beiden Thessalonicherbriefe zuerst unter Ausklammerung der Frage nach der Verfasserschaft vergleicht und nach den besten Erkl\u00e4rungsans\u00e4tzen f\u00fcr die hierbei gemachten Beobachtungen sucht. In den Einzelanalysen baut Tooth prim\u00e4r auf bestehende Beitr\u00e4ge auf, modifiziert diese jedoch meistens und f\u00fcgt sie zu einem koh\u00e4renten Gesamtbild zusammen. Dadurch kann sie zeigen, dass die Eschatologien der beiden Thessalonicherbriefe grunds\u00e4tzlich kompatibel sind. Der gr\u00f6\u00dfte Unterschied besteht zwischen der Pl\u00f6tzlichkeit der Wiederkunft Jesu nach 1Thess und den vorausgehenden Zeichen in 2Thess. Diese Spannung setzt aber gerade nicht voraus, dass die Briefe unterschiedlichen Verfassern mit unterschiedlichen Theologien zugeschrieben werden m\u00fcssen, findet sie sich doch ebenfalls in ein und derselben Rede der synoptischen Tradition.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Daniel Gleich, Dozent f\u00fcr Neues Testament, Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sydney Tooth: Suddenness and Signs. 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