{"id":2310,"date":"2024-10-16T13:51:02","date_gmt":"2024-10-16T13:51:02","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2310"},"modified":"2024-10-16T13:51:03","modified_gmt":"2024-10-16T13:51:03","slug":"ursula-ulrike-kaiser-neutestamentliche-exegese-kompakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2310","title":{"rendered":"Ursula Ulrike Kaiser: Neutestamentliche Exegese kompakt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ursula Ulrike Kaiser: <em>Neutestamentliche Exegese kompakt. Eine Einf\u00fchrung in die wichtigsten Methoden und Hilfsmittel<\/em>, UTB 5984, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2022, kart., 243\u00a0S., \u20ac\u00a022,\u2212, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/neutestamentliche-exegese-kompakt-9783825259846\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/neutestamentliche-exegese-kompakt-9783825259846\/\">978-3-8252-5984-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaiser (Jg. 1971) ist Professorin f\u00fcr Biblische Theologie und ihre Didaktik am Institut f\u00fcr Ev. Theologie und Religionsp\u00e4dagogik der TU Braunschweig und f\u00fcgt der Menge deutschsprachiger NT-Exegese-Studienb\u00fccher der letzten 15 Jahre ihr eigenes hinzu (Landgraf\/Metzger u.&nbsp;a. (2010); Wick\/Egger u.&nbsp;a. (6.&nbsp;neu bearb. Aufl. 2011); Schnelle (8.&nbsp;Aufl. 2013); Erlemann\/Wagner (2013); Finnern\/R\u00fcggemeier (2016); Fee u.&nbsp;a. (\u00fcbersetzt aus englisch 2018); Ebner\/Heininger (4.&nbsp;Aufl. 2018); N\u00e4gele (2022); Schart (2024)). Und tats\u00e4chlich ist ihr eine f\u00fcr Theologie Studierende (und Interessierte) \u00fcberaus hilfreiche, verst\u00e4ndliche, praktische und didaktisch hervorragend aufgebaute Einf\u00fchrung in die exegetische Methodik und Anleitung f\u00fcr eine exegetische Hausarbeit gelungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch ist nach einer Einf\u00fchrung in 5 Teile eingeteilt, wobei die Teile A-E dem methodisch sinnvollen Schritt-f\u00fcr-Schritt Vorgehen f\u00fcr die Erarbeitung einer exegetischen Hausarbeit entsprechen. Teil F enth\u00e4lt praxiserprobte Hinweise zum Verfassen einer solchen Arbeit (inkl. Antworten auf formale Fragen wie die Handhabung von Abk\u00fcrzungen, Parallelstellen oder Literaturverzeichnis) und ein Kapitel zu Vorteilen der Arbeit mit Bibelsoftware. Die Autorin ist sp\u00fcrbar auf dem neusten Stand der Digitalisierung und verweist am Ende jedes Kapitels oder bei entsprechenden Hilfsmitteln gleich mit einem QR-Code auf die entsprechende Internetseite. Insgesamt 65 Textbeispiele sind \u00fcber das ganze Buch eingearbeitet, z.&nbsp;T. und wo sinnvoll, wird ein Beispiel auch mehrmals bei verschiedenen Arbeitsschritten verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Teil A Textsicherung enth\u00e4lt Unterabschnitte zu \u201e\u00dcbersetzung\u201c, \u201eSachkl\u00e4rung\u201c, \u201eTextkritik\u201c und \u201eAbgrenzung der Perikope und Einordnung in das textliche Umfeld\u201c. Teil B erkl\u00e4rt unter der \u00dcberschrift \u201eDer Text als Ganzes \u2013 Vertiefende Textbeschreibung\u201c die Grammatische, Semantische, Narratologische und Pragmatische Analyse, wobei jeder dieser Schritte am Ende einen Abschnitt \u201eHilfsmittel\u201c enth\u00e4lt und durch \u201eVerkn\u00fcpfung mit anderen Exegeseschritten\u201c mit diesen verbunden ist. Letzteres ist besonders hilfreich und dankenswert. Denn angesichts der \u00fcber die klassische historisch-kritische Methodik hinaus meist unverbunden hinzugef\u00fcgten literarwissenschaftlichen Methodenschritte steht mancher Studierende hilflos vor einem Methodenpluralismus, aus dem man scheinbar nach eigenem Gutd\u00fcnken ausw\u00e4hlen kann. Das verneint Kaiser indirekt, indem sie ein klares und nachvollziehbares Vorgehen vorschl\u00e4gt, hinter dem ein angemessenes Verst\u00e4ndnis von Sprache und Verstehen von Literatur steht. Erst jetzt in Teil C (Der Text im Vergleich mit anderen Texten und Vorstellungen) und D (Der Text und seine Entstehungsgeschichte) folgen die klassischen Schritte der historisch-kritischen Methode. Zu ersterem geh\u00f6rt die Gattungs- und Traditionsanalyse, zu letzterem die Literarkritik und Redaktionsgeschichte. Interessanterweise schlie\u00dft Kaiser Teil D mit einem 2-seitigen Kapitel zur Frage \u201eHistorische R\u00fcckfrage \u2013 Ist das alles \u201ewirklich\u201c passiert?\u201c Die Frage wird mit der Bemerkung, sie sei \u201eauch nicht notwendig Bestandteil einer exegetischen Untersuchung\u201c beinahe wieder zur\u00fcckgenommen. Und die Hinweise, \u201eder Text selbst [sei] an dieser Art von historischer Berichterstattung nicht interessiert\u201c oder die \u201eFrage: &nbsp;\u201aHat sich das wirklich genau so ereignet?\u2018 ist eher selten die entscheidende.\u201c (205\u2013206) lassen wohl nicht nur Studierende eher ratlos zur\u00fcck. Teil E widmet sich schlie\u00dflich dem Text und seiner Wirkung. Ein nochmals sehr kurzes Kapitel \u201eInterpretation des Textes in seinem urspr\u00fcnglichen Kontext\u201c betont, dass alle methodischen Schritte letztlich gemeinsam der Deutung des ganzen Textes dienen sollen und das Ziel eine schl\u00fcssige Gesamtdarstellung ist. Das Kap. \u201eWirkungsgeschichte\u201c enth\u00e4lt auch eine hilfreiche Einf\u00fchrung in v.&nbsp;a. die deutschsprachigen Kommentarwerke (engl. nur Hinweis auf AncB und ICC).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaiser legt eine inhaltlich und didaktisch \u00fcberaus gelungene Einf\u00fchrung in die ntl. Exegese vor, die sogar f\u00fcr Studierende, die noch kein Griechisch gelernt haben, verst\u00e4ndlich und gewinnbringend ist. Gleichzeitig zeugen ihre Kap. zur Textkritik, \u00dcbersetzung, Semantik, Grammatik und narratologischen Analyse von gro\u00dfer Kenntnis aktueller Forschung. Die klassischen historisch-kritischen Schritte werden zur\u00fcckhaltend integriert. So umfasst z.&nbsp;B. das Kap. Literarkritik (inkl 2 Beispiele) nur vier Seiten und ich zweifle daran, ob Studierende nach dem Lesen nachvollziehen k\u00f6nnen, was sie damit anfangen sollen. Auch die Quelle Q wird zwar vorgestellt, aber ausdr\u00fccklich darauf hingewiesen, dass es sich um \u201eeine rekonstruierte Quelle\u201c handelt und \u201ewir uns hier auf stark hypothetischem Terrain\u201c bewegen (190). Besonders hilfreich, sind jeweils die in Kleindruck gesetzten Textbeispiele, an denen der besprochene Exegeseschritt gleich detailliert angewendet und kommentiert wird. Auffallend ist hier allerdings, dass 63 von 65 Beispielen aus den Evangelien stammen! Der Grund daf\u00fcr ist mir nicht klar, vielleicht dr\u00fcckt hier noch ein letztes Mal die Einseitigkeit der klassischen historisch-kritischen Methodenschritte durch, die sich fast ausschlie\u00dflich auf dem Hintergrund der Evangelienexegese entwickelt hatte?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was k\u00f6nnte man noch verbessern? Beim Kap. \u201eTextkritik\u201c ist mir nicht klar geworden, warum es erst <em>nach<\/em> der eigenen \u00dcbersetzung aus dem Griechischen angeordnet ist. D\u00fcrfte ich w\u00fcnschen, so w\u00fcrde ich bei den Hilfsmitteln f\u00fcr die eigene \u00dcbersetzung bei den Griechisch-englischen wissenschaftlichen W\u00f6rterb\u00fcchern auch BDAG<sup>3<\/sup> und bei der Grammatik die gro\u00dfe von von Siebenthal nennen (sein Kap. 4 zur Textgrammatik k\u00f6nnte Kaisers Kap. zur pragmatischen Analyse weiter befruchten). Im Moment werden beim INTF M\u00fcnster bereits 141 Papyri gef\u00fchrt (39) und wahrscheinlich kommt man \u00fcber kurz oder lang nicht darum herum, Studierende das vom selben Institut entwickelte Hilfsmittel der \u201eCoherence-Based Genealogical Method\u201c vorzustellen. Als Hilfsmittel bei der Grammatischen Analyse w\u00fcrde ich einen Hinweis auf die Reihe \u201eExegetical Guide to the Greek New Testament\u201c machen. Der isolierte (und nicht begr\u00fcndete) Hinweis einzig auf Hahns \u201eTheologie des Neuen Testaments\u201c (189) k\u00f6nnte sicher um einige weitere mehrb\u00e4ndige erg\u00e4nzt werden. \u2013 Das Buch ist drucktechnisch gut gemacht und erschwinglich, das Format von nur 12\u00d718,5 cm gew\u00f6hnungbed\u00fcrftig, aber wohl der Reihe geschuldet. Ein Schmunzeln des Rezensenten \u2013 und wohl nur Fragezeichen bei angehenden Theologiestudierenden \u2013 hat die v\u00f6llig kontextlose Bemerkung auf der vorletzten Seite des Buches hervorgerufen: Unter den praktischen Hinweisen zur Bibelsoftware Logos erkl\u00e4rt Kaiser, dass bei Benutzung der Suchfunktion kritische Vorsicht geboten sei, weil Texte Teil des Pakets sind, die sehr alt sind (ohne Lizenz) \u201eoder in eine eher evangelikale Auslegungstradition geh\u00f6ren\u201c (232). Auch hier k\u00f6nnte man bei einer Neuauflage gerne nachbessern und den Leser aufkl\u00e4ren, in welchem Sinne die evangelikale Auslegungstradition \u00e4hnlich wie die alten Texte kritische Vorsicht verlangt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. J\u00fcrg Buchegger-M\u00fcller, Pfarrer der Freien Evangelischen Gemeinde Wetzikon (Schweiz)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursula Ulrike Kaiser: Neutestamentliche Exegese kompakt. 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