{"id":2313,"date":"2024-10-16T13:53:06","date_gmt":"2024-10-16T13:53:06","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2313"},"modified":"2024-10-16T13:53:07","modified_gmt":"2024-10-16T13:53:07","slug":"heinz-werner-neudorfer-der-brief-des-judas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2313","title":{"rendered":"Heinz-Werner Neudorfer: Der Brief des Judas"},"content":{"rendered":"\n<p>Heinz-Werner Neudorfer: <em>Der Brief des Judas<\/em>, Historisch-Theologische Auslegung, Holzgerlingen: SCM Brockhaus \/ Brunnen, 2024, geb., 295\u00a0S., \u20ac\u00a043,\u2212, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/der-brief-des-judas.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/der-brief-des-judas.html\">978-3-417-29741-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Mit dem von Pfr. Dr. Heinz-Werner Neudorfer (seit 2018 im Ruhestand) kommentierten Judasbrief erscheint bereits die 16. Auslegung eines ntl. Buches in der Reihe HTA. Neudorfer hatte bereits die drei sogenannten Pastoralbriefe in der Reihe kommentiert und legt auch mit diesem Band eine gut lesbare und dem Anliegen der Reihe kompetent entsprechende Auslegung des lediglich 25 Verse umfassenden Briefes vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der einleitende Teil (15\u201388) behandelt die Text\u00fcberlieferung und Stellung des Judasbriefs im Kanon, gibt einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die Geschichte der Auslegung, analysiert Form und Sprache des Schreibens und beleuchtet die Intention und geschichtliche Situation. N. fasst das Profil des Jud so zusammen \u201eDie Sprache: sehr gutes Griechisch. Die Briefform: orientalisch. Die Quellen: j\u00fcdisch \u2013 kanonisch und apokryph. Die Situation: dramatisch.\u201c (50). F\u00fcr die Frage nach Autor, Adressaten, Zeit und Ort der Abfassung kommt er zum Schluss, dass \u201esehr viel daf\u00fcr spricht, in dem Herren-Halbbruder Judas die Person zu sehen, die hinter dem Judasbrief steht\u201c (64; mit m\u00f6glicher Mitwirkung eines Sekret\u00e4rs). F\u00fcr eine Identifizierung der Empf\u00e4nger fehlen konkretere Aussagen, allerdings scheinen sie in einer Beziehung zum Autor zu stehen und wegen ihrer selbstverst\u00e4ndlichen Kenntnisse atl.-j\u00fcd. Traditionen aus dem judenchristlichen Bereich zu stammen. Diese k\u00f6nnten geografisch in Syrien-Pal\u00e4stina, Kleinasien oder \u00c4gypten beheimatet sein, wobei am meisten f\u00fcr ersteres spreche, \u201eohne dass wir hier Sicherheit erlangen k\u00f6nnen\u201c (68). Nimmt man den Herrenbruder als Autor an, ergibt sich f\u00fcr die Abfassungszeit eine Spanne von den fr\u00fchen 50er-Jahren bis um 60 n.&nbsp;Chr. (beachte, dass auch Heckel in seinem 2019 erschienenen NTD-Kommentar um kurz vor 67 n.&nbsp;Chr. (mit Autor Herrenbruder) datiert) und als Ort wohl Jerusalem. Kap. 6 untersucht \u201eHintergr\u00fcnde, Traditionen, Quellen und literarische Beziehungen\u201c, insbesondere zu den Qumranschriften, der j\u00fcdisch-prophetischen Tradition, der Henochliteratur und zum 2Petr. Im Abschnitt zur Henoch-Literatur wird vorerst eine Auslegeordnung der Bez\u00fcge von Jud 14\u201315 zu \u00e4thHen 1,9 und AssMos (s. Jud 9) gemacht, die damit zusammenh\u00e4ngenden Fragen werden erst bei der Auslegung beantwortet (der Verweis in Anm.&nbsp;191 (74) sollte lauten \u201es. unten 156\u2013157\u201c und S.&nbsp;75 wird im Text ein engl. Zitat wiedergegeben, das auf derselben Seite in Anm.&nbsp;194 nochmals steht). Was die Parallelen zum 2Petr betrifft, so gibt der Abschnitt einen ersten kurzen \u00dcberblick und N. merkt in Anm.&nbsp;198 an, dass nach seiner \u00dcberzeugung Jud die Vorlage f\u00fcr 2Petr war und er die Beziehung beider Briefe daher \u201eerst in der Auslegung des 2Petr ausf\u00fchrlich ber\u00fccksichtigen\u201c werde (also wohl im entsprechenden HTA-Band; ein Hinweis auf diese Anm. w\u00e4re auf S. 120 hilfreich). Ein informatives Kap. zu \u201eBotschaft und theologische Aussagen\u201c schlie\u00dft den Teil ab, bevor im zweiten Hauptteil (89\u2013278) die Auslegung folgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Punkte zum ersten Teil des Kommentars sind dem Rezensenten aufgefallen: Die \u00dcberschrift \u201eFr\u00fche Auslegungen\u201c f\u00fcr Kap. 2.1 sollte erweitert werden, da in dem Abschnitt mit dem Canon Muratori oder Origenes nicht Auslegungen, sondern auch Erw\u00e4hnungen oder Zitationen des Briefes genannt werden. Das Kap. 2.8 \u201eAktueller Stand der Forschung\u201c f\u00fchrt die 20 wichtigsten Ver\u00f6ffentlichungen seit 1990 an, von denen alle au\u00dfer einer (R. Heiligenthal) in englischer Sprache verfasst sind. Daher h\u00e4tte dieser Abschnitt ohne weiteres gleich mit dem folgenden (2.9), mit dem Titel \u201eDie englischsprachige Forschung\u201c zusammengenommen werden k\u00f6nnen (wobei dieser etwas inkonsequent mit Verweis auf die zwei neusten deutschen Kommentare endet). Im Abschnitt 3.4 zu J\u00fcdischen Bestandteilen der Argumentation im Judasbrief ist nicht ohne weiteres nachvollziehbar, warum ausf\u00fchrlich (42) die hebr. Worte <em>drsch<\/em> und <em>ptr<\/em> besprochen werden. Zur Frage der \u201eGegner\u201c im Judasbrief wird vermerkt, man k\u00f6nne hier nicht weiter auf die Forschungsgeschichte eingehen (47), um dann doch Meinungen seit Clemens von Alexandrien bis zu Vertretern der Neuzeit zu referieren (47\u201350). Die Anm. 122 (53) entspricht w\u00f6rtlich der Anm.&nbsp;135 (56) und S.79 fehlen bei den vier Beispielen die Angaben der Stelle in Jud bzw. 2Petr.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auslegung des Briefes entlang der sieben strukturellen Abschnitte (1\u20132 Pr\u00e4skript; 3\u20134 Anlass\/Absicht; 5\u20137 drei bibl. Beispiele; 8\u201313 Bedeutung im Blick auf Irrlehrer; 14\u201316 Irrlehre und Henochtradition; 17\u201323 Aufgabe der Gemeinde angesichts der Bedrohung; 24\u201325 Schluss-Doxologie) erfolgt solide und bedacht. Angesichts der sp\u00e4rlichen Informationen im und au\u00dferhalb des Textes zum Kontext des Schreibens werden fair und \u00fcberzeugend die textlichen Grundlagen ohne Spekulationen erl\u00e4utert, unterschiedliche Argumente und Optionen abgewogen und n\u00fcchterne exegetische Entscheide gef\u00e4llt. Die Aussage in V.3 zu einem m\u00f6glichen fr\u00fcheren Brief versteht N. so, dass der Entschluss f\u00fcr einen solchen, grunds\u00e4tzlichen Brief gefasst worden und zumindest gedanklich schon begonnen war, als neue Nachrichten zu einer \u00c4nderung f\u00fchrten. Die die Christologie\/Trinit\u00e4t betreffenden Textvarianten in V.5 werden ausf\u00fchrlich (145\u2013150) besprochen und N. bevorzugt eine Lesart, die sich auf keine Handschrift st\u00fctzen kann: \u201e\u2026obwohl ihr (es) alles wisst, [\u2026], dass der Herr (JHWH) das Volk\u2026\u201c Zu der indirekten Anspielung in V.6 auf die AssMos (158 und ausf\u00fchrlicher 167\u2013169, 186\u2013188) und das Zitat aus \u00e4thHen in V.14\u201315 (213\u2013226) versucht N. zu kl\u00e4ren, wie man solche Einbindung nichtkanonischer Texte aus offenbarungstheologischer Sicht der Bibel verstehen soll. Er sieht die Hauptproblematik offenbar in der Kennzeichnung eines Zitats aus einem apokryphen Text als historisch tats\u00e4chlich von Henoch stammend und mit kanonischer Autorit\u00e4t sprechend (\u201ehat \u2026 Henoch \u2026 vorhergesagt\u201c). Sein Vorschlag, der Autor verwende das apokryphe Zitat \u201eeinfach als eine Art \u201ePredigtbeispiel\u201c\u201c (226; auch 161, 169, 187, 217) so wie wir Zitate von Luther, Schiller usw. zur Veranschaulichung und Verst\u00e4rkung einsetzen w\u00fcrden, beantwortet m.&nbsp;E. die aufgeworfenen Fragen nicht wirklich. Der apokryphe Text in \u00e4thHen besa\u00df keine Offenbarungsqualit\u00e4t (keine Inspiration) und wird hier in einer Form in den inspirierten Bibeltext aufgenommen, die bedeutet: Das Zitat stammt tats\u00e4chlich von Henoch (\u201eder Siebte von Adam an\u201c). Es besass und besitzt prophetische Qualit\u00e4t und nun im Text des Jud als inspirierter Text auch Autorit\u00e4t wie der Rest des Briefes. \u2013 Das Verb \u201etr\u00e4umen\u201c in V.8 versteht N. mit negativer Konnotation, das Wort <em>spilades<\/em> (V.12) wird hier eher \u201eSchandfleck\u201c als \u201eKlippe\u201c meinen. Bei den komplexen Textvarianten der V.22\u201323 geht N. von drei Personengruppen aus und liest beim Verb <em>diakrinomai<\/em> die Akkusativ-Variante.<\/p>\n\n\n\n<p>Formal gibt es in diesem Hauptteil des Kommentars nur wenige, kleine M\u00e4ngel neben einem gro\u00dfen \u00e4rgerlichen. Auf S.&nbsp;33 sind zwei Seitenhinweise in Klammern im Text stehen geblieben, die in eine Anm. geh\u00f6ren (s. auch 123, 129, 219, 222). In Anm.&nbsp;63 (108) sind drei griech. Worte ohne Grund fett gedruckt (auch 172). Anm.&nbsp;65 (109) weist darauf hin, dass ein nicht vorhandenes Zitat im Haupttext auf S.&nbsp;601 der Literaturangabe stehe. S.&nbsp;117\u2013119 arbeitet pl\u00f6tzlich mit Bullet-points und S.&nbsp;118 ist eine unn\u00f6tige Leerzeile entstanden (auch 171). Das \u201eA.a.O.\u201c in Anm. 50 (131) bezieht sich nicht auf die letzte, sondern auf die vorletzte Anm. Die \u00dcberschriften S.&nbsp;138\u2013144 2. bis 5. sollten linksb\u00fcndig sein. In Anm.&nbsp;63 (188) steht eine Information, die bereits im Haupttext S.&nbsp;186 steht. \u2013 Irritierend ist die undurchsichtig inkonsequente Handhabung der Umschrift griechischer Worte. Sollen sie immer im Haupttext (z.&nbsp;B. 36\u201337), oder doch nicht (z.&nbsp;B. 114, 141) oder nur ausnahmsweise (102) erfolgen; auch in den Fu\u00dfnoten (z.&nbsp;B. S.&nbsp;43 Anm.&nbsp;94; S.&nbsp;134 Anm.&nbsp;61), oder doch nicht (z.&nbsp;B. S.&nbsp;52 Anm.&nbsp;118 und meist; gemischt S.&nbsp;121 Anm.&nbsp;18); nur bei hebr. W\u00f6rtern (51\u201352) oder doch nicht immer (141, 179)? Eigentlich stehen griech. Worte ohne, und die Umschrift in eckigen Klammern, aber auch schon mal griech. Worte in eckigen (96) und Umschrift in runden (93, 97). Man vermutet, dass die Umschrift bei mehrfachem Vorkommen im fortlaufenden Text nur das erste Mal gesetzt werden wollte, aber auch das wird nicht konsequent gemacht (z.&nbsp;B. <em>doulos<\/em> 97; <em>adelphos<\/em> 98, 123). Bei einer eventuellen Neuauflage sollte das unbedingt vereinheitlicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich mit dem unscheinbaren Judasbrief besch\u00e4ftigt, findet in diesem Kommentar sowohl als Akademiker als auch als pastoraler kirchlicher Mitarbeiter vorbildliche Hilfe. Die aktuelle Forschungslage wird rezipiert, textlich-sprachliche Optionen sind kompetent besprochen, inhaltliche Fragen werden fair und ausgewogen diskutiert und die eigene Meinung wo n\u00f6tig zur\u00fcckhaltend profiliert. Der Autor scheut keine \u201eexegetisch, mehr noch hermeneutisch wohl schwierigste ,Nuss\u2018\u201c (213) zu besprechen, etwas, das man von einem Kommentar gerade besonders erwarten darf.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. J\u00fcrg Buchegger-M\u00fcller, Pfarrer der Freien Evangelischen Gemeinde Wetzikon (Schweiz)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz-Werner Neudorfer: Der Brief des Judas, Historisch-Theologische Auslegung, Holzgerlingen: SCM Brockhaus \/ Brunnen, 2024, geb., 295\u00a0S., \u20ac\u00a043,\u2212, ISBN 978-3-417-29741-6 Mit<\/p>\n","protected":false},"author":62,"featured_media":2314,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-2313","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2313","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/62"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2313"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2315,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2313\/revisions\/2315"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2314"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}