{"id":2319,"date":"2024-10-16T14:00:18","date_gmt":"2024-10-16T14:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2319"},"modified":"2024-10-16T14:00:18","modified_gmt":"2024-10-16T14:00:18","slug":"eleanor-dickey-latein-lernen-wie-in-der-antike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2319","title":{"rendered":"Eleanor Dickey: Latein lernen wie in der Antike"},"content":{"rendered":"\n<p>Eleanor Dickey: <em>Latein lernen wie in der Antike. Latein-Lehrb\u00fccher aus der Antike<\/em>. Aus dem Englischen \u00fcbersetzt von Marion Schneider, Basel: Schwabe Verlag, 2022, Hardcover\/geb., 217\u00a0S., \u20ac\u00a022,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/schwabe.ch\/Eleanor-Dickey-Latein-lernen-wie-in-der-Antike-978-3-7965-4088-2\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/schwabe.ch\/Eleanor-Dickey-Latein-lernen-wie-in-der-Antike-978-3-7965-4088-2\">978-3-7965-4088-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\u201eSprachsch\u00fcler, die Latein als Fremdsprache lernten, gab es auch in der Antike und deren Erfahrungen sind in mancher Hinsicht den unseren sehr \u00e4hnlich\u201c (15). Mit dieser Feststellung beginnt die Autorin Eleanor Dickey, Professorin f\u00fcr Klassische Philologie an der University of Reading (Gro\u00dfbritannien), ihre Einf\u00fchrung in \u201eLatein lernen wie in der Antike\u201c, erstmals 2016 erschienen unter dem Titel \u201eLearning Latin the Ancient Way\u201c. Die hier vorliegende deutsche \u00dcbertragung der Latinistin Marion Schneider erm\u00f6glicht nun einem breiteren deutschsprachigen Leserpublikum den Zugang zu Dickeys Buch, wobei die deutsche Ausgabe mehr ist als eine blo\u00dfe \u00dcbersetzung: Marion Schneider tauscht Beispiele der Autorin, wie z.&nbsp;B. das Weihnachtslied \u201eJingle Bells\u201c, gegen vergleichbare deutsche Texte (\u201eLeise rieselt der Schnee\u201c) aus und erg\u00e4nzt die englische Forschungsliteratur um aktuelle deutschsprachige wissenschaftliche Studien, um eine \u201em\u00f6glichst niedrigschwellige Verwendung im deutschsprachigen Unterricht\u201c (5) zu erm\u00f6glichen. Diese aufwendige Adaption f\u00fcr eine deutschsprachige Leserschaft ist gelungen und unterst\u00fctzt damit das Ziel, das das Buch verfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn die Autorin l\u00e4dt dazu ein, antike Schulbuchtexte im modernen Lateinunterricht zu verwenden. Sie hat damit zuerst die Praxis von Lateinlehrenden und Lateinsch\u00fclern heute im Blick. Zugleich spricht ihr Buch aber auch den historisch-philologisch Interessierten an, dem sie in Anmerkungen, mit der Bibliographie (214\u2013217) sowie einer detaillierten \u00dcbersicht \u00fcber die von ihr verwendeten antiken Originaldokumente samt Nennung der wissenschaftlichen Edition im Anhang (208\u2013213) einen vertieften Zugang zum Thema bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Einleitung (Kap. 1; 15\u201325) f\u00fchrt Dickey zun\u00e4chst in die spannende Frage ein, wer in der Antike wie, warum, zu welchem Zweck und mit welchen Lehrb\u00fcchern Latein lernte, bevor sie in acht Kapiteln (2.\u20139.; 26\u2013207) die lateinischen Lernmaterialien nach Gattungen, wie z.&nbsp;B. Dialoge, Grammatiken, Glossare, mit ausf\u00fchrlichen Textbeispielen vorstellt. Gerade diese Textbeispiele sind so aufbereitet, dass sie direkt in den heutigen Lateinunterricht \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen, freilich, wie die Autorin selbst mehrfach anmerkt, unter Umsetzung in aktuelle Unterrichtsdidaktik. Denn der Lateinunterricht in der Antike bestand in weitem Ma\u00dfe im Auswendiglernen von Texten.<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand von Latein-Lernmaterialien vom 2.&nbsp;Jh. v. Chr. bis zum 6.&nbsp;Jh. n. Chr. zeigt die Autorin, dass Latein als Zweitsprache vor allem im griechischsprachigen Osten des R\u00f6mischen Reichs gelernt wurde, und zwar sowohl von Kindern als auch als \u201enutzenorientiertes Unterfangen\u201c (17) von jungen Erwachsenen, die in der Interaktion im r\u00f6mischen Milit\u00e4r, f\u00fcr den Handel, f\u00fcr Reisen oder f\u00fcr das Praktizieren des r\u00f6mischen Rechts zumindest Grundkenntnisse des Lateinischen ben\u00f6tigten. Entsprechend wurde Latein auch in Kasernen und Rechtsschulen gelernt, hier mit Hilfe von zweisprachigen, griechisch-lateinischen Texten. Erst auf h\u00f6herer Lernstufe bestand auch die Notwendigkeit von W\u00f6rterb\u00fcchern, einsprachigen Glossaren oder Grammatiken, wobei manche Lateinlerner ganz auf das Schreiben und Lesen lateinischer Texte verzichteten und mit Hilfe von transliterierten Texten ausschlie\u00dflich die m\u00fcndliche Sprachf\u00e4higkeit ein\u00fcbten. Die unmittelbare Verwendbarkeit und der Praxisbezug sind charakteristisch f\u00fcr die von Dickey zusammengetragenen und analysierten antiken Lerntexte. Ebenso praxisnah sind die antiken Beispieltexte f\u00fcr Lateinunterricht heute aufbereitet: \u201eZiel ist es, [&#8230;] die Rekonstruktion der antiken Erfahrung des Lateinlernens zu erm\u00f6glichen, indem die antiken Materialien in einem Format zur Verf\u00fcgung gestellt werden, das es modernen Sch\u00fclerInnen erlaubt, damit wie die antiken Sch\u00fcler umzugehen\u201c (23).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Textgattungen sortiert und mit einer Kurzeinf\u00fchrung bietet Dickey in neun Kapiteln zahlreiche lateinisch-deutsche, nur lateinische und auch griechisch-lateinische Textbeispiele, die auch Lateinlernende heute ansprechen k\u00f6nnen, einen Einblick in das antike Leben und das \u201aAlltagslatein\u2018 geben und durchaus humorvoll sind. Exemplarisch sei die Gattung der Kolloquien angef\u00fchrt, \u201ezweisprachige Dialoge und Erz\u00e4hlungen, die f\u00fcr die Verwendung in einem fr\u00fchen Stadium des Spracherwerbs bestimmt waren\u201c (26). Hier geht es um alltagsnahe Szenen und das Lernen von Vokabeln daf\u00fcr, z.&nbsp;B. wenn ein Sch\u00fcler morgens aufsteht, sich anzieht und sich \u2013 so der lateinische Text \u2013 gleich drei Kleidungsst\u00fccke \u00fcberwirft, einen Mantel, ein \u00dcbergewand und einen Umhang (palla, alba, paenula), \u201evon denen im echten Leben kein einziges unter dem anderen getragen werden k\u00f6nnte\u201c (29), oder wenn ein Gast bei einer Abendgesellschaft s\u00e4mtliche Lebensmittel von Bohnen \u00fcber Fischsauce bis zu Tr\u00fcffeln zu speisen w\u00fcnscht. Solche Texte, darunter auch Abschnitte im Stil eines Sprachf\u00fchrers zum Thema \u201eBeleidigungen\u201c (74\u201377), \u201eAusreden\u201c (76\u201377) und \u201eBeschwerden\u201c (77\u201378), sind nicht nur vergn\u00fcglich zu lesen, sondern auch f\u00fcr den Lateinunterricht verwendbar. Andere Gattungen, wie z.&nbsp;B. Grammatiken, Glossare und lateinische Stil\u00fcbungen sprechen eher den wissenschaftlich interessierten Leser an, w\u00e4hrend die griechisch-lateinischen Texte ohne deutsche \u00dcbersetzung, z.&nbsp;B. aus den Fabeln Aesops (163\u2013165), vielleicht auch f\u00fcr beide Sprachen lernende Theologiestudierende interessant sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beispieltexte spiegeln die unterschiedlichen Lernniveaus und -situationen von antiken Lateinlernern wider. Die Einf\u00fchrungen dazu sind durchweg leicht verst\u00e4ndlich und zeigen zugleich in den Anmerkungen die profunde Gelehrsamkeit der Autorin, die zum Thema Lateinerwerb in der Antike bereits zahlreiche Arbeiten publiziert hat. Insofern ist es schade, dass sich die Diskussion \u00fcber die deutsche Ausgabe \u201eLatein lernen in der Antike\u201c auf einer gro\u00dfen Online-Plattform fast ausschlie\u00dflich auf die Verwendung des gro\u00dfen -i- (\u201eLateinlehrerInnen\u201c) der \u00dcbersetzerin konzentriert. Das wird dem Buch nicht gerecht, das mit den Worten eines antiken Lehrers gew\u00fcrdigt werden darf: \u201eBene fecisti; modo te laudo\u201c (41) \u2013 gut gemacht!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eleanor Dickey: Latein lernen wie in der Antike. Latein-Lehrb\u00fccher aus der Antike. 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