{"id":2337,"date":"2024-10-16T14:25:51","date_gmt":"2024-10-16T14:25:51","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2337"},"modified":"2024-10-16T14:25:52","modified_gmt":"2024-10-16T14:25:52","slug":"matthias-freudenberg-andreas-muehling-peter-opitz-hg-reformierte-bekenntnisschriften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2337","title":{"rendered":"Matthias Freudenberg \/ Andreas M\u00fchling \/ Peter Opitz (Hg.): Reformierte Bekenntnisschriften"},"content":{"rendered":"\n<p>Matthias Freudenberg \/ Andreas M\u00fchling \/ Peter Opitz (Hg.): <em>Reformierte Bekenntnisschriften<\/em>, <em>Bd. V: Ausgew\u00e4hlte Texte in deutscher \u00dcbersetzung, Bd. V\/1: 1523\u20131561, Bd. V\/2: 1563\u20132019<\/em>, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2023, Ln., VIII+405\u00a0S., VIII+397\u00a0S., \u20ac\u00a049,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/kirchengeschichte\/58307\/reformierte-bekenntnisschriften?number=VUR0010234\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/kirchengeschichte\/58307\/reformierte-bekenntnisschriften?number=VUR0010234\">978-3-525-55467-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eigentlich sollte an dieser Stelle der f\u00fcr 2024 angek\u00fcndigte Band 4\/2 der <em>Reformierten Bekenntnisschriften<\/em> (RefBS) besprochen werden. Doch der Herausgeberkreis ist \u00fcberraschenderweise der Fertigstellung des Gesamtwerks mit den beiden Teilb\u00e4nden 4\/2 und 4\/3 zuvorgekommen und hat Ende 2023 einen 802 Seiten starken 5. Band in zwei Teilb\u00e4nden herausgebracht. Die gro\u00dfz\u00fcgige F\u00f6rderung des Projekts durch den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat sich positiv auf die Preisgestaltung ausgewirkt: 49 Euro sind ein sensationeller Preis f\u00fcr zwei in Deutschland gedruckte und in Leinen gebundene B\u00fccher mit anspruchsvollem theologischen Inhalt! Mit Band 5 wird eine preiswerte Sammlung von vierzig Dokumenten in heutigem Deutsch ver\u00f6ffentlicht, die sowohl in theologischen Seminaren als auch in der Hand interessierter Leser Verwendung finden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorteile dieser vorz\u00fcglichen Edition fallen auf, wenn man sie mit vorangegangenen Auswahlausgaben, die f\u00fcr \u00e4hnliche Zielgruppen gedacht waren, vergleicht. Wilhelm Niesel ver\u00f6ffentlichte auf dem Hintergrund des Kirchenkampfes 1938 f\u00fcnfzehn Glaubenszeugnisse unter dem Titel <em>Bekenntnisschriften und Kirchenordnungen der nach Gottes Wort reformierten Kirche<\/em> (BSKORK). 11 Dokumente stammten aus dem 16. Jahrhundert, darunter der <em>Heidelberger Katechismus <\/em>im theologisch wichtigen Zusammenhang der <em>Kurpf\u00e4lzischen Kirchenordnung<\/em> von 1563 (Niesel 136\u2013218). Die Originalsprachen Latein, Franz\u00f6sisch und Englisch setzen eine gut ausgebildete Leserschaft voraus. Drei Theologische Erkl\u00e4rungen von 1933 und 1934 erg\u00e4nzten die Auswahl klassischer Bekenntnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Paul Jacobs gab 1949 <em>Reformierte Bekenntnisschriften und Kirchenordnungen in deutscher \u00dcbersetzung<\/em> (RBSKO) heraus. Diese Ausgabe umfasste nur acht zentrale Bekenntnistexte und war prim\u00e4r f\u00fcr den Gebrauch in der Gemeinde gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sammlung <em>Reformiertes Zeugnis heute<\/em> wurde 1988 von Lukas Vischer herausgegeben. Sie dokumentiert 22 Bekenntnistexte aus der neueren reformierten Tradition und sieben Dokumente aus Unionsverhandlungen. Neben der Unionsurkunde der Kirche von S\u00fcdindien (1941) kann man darin kirchliche Ver\u00f6ffentlichungen von 1953 bis 1984 vorwiegend aus Asien, Afrika und den USA, aber auch aus Europa und je ein Dokument aus Australien und Kuba finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als unmittelbarer Vorl\u00e4ufer des 5. Bandes der<em> Reformierten Bekenntnisschriften <\/em>erweist sich die Taschenbuchausgabe <em>Reformierte Bekenntnisschriften: Eine Auswahl von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart<\/em>, 2005 herausgegeben von Georg Plasger und Mattias Freudenberg (G\u00f6ttingen: V&amp;R, 280 S.) Sie enth\u00e4lt acht klassische Bekenntnisse aus den ersten 100 Jahren reformierter Theologie (die <em>Berner Thesen <\/em>1528, die <em>Fidei Ratio<\/em> 1530, den <em>Genfer Katechismus<\/em> 1545, das <em>Hugenottische Bekenntnis<\/em> 1559, das <em>Schottische Bekenntnis<\/em> 1560, den <em>Heidelberger Katechismus<\/em> 1563, das <em>Zweite Helvetische Bekenntnis<\/em> 1566 sowie die <em>Dordrechter Lehrs\u00e4tze<\/em> 1619). Dar\u00fcber hinaus sind f\u00fcnf neuere Verlautbarungen abgedruckt: das<em> Bekenntnis der Freien reformierten Synode Barmen<\/em> 1934, die <em>Barmer Theologische Erkl\u00e4rung <\/em>1934, die <em>Leuenberger Konkordie<\/em> 1973, das <em>Bekenntnis der Karo-Batak-Kirche in Indonesien<\/em> 1979 und das <em>Bekenntnis von Belhar<\/em> (Kapstadt, S\u00fcdafrika) 1986. F\u00fcr 20 Euro war das B\u00e4ndchen mit 13 Dokumenten 2005 noch eine erschwingliche Lekt\u00fcre f\u00fcr jedermann. Bis heute ist der Preis allerdings auf 32 Euro gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist der 5. Band der <em>Reformierten Bekenntnisschriften<\/em> mit vierzig Dokumenten und einem ausf\u00fchrlichen Sachregister mehr zu empfehlen. Niemand kann den K\u00e4ufern ver\u00fcbeln, dass sie sich f\u00fcr das vorliegende Werk RefBS Bd. 5 entscheiden. Das vorgegebene Ziel, in zeitgen\u00f6ssischer deutscher \u00dcbersetzung \u201eeine f\u00fcr die gesamte reformierte Bekenntnistradition repr\u00e4sentative Auswahl\u201c zu treffen, die \u201ebesonders auch die Wirkungsgeschichte und damit die geschichtliche Bedeutung der Bekenntnistexte ber\u00fccksichtigt\u201c (Vorwort, S. 3) wurde in den beiden Teilb\u00e4nden erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwerpunktm\u00e4\u00dfig wurden anhand vorgegebener Kriterien 24 Dokumente im Umfang von knapp 660 Seiten aus dem 16. und weitere sechs aus dem 17. Jahrhundert ausgew\u00e4hlt. \u201eEs sollten Bekenntnisse abgedruckt werden, die in ihrer Entstehungszeit eine zentrale, f\u00fcr die Gesamtheit der reformierten Lehre und Kirche repr\u00e4sentative und zum Teil auch \u00fcberregional bedeutsame Rolle eingenommen haben\u201c (13). Ihre Wirkung bis heute ist genauso wichtig wie die Aufnahme repr\u00e4sentativer Bekenntnisse aus der Reformation und der Zeit der Konfessionalisierung. Die Sammlung beginnt \u2013 500 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen \u2013 mit Zwinglis <em>67 Thesen <\/em>(1523). Es folgen die <em>Berner Thesen<\/em> (1528), das <em>Bekenntnis der ostfriesischen Prediger<\/em> (1528), die <em>Marburger Artikel<\/em> (1529), Zwinglis <em>Fidei ratio<\/em> (1530), die <em>Confessio Tetrapolitana<\/em> (1530), die Lehrartikel des <em>Berner Synodus<\/em> (1532), das <em>Waldenserbekenntnis <\/em>(1532), das <em>Basler Bekenntnis<\/em> (1534), die <em>Confessio Helvetica prior <\/em>(1536), der <em>Katechismus <\/em>und das <em>Glaubensbekenntnis von Genf <\/em>(1537\/1538), die <em>Genfer Kirchenordnung<\/em> (1541\/1561), der <em>Genfer Katechismus<\/em> (1542\/1545), der <em>Consensus Tigurinus<\/em> (1549), der <em>Kleine Emder Katechismus<\/em> (1554), die hugenottische <em>Confessio Gallicana<\/em> (1559\/1571), die <em>Franz\u00f6sische Kirchenordnung<\/em> (1559), die <em>Confessio Scotica<\/em> (1560) und die <em>Confessio Belgica<\/em> (1561).<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Heidelberger Katechismus<\/em> (1563) er\u00f6ffnet den zweiten Teilband. Ihm folgen die <em>39 Artikel der Church of England<\/em> (1563\/1571), die <em>Confessio Helvetica posterior <\/em>(1566), der <em>Consensus Sendomirensis<\/em> (1570), die <em>Akten der Emder Synode<\/em> (1571); aus dem 17. Jahrhundert (Nr. 25 bis 30) die <em>Bentheimer Artikel<\/em> (1613), die <em>Confessio Sigismundi<\/em> (1614), die <em>Irischen Religionsartikel <\/em>(1615), die <em>Canones von Dordrecht<\/em> (1619), die <em>Westminster Confession of Faith<\/em> (1647) und die <em>Helvetische Konsensformel<\/em> (1675).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Konsensformel folgt aus bekannten Gr\u00fcnden f\u00fcr mehrere Jahrzehnte kein neues reformiertes Bekenntnis. In Band 4\/1 der Reformierten Bekenntnisschriften sind allerdings 13 Texte aus der Zeit zwischen 1814 und 1874 ver\u00f6ffentlicht. Sie waren eher von lokaler Bedeutung und wurden deshalb nicht f\u00fcr Band 5 ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>So wird in Bd. 5\/2 die Dokumentation der reformierten Bekenntnisbildung (Nr. 31 bis 40) erst nach einem zeitlichen Abstand von 200 Jahren mit einem Text aus dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert, der<em> Cumberland Confession of Faith <\/em>(1883), wieder aufgenommen. Auf den 106 Seiten des zweiten Teilbandes von Band 5 mit zehn Dokumenten aus den letzten 140 Jahren folgen neun weitere Bekenntnisse aus der j\u00fcngsten Kirchengeschichte, vor allem aus dem 20. Jahrhundert. Sie werden auch in der wissenschaftlichen Edition (RefBS B\u00e4nde 4\/2 und 4\/3), abgedruckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich um die folgenden Bekenntnisse: das <em>Bekenntnis der Freien reformierten Synode Barmen<\/em> (1934), die <em>Barmer Theologische Erkl\u00e4rung<\/em> (1934), das <em>Bekenntnis der Vereinigten Presbyterianischen Kirche in den USA<\/em> (1967), die <em>Leuenberger Konkordie<\/em> (1973), das <em>Bekenntnis von Belhar<\/em> (1982\/1986) und die <em>Kurze Glaubenserkl\u00e4rung der Presbyterianischen Kirche der USA<\/em> (1991). Aus dem 21. Jahrhundert sind die <em>Erkl\u00e4rung von Accra<\/em> (2004), die <em>Neue Glaubenserkl\u00e4rung der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs <\/em>(2017) und <em>das Gemeinsame Verst\u00e4ndnis des christlichen Glaubens und Glaubenserkl\u00e4rung der Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien<\/em> (2019) beigegeben. \u2013 Bei den meisten Bekenntnissen und theologischen Erkl\u00e4rungen der letzten sechzig Jahre kann man den Trend beobachten, Fragen gesellschaftlich-\u00f6kologischer Ungerechtigkeiten als Situation aktualisierten Bekennens in den Vordergrund zu stellen. Das Interesse der Bekennenden verschiebt sich dem Anschein nach von der Heilstat Gottes in Christus zu den Taten, die von Christen und Nichtchristen in heutigen mehr oder weniger christlichen, hinduistisch-buddhistischen, atheistischen oder mehrheitlich islamischen Staaten (wie Indonesien) gefordert werden. Ganz abgesehen von der Frage, ob man mit diesen \u201eBekenntnissen\u201c das angestrebte Ziel der \u00dcberwindung ungerechter Verh\u00e4ltnisse auch nur partiell erreichen wird, m\u00fcssten die Konfessoren gefragt werden, ob sie ihre Monita nicht auf andere Weise besser und effektiver als in einem Glaubensbekenntnis oder einer \u00e4hnlich strukturierten Theologischen Erkl\u00e4rung zu Geh\u00f6r bringen k\u00f6nnten. An den kirchlichen Auftrag nach Mt 28,17ff erinnert beispielhaft 1934 der zweite Verwerfungssatz der 4. These der <em>Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung<\/em>: \u201eWir verwerfen die falsche Lehre, als solle und k\u00f6nne sich die Kirche \u00fcber ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche W\u00fcrde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden\u201c (RefBS 5\/2, 709).<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eAusgew\u00e4hlten Texte in deutscher \u00dcbersetzung\u201c sind eine gelungene Selektion bedeutender \u00e4lterer und moderner reformierter Bekenntnisse. Der Band wird von einem ausf\u00fchrlichen Sachregister erschlossen (781\u2013800). Dieses erlaubt einen schnellen Zugriff auf den vorz\u00fcglichen Querschnitt durch f\u00fcnf Jahrhunderte zentraler reformierter Glaubenstexte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Schriesheim<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Freudenberg \/ Andreas M\u00fchling \/ Peter Opitz (Hg.): Reformierte Bekenntnisschriften, Bd. V: Ausgew\u00e4hlte Texte in deutscher \u00dcbersetzung, Bd. 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