{"id":2340,"date":"2024-10-16T14:28:27","date_gmt":"2024-10-16T14:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2340"},"modified":"2024-10-16T14:28:28","modified_gmt":"2024-10-16T14:28:28","slug":"jim-davis-michael-graham-the-great-dechurching","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2340","title":{"rendered":"Jim Davis \/ Michael Graham: The Great Dechurching"},"content":{"rendered":"\n<p>Jim Davis \/ Michael Graham: <em>The Great Dechurching. Who\u2019s Leaving, Why Are They Going, and What Will It Take to Bring Them Back?<\/em> Grand Rapids: Zondervan, 2023, geb., XXIV+242\u00a0S., \u20ac\u00a030,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/faithgateway.com\/products\/the-great-dechurching-who-s-leaving-why-are-they-going-and-what-will-it-take-to-bring-them-back?variant=41064793112712\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/faithgateway.com\/products\/the-great-dechurching-who-s-leaving-why-are-they-going-and-what-will-it-take-to-bring-them-back?variant=41064793112712\">978-0-310-14743-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Jim Davis ist Pastor der <em>Orlando Grace Church<\/em> und Moderator des Podcasts <em>As in Heaven<\/em>. Michael Graham ist Direktor des <em>Keller Center of Cultural Apologetics<\/em>. Ihr Buch und die dahinterliegende Studie analysiert die gegenw\u00e4rtige religi\u00f6se Landschaft in Amerika, gibt Tipps, wie man verhindern kann, dass noch mehr Menschen die Kirche verlassen und liefert hilfreiche Vorschl\u00e4ge, wie man die zahllosen Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn erreichen kann, die heute nicht mehr der Kirche angeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notwendigkeit dieses Buches ergibt sich aus dem Kontext der amerikanischen Kirchengeschichte. In den Vereinigten Staaten gab es im 18. und 19. Jahrhundert drei Perioden, in denen die Zahl der Kirchenmitglieder rapide anstieg. So wichtig diese Wachstumsphasen auch waren, die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung fand in den letzten 25 Jahren statt. Vierzig Millionen Amerikaner haben aufgeh\u00f6rt, in die Kirche zu gehen. 15,5 Prozent der erwachsenen Amerikaner sind aus der Kirche ausgetreten. Schockierenderweise sind in den letzten 25 Jahren mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten, als w\u00e4hrend der ersten \u201eGreat Awakening\u201c (gro\u00dfe Erweckung), der zweiten \u201eGreat Awakening\u201c und den Billy-Graham-Evangelisationen zusammen Christen geworden sind (5). Daher auch der etwas zynisch wirkende Titel als diametrale Gegen\u00fcberstellung zu Erweckung: <em>The Great Dechurching<\/em> (Die gro\u00dfe Entkirchlichung).<\/p>\n\n\n\n<p>Davis und Graham greifen auf die Expertise der Soziologen Ryan Burge und Paul Djupe zur\u00fcck, die ihre Forschung jeweils in drei Phasen durchf\u00fchren. In Phase 1 versuchen die Forscher, das Ausma\u00df der Entkirchlichung (Dechurching) zu bestimmen. Eine entkirchlichte Person ist jemand, der fr\u00fcher mindestens einmal im Monat in die Kirche ging, jetzt aber weniger als einmal im Jahr (xxi). In Phase 2 werden Entkirchlichte aus allen religi\u00f6sen Traditionen befragt und es wird festgestellt, dass keine theologische Tradition, Altersgruppe, ethnische Zugeh\u00f6rigkeit, politische Zugeh\u00f6rigkeit, Bildungsgrad, geografische Lage oder Einkommensklasse von der Entkirchlichung in Amerika ausgenommen ist (xxiii). Phase 3 konzentriert sich auf Menschen, die aus evangelikalen Kirchen ausgetreten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePart 1: Meet the Dechurched\u201c: Obwohl Entkirchlichung \u00fcberall stattfindet, zeigen Umfragen, dass nicht alle Menschen aus den gleichen Gr\u00fcnden aus der Kirche austreten. Und so kommen die Autoren mithilfe ihrer Studie dazu, die Menschen in Gruppen zu sortieren, welche \u00e4hnliche Gr\u00fcnde f\u00fcr ihr Fernbleiben zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Davis und Graham liefern diese Beschreibungen der Entkirchlichten in \u201ePart 2: Profiles of the Dechurched\u201c. Sie skizzieren f\u00fcnf Gruppen, die sie in ihrer Forschung herausgefiltert haben: 1. Kulturelle Christen \u2013 die gr\u00f6\u00dfte Gruppe, die kaum Anzeichen einer Bekehrung zeigt; 2. Entkirchlichte Mainstream-Evangelikale \u2013 eine Gruppe, die sehr orthodox ist, aber aufgrund eines Umzugs oder ver\u00e4nderter Gewohnheiten nicht mehr zur Kirche geht; 3. Ex-Evangelikale \u2013 eine Gruppe, welche den Evangelikalismus als Gesamtheit hinter sich gelassen hat; 4. Entkirchlichte BIPOC \u2013 eine Gruppe, die Schwarze, Indigene und <em>People of Color<\/em> beschreibt, die sich entkirchlicht haben; und zuletzt 5. Entkirchlichte, progressive Protestanten und Katholiken \u2013 diejenigen, die sich von den amerikanischen Landeskirchen (Reformierte und Katholiken) abgewandt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201ePart 3: Engaging the Dechurched\u201c geht das Buch von der Beobachtung zur Tat \u00fcber. Die Erkenntnis, dass sich in den letzten 25 Jahren eine gro\u00dfe Zahl amerikanischer Erwachsener von der Kirche abgewandt hat, ist erschreckend, aber es gebe laut Davis und Graham Hoffnung auf Ver\u00e4nderung. Die Kirchen und Gemeinden m\u00fcssen ihre Struktur, Strategie und Doktrin in angemessener Weise anpassen, um die 51 Prozent der entkirchlichten Evangelikalen zu erreichen, f\u00fcr die ein Wiedereinstieg durchaus m\u00f6glich ist (120). Christen sollten zudem ihre Beziehungen zu Nicht-Christen und Aussteigern vertiefen und erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePart 4: Lessons for the Church\u201c handelt von praktischen Impulsen und f\u00fcnf Handlungsideen f\u00fcr Kirchen und Gemeinden. Der Weg zu einer Kirche mit wenig Austritten und wiedergewonnenen Aussteigern wird laut Davis und Graham darin bestehen, konfessionell und missionarisch zugleich sein (199\u2013215). Kirchen sollten theologisch verwurzelt sein (confessional) und s\u00e4kulare Menschen in ihrem Milieu zu Christus f\u00fchren (missional). Das Buch schlie\u00dft mit einer allgemeinen Ermutigung f\u00fcr Gl\u00e4ubige, sich an das Exil zu gew\u00f6hnen, in dem wir seit Beginn der Aufkl\u00e4rung (wieder) leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Aspekte erschwerten mir die Anwendung der Studie, wobei besonders der zweite eine sinnvolle \u00dcbertragung auf deutschsprachige Regionen hindert. Was bei der Ver\u00f6ffentlichung von Studien normalerweise gerne \u00fcberflogen wird, kommt hier zu wenig zum Tragen. Man erf\u00e4hrt sonderlich wenig \u00fcber Fakten und Methoden der Studie. Wie fundiert und wissenschaftlich sie ist, kann man nicht pr\u00fcfen, da sie dem Leser nicht vorgelegt oder zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Zum einen gibt es keinen Hinweis auf eine Begutachtung der Qualit\u00e4t der Forschungsmethoden, Datenanalyse und Schlussfolgerungen. Des Weiteren ist die Stichprobengr\u00f6sse von 1\u2019043\u20134\u2019099 Personen eher klein (xxii) und die Kriterien f\u00fcr die Stichprobenauswahl sind nicht ersichtlich. Zur Datenerhebung bleiben folgende Fragen offen: Sind die verwendeten Daten zuverl\u00e4ssig und glaubw\u00fcrdig? Wurden geeignete Instrumente zur Datenerhebung verwendet? Der letzte Mangel dieser Studie betrifft die allgemeine \u00dcberpr\u00fcfbarkeit durch Referenzen und Quellen: Fr\u00fchere Arbeiten und Studien werden kaum zitiert und referenziert. Auf diesem Hintergrund wirkt die Studie, und folglich die pr\u00e4sentierten Ergebnisse und Interpretationen teils unwissenschaftlich oder zumindest un\u00fcberpr\u00fcfbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Aspekt betrifft die Tatsache, dass wir in der evangelikalen Fr\u00f6mmigkeitsbewegung im deutschsprachigen Raum zwar \u00e4hnliche Profile wie in den USA haben, jedoch bei weitem nicht dieselben prozentualen Anteile. In Westeuropa erscheint es mir beispielsweise nicht sinnvoll, die Gruppe <em>BIPOC<\/em> \u00fcberhaupt als Profil zu definieren, da wir aus dieser Gruppe im Verh\u00e4ltnis zu den Vereinigten Staaten viel weniger Abg\u00e4nge haben. Daf\u00fcr haben wir hierzulande eine hohe Anzahl an <em>Exvangelicals<\/em>, also Personen, die mit dem Evangelikalismus jeglicher Form abgeschlossen haben. Der Postevangelikalismus, was sich mittlerweile als Sammelbegriff f\u00fcr so einiges in diesem Bereich etabliert hat, zeigt uns, was in Amerika im Rahmen der Emerging-Church Bewegung bereits vor zwei Jahrzehnten geschehen ist: Zweifler und Kritiker treten nicht einfach aus der Kirche aus, sie definieren Kirche und ihre Werte neu und bleiben in anderer Form in den Statistiken vorhanden. Wie begegnen wir dieser Bewegung? Das Buch lieferte zu klaren Kritikern und Zweiflern nur wenig Informationen. Die Betrachtung dieser Gruppierung h\u00e4tte intensiver ausfallen und gewichtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich empfehle <em>The Great Dechurching<\/em> f\u00fcr Gemeindeleiter trotzdem aus folgenden Gr\u00fcnden. Erstens ist es ein gro\u00dfer Vorteil, Forschungsergebnisse kennenzulernen, welche Eindr\u00fccke und Anekdoten von Menschen belegen, die nicht mehr zur Kirche gehen. F\u00fcr Gemeindeleiter ist es eine gro\u00dfe Herausforderung geworden, sich ein Bild von Aussteigern zu machen, welche nicht mehr auffindbar sind. Dar\u00fcber hinaus machen die Autoren die Forschungsergebnisse durch zahlreiche Grafiken und Diagramme zug\u00e4nglich und verst\u00e4ndlich. Die Umfragen helfen Leitern von Kirchen zu verstehen, warum Menschen die Kirche verlassen haben und was n\u00f6tig ist, damit sie diese zur\u00fcckgewinnen k\u00f6nnen. Die Geschichten am Anfang jeder entkirchlichten Splittergruppe (<em>Exvangelicals<\/em>, <em>Cultural Christians<\/em> etc.) helfen auch, den Statistiken Namen und Gesichter zu geben. Zweitens bieten die Autoren, obwohl sie sich auf die soziologische Forschung konzentrieren, im ganzen Buch viele praktische Vorschl\u00e4ge. Darum endet dieser Bericht auch mit der f\u00fcr die Autoren wichtigsten Anwendung: Laden Sie Ihre entkirchlichten Freunde wieder in eine gesunde Gemeinde ein. Laden Sie sie in Ihr Leben ein, zu dem die Kirche geh\u00f6rt (123).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Joshua Ganz, Pastor und Armeeseelsorger, Winterthur, Schweiz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jim Davis \/ Michael Graham: The Great Dechurching. 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