{"id":2343,"date":"2024-10-16T14:31:21","date_gmt":"2024-10-16T14:31:21","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2343"},"modified":"2025-10-06T09:21:43","modified_gmt":"2025-10-06T09:21:43","slug":"preston-sprinkle-transgender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2343","title":{"rendered":"Preston Sprinkle: Transgender"},"content":{"rendered":"\n<p>Preston Sprinkle: <em>Transgender. Eine wertsch\u00e4tzende Ann\u00e4herung aus christlicher Perspektive<\/em>, Basel: Fontis, 2024, geb., 350\u00a0S., \u20ac\u00a034,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.fontis-shop.ch\/products\/transgender?queryID=1db9d2bab0ff59b52076aa24b59f1896#mz-expanded-view-1386868648955\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.fontis-shop.ch\/products\/transgender?queryID=1db9d2bab0ff59b52076aa24b59f1896#mz-expanded-view-1386868648955\">978-3-03848-272-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Preston Sprinkle, Gr\u00fcnder <em>des Center for Faith, Sexuality &amp; Gender<\/em>, wagt sich mit dieser Publikation mit viel Demut an ein hei\u00df diskutiertes Thema. Sein Buch <em>Embodied: Transgender Identities, the Church, and What the Bible Has to Say<\/em>, das 2021 auf Englisch beim Verlag David C Cook (Colorado Springs, CO) erschien, ist nun im Fontis Verlag auf Deutsch erh\u00e4ltlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Theologe, Dozent und Autor Sprinkle wagt sich in diesem Buch an die Beantwortung der viel diskutierten Frage: \u201eWenn jemand eine Inkongruenz zwischen seinem biologischen Geschlecht und seinem inneren Selbstempfinden erlebt, woran entscheidet sich dann, wer er ist \u2013 und warum?\u201c (55). Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Nebenbei werden auch allgemeine Definitionen von Begriffen wie <em>transgender<\/em>, <em>nicht-bin\u00e4r<\/em> oder <em>gender-queer<\/em>&nbsp;gekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprinkle n\u00e4hert sich dem Thema aus theologischer, biologischer, soziologischer, philosophischer und nicht zuletzt aus pers\u00f6nlicher Sicht. Da es bei diesem Thema um Menschen und ihre Leidensgeschichte geht, d\u00fcrfen auch pers\u00f6nliche Geschichten aus Sprinkles Umfeld und Pastorenalltag in diesem Buch nicht fehlen. Man sp\u00fcrt sein Ringen um biblische Wahrheit und zugleich seine Sorge um reale Menschen mit realen Problemen. Auch wenn einzelne der oben genannten Bereiche oft ineinander \u00fcbergehen, gelingt es Sprinkle, sie getrennt voneinander zu behandeln und einzeln zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprinkle stellt nach dem Vorwort diverse Geschichten von realen Menschen vor, welche in vielf\u00e4ltiger Weise mit diesem Thema hadern. Den Definitionen widmet sich das ganze zweite Kapitel (\u201eZehntausend Geschlechter\u201c), beginnend mit dem Schl\u00fcsselbegriff <em>Transgender <\/em>und allen menschlichen Schattierungen und M\u00f6glichkeiten, sich als trans* zu identifizieren. Sprinkle setzt ein Sternchen hinter <em>trans<\/em>, um zu verdeutlichen, dass er den Begriff als \u201eOberbegriff f\u00fcr alle Arten und Weisen, wie Menschen ihre Geschlechtsidentit\u00e4t erleben, darstellen und ausdr\u00fccken\u201c nutzt (33).<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sich Kapitel 3 mit der Frage \u201eWas bedeutet es, trans* zu sein?\u201c besch\u00e4ftigt, wird ab Kapitel 4 (\u201eM\u00e4nnlich und weiblich im Bilde Gottes\u201c) die Bibel als Stimme f\u00fcr diese Thematik miteinbezogen. In diesem Kapitel wird sch\u00f6pfungstheologisch auf das Faktum verwiesen, dass wir Menschen mit unserem ganzen K\u00f6rper, Geschlecht und Wesen die Ebenbildlichkeit Gottes widerspiegeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Kapitel 5 begibt sich auf das konfliktreiche Terrain der \u201eGeschlechterstereotypen\u201c. Sprinkle stellt fest, dass Stereotypen zwar zutreffende Beschreibungen des Verhaltens einiger oder sogar vieler M\u00e4nner und Frauen sein m\u00f6gen, aber \u201esie sind keine biblischen Vorschriften f\u00fcr alle\u201c (95). Somit sei es gef\u00e4hrlich und irref\u00fchrend, wenn man beispielsweise die Sportart Fu\u00dfball oder die Farbe Blau mit M\u00e4nnern verbindet. Diese Stereotypen verursachen gerade einige Unstimmigkeiten und Verwirrungen bei Personen, die eben diese Klischees nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten Kapiteln behandelt Sprinkle Themen wie das Eunuchentum und die Intersexualit\u00e4t. Die beiden verwandten Themen werden aus biblischer und biologischer Sicht beleuchtet. Neurologische Aspekte flie\u00dfen in die Kapitel 8 und 9 ein, wenn es darum geht, einzelne K\u00f6rperteile wie Gehirn oder Seele auf Geschlechtsmerkmale hin zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte Schwerpunkt des Buches liegt auf spezifischen Fragen innerhalb der Trans-Community. Sprinkle behandelt Themen wie pl\u00f6tzliche Geschlechtsdysphorie bei Jugendlichen, Geschlechtsumwandlung f\u00fcr Gl\u00e4ubige und praktische Fragen wie Pronomen, Toiletten und Schlafr\u00e4ume. Abgerundet wird das Buch durch ein seelsorgerlich-dem\u00fctiges Schlusspl\u00e4doyer. Im Anhang findet man noch die durchaus wichtige Thematik der Suizidalit\u00e4t unter trans*-Personen. Mitf\u00fchlend sieht Sprinkle die eher hohe Selbstmordrate (vermutlich 22%) und findet drei gewichtige Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Einerseits spielen \u201eMinderheitenstress bei der psychischen Gesundheit von trans*-identifizierten Menschen eine gewisse Rolle\u201c (280). Als zweiten Grund nennt Sprinkle den sozialen Kontext einer Person: \u201eSuizidale Nachahmung ist in der Diskussion &#8230; ein wichtiger Faktor\u201c (277). Als letzten Grund nennt Sprinkle aber auch, dass das Vorhandensein von gleichzeitig auftretenden psychischen Problemen die hohe Rate weitgehend erkl\u00e4ren kann. Wenn die Suizidalit\u00e4t instrumentalisiert wird, \u201eum einem bestimmten ideologischen Standpunkt Nachdruck zu verleihen, k\u00f6nnte dies die Suizidrate bei Trans*-Personen eher erh\u00f6hen, anstatt sie zu verringern\u201c (283).<\/p>\n\n\n\n<p>Sprinkle gelingt es insgesamt, mit viel Demut und Forschergeist an das Thema heranzugehen. Die Breite der Themen zeigt, dass er mit den Betroffenen unterwegs ist und so fast alle notwendigen Themen abdeckt. Eine Unterbelichtung finde ich durch das ganze Buch hindurch im Bereich der Sch\u00f6pfungstheologie. Welche Implikationen ziehen wir aus Genesis 1 und 2 und was bedeutet es, dass Jesus und Paulus diese Lehren aufgreifen und bekr\u00e4ftigen? Woran orientieren wir uns, wenn soziologische und neurowissenschaftliche Hypothesen in Widerspruch zum biblischen Befund stehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich im ganzen Buch vermisst habe, ist eine historisch-philosophische Betrachtung. Zum einen geht Sprinkle kaum auf die Dominanz der LGBTQIA+-Community und ihrer Vertreter in unserer gegenw\u00e4rtigen westlichen Kultur ein. Wie kommt es, dass eine solche Minderheit mit ihren Themen regelm\u00e4\u00dfig auf den Titelseiten unserer Tages- und Wochenzeitungen landet? Wie kommt es, dass z.&nbsp;B. der \u00f6sterreichische Staat pl\u00f6tzlich sechs Geschlechter jedem B\u00fcrger anbietet? Diese Denkrichtung, um bewusst den Begriff \u201eIdeologie\u201c zu vermeiden, hat eine sehr spannende Geschichte, die wesentlich ist, um die gegenw\u00e4rtige Situation richtig einordnen zu k\u00f6nnen. Diese Linien und ihre philosophischen Einfl\u00fcsse aufzuzeigen, w\u00fcrde helfen, die lauten, manchmal sogar aggressiven Argumente dieser Gemeinschaft zu verstehen. Vermutlich h\u00e4tte es auch gereicht, die Str\u00f6mung seit Freud (Der Mensch wird erst durch sexuelle Befriedigung gl\u00fccklich) und Nietzsche (Nihilismus, Wille zur Macht) aufzugreifen und anhand des beginnenden S\u00e4kularisierungsprozesses aufzuzeigen, wann ein wichtiges Umdenken stattgefunden hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Unterbelichtung und des Fehlens der historischen Komponente ist das Buch aktuell und dringend notwendig. Ein Buch, das gleichzeitig eine konservativ-historische Sichtweise vertritt und die N\u00e4chstenliebe und das Zuh\u00f6ren hochh\u00e4lt; Wahrheit und Liebe gleichzeitig, ein biblisches Prinzip, das es zu befolgen gilt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Joshua Ganz, Pastor und Armeeseelsorger, Winterthur, Schweiz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Preston Sprinkle: Transgender. 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