{"id":2355,"date":"2024-10-16T18:37:47","date_gmt":"2024-10-16T18:37:47","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2355"},"modified":"2025-10-06T09:22:26","modified_gmt":"2025-10-06T09:22:26","slug":"timothy-j-keller-john-d-inazu-hg-uncommon-ground","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2355","title":{"rendered":"Timothy J. Keller \/ John D. Inazu (Hg.): Uncommon Ground"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Timothy J. Keller \/ John D. Inazu (Hg.): <em>Uncommon Ground. Living Faithfully in a World of Difference<\/em>, Nashville: Nelson, 2022, kt., xxii+214\u00a0S., \u20ac\u00a016,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.thomasnelson.com\/p\/uncommon-ground\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.thomasnelson.com\/p\/uncommon-ground\/\">978-1-4002-1960-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kann man seinem Glauben in einer Welt voller Fremdheit treu bleiben? Der Buchtitel verr\u00e4t bereits einiges \u00fcber die Absicht der amerikanischen Herausgeber John D. Inazu, Professor f\u00fcr Recht und Religion in St. Louis, und Timothy J. Keller, Pastor der Redeemer Presbyterian Church in Manhattan, mittlerweile verstorben (1975\u20132023). Die zentrale Frage des Buches lautet: <em>Wie k\u00f6nnen Christen auf ihre Mitmenschen zugehen, indem sie einerseits gerade die Menschen respektieren, deren \u00dcberzeugungen und Praktiken sich von den ihren Unterscheiden, und andererseits ihr Vertrauen in das Evangelium bewahren?<\/em> Dieser Frage gehen die Herausgeber gemeinsam mit zehn Autoren nach. Ziel ist es, die Negation des Titels in ein Positiv zu verwandeln: eine gemeinsame Basis \u00fcber tiefe und schmerzhafte Differenzen hinweg (common ground).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In westlichen L\u00e4ndern fehlt es an einer gemeinsamen Basis \u00fcber die Dinge, die den Menschen am wichtigsten sind. Die Herausgeber nennen dazu exemplarisch die DNA einer Nation, das Wohl der Allgemeinheit und die Bedeutung des menschlichen Wohlbefindens, ohne \u00fcber den Sinn des Lebens als eine weitere, sehr zentrale Differenz zu sprechen zu kommen (xv). Diese Differenzen nennt man Pluralismus und sie spalten unsere westliche Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Christenheit sollte darauf nicht mit Weltflucht reagieren, sondern Andersdenkenden mit christlichen Werten wie Demut (humility), Geduld (patience) und Toleranz (tolerance) begegnen. Diese Werte leiten die Autoren direkt aus der Bibel ab: \u201e\u00dcberhebt euch nicht \u00fcber andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein! [..] Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben\u201c (Eph&nbsp;4,2.15).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demut ist die Einsicht, dass Christen und auch Nichtchristen nicht immer beweisen k\u00f6nnen, ob etwas wahr oder falsch ist. Weil Christen um die Grenzen der Vernunft wissen, k\u00f6nnen sie anderen Meinungen in der \u00d6ffentlichkeit mit Demut begegnen. Geduld wiederum hilft, dem anderen aktiv zuzuh\u00f6ren, ihn verstehen zu wollen und gegebenenfalls nachzufragen. Auf diese Weise kann der Christ mehr Gemeinsamkeiten mit seinem Gespr\u00e4chspartner finden, als ihm bewusst war. Dar\u00fcber hinaus kann der Christ in einer Welt voller Unterschiede geduldig und hoffnungsvoll bleiben, weil er das Ende dieser Welt schon kennt. Der dritte Wert ist die Toleranz. Der Christ muss andere Ansichten und Praktiken nicht akzeptieren oder gar guthei\u00dfen, er kann sie vielmehr ertragen. Dabei kann er den Gespr\u00e4chspartner von Konzepten trennen und mit ihm eine Begegnung der N\u00e4chstenliebe suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Werte werden in dem Werk von zw\u00f6lf Beitr\u00e4gen anschaulich dargestellt. Jeder Beitrag geht in der einen oder anderen Form auf diese drei Werte ein. Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Der erste Teil behandelt mit vier Beitr\u00e4gen den \u201eintellektuellen\u201c Bereich: Wie denken Christen \u00fcber ihr Engagement und die Begegnung mit Andersdenkenden? Im zweiten Teil geht es in weiteren vier Beitr\u00e4gen darum, wie Christen sich in einer zunehmenden s\u00e4kularen und pluralistischen Gesellschaft in ein Gespr\u00e4ch einbringen. Im letzten Teil schreiben vier Mitwirkende \u00fcber die Verk\u00f6rperung dieses Engagements: Wie aktiv bringen sich Christen in die pluralistische Gesellschaft ein? Wo bauen Sie aktiv Br\u00fccken? Wo sind Christen \u201eCaregiver\u201c (Bezugsperson, Helfer)?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zw\u00f6lf Autoren dieses Werkes trafen sich in St. Louis, um \u00fcber die Art dieses Buches zu sprechen. Schnell wurde klar, dass jeder einige Geschichten und Erz\u00e4hlungen hatte, welche die Absicht des Buches gut illustrierten (xx). So ist dieses Werk eine Sammlung von Geschichten. Diese Geschichten wurden von Theologen, Pastoren, Priestern, Professoren, Songwritern, Lehrern, M\u00fcttern und V\u00e4tern geschrieben. Sie wurden geschrieben f\u00fcr Christen, welche eine leicht zug\u00e4ngliche Form der Antwort auf die eingangs gestellte Frage suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch ist so gegliedert, dass man nicht jeden Beitrag lesen muss, um der Botschaft folgen zu k\u00f6nnen. Man kann die Beitr\u00e4ge auch in beliebiger Reihenfolge lesen, da jeder f\u00fcr sich eine Geschichte erz\u00e4hlt, die dem Leser helfen soll, sein eigenes Umfeld einerseits besser zu verstehen und sich andererseits sinnvoll darin zu engagieren. Die Rollen und Perspektiven der Autoren sind jedoch von Kapitel zu Kapitel so unterschiedlich, dass es an vielen Stellen schwierig ist, dem roten Faden des Buches zu folgen. Au\u00dferdem erscheint die dreiteilige Struktur des Buches nicht sehr hilfreich, da die meisten Kapitel Gedanken (think), Sprache (speak) und Praxis (embody) vermischen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Buch ist kein Leitfaden f\u00fcr unsere pluralistische Kultur. Es ist eine Sammlung von einem Dutzend Geschichten verschiedener Menschen dar\u00fcber, wie sie mit den Herausforderungen von Wahrheit und Liebe in einer gespaltenen Welt umgegangen sind. Die Entscheidung, nur Geschichten zu erz\u00e4hlen, scheint mir die Anpassung an die eigene Situation zu erschweren. H\u00e4tten sich die Herausgeber f\u00fcr mehr Hintergrundmaterial und eine systematischere Gliederung der Gedanken entschieden, w\u00e4re das Buch einfacher und wahrscheinlich leichter zu \u00fcbertragen gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungeachtet dessen behandelt das Buch ein wichtiges und oft vergessenes Thema. Im Zeitalter der Moderne und Postmoderne ist es der Kirche oft bewusst oder unbewusst nicht m\u00f6glich, sich wirklich in die Gesellschaft einzubringen. Weltflucht ist f\u00fcr viele Kirchen fast schon eine Art christliche Tugend. Diese Abgrenzung vergr\u00f6\u00dfert leider die Kluft zwischen dem Christentum und unserem s\u00e4kularen, pluralistischen Westen. Die Herausgeber w\u00fcnschen sich ein unverwaschenes Evangelium, das mitten in dieser Welt, in jedem Umfeld platziert und bekannt gemacht wird. Wer diesen Wunsch teilt, kann von diesem Werk profitieren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Joshua Ganz, Pastor und Armeeseelsorger, Winterthur, Schweiz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Timothy J. Keller \/ John D. Inazu (Hg.): Uncommon Ground. 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