{"id":2401,"date":"2025-04-21T12:50:00","date_gmt":"2025-04-21T12:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2401"},"modified":"2025-04-21T12:50:01","modified_gmt":"2025-04-21T12:50:01","slug":"achim-behrens-das-wort-gottes-im-kontext-alttestamentlicher-hermeneutik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2401","title":{"rendered":"Achim Behrens: Das Wort Gottes im Kontext alttestamentlicher Hermeneutik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Achim Behrens: <em>Das Wort Gottes im Kontext alttestamentlicher Hermeneutik. Untersuchungen zum Wort Gottes und zum Gottesbild im Alten Testament<\/em>, FAT 166, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2023, geb., XII+402\u00a0S., \u20ac\u00a0154,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/das-wort-gottes-im-kontext-alttestamentlicher-hermeneutik-9783161622472\/\">978-3-16-162246-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denjenigen, die an hermeneutischen Fragen im Bereich des Alten Testaments arbeiten, ist Achim Behrens (B.) vielleicht schon durch sein ausgezeichnetes Lehrbuch <em>Das Alte Testament verstehen. Die Hermeneutik des ersten Teils der christlichen Bibel<\/em> (G\u00f6ttingen 2013) bekannt. Nun hat B., seit 2006 Professor f\u00fcr Altes Testament an der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel, seine Habilitationsschrift ver\u00f6ffentlicht, die an der Universit\u00e4t Bern unter der Begleitung von Andreas Wagner entstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer knappen Einleitung formuliert B. zun\u00e4chst eine grunds\u00e4tzliche Fragestellung, die das ganze Buch bestimmt, n\u00e4mlich \u201ewie die Exegese des Alten Testaments ein Teil der Theologie ist und eben nicht ausschlie\u00dflich der vorderorientalischen Religionsgeschichte\u201c (5). Im darauffolgenden ersten Kapitel (11-35) geht es dann um \u201eGrundfragen\u201c. Hier macht B. seine konfessionell-lutherische Perspektive transparent, wobei er den Stellenwert der Bibel mit Bezug auf die Konkordienformel von 1577 feststellt (11-12). Doch wie ist \u201eder Charakter der Bibel als Gottes Wort\u201c angesichts ihrer geschichtlichen Bedingtheiten im 21. Jahrhundert zu bestimmen? Eine Bestimmung durch Eigenschaften wie \u201eWiderspruchsfreiheit\u201c oder \u201eIrrtumslosigkeit\u201c lehnt B. ab (16-17). Stattdessen qualifiziere sich die Bibel dadurch als Wort Gottes, dass Menschen durch die Anrede des Wortes in Gesetz und Evangelium getroffen werden (19, 23).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Kapitel (37-117) behandelt das Verh\u00e4ltnis von Altem und Neuem Testament. Es geht hier also um das \u201ehermeneutische Problem des Alten Testaments\u201c und damit um die (keineswegs neue) Frage, wie eine urspr\u00fcnglich vorchristliche Schriftensammlung Relevanz f\u00fcr den christlichen Glauben besitzen kann. Hier diskutiert B. unterschiedliche Auslegungsans\u00e4tze, angefangen von der Alten Kirche \u00fcber Luther, dessen Hermeneutik besonders ausf\u00fchrlich dargestellt wird (51-63), bis zu Ans\u00e4tzen des 20. und 21. Jahrhunderts. In diesem Kapitel kommen auch \u201eModelle der Ablehnung des Alten Testaments\u201c (Marcion, Schleiermacher, von Harnack, Hirsch sowie in diesem Jahrhundert N. Slenczka) zur Sprache, die B. mit guten Gr\u00fcnden kritisiert (64-85). Am produktivsten in diesem Kapitel erscheinen die \u201eModelle des Zusammendenkens von Altem und Neuem Testament\u201c (85-113). An dieser Stelle seien nur knapp die Stichworte \u201eVerhei\u00dfung und Erf\u00fcllung\u201c und \u201eTypologie\u201c genannt, wobei B. auf einflussreiche Alttestamentler des 20. Jahrhunderts wie Zimmerli, von Rad und Wolff verweist sowie auf neuere Positionen wie die von Preu\u00df, Gunneweg, Kaiser, Oeming u. a. \u2013 diese Themen und Positionen sind allerdings ausf\u00fchrlicher im Hauptteil des oben genannten Lehrbuchs dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im kurzen dritten Kapitel (119-136) behandelt B. (noch einmal) die Frage nach dem \u201eSchriftprinzip\u201c. Mit Luther verweist er auf die Formel <em>sola scriptura<\/em> und auf das, <em>was Christum treibet<\/em> (120). Das Schriftprinzip sei allerdings in die Krise geraten, einerseits durch eine \u201efundamentalistische Verh\u00e4rtung\u201c, die einen formellen Wahrheitsbegriff zugrunde lege, vor allem aber durch die inzwischen allgemein akzeptierte Erkenntnis der historischen Bedingtheit der biblischen Schriften (122). Hier fragt B. zu Recht nach dem bis heute g\u00fcltigen Stellenwert der Bibel. Dieser ergebe sich durch die Mehrdimensionalit\u00e4t der biblischen Schriften, die sich durch ihre Rezeptions- und Wirkungsgeschichte zeige, sowie durch das (von B. vorausgesetzte, aber nicht eigens plausibilisierte) Textwachstum durch Fortschreibungs- und \u00dcberlieferungsprozesse (126). Gerade in letzterem sieht B. ein Indiz daf\u00fcr, dass die biblischen Texte f\u00fcr die Tradenten einen (heute noch nachvollziehbaren) \u201eAnredecharakter\u201c besessen h\u00e4tten. Daraus folge, dass die Suche nach einem existenziellen Aspekt der Texte eine wesentliche Fragestellung der historisch-kritischen Exegese bilde und nicht etwa einen unwissenschaftlicher Zusatz (130-131). Erst im Anschluss an all diese \u00dcberlegungen pr\u00e4sentiert B. seine vorrangige Fragestellung: Inwieweit ist den alttestamentlichen Texten \u2013 entsprechend den Grundannahmen der christlichen Theologie \u2013 ein Selbstverst\u00e4ndnis als \u201eWort Gottes\u201c eigen (133-136)?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Fragestellung behandelt B. im vierten Kapitel (137-248), dem Hauptteil der Arbeit. Dazu werden Texte untersucht, die den Ausdruck \u05d3\u05d1\u05e8\u05be\u05d9\u05d4\u05d5\u05d4 enthalten (oder auf andere Art auf das \u201eWort Gottes\u201c referenzieren), und zwar in den Prophetenb\u00fcchern, im Deuteronomium und im DtrG sowie in Ps&nbsp;33 und 119; au\u00dferdem werden das Verst\u00e4ndnis der Tora als \u05d3\u05d1\u05e8 sowie der Ausdruck \u05d3\u05d1\u05e8\u05be\u05d9\u05d4\u05d5\u05d4 am Schluss des hebr\u00e4ischen Kanons (2Chr&nbsp;36,22-23) behandelt. Die Exegesen in diesem Kapitel sind (vielleicht zu) ausf\u00fchrlich und k\u00f6nnen hier nicht im Detail wiedergegeben werden. Als grundlegendes Ergebnis l\u00e4sst sich aber festhalten, was sich vor allem bei der Untersuchung der Prophetenb\u00fccher, aber auch in anderen Texten zeige, n\u00e4mlich dass die vorausgesetzten Fortschreibungsprozesse exilisch-nachexilische Reflexionen \u00fcber das Wort Gottes darstellen (z.&nbsp;B. 155, 182), so dass die redaktionell zusammengestellten B\u00fccher insgesamt als Gotteswort rezipiert werden k\u00f6nnen und sollen (163). Immer wieder verweist B. auf intertextuelle Bez\u00fcge zwischen den Texten (z.&nbsp;B. 206-207), und insgesamt lasse sich festhalten, dass das Thema des Wortes Gottes \u201ewie eine Art intertextuelles Netz \u00fcber einer ganzen Reihe von Einzeltexten liegt und diese [\u2026] verkn\u00fcpft\u201c (249).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Folgerichtig behandelt das sich anschlie\u00dfende f\u00fcnfte Kapitel (249-267) das Thema \u201eIntertextuelle Kanonizit\u00e4t\u201c. Hier h\u00e4lt B. zun\u00e4chst grunds\u00e4tzlich fest, dass \u201edas Erheben intertextueller Bez\u00fcge immer auch eine Rezeptionsleistung ist\u201c; andererseits m\u00fcssen solche Bez\u00fcge \u201emit exegetischen Mitteln plausibel\u201c gemacht werden (250). Anschlie\u00dfend verweist er auf allseits bekannte redaktionelle Schl\u00fcsseltexte, die die drei Teile des hebr\u00e4ischen Kanons miteinander verbinden (Mal 3,22-24; Jos 1,7; Ps 1,2; Dtn 34,10), sowie auf weitere Texte, die ein \u201emessianisches\u201c intertextuelles Bezugssystem definieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sechste Kapitel (269-338) bietet eine kleine alttestamentliche Gotteslehre. Ausgangspunkt hierf\u00fcr ist die Frage, welche Gottesvorstellungen in der zuvor untersuchten Formulierung \u201eWort Gottes\u201c mitschwingen. Das Bild des redenden Gottes ist vielf\u00e4ltig, was B. mit dem Konzept der \u201eAspektive\u201c deutet, das von E. Brunner-Taut 1990 in die \u00e4gyptologische Forschung eingef\u00fchrt und seitdem in der alttestamentlichen Forschung breit rezipiert wurde. Die Studie wird durch ein zusammenfassendes siebtes Kapitel (339-352) abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es handelt sich hier um ein theologisch sehr engagiertes Buch, das breit konzipiert und gleichzeitig inhaltlich dicht ist. Wer sich als Alttestamentler mit hermeneutischen Fragestellungen besch\u00e4ftigt, wird an dieser gr\u00fcndlichen Studie nicht vorbeikommen. Etwas \u00e4rgerlich sind die vielen ausufernden Fu\u00dfnoten, die zum Teil wichtige Informationen enthalten. Solch ein Stil erschwert die Lekt\u00fcre unn\u00f6tigerweise, bildet aber vielleicht ein Symptom der <em>rabies theologicorum<\/em>, die nur schwer heilbar ist und die oft mit zunehmender Gelehrsamkeit fortschreitet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Carsten Ziegert, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule in Gie\u00dfen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achim Behrens: Das Wort Gottes im Kontext alttestamentlicher Hermeneutik. 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