{"id":2404,"date":"2025-04-21T12:57:37","date_gmt":"2025-04-21T12:57:37","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2404"},"modified":"2025-04-21T12:57:38","modified_gmt":"2025-04-21T12:57:38","slug":"h-h-hardy-m-daniel-carroll-r-hg-the-state-of-old-testament-studies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2404","title":{"rendered":"H. H. Hardy \/ M. Daniel Carroll R. (Hg.): The State of Old Testament Studies"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H. H. Hardy \/ M. Daniel Carroll R. (Hg.): <em>The State of Old Testament Studies. A Survey of Recent Research<\/em>, Grand Rapids, MI: Baker Academic, 2024, Pb., XIX+485\u00a0S., \u20ac\u00a044,83, ISBN <a href=\"https:\/\/bakeracademic.com\/p\/the-state-of-old-testament-studies-h-h-ii-hardy\/579871\">978-1540963659<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nun bereits 25 Jahre her, dass David W. Baker und Bill T. Arnold mit ihrem Sammelband <em>The Face of Old Testament Studies. <\/em><em>A Survey of Contemporary Approaches <\/em>einen \u00dcberblick \u00fcber damals aktuelle Themen, Methoden und Entwicklungen der alttestamentlichen Wissenschaft gegeben haben. Seitdem hat sich in der bibelwissenschaftlichen Forschung Grundlegendes ver\u00e4ndert: neue Fragen und Ans\u00e4tze werden diskutiert; neue Unterdisziplinen sind entstanden; interdisziplin\u00e4res Arbeiten hat zugenommen; und die eigenen Auslegungstraditionen und -kontexte werden hinterfragt (xxi). H. H. Hardy II, Professor of Divinity an der Beeson Divinity School, und M. Daniel Carroll R., Professor f\u00fcr Bibelwissenschaften und P\u00e4dagogik am Wheaton College, nehmen dies zum Anlass, einen erneuerten Drohnenflug \u00fcber die aktuelle Landschaft zu unternehmen. In ihrem Sammelband <em>The State of Old Testament Studies<\/em> haben sie daf\u00fcr ein breites Spektrum von renommierten Forschern zusammengef\u00fchrt, die die Leser in 32 Kapiteln \u2013 aufgeteilt in drei \u00fcbergeordnete Themenbereiche \u2013 durch die vielschichtigen und teilweise neuen Forschungsgebiete des Alten Testaments leiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Teil \u201eAncient Linguistic and Cultural Context\u201c behandeln die Autoren Fragen rund um den historischen und kulturellen Kontext der Bibeltexte. Die ersten drei Kapitel setzen sich dabei mit der Sprache und dem Text der hebr\u00e4ischen Bibel (Hardy und Fresch), textkritischen Ressourcen und Methoden (Tully) und dem aktuellen Stand der Qumran-Forschung (Longacre) auseinander. Darauf folgen vier Beitr\u00e4ge, die sich mit den arch\u00e4ologischen Befunden zur Geschichte des Alten Vorderen Orients auseinandersetzen: Sp\u00e4te Bronzezeit bis Eisenzeit I (Hawkins), Eisenzeit II (Shafer-Elliott und Fulton), neobabylonische und persische Periode (Silverman) und die hellenistische Periode (Ryan). Abhandlungen zur israelitischen Religion (Hess), zur Rolle biblischer Ikonografie (Strawn) und zur Prophetie im Alten Vorderen Orient (Hilber) runden diesen Buchabschnitt ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Teil \u201eOld Testament Scripture\u201c widmet sich den einzelnen B\u00fcchern und Gattungen des Alten Testaments. Hierbei werden sowohl Einleitungsfragen wie auch hermeneutische und thematische Schwerpunkte besprochen, die im Moment Gegenstand der Forschungsbem\u00fchungen sind. Nach einem einleitenden Kapitel zum Kanon (Dempster) stellen die Autoren die neuesten Entwicklungen in den verschiedenen Textgruppen vor: der Pentateuch (Boyd), Josua, Richter und Ruth (Lamb), Samuel-K\u00f6nige (Gilmour), die Chroniken (Ristau), Esra-Nehemia und Esther (Buster), die Psalmen (Grant), Weisheitsliteratur (Kynes), die gro\u00dfen Propheten (Kelle), die kleinen Propheten (Timmer) und apokalyptische Literatur (Cook).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Teil \u201eInterpretive Approaches\u201c findet sich eine facettenreiche Sammlung von verschiedenen thematischen-kulturellen Schwerpunkten, hermeneutischen Ans\u00e4tzen und theologischen Perspektiven, die in den letzten Jahrzehnten die alttestamentliche Forschung bestimmt haben. Die Aufs\u00e4tze behandeln dabei Studien zur Ideologie (Brett), zur Ethik des Alten Testaments (Carroll R.), sowie \u00f6kologische (Richter), literarische (Longman), kontextuelle (Lim) und soziologische (Coomber) Auslegungsans\u00e4tze. Dar\u00fcber hinaus finden sich Kapitel zu Gender und Sexualit\u00e4t (Davis), innerbiblische Exegese (Dell) und Migrationsstudien (Strine). Abgeschlossen wird das Buch durch zwei Kapitel zur theologischen Interpretation (Thomas) und zur Theologie des Alten Testaments (Chapman).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist zugegebenerma\u00dfen ein Mammutprojekt, die so weit verzettelte und vielschichtige wissenschaftliche Arbeit rund um das Alte Testament in einem 450-Seiten-Werk pr\u00e4gnant und doch umfassend zu repr\u00e4sentieren. Hier prallen die Komplexit\u00e4t des Forschungsfeldes, die Notwendigkeit einer klaren Struktur und Pr\u00e4sentation sowie die Erwartungen der Leser aufeinander und lassen sich nicht immer miteinander vereinbaren. Im \u00fcbergeordneten Sinn ist es den beiden Herausgebern gelungen, den Lesern einen \u00dcberblick \u00fcber die sich immer weiter entwickelnde Landschaft rund um das Alte Testament zu verschaffen und diese angemessen zu navigieren. F\u00fcr einen Einstieg in die Welt der alttestamentlichen Wissenschaft ist dieses Werk empfehlenswert. Auf der konkreten Ebene blieben bei der Lekt\u00fcre allerdings auf verschiedenen Ebenen Fragen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So konnte ich die konkrete Auswahl der Themen und Schwerpunkte der einzelnen Kapitel nicht (immer) nachvollziehen. Obwohl ich den Herausgebern sicherlich zustimme, dass die arch\u00e4ologische Forschung in den letzten 25 Jahren gro\u00dfe Meilensteine beschritten hat, war ich doch \u00fcberrascht, dass sich knapp ein Viertel des Buches mit diesen Entwicklungen besch\u00e4ftigt hat, w\u00e4hrend dem gro\u00dfen Themenfeld zur Theologie des Alten Testaments lediglich ein Kapitel gewidmet wurde. Ebenso verwundert war ich, dass das doch eher kleine Forschungsgebiet der Migrationsstudien in einem eigenen Aufsatz abgehandelt wurde, wohingegen die literarischen Ans\u00e4tze, die in den letzten Jahrzehnten in den Bibelwissenschaften an Breite und Tiefe gewonnen haben, auch nur in einem Aufsatz besprochen wurden. Hier h\u00e4tte ich mir eine etwas ausf\u00fchrlichere Einleitung mit zwei inhaltlichen Aspekten gew\u00fcnscht: Zum einen w\u00e4re es gut gewesen, Organisation und Schwerpunkte des Buches sowie die Auswahl der Themen und ihrer Vertreter auf mehr als einer Seite zu erl\u00e4utern (xxii). Zum anderen w\u00e4re es hilfreich gewesen, zu Beginn einige \u00fcbergeordnete Entwicklungen der alttestamentlichen Wissenschaft nachzuzeichnen, in die man die einzelnen Themenbereiche einordnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus war die Qualit\u00e4t der einzelnen Beitr\u00e4ge \u2013 wie in jeden Sammelband \u2013 sehr unterschiedlich. Die Herausgeber beschreiben die Aufgabe der einzelnen Autoren folgenderma\u00dfen: \u201eEach chapter surveys the subfield, presents different points of view, and gives proportional coverage to a diverse range of issues, including contemporary trends in research and ongoing controversies. Key bibliography is provided along with hospitable analysis of critical questions, major disputes, and methodologies\u201d (xxii). Dies ist vielen Autoren exzellent gelungen. Sie verschaffen den Lesern einen \u00dcberblick \u00fcber das Forschungsgebiet und diskutieren die damit einhergehenden Fragestellungen in einer ausgewogenen Weise. Leider gab es allerdings auch einige Beitr\u00e4ge, die methodisch und\/oder thematisch einseitig waren oder den Aufsatz als Plattform genutzt haben, lediglich ihre eigenen Positionen voranzubringen. So h\u00e4tte ich mir zum Beispiel neben den literarkritischen Entwicklungen auch einen \u00dcberblick \u00fcber theologische Fragestellungen der Pentateuchforschung gew\u00fcnscht. Genauso bin ich dar\u00fcber gestolpert, dass im Kapitel zur Weisheitsliteratur nur die Gattungsfrage besprochen wurde, obwohl es hier in den letzten Jahrzehnten viele neue literarische, theologische und ethische Perspektiven gab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gro\u00dfen und Ganzen ist dieser Band ein hilfreiches Werkzeug, um die sich so rasant ver\u00e4ndernde Forschungslandschaft rund um das Alte Testament zu \u00fcberblicken, die verschiedenen Ans\u00e4tze richtig einzuordnen und die vielschichtigen Ressourcen und Fragestellungen angemessen zu navigieren. F\u00fcr jeden, der in diesem Bereich auf dem neuesten Stand sein m\u00f6chte, lohnt es sich, dieses Werk durchzuarbeiten. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eva Dittmann, PhD (Wheaton College), Kairos Affiliate Professorin und Dozentin f\u00fcr Bibelwissenschaften am Theologischen Seminar Rheinland<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H. H. Hardy \/ M. Daniel Carroll R. (Hg.): The State of Old Testament Studies. 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