{"id":2413,"date":"2025-04-21T13:08:29","date_gmt":"2025-04-21T13:08:29","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2413"},"modified":"2025-04-21T13:08:29","modified_gmt":"2025-04-21T13:08:29","slug":"schneider-hans-otto-hg-glossar-zum-fruehneuhochdeutschen-unter-besonderer-beruecksichtigung-theologischer-und-kirchenpolitischer-texte-aus-der-zweiten-haelfte-des-16-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2413","title":{"rendered":"Schneider, Hans-Otto (Hg.): Glossar zum Fr\u00fchneuhochdeutschen, unter besonderer Ber\u00fccksichtigung theologischer und kirchenpolitischer Texte aus der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"\n<p>Schneider, Hans-Otto (Hg.): <em>Glossar zum Fr\u00fchneuhochdeutschen, unter besonderer Ber\u00fccksichtigung theologischer und kirchenpolitischer Texte aus der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts<\/em>, Controversia et Confessio 11, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht \/ Brill, 2024, Hb., 176 S., \u20ac 69,\u2013, ISBN-13 <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/detail\/index\/sArticle\/59112?srsltid=AfmBOorYF4zQdQKrbMcm1Z0b6KeRMEIxTOEjMFHBLFzjmzKxkGWDfqKH\">978-3-525-50086-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Leser fr\u00fchneuhochdeutscher Texte gibt es schon seit vielen Jahrzehnten brauchbare W\u00f6rterverzeichnisse (Glossare) und Lexika. H\u00e4ufig wird das \u201eKleine fr\u00fchneuhochdeutsche W\u00f6rterbuch\u201c von Christa Baufeld benutzt (T\u00fcbingen: Niemeyer, 1996). 2012 veranlasste W. de Gruyter in Berlin einen Nachdruck; der Text ist auch als E-Book und als Online-Ressource zug\u00e4nglich. \u2014 Schon erheblich l\u00e4nger wird das \u201eFr\u00fchneuhochdeutsche Glossar\u201c von Alfred G\u00f6tze konsultiert, seine erste Auflage erschien 1912 (KlT 101, Berlin: de Gruyter, 7. Aufl. 1967) G\u00f6tzes W\u00f6rterverzeichnis wurde 2014 und \u00f6fter neu aufgelegt, es ist ebenfalls als E-Book und online benutzbar. \u2014 Speziell auf den Wortschatz Martin Luthers ist das \u201eFr\u00fchneuhochdeutsche Glossar\u201c von Hans-Ulrich Delius und Michael Beyer zugeschnitten. Es erschien 1999 bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig als erster Teil des sechsten Bandes der Martin-Luther-Studienausgabe (7\u2013192). Die im gleichen Verlag erschienene \u201eDeutsch-Deutsche Studienausgabe\u201c wichtiger Werke Martin Luthers (hg. v. Dietrich Korsch, Johannes Schilling, Hellmut Zschoch u. a., Leipzig: EVA, 2012, 2015 und 2016) gibt ein lebendiges Beispiel sorgf\u00e4ltiger \u00dcbertragung der fr\u00fchneuhochdeutschen Luthertexte in heutige Sprache. \u2014 Weitere gro\u00dfe Online-W\u00f6rterb\u00fccher zur deutschen Sprache, unter anderen das \u201eDeutsche W\u00f6rterbuch\u201c von Jacob und Wilhelm Grimm, k\u00f6nnen \u00fcber das Online-Portal \u201eDigitales W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache\u201c (DWDS) oder auf der Internetseite des \u201eFr\u00fchneuhochdeutschen W\u00f6rterbuchs\u201c fwb-online.de abgefragt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Angesichts der F\u00fclle von Nachschlagewerken wird sich der geneigte Leser fragen, weshalb das vorliegende Glossar \u00fcberhaupt herausgegeben wurde. Schneiders W\u00f6rterverzeichnis legt als Quellen \u2013 wie schon der Titel sagt \u2013 besonders theologische und kirchenpolitische Texte aus der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts zugrunde. Der Begriff des \u201eFr\u00fchneuhochdeutschen\u201c wird allgemein f\u00fcr die deutsche Sprache von 1350 bis etwa 1600\/1650 verwendet. Mittelalterliches und barockes Deutsch markieren die Grenzen der Bezeichnung. Innerhalb dieser Epoche sind speziell theologische und kirchenpolitische, aber auch allgemeine Begriffe der zehn Textb\u00e4nde von \u201eControversia et Confessio\u201c (C&amp;C) aufgenommen worden, dar\u00fcber hinaus auch W\u00f6rter, die in den neu herausgegebenen \u201eBekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche\u201c (BSELK, 2014) und in zeitgen\u00f6ssischen Kirchenordnungen (EKO, hg. v. Emil Sehling) verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ein weiterer Grund f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung des Glossars ist das Editionsprinzip der Reihe C&amp;C, nach dem \u201esprachliche Erl\u00e4uterungen zu einem bestimmten Wort grunds\u00e4tzlich nur einmal pro ediertem Text angebracht worden [sind], meist beim ersten Auftreten in der entsprechenden Bedeutung\u201c. Au\u00dferdem b\u00fcndelt das Glossar \u201edie zur Erl\u00e4uterung verwendeten Synonyme, bietet insofern weitere Verst\u00e4ndnishilfen und \u00dcbersetzungsalternativen\u201c. (Vorbemerkungen, *5) Als Spezialw\u00f6rterbuch hilft das Glossar zum besseren Verst\u00e4ndnis der genannten und \u00e4hnlicher Texte zwischen 1550 und 1600. Der verzeichnete Wortschatz ist allerdings viel umfangreicher als das erfasste theologisch-kirchliche Vokabular, weshalb das Glossar auch f\u00fcr die Arbeit mit anderen fr\u00fchneuhochdeutschen Texten und Themen verwendet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Aufbau der W\u00f6rterliste ist zu bemerken, dass die Lemmata nicht normalisiert wurden. So ist beispielsweise das Wort \u201erhw\u201c (sic!) ebenso aufgenommen wie \u201erug\u201c \u2013 beide werden im Gegenwartsdeutsch mit \u201eRuhe\u201c wiedergegeben (106f). Anders als in germanistischen W\u00f6rterb\u00fcchern (\u201eB\u201c und \u201eP\u201c unter \u201eB\u201c, \u201eC\u201c unter \u201eK\u201c oder \u201eZ\u201c, \u201eD\u201c und \u201eT\u201c unter \u201eD\u201c usw.) werden bis auf die Buchstaben I, J und Y (75\u201377) phonetisch verwandte Buchstaben nicht zusammen behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Missverst\u00e4ndliche oder nicht verst\u00e4ndliche Originalbegriffe belegen den Zweck des Glossars. Wer viele fr\u00fchneuhochdeutsche Texte gelesen hat, wird die hier aufgef\u00fchrten Beispiele schon kennen: \u201efast\u201c hei\u00dft nicht nur \u201ebeinahe\u201c, sondern auch \u201edurchaus\u201c oder \u201esehr\u201c; \u201efromm\u201c bedeutet \u201erechtschaffen\u201c; \u201efrommen\u201c ist \u201eNutzen\u201c, \u201eVorteil\u201c, \u201eWohl\u201c. Der \u201eKasten\u201c (Kasse, Schrank, Zehntscheuer) ist zwar nicht aufgef\u00fchrt, aber der \u201eKastner\u201c als Verwalter der Eink\u00fcnfte und Ausgaben, heute auch noch \u201eK\u00e4mmerer\u201c. \u201eHoffarbe\u201c ist die \u201eFarbe eines F\u00fcrsten, die auch die Personen seines Hofes als Zeichen ihrer Zugeh\u00f6rigkeit tragen\u201c (73). \u201egemein\u201c bedeutet nicht nur \u201eboshaft\u201c, sondern allgemein, \u00f6ffentlich, und \u201evergn\u00fcgt sein\u201c nicht \u201efr\u00f6hlich\u201c, sondern \u201ezufrieden sein\u201c, \u201ees genug sein lassen\u201c. Das \u201ekreuz\u201c meint nicht nur das r\u00f6mische Todeswerkzeug, stattdessen \u201eLeiden (als Teil eines Lebens in der Nachfolge Christi)\u201c und \u201eBelastung\u201c (81). Der \u201enobis krug\u201c ist ein Synonym f\u00fcr \u201e(Wirtshaus der) H\u00f6lle, Vorh\u00f6lle\u201c, und \u201eEnturlaubung\u201c bedeutet \u201eEntlassung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; \u201ePolicey\u201c ist nicht \u201edein Freund und Helfer\u201c, sondern \u201eRegierung\u201c, \u201eVerwaltung\u201c und \u201eOrdnung\u201c. Ein \u201erewekauf\u201c hat nichts mit Einkaufen im Supermarkt zu tun, sondern bezeichnet einen \u201e(Vertrag \u00fcber eine) Konditionalstrafe\u201c, die im Fall eines R\u00fccktritts vom Vertrag (Reue) f\u00e4llig wird (auch: \u201ereukauf\u201c). Der Begriff \u201efron\u201c wird knapp als \u201eherrlich\u201c erkl\u00e4rt. Besser w\u00e4ren die beiden Bedeutungen, die man in anderen W\u00f6rterb\u00fcchern findet: \u201eAbgabe\u201c, \u201eHerrendienst\u201c (ahd. \u201efr\u00f4\u201c \u2013 Herr) und \u201eerhaben\u201c, \u201eg\u00f6ttlich\u201c, \u201eheilig\u201c, \u201eden Herrn betreffend\u201c (vgl. \u201eFronleichnam\u201c). Ein \u201eStockmeister\u201c ist der Gef\u00e4ngnisaufseher, der bei Festgenommenen \u201eF\u00fc\u00dfe in den Stock legen\u201c muss. Aus alten Berufsbezeichnungen wie \u201eKretzschmer\u201c (\u201eSchenke\u201c, \u201eWirtshaus\u201c) oder Momper (\u201eSachwalter\u201c) wurden im Lauf der Zeit Familiennamen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Immer wieder begegnen dem Leser heute nicht auf Anhieb verst\u00e4ndliche Begriffe aus der Lutherbibel, auch solche, die in den neueren Revisionen (1984, 2017) getilgt oder <em>horribile dictu<\/em> wieder eingef\u00fchrt worden sind. Manche der im W\u00f6rterverzeichnis erw\u00e4hnten Ausdr\u00fccke werden im Ged\u00e4chtnis blitzschnell mit Chor\u00e4len des 17. Jahrhunderts oder mit Kantatentexten von Johann Sebastian Bach verlinkt (\u201eIch bin ,vergn\u00fcgt\u2018 mit meinem Gl\u00fccke\u201c, BWV 84).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das von Hans-Otto Schneider besorgte Glossar ist eine w\u00fcrdige und praktische Erg\u00e4nzung der in \u201eControversia et Confessio\u201c ver\u00f6ffentlichten Auswahl theologischer Kontroverstexte. Die vorz\u00fcgliche Edition des Werkes l\u00e4sst gerne zu dem schmalen Band greifen. Man k\u00f6nnte sich die Wortliste in einer sp\u00e4teren erweiterten Auflage auch au\u00dferhalb der Reihe gut als separates fr\u00fchneuhochdeutsches W\u00f6rterverzeichnis vorstellen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schneider, Hans-Otto (Hg.): Glossar zum Fr\u00fchneuhochdeutschen, unter besonderer Ber\u00fccksichtigung theologischer und kirchenpolitischer Texte aus der zweiten H\u00e4lfte des 16. 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