{"id":2428,"date":"2025-04-21T13:22:34","date_gmt":"2025-04-21T13:22:34","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2428"},"modified":"2025-04-21T13:22:36","modified_gmt":"2025-04-21T13:22:36","slug":"stefan-schreiber-die-johannesbriefe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2428","title":{"rendered":"Stefan Schreiber: Die Johannesbriefe"},"content":{"rendered":"\n<p>Stefan Schreiber: <em>Die Johannesbriefe<\/em>, ThKNT\u00a021, Stuttgart: Kohlhammer, 2025, 357\u00a0S., kt., \u20ac\u00a059,\u2212, ISBN: <a href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/die-johannesbriefe-20771.html#147=22\">978-3-17-020771-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Stefan Schreiber (Prof. f\u00fcr Ntl. Wissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Augsburg) kommentiert in der von ihm mitherausgegebenen Reihe die Johannesbriefe kompetent und hilfreich auf 320 Seiten (11-48 Einleitung 1-3Joh; 49-261 zum 1Joh; 262-298 zum 2Joh; 299-329 zum 3Joh). Er schlie\u00dft sich mit \u00fcberzeugenden Argumenten den Forschern (Lieu, Wade, Rusam, Griffith, Jensen, Streett, Hahn, Olsson u. a.) an, die eine \u201enicht-polemische\u201c Lesart der Briefe vertreten. Im Hintergrund der konfliktbedingten Ausf\u00fchrungen und Abgrenzungen im 1-2Joh steht nicht etwa die lehrm\u00e4\u00dfige Abwehr eines Doketismus oder gar der Gnosis, sondern die Frage, ob Jesus der j\u00fcdische Messias ist (\u201edass Jesus der Christus ist\u2026\u201c (1Joh 2,22; 5,1ff). Die Formulierung \u201eim Fleisch gekommen \/ kommt\u201c (1Joh 4,2; 2Joh 7) meint die verg\u00e4ngliche und mit Schwachheit behaftete Existenz des Menschen Jesus (der der Messias sein soll? 188-191. 282-284). \u2013 Wenn Schreiber zur Gegnerfrage anmerkt: \u201eselten denkt man auch \u2013 wie ich \u2013 an j\u00fcdische Christus-Anh\u00e4nger\u201c (284), so erinnert er selbst an anderer Stelle (37) daran, dass das nur bedingt stimmt. Die Sicht, dass es sich bei den \u201eKonkurrenten\u201c (s. 1Joh 2,18f) \u2013 so nennt Schreiber sie \u2013 um Juden(christen) handelt, die zur Synagoge zur\u00fcckkehrten, wurde vor dem Aufkommen der religionsgeschichtlichen Schule (prominent z.B. von Semler, Eichhorn ua.) breit vertreten, zuletzt ausf\u00fchrlich 1903 in einer Monografie von A. Wurm. Diese Linie verfolgt Schreiber m. E. zu Recht ausdr\u00fccklich weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einleitungsfragen werden kenntnisreich besprochen und beantwortet. 1Joh \u00e4hnelt in der Form dem fr\u00fchj\u00fcd. lit. Brief, ist ein einheitliches Schreiben (5,14-21 ist keine sekund\u00e4re Redaktion, 243) und sprachlich kunstvoll gestaltet. 2\/3Joh sind Alltagsbriefe und es gibt keinen Grund, dass nicht alle drei Briefe vom selben Verfasser stammen, ja auch das (1-2 Jahre vor den Briefen geschriebene, 46) JohEv vom selben stammen k\u00f6nnte (26-29). Die Adressaten des 1Joh w\u00fcrden zum Umfeld des \u201ejoh. Kreises\u201c geh\u00f6ren und wohl in paganer, st\u00e4dtischer Lebenswelt zu verorten sein. Dasselbe gelte f\u00fcr 2\/3Joh, wobei die \u201eerw\u00e4hlte Herrin\u201c Chiffre f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Gemeinde ist (43-44. 267-269) und Gaius Teil einer lokalen, eng mit dem Presbyter verbundenen, Gruppe ist (44-46. 300f). Nach Schreiber sind sowohl das JohEv als auch 1-3Joh \u201eam selben Ort\u201c, am ehesten in der Gro\u00dfstadt Antiocha geschrieben und zwar \u201evielleicht sogar\u201c in den 80er Jahren des 1.&nbsp;Jhdts. (48). \u2013 Axiomatisch wird im Abschnitt zur Verfasserfrage (30, auch 63 Anm. 39 ohne Begr\u00fcndung) erkl\u00e4rt, das \u201ewir\u201c in 1Joh 1,1ff sei \u201eeine Wir-Gruppe\u201c, ja \u201eein Verfasserkollektiv\u201c. Diese sei zwar noch in Kontakt mit Augenzeugen der Jesus-Geschichte gestanden, aber der ab 2,1 individuelle Verfasser z\u00e4hle schon zur n\u00e4chsten Generation (32, s. auch 63). Man m\u00f6chte mit Schreiber fragen: \u201eWo steht das im Text?\u201c (so seine treffende Anm. 575 zu einer Spekulation von Rusam). Oder wo finden sich dazu au\u00dfertextliche, historische Anhaltspunkte? Tats\u00e4chlich wird damit ohne weitere Begr\u00fcndungen eine \u201eGruppe, die die johanneische Tradition empfangen, geformt und weitergegeben hat, also die Traditionstr\u00e4ger\u201c (31) eingef\u00fchrt. Diese soll als Teil eines \u201ejohanneischen Kreises\u201c (mit Hinweis auf O. Cullmann zur Tatsache erhoben (33, Anm. 61)) im ganzen Kommentar durchgehend um die rechte Tradierung der Jesus-Geschichte besorgt gewesen sein. Sollte diese unterdessen in die Jahre gekommene Verfasserhypothese (ohne historische Anhaltspunkte und mit wenig Plausibilit\u00e4t) angesichts der neueren Joh-Forschung nicht wenigstens begr\u00fcndet oder gar hinterfragt werden? Neben diesen Mangel gesellt sich eine fehlende Auseinandersetzung mit der altkirchlichen Tradition zur Orts- und Verfasserfrage. Auf zwei Zeilen weist Schreiber zwar auf Iren\u00e4us (nennt Joh, in Ephesus, z.Z. Trajans) hin (gibt es nur diesen Text?), um gleich anzumerken, dieser habe das JohEv einem Augenzeugen zuschreiben wollen und die \u00dcberlieferung unterliege (daher?) historischen Zweifeln (47). Ein \u00e4hnliches Schicksal des Nichteingehens trifft die Papiasnotiz zur Frage der Identit\u00e4t des Presbyters (2Joh 1 und 3Joh 1, inkl. der Wirkungsgeschichte) auf sechs Zeilen (266). \u2013 Eine m.&nbsp;E. negative Folge dieser Festlegung der\/s Verfasser\/s auf eine Tradentengruppe ist, dass Schreiber an allen Stellen, an denen vom \u201ewissen\u201c (\u201eWir wissen\u2026\u201c 3,2.14; 5,15.18-20) die Rede ist, reflexartig von \u201ejohanneischer bzw. christlicher Tradition\u201c, \u201egemeinsamer Kenntnis aus der johanneischen Tradition\u201c usw. spricht. Das joh. \u201eWissen\u201c ist aber mehr als ein kognitiver Akt der Traditionsvermittlung und untrennbar mit der \u00fcbernat\u00fcrlichen Erfahrung der Gotteskindschaft verbunden (s. dazu z.&nbsp;B. de la Potterie). Eine weitere Konsequenz dieser spekulativ-hypothetischen Annahme: Dieser \u201eKreis\u201c soll scheinbar ausschlie\u00dflich aus Judenchristen bestanden haben und bis gegen Ende des 1.&nbsp;Jhdts eine von den \u00fcbrigen \u201eChristen\u201c abgesonderte Theologie (s. zu 1Joh 3,23: eigene Tora-Hermeneutik, ohne Bezug zu Paulus (109); Jesu Tod gedeutet ohne Bezug zu Kult und S\u00fchne, s. dazu unten) gepflegt haben. Beides ist aus historischer Sicht kaum denkbar. Vielleicht kann deshalb (das paulinisch gepr\u00e4gte) Ephesus nicht Ort der Abfassung sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kommentierung der Texte steht eine eigene \u00dcbersetzung voran, meist gefolgt von einem Abschnitt \u201eStruktur und Sprache\u201c, der stets nachvollziehbare Hinweise zu strukturellen Markern und genaue Beobachtungen zur Sprache, auch zu sprachlichen Nuancen enth\u00e4lt. \u00dcberhaupt f\u00e4llt eine hohe Kompetenz und ausgewogene Fachkenntnis zur griech. Sprache (z.B. zu Aor, Pf, Pr\u00e4s, zum Umgang mit Gen.-Konstruktionen oder zur Syntax z.B. des <em>en touto<\/em> oder den oft \u201eoffenen\u201c Bez\u00fcgen der Personalpronomen usw.) auf. Gewichtige Begriffe (z.B. f\u00fcr S\u00fcnde (148f) oder \u201eG\u00f6tzenbilder\u201c (1Joh&nbsp;5,21; 258-261) werden auf dem atl.-j\u00fcd. Hintergrund erl\u00e4utert. Auch eigene \u00dcbersetzungsbegriffe an neuralgischen Punkten (Antichristusse (125); \u201eerzeugt\u201c statt gezeugt (143)) werden einleuchtend begr\u00fcndet. Speziell ist, dass f\u00fcr die Wortbedeutungen nicht so sehr die ntl. Spezialw\u00f6rterb\u00fccher, sondern in erster Linie Menges Gro\u00dfw\u00f6rterbuch (Langenscheidt) und Passows Handw\u00f6rterbuch dienen. \u2013 Wo n\u00f6tig folgt ein Abschnitt zur Textkritik, wobei diese sich auf die relevanten Stellen beschr\u00e4nken, dort aber verst\u00e4ndlich und kundig behandelt werden (so wird bei der Besprechung des sog. Comma Johanneum (227-228) auch die erst 2010 entdeckte Randleseart in der Handschrift 177 angef\u00fchrt). \u2013 Es folgt die ausf\u00fchrliche \u201eErkl\u00e4rung\u201c, die durch Versangaben und Stichworte am \u00e4u\u00dferen, breiten Rand der Seiten sehr leserfreundlich erschlossen ist. Ab und zu findet sich in der fortlaufenden Auslegung auch ein Abschnitt \u201eForschung\u201c, der zu einem Textteil, einer Aussage oder einem Thema einen kurzen Forschungs\u00fcberblick im Kleindruck gibt. Ebenfalls in einger\u00fccktem Kleindruck findet man Zusammenfassungen von z.B. konzentrierten Begriffsstudien zur Verwendung in AT und Umwelt oder sprachliche Parallelen und Erkl\u00e4rungen. Eine weitere \u00dcberschrift \u201eSozialgeschichte\u201c fasst Informationen zusammen, die f\u00fcr das Textverst\u00e4ndnis wichtig sein k\u00f6nnen. Zu 1Joh 4,5 erl\u00e4utert Schreiber z.B. hilfreich die Situation der j\u00fcd. Diaspora im sp\u00e4ten 1.&nbsp;Jhdt. des r\u00f6mischen Reiches. Die dort genannten Privilegien f\u00fcr Juden k\u00f6nnten \u00fcbrigens gepaart mit dem \u2013 von Schreiber nicht thematisierten \u2013 Druck zur (\u00f6ffentlichen) Kaiserverehrung auch f\u00fcr \u201eJudenchristen\u201c neben der entt\u00e4uschten Messiaserwartung ein weiterer starker Grund f\u00fcr das \u201evon uns weggehen\u201c gewesen sein. \u2013 Jeder Abschnitt (des 1Joh) endet mit einer \u201eZusammenfassung\u201c, die in wenigen S\u00e4tzen den Gedankengang pr\u00e4zise wiedergibt. Eine weiterf\u00fchrende Aktualisierung ist nicht Fokus der Reihe, allerdings macht Schreiber zur Verweigerung von Gastfreundschaft und Gruss in 2Joh 10-11 eine Ausnahme und formuliert eine lesenswerte \u201eAktualisierung\u201c zur Relevanz ev. auch heute geforderter Abgrenzungen (291).<\/p>\n\n\n\n<p>Besondere Highlights der Auslegung sind z.B. die Ausf\u00fchrungen zum Verst\u00e4ndnis der drei Personengruppen (Kinderchen, V\u00e4ter, junge M\u00e4nner) in 1Joh 2,15-17 (111-114), zum atl. Hintergrund der Aussage \u201eGott ist Liebe\u201c (199-200), zum Verst\u00e4ndnis von \u201eWasser und Blut\u201c in 5,6ff als Metonyme f\u00fcr und den gewaltsamen Tod Jesu, (229-233) oder den Hintergrund der Aussage in 3Joh 7 (310-313). \u00dcberzeugend sind auch die Erkl\u00e4rungen zu den sich nach Meinung Schreibers nicht widersprechenden drei Stellen im 1Joh (1,5-10; 3,4-10; 5,16ff), die prominent die S\u00fcnde und das S\u00fcndigen zum Thema machen (73ff. va. 81f; 148ff; 247ff). \u00dcber den Kommentar verteilt und an entsprechenden Stellen eingef\u00fcgt finden sich zehn lehr- und ertragreiche Exkurse: Zum Messias (60-62), der Frage nach einem joh. Dualismus (69-71 \u2013 verneint), S\u00fcnde und Vergebung (79-82), Liebe als Deutung des Todes Jesu (88-90), Ethik in 1Joh (104-106) + Tora-Hermeneutik in den JohBriefen (106-110), Aus Gott erzeugt und Kinder Gottes (141-144), Der Presbyter (263-267), Gastfreundschaft (291-294) und <em>ekklesia<\/em> \/ Hausgemeinde \/ Versammlung (308-309). Formal w\u00fcnscht man sich eine klarere Markierung des Endes der Exkurse (insbesondere nach Exkurs 10 fehlt die Leerzeile?, 309).<\/p>\n\n\n\n<p>Kritisch anmerken m\u00f6chte ich zwei inhaltlich gewichtige Punkte: Schreiber will die Aussagen zur Bedeutung des Todes von Jesus in den Briefen unter Absehung eines Bezugs zum kultischen Opfer (oder gar einer stellvertretenden S\u00fchne) verstanden wissen. Die Formulierung \u201edas Blut (Jesu) reinigt\u201c (1Joh 2,7) stamme zwar aus dem Opferkult Israels, hier liege aber \u201eeine eigene Anwendung der kultischen Sprache\u201c vor: \u201eDabei wird der Tod Jesu nicht als Kultopfer gedeutet, sondern die Sprache kultischer Reinigung vermittelt die Heilswirkung des Todes Jesu zugunsten der Seinen.\u201c (74) Auch in V.9 sei \u201ereinigen\u201c vom kultischen Hintergrund gel\u00f6st (77f). M\u00f6chte Schreiber wirklich sagen, dass es \u201edie Sprache\u201c ist, die \u201edie Heilswirkung\u201c \u201evermittelt\u201c? Wie muss man sich das vorstellen? Zum Begriff <em>hilasmos<\/em> (2,2; 4,10) stellt er fest: \u201eBeide Stellen enthalten keine Hinweise darauf, dass <em>hilsamos<\/em> auf dem Hintergrund kultischer Opfer verstanden werden will.\u201c (87), auch nicht das Syntagma \u201ef\u00fcr unsere S\u00fcnden\u201c in 4,10 (202-203). Auch das \u201eS\u00fcnde wegnehmen\u201c in 3,5 geschieht \u201eaus Gottes Treue und Gerechtigkeit auf der Basis des Bekennens\u201c (150) und der Hinweis auf den soteriologisch wirksamen Tod Jesu in 5,6 sei simpel im Sinne des \u201eAusdruck[s] der Liebe Gottes\u201c zu verstehen. Diese Sicht \u201eAllein die Liebe Gottes bewirkt die Vers\u00f6hnung\u201c (203) versucht Schreiber im Exkurs 4 (\u201eLiebe als Deutung des Todes Jesu\u201c) mit den bekannten Argumenten zu begr\u00fcnden. Der Hinweis auf 1Joh 3,16 sowie 4,9f und Parallelen des antiken Idealbildes der Freundschaft sind seine Hauptzeugen. Fazit: \u201eDas Medium eines kultischen Opfers ist \u00fcberfl\u00fcssig, sodass keine S\u00fchne- oder Opfervorstellung in den Blick kommt\u201c (89). Ich meine, dass Schreiber auf der exegetischen Ebene die sonst von ihm \u00f6fter gesehene Intertextualit\u00e4t (z.B. Anm. 155 zu 1Joh 2,11 und Joh 12,35.40) und Verwobenheit mit dem Alten Testament untersch\u00e4tzt. Zu Recht fordert er dazu nachvollziehbare Kriterien (Anm. 346), aber die gibt es unterdessen nicht nur f\u00fcr das Vorkommnis der Intertextualit\u00e4t. Auch die von der kognitiven Sprachforschung untersuchten Ph\u00e4nomene der Isotopie, metaphorischer Bildfelder und der Frame-Semantik sind so weit ausgereift und methodisch kontrollierbar, dass sie von der ntl. Exegese aufgegriffen werden (sollten). Sie d\u00fcrften zeigen, dass die wenigen Stichworte zur Deutung des Todes von Jesus viel st\u00e4rker mit dem atl. S\u00fchneopferkult verbunden sind. Und auf der theologischen Ebene fragt man sich, wie genau das \u201eDenkmodell\u201c des \u201eSterbens f\u00fcr\u201c geliebte Menschen die Frage nach den Folgen von Schuld\/S\u00fcnde und damit zusammenh\u00e4ngender Gerechtigkeit \u201ebehandeln\u201c soll. Wie kann die aus Liebe motivierte Lebenshingabe eines Freundes eine Wirkung auf meine S\u00fcnde haben und in welchem Sinne kann eine solche Tat sie vergeben? Und wenn der Tod von Jesus tats\u00e4chlich \u201elediglich\u201c ein (freundschaftlicher) Ausdruck der gr\u00f6\u00dften Liebe Gottes zu den Menschen war, warum sollte dieser Jesus exklusiv der \u201eeinzige von Gott gesandte Sohn\u201c sein und nicht auch das Sterben eines anderen Menschen dasselbe bedeuten k\u00f6nnen? Falls die Verfasser der Briefe und ihre Empf\u00e4nger tats\u00e4chlich eine solche \u201eChristologie\u201c gelehrt und vertreten haben, k\u00f6nnte ich ohne weiteres nachvollziehen, warum Juden diese Gruppe verlassen haben. Zum \u00e4u\u00dferlich \u201eschwacher Messias\u201c k\u00e4me zudem im Blick auf das noch gr\u00f6\u00dfere \u00dcbel der S\u00fcnde (und des B\u00f6sen) ein zwar nobler, aber f\u00fcr mich nicht erkennbar wirksamer Tod dieses \u201eMessias\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit zusammen h\u00e4ngt wohl auch die zweite Anfrage, n\u00e4mlich ob nicht im 1Joh Aussagen \u00fcber Jesus und sein Verh\u00e4ltnis zu Gott durchscheinen, die f\u00fcr Juden(christen) zum Ansto\u00df werden konnten. Ich denke dabei an die auffallend vielen Stellen, an denen Personalpronomina entweder auf Gott oder auf Jesus bezogen werden k\u00f6nnen (und m.&nbsp;E. nicht in jedem Fall eindeutig gekl\u00e4rt werden kann, ja m\u00f6glicherweise vom Verfasser bewusst offenbleiben, weil er Jesus in gr\u00f6\u00dfter N\u00e4he zu Gott sieht). Auch sollte in 2,20.27 (\u201eSalbung\u201c); 3,9 (\u201eSame\u201c); 3,24 und 4,12ff nicht vorschnell der Geist weggelassen oder entpersonalisiert und der Sohn zu einem reinen Repr\u00e4sentanten herabgestuft werden. Die f\u00fcr die Frage zentrale Stelle 1Joh 5,20 wird hilfreich besprochen, aber es \u00fcberzeugt die Erkl\u00e4rung, in 5,20 sei \u201eder Bezug [des Wortes \u201eDieser&#8230;\u201c] auf \u2026 Gott eindeutig.\u201c (256) nicht wirklich. St\u00e4rkster Einwand bleibt, welchen Sinnzugewinn die Aussage \u201eGott ist der wahrhaftige Gott\u201c im Gedankengang 5,18-20 haben soll. Wenn nun aber der\/die Vf. und Empf\u00e4nger der Briefe in Jesus tats\u00e4chlich so etwas wie \u201eGott selbst, gekommen in Menschengestalt\u201c erkannt haben sollten, erg\u00e4be sich sowohl f\u00fcr das Zentralereignis seines Todes als auch f\u00fcr die Gr\u00fcnde des Weggehens der j\u00fcdischen Konkurrenten eine weitaus dramatischere Situation.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese kritischen Nachfragen sollen keineswegs den Wert des Kommentars schm\u00e4lern. Im Gegenteil, sie sind Ausdruck daf\u00fcr, dass das Werk zum intensiveren Nachdenken und Eintauchen in die Texte der kleinen Briefe anregt. Ein kleines, aber feines Literaturverzeichnis (an gewichtiger Lit. fehlt m.\u00a0E. nur Malatesta) und hilfreiche Stellenregister beschlie\u00dfen den Band.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. J\u00fcrg Buchegger-M\u00fcller, Pfarrer der Freien Evangelischen Gemeinde Wetzikon (Schweiz)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Schreiber: Die Johannesbriefe, ThKNT\u00a021, Stuttgart: Kohlhammer, 2025, 357\u00a0S., kt., \u20ac\u00a059,\u2212, ISBN: 978-3-17-020771-4 Stefan Schreiber (Prof. f\u00fcr Ntl. 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