{"id":2434,"date":"2025-04-21T13:26:02","date_gmt":"2025-04-21T13:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2434"},"modified":"2025-04-21T13:26:03","modified_gmt":"2025-04-21T13:26:03","slug":"wilfrid-haubeck-der-brief-des-paulus-an-die-epheser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2434","title":{"rendered":"Wilfrid Haubeck: Der Brief des Paulus an die Epheser"},"content":{"rendered":"\n<p>Wilfrid Haubeck: <em>Der Brief des Paulus an die Epheser<\/em>, HTA, Witten: SCM R. Brockhaus Verlag, 2023, 837 S., geb., \u20ac\u00a069,\u2212, ISBN: <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/der-brief-des-paulus-an-die-epheser.html\">9783417297409<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es ist sehr erfreulich, dass nun ein so ausf\u00fchrlicher Kommentar von theologisch h\u00f6chster G\u00fcte zum Epheserbrief vorliegt. Ich gehe auf wesentliche Inhalte und Weichenstellungen in Haubecks Ausf\u00fchrungen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Kommentierung des Eph ist die Verfasserfrage h\u00f6chst kontrovers, in der deutschen Exegese wird Paulus meist abgelehnt. Dass ein evangelikaler Verfasser dennoch Paulus als Verfasser in Betracht zieht, wird nicht verwundern. W. Haubeck tut dies aber in einer sehr \u00fcberzeugenden Art und Weise mit einer F\u00fclle an Beobachtungen. Der Epheserbrief zeigt wenige pers\u00f6nliche Elemente, so als wenn Paulus die Adressaten nicht kannte bzw. der Brief richtet sich als Rundschreiben an mehrere Gemeinden im westlichen Kleinasien. Aber der Stil, besonders die Gebete und Lobhymnen zeigen die tiefe Anteilnahme des Paulus am Glauben der Briefempf\u00e4nger. Aus dem hymnischen Stil ergibt sich manche Eigenart, die als nichtpaulinisch wahrgenommen wird, wie etwa die sich \u00fcber viele Verse ziehenden langen S\u00e4tze im Griechischen. Auff\u00e4llig sind im Eph etwa auch die vielen Hapaxlegomena. Dennoch ist Paulus als Autor, der in Rom im Gef\u00e4ngnis durch einen Mitschreiber unterst\u00fctzt wird, die plausibelste Annahme. Andere Annahmen werden lange diskutiert und es wird deutlich, dass diese wenig Sinn machen.<\/p>\n\n\n\n<p>W. Haubeck widmet der Frage der Pseudepigrafie noch ein eigenes Kapitel (55\u2013 64), in dem er grunds\u00e4tzliche Fragen diesbez\u00fcglich aufgreift, die Fachdiskussion in Grundz\u00fcgen darstellt und zu dem Urteil kommt, dass Pseudepigrafie fr\u00fcher wie heute \u2013 wo sie als solche erkannt wurde und wird \u2013 kritisch gesehen und als F\u00e4lschung abgelehnt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde gut, dass W. Haubeck, wenn ich ihn richtig verstanden habe, kein Hauptthema im Eph erkennt, und das neue Gottesvolk in Eph 2,11-20 oder die Waffenr\u00fcstung in Eph 6 nicht zum Zentrum erkl\u00e4rt. Bei aller ekklesiologischen Perspektive wird die Bedeutung von Jesus Christus entfaltet. Dies geschieht in allen Texten des Briefes, ohne einen eindeutigen H\u00f6hepunkt zu haben. Aber stattdessen sind mehrere wichtige Themen zu erkennen. Zu diesen z\u00e4hlen die Einheit der Christen, Liebe, christliche Lebensf\u00fchrung, christliche Identit\u00e4t in den Herausforderungen der geistlichen Welt und der Gesellschaft (77f.).<\/p>\n\n\n\n<p>Allgemein tauchen in der Einzelexegese an vielen Stellen Parallelen und Verweise zur paulinischen Theologie auf, sodass man aus unserer heutigen Sicht kaum den Eph von Paulus wegschieben kann. Etwa auch bei der Frage nach der Rolle des Gesetzes, kommt es doch im Eph an der zentralen Stelle beim Verh\u00e4ltnis von Juden und Heiden in der Gemeinde vor. Die Ausf\u00fchrungen zum Gesetz Christi finde ich sehr gelungen. Demgegen\u00fcber empfinde ich das atl. Gesetz als noch zu positiv und immer noch zu bedeutsam f\u00fcr Christen dargestellt, sind die Christen ihm doch gestorben. Ist doch mit Christus gro\u00dfe Freiheit entstanden, die aber von vielen Christen gleich wieder mit ethischen Richtlinien gef\u00fcllt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch nimmt W. Haubeck eine richtige Perspektive ein, wenn er in Kapitel 4 die Apostel und Propheten nicht als Gestalten der Vergangenheit wahrnimmt, sondern gegen viele andere Ausleger darauf hinweist, dass im Text nichts darauf hindeutet, sondern die genannten f\u00fcnf Dienste allesamt in den Adressatengemeinden und deren Umfeld zu finden sind (463). W. Haubeck sieht au\u00dferdem in Aposteln, Evangelisten usw. keine \u00c4mter, sondern Funktionen einzelner Christen. Zudem geht es um Dienst ohne hierarchische Struktur (469). Die Apostel damals waren in der Kirchengeschichte einmalige Gestalten mit einmaligem Auftrag, die Gemeinde im Evangelium und Gottes Willen zu gr\u00fcnden. Ich sehe aber keinen Grund, warum die f\u00fcnf Dienste in Eph 4 heute nicht mehr so \u00e4hnlich vorhanden sein sollen. Als Parallele gibt Haubeck 1. Kor 12 und R\u00f6mer 12 an. Ich w\u00fcrde von einem apostolischen Dienst sprechen, nicht von Aposteln, der aber nat\u00fcrlich auch heute noch gebraucht wird, um etwa neue gesunde Gemeinden zu gr\u00fcnden. Exegetisch bedeutsam im Zusammenhang des 4. Kapitels: W. Haubeck sieht in dem Hinabsteigen von Christus nicht den Gang ins Totenreich, sondern seine Menschwerdung (wie im Philipperhymnus, wegr\u00fcckend von 1. Petr), in seinem Hinaufsteigen seine Erh\u00f6hung zur Rechten Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vieldiskutierten Abschnitt Kapitel 5,21-33 zum Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau arbeitet W. Haubeck einzigartige und damals neuartige Gedanken von Paulus zum Thema Liebe und Partnerschaft heraus. Die Liebe der Ehem\u00e4nner sowie deren christologische Begr\u00fcndung und Brautmetaphorik waren im damaligen hellenistischen Kontext etwas Neues. Die viel umfangreichere Ermahnung an die M\u00e4nner bildet den Hauptaussage und fordert die M\u00e4nner nicht zum Beherrschen der Frau auf. Unterordnung der Frau (nur ihrem eigenen Mann gegen\u00fcber, nicht generell allen M\u00e4nnern) geschieht im Vertrauen, wie die Gemeinde sich Christus unterordnet, welches nicht erzwungen werden kann. Die Liebe (Agape) kann als die in V.21 geforderte Unterordnung des Mannes unter die Frau verstanden werden. Da das Vorbild von Jesus Christus immer das gegenseitige Dienen ist, geht es in der Ehe nie um Hierarchie und Herrschaft, dies w\u00fcrde auch ihr missionarisches Zeugnis heute beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kapitel 6 richtet den Blick auf die d\u00e4monische geistliche Welt als Herausforderung f\u00fcr die Christen. Die Waffenr\u00fcstung wird durch alttestamentliche Textbez\u00fcge erkl\u00e4rt und eher als defensiv gewertet, wobei dem Schild des Glaubens eine besondere Rolle zukommt. Nur das Schwert des Geistes ist offensiv zu verstehen. Wir haben es nicht mit einer besonderen Aufgabe oder Anstrengung der Christen zu tun, auch bietet der Abschnitt keine Sonderlehre. Vielmehr geht es hier um ein Leben in der Gemeinschaft mit Christus, was den Adressaten bildhaft vor Augen gef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Franz Mu\u00dfner moniert in seinem \u00d6TK-Kommentar zum Eph, dass zu diesem Paulusbrief immer noch wenig zur Pneumatologie geforscht wurde. Diese L\u00fccke schlie\u00dft W. Haubeck durch eine Vielzahl an Ausf\u00fchrungen (z. B. 159-161; 182-184; 509; 533f.; 591f. uvm.). Es ergibt sich ein umfassendes Bild vom Heiligen Geist, dem Geist der Weisheit und Offenbarung, der die Gl\u00e4ubigen stark macht, sie versiegelt hat, die neue Identit\u00e4t in Christus schenkt (Kap. 1-3) und zu einem Leben f\u00fcr Christus bef\u00e4higt (Kap. 4-6).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selber halte immer noch f\u00fcr sehr wahrscheinlich, dass es sich beim Epheserbrief um den Brief nach Laodiz\u00e4a handelt (Kol 4,16; der Eph hatte ja urspr\u00fcnglich keine Verfasserangabe). Bei der Annahme, dass der Eph, Kol und Phlm eng zusammengeh\u00f6ren, der Eph aber nicht der Laodiz\u00e4abrief ist (so auch Haubeck), m\u00fcsste man noch von einem vierten Brief ausgehen, der mit den genannten im Zusammenhang steht. Da liegt es n\u00e4her, dass der von Paulus erw\u00e4hnte Brief der Eph ist, auch wenn Laodiz\u00e4a um 61 n.&nbsp;Chr. zerst\u00f6rt wurde (vgl. 81; die Stadt bzw. Gemeinde wird in Offb 3 ja trotzdem ebenfalls prominent erw\u00e4hnt). Der anonyme Stil des Eph, der keine pers\u00f6nliche Beziehung von Paulus zu den Adressaten erkennen l\u00e4sst, weist eher auf eine unbekanntere Gemeinde aus dem Hinterland, keinesfalls auf eine Gemeinde in einer Metropole wie Ephesus, wo man mehr M\u00f6glichkeiten hatte, um noch lange intensiv mit Paulus in Kontakt zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auffallend spitzfindig und fair sowie ohne Polemik ist der Umgang W. Haubecks mit anderen theologischen Meinungen. Die Auslegung wirkt an keiner Stelle einseitig, \u00fcberzogen oder interessengelenkt in Schemata gepresst. Sehr h\u00e4ufig werden bei schwierigen Entscheidungen in der Auslegung viele Meinungen zitiert, deren Vor- und Nachteile benannt. Haubecks Schl\u00fcsse finde ich tats\u00e4chlich immer \u00fcberzeugend und nachvollziehbar. Der Epheserbrief erstrahlt durch die Auslegung als das, was er ist: ein in sich h\u00f6chst stimmiges Werk mit vielen tiefen Glaubenswahrheiten aus der Mitte der paulinischen Theologie, vielleicht auch als H\u00f6hepunkt paulinischen Denkens, wenn auch die Christologie einen sehr ekklesiologischen Fokus hat. Bei aller theologischen Tiefe der Ausf\u00fchrung habe ich mich \u2013 wenn ich das hier sagen darf \u2013 auch des \u00d6fteren beim Lesen geistlich sehr erbaut gef\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wilfrid Haubeck bereichert die HTA-Reihe mit seinem Kommentar zum Epheserbrief um eine weitere theologische Perle. Die Auslegung zeugt von einer gro\u00dfen Reflexion und tiefen Besch\u00e4ftigung mit dem Epheserbrief sowie der gesamten paulinischen Theologie und spiegelt letztlich das Lebenswerk des Autors ein St\u00fcck wider. Der Leser kann sehr dankbar sein f\u00fcr die F\u00fclle an Material und Themen, die entlang der Auslegung pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Phil Jordan, Religionslehrer, Theologe (Master), Doberlug-Kirchhain<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilfrid Haubeck: Der Brief des Paulus an die Epheser, HTA, Witten: SCM R. 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