{"id":244,"date":"2017-05-01T19:35:50","date_gmt":"2017-05-01T19:35:50","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=244"},"modified":"2017-05-01T20:32:31","modified_gmt":"2017-05-01T20:32:31","slug":"andreas-muehling-peter-opitz-hrsg-reformierte-bekenntnisschriften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=244","title":{"rendered":"Andreas M\u00fchling, Peter Opitz (Hrsg.): Reformierte Bekenntnisschriften"},"content":{"rendered":"<p>Andreas M\u00fchling, Peter Opitz (Hrsg.): <em>Reformierte Bekenntnisschriften. Band III\/2: 1605\u20131675<\/em> [<em>1. Teilband: 1605\u20131645<\/em>], Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, 2015, Ln., VIII+200 S., \u20ac\u00a078,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/reformierte_bekenntnisschriften\/t-0\/1088376\/\">ISBN 978-3-7887-2986-8<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Muehling_Bekenntnisschriften.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Die Herausgabe der gro\u00dfen Edition reformierter Bekenntnisschriften schreitet seit 2002 kontinuierlich voran (2002, 2006, 2007, 2009, 2009, 2012, 2015). Die Sammlung ist mit dem vorliegenden Werk auf sieben Teilb\u00e4nde angewachsen (vgl. die Besprechungen der B\u00e4nde in JETh: I\/1 in 18, 2004, 296f; Bd. I\/2 und I\/3 in 22, 2008, 257f; II\/1 in 23, 2009, 332f; II\/2 in 24, 2010, 323f; III\/1 in 28, 2014, 293f).<\/p>\n<p>Die im Teilband III\/1 ver\u00f6ffentlichten Bekenntnisse Nr. 73 bis Nr. 80 stammen aus der Zeit vor dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg und eines aus dem Jahr 1645. Der Titel des Bandes notiert irref\u00fchrend \u201ebis 1675\u201c und h\u00e4tte durch die genauere zeitliche Beschr\u00e4nkung des ersten Teilbandes erg\u00e4nzt werden m\u00fcssen. Der zweite Teilband III\/2 mit den Bekenntnissen Nr. 81 bis Nr. 86 aus dem Jahr 1647 (<em>Bekenntnis und Katechismen von Westminster<\/em>), dem <em>Glaubensbekenntnis von Piemont<\/em> von 1655, der <em>Savoy-Deklaration<\/em> von 1658 und schlie\u00dflich der <em>Helvetische Konsensformel<\/em> von 1675 wird weitere bedeutende Texte dieses Zeitabschnitts, der durch den epochalen Krieg und die anschlie\u00dfende Aufbauarbeit gekennzeichnet war, enthalten. \u201eDeutlich zeigen die edierten Bekenntnistexte, unter welchen teilweise dramatischen politischen Bedingungen reformiertes Bekenntnis am Vorabend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges noch m\u00f6glich war\u201c (VII).<\/p>\n<p>Die ersten drei Dokumente von Teilband III\/1 beleuchten die hessische Bekenntnisentwicklung. Anscheinend nach dem Motto: \u201eSammelt die \u00fcbrigen Brocken, damit nichts umkommt\u201c (Joh 6,12) wurde auch die sehr kurzen \u201eHessen-Kasseler Verbesserungspunkte\u201c aus dem Jahr 1605 von einer Seite L\u00e4nge aufgenommen (S. 6, Nr. 73; zwei Seiten Umfang haben die Bentheimer Artikel, S. 45f, Nr. 76). Zusammen mit der Kassler Synode von 1607 (S. 7f, Nr. 74) stellen sie wichtige Schritte der hessischen Bekenntnisgeschichte dar. In Hessen gab es faktisch zwei konfessionelle Bl\u00f6cke, obwohl Landgraf Moritz von Hessen-Kassel die Religionseinheit f\u00fcr Gesamthessen beabsichtigt hatte (1\u20132). Unter seinen S\u00f6hnen wurde Hessen konfessionell geteilt: Hessen-Marburg und Hessen-Darmstadt waren lutherisch beeinflusst, aber Hessen-Kassel und Rheinfels wollten sich nicht anschlie\u00dfen (vgl. 4). Der Religionsstreit eskalierte, die \u201eVerbesserungspunkte\u201c dokumentieren die erste Ann\u00e4herung von Landgraf Moritz an das reformierte Lager. Am Text der Kasseler Synode von 1607 l\u00e4sst sich der Fortgang des konfessionellen Streits ablesen: Die Synode \u201estellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg einer konfessionellen Neuausrichtung Hessen-Kassels dar\u201c (8).<\/p>\n<p>Die Kasseler Synode legt einen Schwerpunkt auf der Ausbreitung der evangelischen Lehre. Sie empfiehlt viele Predigten, Katechismuspredigten und katechetische Unterweisung. Interessant sind aber auch Empfehlungen gegen \u00fcberm\u00e4\u00dfig teure Hochzeitsfeiern, Tauffeiern, luxuri\u00f6se Kleidung usw., die damals die Finanzen besonders der armen Leute ruinierten (vgl. 18). Der Hessische Katechismus (Kassel 1607; Nr. 75) f\u00e4ngt mit der bis heute aus Unionskatechismen bekannten Frage \u201eBist Du ein Christ?\u201c an. In der Antwort wird die Wichtigkeit christlicher Unterweisung eingesch\u00e4rft: Ein Christ ist jemand, der nicht nur getauft ist und glaubt, sondern auch \u201edie christliche Lehre wei\u00df\u201c ( 28).<\/p>\n<p>Die <em>Bentheimer Artikel<\/em> von 1613 (Nr. 76) sind im Vorfeld der Dordrechter Synode wichtig, sie enthalten noch keine klare Abgrenzung von arminianischen Lehren (vgl. 43).<\/p>\n<p>Wenn sich ein Brandenburger Kurf\u00fcrst vom lutherischen Bekenntnis distanzierte und dem reformierten zuwandte, dann hatte dies damals weitreichende Bedeutung f\u00fcr sein Land. Weder die Kurf\u00fcrstin Anna noch Geistliche unterschiedlichen Ranges und Gl\u00e4ubige wollten diesen Schritt des Brandenburger Kurf\u00fcrsten Johann Sigismund nachvollziehen. Die <em>Confessio Sigismundi<\/em> von 1614 (Nr. 77) l\u00f6ste daher eine Welle von Streitschriften aus, deren Polemik aus der Sicht sp\u00e4terer Kritiker charakteristisch f\u00fcr die altprotestantische Theologie und Kirche ist. Johann Sigismund konnte jedoch nicht viele Untertanen auf seine Seite bringen, denn: \u201eTats\u00e4chlich blieb die Mark Brandenburg weithin lutherisch\u201c (48). Die bleibenden Meinungsverschiedenheiten im Land mussten zur Toleranz in Glaubensfragen f\u00fchren. Diese Situation kann als Wegbereiter f\u00fcr die sp\u00e4tere Union angesehen werden (ebd.).<\/p>\n<p>Die <em>Irischen Artikel<\/em> (1615; Nr. 78) wurden notwendig durch die religi\u00f6se Selbst\u00e4ndigkeit, die Irland mit der kirchlichen Trennung K\u00f6nig Heinrichs VIII. von Rom gewann. Inhaltlich ist die Bekenntnisschrift stark abh\u00e4ngig von den 39 Artikeln der Anglikanischen Kirche (<em>Reformierte Bekenntnisschriften <\/em>II\/1, Nr. 57, 371\u2013410).<\/p>\n<p>Besonderes Interesse ziehen nat\u00fcrlich die <em>Dordrechter Canones<\/em> von 1619 auf sich. Sie stellen das umfangreichste Dokument dieses Teilbandes dar und bieten den Text in lateinischer und niederl\u00e4ndischer Sprache (Nr. 79, S. 87\u2013161). Der theologische Standpunkt des Dordrechter <em>Iudiciums<\/em>, wie es im Original hei\u00dft (vgl. S. 91, 94) ist \u201edas Resultat einer \u00fcber ein halbes Jahrhundert andauernden, internationalen Diskussion \u00fcber die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis zwischen der Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes und der menschlichen Verantwortung\u201c (87). Das f\u00fcr reformierte Theologie wichtige Thema Pr\u00e4destination wird in der Bekenntnisschrift im Blick auf die Willensfreiheit des Menschen konkretisiert. Die Dordrechter Lehrs\u00e4tze wurden f\u00fcr die Reformierte Kirche der Niederlande bindend (90f).<\/p>\n<p>Das letzte Dokument des Teilbandes III\/1 nimmt in die religi\u00f6sen Spannungen von Polen w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges hinein. Die <em>Thorner Erkl\u00e4rung<\/em> (1645; Nr. 80) formuliert das Glaubensbekenntnis der Synode reformierter Theologen in Thorn, die es an den polnischen K\u00f6nig richteten. Durch ein Religionsgespr\u00e4ch wollte Wladislaus\u00a0IV. den konfessionellen Frieden zwischen Katholiken, Lutheranern und Reformierten im Land bewahren (163). Dieses tolerante Ziel im konfessionellen wurde jedoch von den Lutheranern bek\u00e4mpft, sie deuteten es als \u201eSynkretismus\u201c. Die Erkl\u00e4rung liegt in zwei lateinischen Versionen verschiedener Parteien des Streits vor (167\u2013183 und 183\u2013200).<\/p>\n<p>Auch dieser Band der <em>Reformierten Bekenntnisschriften<\/em> wird f\u00fcr den Leser spannend, wenn die Dokumente detailliert das Ringen um die calvinistische Bekenntnisbildung deutlich werden lassen. Besonders das Ergebnis des Ringens um die Willensfreiheit, wie es sich in den <em>Dordrechter Canones<\/em> niedergeschlagen hat, ist auch f\u00fcr konservativ-landeskirchliche und evangelikal-freikirchliche Kreise noch heute von Bedeutung. Es w\u00e4re gut, wenn sich nicht nur Theologen und Mitglieder calvinistischer Bekenntniskirchen, sondern auch Gl\u00e4ubige aus diesen Kreisen mit dem Band besch\u00e4ftigen w\u00fcrden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Pfr. Dr. Jochen Eber, Evang. Auferstehungskirche Mannheim<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas M\u00fchling, Peter Opitz (Hrsg.): Reformierte Bekenntnisschriften. Band III\/2: 1605\u20131675 [1. 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