{"id":2468,"date":"2025-04-21T14:26:22","date_gmt":"2025-04-21T14:26:22","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2468"},"modified":"2025-04-21T14:26:23","modified_gmt":"2025-04-21T14:26:23","slug":"jan-loffeld-wenn-nicht-fehlt-wo-gott-fehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2468","title":{"rendered":"Jan Loffeld: Wenn nicht fehlt, wo Gott fehlt"},"content":{"rendered":"\n<p>Jan Loffeld: <em>Wenn nicht fehlt, wo Gott fehlt. Das Christentum vor der religi\u00f6sen Indifferenz<\/em>, Freiburg im Breisgau: Herder, 2024, geb., 192 S., \u20ac 22,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/religion-spiritualitaet\/shop\/p3\/81423-wenn-nichts-fehlt-wo-gott-fehlt-gebundene-ausgabe\/?gad_source=1&amp;gbraid=0AAAAADRjyd2GecttNRC63cYRwSrdk5OdH&amp;gclid=Cj0KCQjw2ZfABhDBARIsAHFTxGwf4hk9WlJENYcoIlljtr3K-ODBCDtFB-5jqPhcKpvAWS9PVLQl_8gaAlpYEALw_wcB\">978-3-451-39569-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Utrechter Praktische Theologe Jan Loffeld hat ein Buch mit einem Titel, der aufhorchen l\u00e4sst, verfasst. Loffelds These lautet, dass \u201evielf\u00e4ltige und in sich sehr komplexe Indifferenz- bzw. S\u00e4kularit\u00e4tsph\u00e4nomene eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr das Christentum des 21.&nbsp;Jahrhunderts\u201c (18) seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Er stimmt mit dem Religionssoziologen Detlef Pollack in der Analyse der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU VI) \u00fcberein, dass die in der j\u00fcngeren Vergangenheit vielfach vertretene Individualisierungsthese dem empirischen Befund nicht hinreichend gerecht wird. Zwar gebe es unbestreitbar Religiosit\u00e4t au\u00dferhalb klassischer kirchlicher Mitgliedschaft, dennoch sei diese mit nur 6 % marginal. Viel pr\u00e4senter wahrzunehmen sei eine Bewegung, die hin zu einer \u201eGleichg\u00fcltigkeit in religi\u00f6sen Fragen\u201c (9) f\u00fchre (Stichwort: \u201es\u00e4kulares Driften\u201c). Teilweise nimmt der Autor auch einen weitergehenden Trend von Indifferenz hin zu einer \u201ev\u00f6llige[n], abweisende[n] Geschlossenheit gegen\u00fcber allem Religi\u00f6sen\u201c (38) wahr, die auch als Religionsfeindlichkeit charakterisiert werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Loffeld hat sein Buch in f\u00fcnf Teile gegliedert, die unabh\u00e4ngig voneinander zu lesen sind. Im ersten Teil analysiert der Vf. zwei gegenw\u00e4rtige Lesarten, die er als Optimierungsparadigma einerseits und Transformationsparadigma andererseits bezeichnet. Die der Individualisierungsthese zugeschriebene Annahme \u201eDort, wo Kirche gut ist, l\u00e4sst sich Entkirchlichung bzw. S\u00e4kularisierung stoppen\u201c sei dem Vf. zufolge relativiert worden. Vielmehr m\u00fcsse konstatiert werden, dass ein kontinuierlicher Relevanzverlust des christlichen Glaubens sichtbar sei. Loffeld pl\u00e4diert selbst f\u00fcr ein Transformationsdenken, bei dem \u201eOptimierung bzw. Reform einerseits absolut notwendig sind, allerdings nicht hinreichend.\u201c (24) Pr\u00e4zise beschreibt Loffeld den Zustand der religi\u00f6sen Indifferenz als \u201eNull-Ort, ein Ort, an dem nichts ist und nichts sein soll.\u201c (45)<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Teil reflektiert pastoraltheologische Beobachtungen und res\u00fcmiert, dass S\u00e4kularisierung zwar einen \u201eMegatrend, aber kein[en] Universaltrend\u201c darstelle. Demnach werden Religion und Glaube nicht g\u00e4nzlich verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Teil sucht der Vf. nach Gr\u00fcnden f\u00fcr diesen Relevanzverlust. Er bemerkt au\u00dferdem, dass die empirische Forschung hinsichtlich des \u201eZum-Glauben-Kommens\u201c noch zu wenig wisse. An dieser Stelle h\u00e4tte der Blick \u00fcber den konfessionellen Tellerrand zur Greifswalder Konversionsstudie (2010) sich als hilfreich erweisen k\u00f6nnen. Einen christlichen Universalismus deutet der Vf. weiter und sieht in Konversion und Mitgliedschaft \u201ekein[en] Zweck an sich, sondern funktional der Pr\u00e4senz des Evangeliums als lebendiger Option untergeordnet.\u201c (107)<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten Teil zeigt der Vf. unterschiedliche Perspektiven eines Christentums in der Transformation auf: eine Kultur der Exnovation, ein bewusstes Aushalten der Leere (Karsamstag), ein neues Suchen Gottes und die Erwartung, dass er auch im s\u00e4kularen Kontext sichtbar und erfahrbar wird. Ebenso fragt der Vf., inwieweit die Bilder der (katholischen) Kirche einer st\u00e4rkeren kenotischen und damit postkonstantinischen Dimension bed\u00fcrfen: seiner selbst bewusst und zugleich dienend und dem\u00fctig.<\/p>\n\n\n\n<p>Vers\u00f6hnlich beschlie\u00dft Loffeld sein Fazit, dass Gott auch heute als befreiend, rettend und heilend erfahren wird und deshalb Christus die Hoffnung sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem selbst gegebenen Ziel, \u201edie eigene pastorale Praxis neu zu bedenken\u201c und eine \u201eGespr\u00e4chser\u00f6ffnung\u201c zu liefern, wird das vorliegende Buch mehr als gerecht. Loffeld adressiert das Buch an geneigte Leserinnen und Leser in der Gemeindepraxis und formuliert allgemeinverst\u00e4ndlich und stringent.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein engagiertes, fl\u00fcssig lesbares Buch, das den Finger in die Wunde legt, messerscharfe Anamnese betreibt und m\u00f6gliche Behandlungen f\u00fcr den Patient \u201eKirche\u201c vorsichtig durchdenkt. Ein Buch zum Diskutieren und Weiterdenken.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Andreas Schmierer, <\/em><em>Pfarrer der W\u00fcrtt. Landeskirche und Studienassistent im Albrecht-Bengel-Haus in T\u00fcbingen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Loffeld: Wenn nicht fehlt, wo Gott fehlt. 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