{"id":2471,"date":"2025-04-21T14:28:13","date_gmt":"2025-04-21T14:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2471"},"modified":"2025-04-21T14:28:13","modified_gmt":"2025-04-21T14:28:13","slug":"michael-herbst-u-a-hg-evangelisation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2471","title":{"rendered":"Michael Herbst u.\u00a0a. (Hg.): Evangelisation"},"content":{"rendered":"\n<p>Michael Herbst u.\u00a0a. (Hg.): <em>Evangelisation. Theologische Grundlagen, Zug\u00e4nge und Perspektiven<\/em>, Mission und Kontext (MuK) 3, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2024, geb., 540 S., \u20ac 39,\u2013, ISBN \u200e<a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/de\/evangelisation-2\">9783374075140<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eine naheliegende Assoziation zum Begriff Evangelisation im universit\u00e4ren Kontext ist das (aus Greifswald inzwischen weggezogene) Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung, mithin eine handlungstheoretische Form sowie eine neupietistisch \/ evangelikale Konnotation von Praktischer Theologie. Das von dort stammende Autorenquartett Michael Herbst, Andreas C. Jansson, David Rei\u00dfmann und Patrick Todjeras legt ein Standardwerk vor, das geeignet ist, Evangelisation aus derartigen Schubladen herauszuholen und als einen Zentralbegriff in der Weite evangelischer Theologie zu etablieren. Es bietet zehn Beitr\u00e4ge von jeweils einem der Autoren, die in den drei Teilen \u201eZug\u00e4nge\u201c, \u201eTheologische Grundlagen\u201c und \u201ePerspektiven\u201c locker zusammengef\u00fcgt und jeweils mit zusammenfassenden Thesen versehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittels exegetischer und kirchengeschichtlicher Analysen wird die Begriffsentwicklung mit bis heute nachwirkenden Weichenstellungen tiefgr\u00fcndig nachgezeichnet. So ging aus dem biblischen basar (hebr\u00e4isch) bzw. euangelizomai (griechisch) das nichtbiblische Substantiv Evangelisation hervor, das ohne direkte philologische Entsprechung in der Gegenwart prim\u00e4r mit dem \u201eMissionsbefehl\u201c aus Mt 28 verkn\u00fcpft ist. Im Aufstieg der \u00e4u\u00dferen Mission war Evangelisation organisch mit Diakonie verwoben, ohne allein auf Erweckungsbewegung oder Pietismus festgelegt zu sein. W\u00e4hrend der Missionsbegriff heute zumindest teilweise rehabilitiert und theologischer Allgemeinbegriff zu sein scheint, bleibt Evangelisation im deutschsprachigen Raum weitgehend an den Raum der Missionswissenschaft gebunden und wird problematischer Tendenzen wie beispielsweise der \u00dcbergriffigkeit gegen\u00fcber zu evangelisierenden \u201eObjekten\u201c verd\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Todjeras versucht um theologischer Weitung willen, Evangelisation als Bestandteil lutherischer systematischer Theologie zu beschreiben. Eine kindertaufende Kirche bleibe in der Verpflichtung, aktiv zum Glauben zu rufen. Gottes Auftrag zur Evangelisation bestehe neben der Tatsache, dass <em>er allein<\/em> Glauben in Menschen unfreien Willens weckt. Dabei m\u00fcsse individuell kein bestimmter Zeitpunkt der Glaubensaneignung feststellbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Jansson bestimmt <em>verbale, intentionale und christuszentrierte Evangelisation<\/em> als Facette der <em>missio Dei<\/em>. Evangelisation m\u00fcsse sich mit diesem Profil missionswissenschaftlicher bzw. praktisch-theologischer Kritik stellen, wobei zwischen menschlich vermeidbarem \u00c4rgernis und unvermeidlichem Skandalon des Evangeliums zu unterscheiden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Herbst tr\u00e4gt eine ausf\u00fchrliche \u201ePraktische Theologie der Evangelisation\u201c bei, die sich auch als kritische Bilanz jahrzehntelanger Reflexion lesen l\u00e4sst. Er beschreibt Evangelisation als langen, steinigen Weg von Gemeinden, der ohne ideologische oder methodische Engf\u00fchrungen in einem kulturell-gesellschaftlich schwierigen Umfeld zu begehen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Rei\u00dfmann bietet abschlie\u00dfend Rekontextualisierungen des Evangelisationsbegriffs. Statt der prim\u00e4ren Anbindung an den Sendungsauftrag aus Mt 28 soll er seine Herleitung zuvorderst aus der Sendungsoffenbarung des Freudenboten aus Jes 61 und deren Zitierung in Lk 4 erhalten. Gegen\u00fcber einem von der Entleerung bedrohten Eigennamen \u201eEvangelisation\u201c bevorzugt er die w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung \u201eFrohbotschaften\u201c, wobei die Verbindung des Affekts Freude aufgrund der Pr\u00e4senz Christi mit der Botschaft des facettenreichen, aber bestimmbaren Evangeliums konstitutiv sei. Die frohbotschaftende Kirche wende sich aus ihrer gesellschaftlichen Partikularit\u00e4t heraus kommunizierend an ihre Gegen\u00fcber. Sie folge nicht einem problematischen Axiom allgemeiner Religion, das dem einzigartigen Profil des Evangeliums letztlich nicht gerecht werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt verm\u00f6gen die verschiedenartigen Beitr\u00e4ge des Bandes der Theologie (und auch der kirchlichen Praxis?) einen nahezu unter Quarant\u00e4ne stehenden Begriff neu darzubieten und ihr damit einen Energieschub zu geben, ist die Freude an der Botschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen doch eine Urkraft der christlichen Kirche. Die Diskurse um Evangelisation bed\u00fcrfen entschiedener Weiterf\u00fchrungen, wie sich im vorliegenden Werk unter anderem an den immerhin vorhandenen, aber im Anfangsstadium befindlichen \u00dcberlegungen zur Digitalit\u00e4t oder an den wenig ausgemalten Abgr\u00fcnden menschlicher Existenz, denen sich Evangelisation stellt, deutlich wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Johannes Sch\u00fctt, <\/em><em>Klinikseelsorger, Leipzig<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Herbst u.\u00a0a. (Hg.): Evangelisation. 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