{"id":2477,"date":"2025-04-21T14:32:36","date_gmt":"2025-04-21T14:32:36","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2477"},"modified":"2025-04-21T14:32:37","modified_gmt":"2025-04-21T14:32:37","slug":"maria-liu-wong-on-becoming-wise-together","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2477","title":{"rendered":"Maria Liu Wong: On Becoming Wise Together"},"content":{"rendered":"\n<p>Maria Liu Wong: <em>On Becoming Wise Together. Learning and Leading in the City<\/em>, Theological Education between the Times (TEBT), Grand Rapids: Eerdmans, 2023, kt., 158\u00a0S.,\u00a0$\u00a019,99, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/9780802879066\/on-becoming-wise-together\/\">978-0-802-87906-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Maria Liu Wong ist Theologin sowie Bildungswissenschaftlerin und arbeitet als Kuratorin und Prorektorin am <em>City Seminary of New York <\/em>\/ USA. Mit dem vorliegenden Buch legt sie eine pers\u00f6nliche und tiefgehende Reflexion dar\u00fcber vor, wie theologisches Lernen das Wohl des Einzelnen und des Gemeinwesens f\u00f6rdern kann. Hierzu nutzt sie einen autoethnografischen Ansatz, mit dem sie ihren Werdegang als eingewanderte Anglo-Chinesin untersucht, um das Potenzial und die Verwobenheit unterschiedlicher Bildungsprozesse zu skizzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kapitel 1 (\u201eWaiting\u201c) schildert Wong den thematischen Rahmen ihres Buches. Im R\u00fcckblick wird ihr deutlich, wie ihre Pr\u00e4gung bereits bestimmte Wege vorzeichnete und manche Werte, Haltungen und Kompetenzen beg\u00fcnstigte, von denen sie bis heute profitiert. Ihre These lautet: Was wir inhaltlich wissen, ist im theologischen Bildungsprozess genauso wichtig wie die Art und Weise, wie der Ort und die Menschen, durch die wir lernen. Dies kann formal, nicht-formal und informell geschehen, sodass Wong die Theologie vor allem als Verb, d. h. als gemeinsame, vertrauensvolle T\u00e4tigkeit unterschiedlicher Menschen versteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Kapitel 2 vertieft die Sph\u00e4re der Familie, w\u00e4hrend Kapitel 3 auf den Wert und Einfluss von Freunden eingeht. Die Autorin teilt hierzu ihre Migrationserfahrungen, beschreibt die missionarische Arbeit ihrer evangelikal gepr\u00e4gten Eltern unter Diaspora-Chinesen und reflektiert \u00fcber die Kultur ihrer Herkunfts- bzw. ihrer aktuellen Familie. Anschlie\u00dfend erinnert sie sich an ihre vielf\u00e4ltigen Auslandserfahrungen und wie die Freundschaften zu Menschen aus anderen kulturellen bzw. kirchlichen Kontexten sie gepr\u00e4gt haben. Hierbei schl\u00e4gt Wong regelm\u00e4\u00dfig die Br\u00fccke zu ihrer aktuellen Arbeit am <em>City Seminary<\/em>, das theologische Bildung f\u00fcr Menschen unterschiedlicher Generationen und Kirchen mit Strahlkraft ins Quartier erm\u00f6glichen will.<\/p>\n\n\n\n<p>In den darauffolgenden Kapitel 4 (\u201eLearning\u201c) und 5 (\u201eLeading\u201c) verschiebt die Autorin den Fokus vom Pers\u00f6nlichen auf konzeptionelle und praktische \u00dcberlegungen. Ihr geht es noch zugespitzter um die Frage, wie ein gemeinschaftliches, nachhaltiges, transformatives, ganzheitliches, interdisziplin\u00e4res und lebenslanges Lernen im urbanen Kontext aussehen kann. Wong liefert hierzu griffige Beispiele und berichtet ehrlich von eigenen Grenz- und Lernerfahrungen. So fordert sie ihre Leser heraus, au\u00dferhalb strikter Konventionen zu denken und kreativ zu handeln, um mit Gleichgesinnten gutes Lernen sorgsam zu beg\u00fcnstigen und mutig anzuleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kapitel 6 (\u201eBecoming\u201c) dient als Epilog. Wong unterstreicht noch einmal den Wert christlicher (Lern-)Gemeinschaft. Allerdings erinnern Erlebnisse wie die Covid-19-Pandemie, Rassismus und andere gesellschaftliche Herausforderungen daran, dass Christen als Pilger inmitten von Begrenzung und Zerbrechlichkeit in einer Zwischenzeit leben. Hier ermutigt sie die Leser, sich t\u00e4glich, beharrlich und zuversichtlich an Gottes Weisheit und Plan mit der Welt zu orientieren, um gemeinsam vor Ort einen Unterschied zu machen. Ein Anhang mit weiterf\u00fchrenden Fragen und ein Endnotenverzeichnis runden den Titel ab.<\/p>\n\n\n\n<p><em>On Becoming Wise Together<\/em> bietet eine anregende, aber auch etwas fordernde Lekt\u00fcre. Mal schreibt Wong kontemplativ oder verletzlich, dann wieder analytisch oder konfrontativ. Mal steht das Autobiografische im Vordergrund, dann eine theologische Argumentation, bevor sie ihren Gedankengang mit Vertiefungsfragen an ihre Leser unterbricht oder eine weitere Episode ihres Lebens einflechtet. Dies alles reichert sie teilweise mit Zitaten, Gedichten oder Fotos an.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Wechsel zwischen Genres und Schreibstilen, zwischen Themen und Zeitstr\u00e4ngen kann einerseits erm\u00fcden, andererseits trifft er Wongs Anliegen. Statt einer klar definierten Abhandlung m\u00f6chte sie ihren Lesern etwas anderes bieten: Sie l\u00e4dt zu einer ehrlichen Begegnung und zu einem gemeinsamen Ringen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle Standpunkte \u00fcberzeugen hierbei. Wong greift auf unterschiedlichste Denker und Perspektiven zur\u00fcck, von der intersektionalen Feministin Bell Hooks bis hin zum einflussreichen Pfingsttheologen Amos Yong und seiner recht universalen Pneumatologie. W\u00e4hrend die Impulse zur Kulturtheologie, inkarnatorischen Quartiersarbeit und zu <em>formative practices<\/em> sehr stark sind, werden christologische, soteriologische und ekklesiologische Fragestellungen wenig beleuchtet. Nicht das Konfessionelle oder die Kommunikation des Evangeliums als Botschaft stehen im Vordergrund, sondern das Prozesshafte und Existenzielle, das Kreat\u00fcrliche und Transformatorische. Dies spiegelt sich auch in ihrer weit gefassten Arbeitsdefinition wider: \u201eThe goal of theological education, then, is for God\u2019s people and creation to flourish, to reconcile brokenness, and to see grace and wholeness in families, churches, and communities in our world. We search in faith for deeper meaning, to understand and respond to God\u2019s living presence as the Holy Spirit moves.\u201d (8)<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende erinnert die Autorin mit ihrer autobiografischen Minorit\u00e4tsperspektive daran, dass theologische Ausbildung und gelebter Glaube, Individuum und Gemeinschaft zusammengeh\u00f6ren. Dabei sind pers\u00f6nliches Wachstum und Lernen von Gottes Wirken abh\u00e4ngig, was wiederum positive Auswirkungen auf das jeweilige Umfeld haben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Lehrkr\u00e4fte in theologischen Ausbildungsst\u00e4tten werden hier trotz mancher berechtigter Anfragen interessante Impulse zu den verschiedenen Akteuren, Dimensionen, Formen und M\u00f6glichkeiten theologischer Bildung finden, die \u00fcber das formalisierte und individualisierte Lernen hinausgehen. Zudem sensibilisiert Wongs Buch f\u00fcr die Frage, wie christliche Ausbildungsst\u00e4tten noch nachhaltiger in ihren Kontext vor Ort hineinwirken und der christlichen Gemeinde dienen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Daniel Vullriede, M.A., M.A., <\/em><em>Dozent am Bibelseminar Bonn und IBEI Rom<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria Liu Wong: On Becoming Wise Together. 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