{"id":2483,"date":"2025-04-21T14:35:55","date_gmt":"2025-04-21T14:35:55","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2483"},"modified":"2025-10-06T09:23:25","modified_gmt":"2025-10-06T09:23:25","slug":"roland-hardmeier-glaube-der-traegt-wenn-alles-im-fluss-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2483","title":{"rendered":"Roland Hardmeier: Glaube, der tr\u00e4gt, wenn alles im Fluss ist"},"content":{"rendered":"\n<p>Roland Hardmeier: <em>Glaube, der tr\u00e4gt, wenn alles im Fluss ist. Evangelikale zwischen fundamentalistisch und postevangelikal,<\/em> Gie\u00dfen: Brunnen, 2024, 330 S., Pb., \u20ac\u00a025,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/192189\/glaube-der-traegt-wenn-alles-im-fluss-ist.html\">978-3-7655-2189-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die westliche evangelikale Welt wird zunehmend ersch\u00fcttert. Wo es vor 50 Jahren noch gemeinsame Bekenntnistexte und Grundlagen gab, brechen diese heute zunehmend weg. In den wesentlichen Glaubensfragen war sich die evangelikale Welt einig. Verst\u00e4rkt werden zentrale Glaubensdogmen und eine strikt an der Bibel orientierte Ethik abgelehnt oder zumindest infrage gestellt. Zwei Wege f\u00fchren aus diesem Dilemma: Die Fundamentalisten ziehen sich aus der \u00f6ffentlichen Debatte zur\u00fcck und verteidigen ihr traditionelles Weltbild, die Postevangelikalen gehen mit der Gesellschaft und finden mithilfe der universit\u00e4ren Bibelwissenschaft zu neuen Denkmustern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das neue Buch des Schweizer Missionstheologen Roland Hardmeier (geb. 1965) bewegt sich zwischen diesen Polarisierungen und will vermitteln. In seinem Buch <em>Glaube, der tr\u00e4gt, wenn alles im Fluss ist. Evangelikale zwischen fundamentalistisch und postevangelikal<\/em> will er die divergierenden Positionen Fundamentalismus und Postevangelikalismus darstellen und zugleich hinterfragen. Sein Buch ist im Brunnen Verlag erschienen und dient als Orientierungshilfe f\u00fcr Pastoren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel. Im ersten Kapitel erl\u00e4utert Hardmeier das Dilemma der beiden weit auseinander liegenden Pole Fundamentalismus und Post-Evangelikalismus. Nach einem l\u00e4ngeren Ringen um eine Definition dieser Schlagworte kommt Hardmeier zu dem Schluss, dass wir nicht von den R\u00e4ndern her denken und glauben sollten, sondern von der Mitte her: \u201eDas wahre Evangelium ist das Evangelium von Jesus Christus, das in der Mitte zwischen zwei Polen stattfindet. Die Antwort auf die Postmoderne kann weder der R\u00fcckzug von der Welt noch die Anpassung an die Gesellschaft sein. [\u2026] Unsere Zeit braucht Christen, die fundiert unfundamentalistisch glauben, denken und handeln\u201c (43f). Dies begr\u00fcndet Hardmeier im zweiten Kapitel mit dem reformatorischen Schriftprinzip der Mitte. In diesem und im dritten Kapitel arbeitet er das Schriftverst\u00e4ndnis eines typischen Fundamentalisten und eines typischen Postevangelikalen heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten und f\u00fcnften Kapitel geht Hardmeier auf unsere Welt ein, und wie das K\u00f6nigreich Gottes dort hineinwirken will. Hier lehnt er sich immer wieder an die Missionale Theologie an und rezipiert Ans\u00e4tze aus der kontextuellen Hermeneutik. Im sechsten Kapitel kommt der Autor auf das Kreuz Jesu zu sprechen und zeigt, wie zentral diese Thematik ist. Wie wir \u00fcber den S\u00fchnetod, die Rechtfertigungslehre und die Auswirkung und das Ausma\u00df des Kreuzes denken, pr\u00e4gt das Christentum im Kern. Die historische Entwicklung der Missionalen Theologie ab den 1950ern entfaltet Hardmeier im siebten Kapitel, um zu zeigen, dass das ganze Evangelium f\u00fcr die ganze Welt gedacht war (angelehnt an John Stott). Er postuliert, dass gerade die Missionale Theologie durch das Alte Testament ein breiteres und ganzheitlicheres Missionsverst\u00e4ndnis gewinnt. In einem Dreiklang begr\u00fcndet er aus dem Alten Testament den Auftrag der Gemeinde Gottes: Erstens soll sie den Armen helfen, zweitens soll sie versuchen, Gerechtigkeit f\u00fcr Unterdr\u00fcckte zu schaffen und letztlich m\u00f6chte Gott mit und durch die Kirche Frieden schaffen f\u00fcr die ganze Welt (157\u2013168).<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten drei Kapiteln geht Hardmeier auf aktuelle gesellschaftliche Debatten und Stolpersteine der Bibelauslegung ein. Homosexualit\u00e4t, die Frauenfrage und Transgenderismus werden im achten Kapitel kurz angesprochen. Im neunten Kapitel befasst er sich mit dem Thema H\u00f6lle und stellt drei Positionen vor: Annihilation, doppelter Ausgang und Allvers\u00f6hnung. Im letzten Kapitel versucht der Autor in eine Zukunft zu blicken, in der Evangelikale zuversichtlich mit der Bibel umgehen k\u00f6nnen und gleichzeitig Sorge und Liebe f\u00fcr diese Welt haben. Hardmeier zeigt Wege auf, wie unser Glaube in der postmodernen Welt anschlussf\u00e4hig werden kann, ohne dass wir unser Bibelverst\u00e4ndnis, unsere zentralen Dogmen und unsere ethischen Leitlinien aufgeben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der wachsenden Methodenvielfalt der Bibelauslegung ist Hardmeiers Stimme leitgebend, sensibel und wertsch\u00e4tzend. Er kl\u00e4rt Voraussetzungen und Missverst\u00e4ndnisse und l\u00e4sst beide Seiten zu Wort kommen. Seine Argumentation aus christozentrischer Hermeneutik und missionarischem Verst\u00e4ndnis ist plausibel und stringent. Dieses breitere und ganzheitlichere Missionsverst\u00e4ndnis der Missionalen Theologie bedarf einer kritischen Betrachtung. Zwar ist der missionale Ansatz, dem Alten Testament durch den erw\u00e4hnten Dreiklang im Bereich sozialer und \u00f6kologischer Verantwortung eine neue Gewichtung zu verleihen, grunds\u00e4tzlich anerkennenswert. Dennoch erscheint dieser Fokus einseitig und vom wichtigsten Anliegen entfernt. Der grundlegende Auftrag der Mission muss die Verk\u00fcndigung des Evangeliums bleiben, wie er f\u00fcr die Glaubensgemeinschaft des Neuen Bundes ma\u00dfgeblich im Neuen Testament verankert ist. Daher sollte jede \u00dcberlegung zur Mission prim\u00e4r von den Aussagen des Neuen Testaments ausgehen. Diese Rezension verfolgt das Ziel, die durchweg positiv dargestellte Missionale Theologie kritisch zu reflektieren und zur Diskussion zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch bietet im Allgemeinen wertvolle Einblicke in die Debatte. Der hermeneutische Teil ist zu kurz geraten, da sich diese brisanten Fragen vor allem an der Hermeneutik entz\u00fcnden. Heutige Bibelverst\u00e4ndnisse und sein eigenes Bibelverst\u00e4ndnis h\u00e4tten ausf\u00fchrlicher und tiefer reflektiert werden sollen, um dem Leser eine Vorstellung davon zu geben, wie er sich dieses gemeinsame Voranschreiten der evangelikal-westlichen Welt vorstellt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Joshua Ganz, Pastor und Armeeseelsorger, Winterthur, Schweiz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roland Hardmeier: Glaube, der tr\u00e4gt, wenn alles im Fluss ist. 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