{"id":2486,"date":"2025-04-21T14:37:48","date_gmt":"2025-04-21T14:37:48","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2486"},"modified":"2025-10-06T09:23:39","modified_gmt":"2025-10-06T09:23:39","slug":"frauke-bielefeldt-hg-die-kraft-des-kreuzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2486","title":{"rendered":"Frauke Bielefeldt (Hg.): Die Kraft des Kreuzes"},"content":{"rendered":"\n<p>Frauke Bielefeldt (Hg.): <em>Die Kraft des Kreuzes. Warum der Tod Jesu die gr\u00f6\u00dfte Chance unseres Lebens ist<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 2024, Pb., 207 S., \u20ac 18,50, ISBN <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/192164\/die-kraft-des-kreuzes.html\">978-3-7655-2164-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Viele historisch-kritische Theologen k\u00f6nnen die Bedeutung von Jesu Sterben f\u00fcr unsere Errettung nicht nachvollziehen. Sie versuchen daher, diesen Kern des christlichen Glaubens zur Seite zu schieben (somit k\u00f6nnte man sie als \u201eEntkerner\u201c bezeichnen). Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Worthaus-Video zum Thema \u201eDie Bedeutung des Kreuzestodes Jesu aus heutiger Perspektive\u201c (2012) von Thomas Breuer (erw\u00e4hnt von der Herausgeberin, 17). Er meint am Ende seines Vortrages, dass Jesus seinem Tod \u201ekeine heilsmittlerische Bedeutung zuschreibt\u201c. Aber als Jesus diesem Tod n\u00e4her kam, hatte er \u2013 so Breuer \u2013 immerhin die (christliche?) Hoffnung, \u201enicht ins Nichts zu fallen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf solche \u201eEntkerner\u201c reagierten baptistische Theologen, insbesondere aus dem Umfeld der charismatischen \u201eGeistlichen Gemeindeerneuerung\u201c. Das geschieht in diesem Sammelband, der nach der Einleitung der Herausgeberin insgesamt 18 Beitr\u00e4ge durchweg m\u00e4nnlicher Theologen enth\u00e4lt; damit entfallen auf jeden Aufsatz etwa 10 Seiten. Am Ende der einzelnen Beitr\u00e4ge findet man Angaben \u00fcber den Autor und die Anmerkungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt kein Register, aber am Beginn des Buches einen \u201eNavigator: Was steht wo?\u201c (7f). Hier werden neugierig machende Fragen aufgelistet, z.&nbsp;B. \u201eWie kann Schuld \u00fcbertragen werden?\u201c oder \u201eKann Gott nicht einfach so vergeben?\u201c. Zu jeder Frage sind Beitr\u00e4ge (mit ihrer jeweiligen Nummer) genannt (aber keine konkreten Buchseiten). Bei der Frage \u201eWas ist \u201aStellvertretung\u2018?\u201c stehen die Nummern von 10 Beitr\u00e4gen \u2013 d.&nbsp;h. der Leser m\u00fcsste dazu das halbe Buch durchlesen (im E-Book kann man nat\u00fcrlich leichter suchen).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch befasst sich mit unserer gest\u00f6rten Gottesbeziehung und der \u00dcberwindung dieses Problems. Die Menschheit unterliegt dem geistlichen und dem k\u00f6rperlichen Tod \u2013 in den Worten von Christoph Stenschke: Die Nachkommen Adams \u201ewerden au\u00dferhalb des Paradieses geboren, jenseits der unmittelbaren Gegenwart Gottes und des Baums des Lebens\u201c (57, in Beitrag 4 \u00fcber \u201ePaulus und die menschliche Erl\u00f6sungsbed\u00fcrftigkeit\u201c). Das Neue Testament zeigt Gottes Ausweg aus diesem Problem: \u201eJesus ist f\u00fcr uns gestorben\u201c (32, Tillmann Kr\u00fcger in Beitrag 1: \u201eEiner f\u00fcr alle\u201c). Dass Jesus \u201estellvertretend\u201c starb, sagt das Neue Testament nicht, aber dieser Sammelband sehr oft, ohne zu erkl\u00e4ren, was genau Jesus \u201estellvertretend\u201c f\u00fcr uns \u00fcbernahm \u2013 und was uns daher erspart bleibt: Den geistlichen Tod? Die ewige Gottesferne hat Jesus nicht \u00fcbernommen. Den k\u00f6rperlichen Tod? Dieser steht auch den Christen weiterhin bevor, wurde ihnen also nicht von Jesus abgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Zusammenh\u00e4nge sind dem Neuen Testament klar zu entnehmen: \u201ePaulus spricht oft davon, dass wir \u201ain Christus\u2018 sind\u201c (Kr\u00fcger, 33); das gilt f\u00fcr jene, welche sich Jesus anvertrauen und sich mit ihm eng verbinden. Dadurch sind sie \u201emit Christus mitgestorben\u201c (und mitauferstanden). Diese Unterscheidung halte ich f\u00fcr wichtig: Ob ich mit Jesus starb, oder ob Jesus stellvertretend f\u00fcr mich starb (so dass ich nicht mehr sterben muss?).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Besonderheit bei Jesu Sterben ist, dass bei ihm \u2013 anders als bei uns \u2013 der geistliche Tod (= Gottesferne) sowie der k\u00f6rperliche Tod nicht andauerten, sondern dass Jesus davon rasch befreit wurde (Apg 2,24 \u2013 und den Tod sogar besiegte: Hebr 2,14; Offb 1,18; diese drei Verse kommen im Buch nicht vor). Au\u00dferdem bleibt Jesu Sterben \u2013 obwohl zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt geschehen \u2013 in der Weise zeitlos wirksam, dass Jesus die an ihn Glaubenden geistlich in sein Sterben (und Auferstehen) mit hineinnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch diese Deutung (ich bin \u201ein Christus\u201c und somit \u201emit Christus mitgestorben\u201c) wird jenes oft als problematisch empfundene Gottesbild vermieden, wonach Gott vergeben will, das aber erst kann, wenn ein (stellvertretendes) unschuldiges Opfer gebracht wird. Au\u00dferdem erschwert die Deutung <em>\u201ein\/mit Christus\u201c<\/em> die Argumentation der Anh\u00e4nger einer \u201eAllvers\u00f6hnung\u201c. Diese \u2013 unterschwellig verbreitete \u2013 Lehre, auch \u201eWiederherstellung\u201c oder \u201eApokatastasis\u201c genannt, wird im Buch nicht erw\u00e4hnt. Die Allvers\u00f6hnung argumentiert mit Aussagen wie: \u201edurch eine gerechte Tat werden alle Menschen gerecht gesprochen\u201c (R\u00f6m 5,18), oder \u201ewenn einer f\u00fcr alle gestorben ist, sind sie alle gestorben\u201c (2Kor 5,14). Eine \u201estellvertretende\u201c Rechtfertigung l\u00e4sst sich leichter auf viele\/alle ausdehnen als eine grunds\u00e4tzliche Einschr\u00e4nkung auf jene, die \u201ein Christus\u201c sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Beitr\u00e4ge behandeln wichtige Themen der Praxis, aber mitunter fehlen konkrete Einblicke. Heinrich Christian Rust bespricht d\u00e4monische Bindungen (in Beitrag 11 \u00fcber das Thema \u201eJesus Christus erl\u00f6st aus der Macht Satans\u201c). Rust entfaltet das Thema biblisch und wird anschlie\u00dfend ansatzweise praktisch: \u201eWie k\u00f6nnen nun solche Bindungen, Belastungen oder Besessenheiten gel\u00f6st werden?\u201c (156). F\u00fcr mich stellt sich hier zuerst die Frage, woran ich erkennen kann, dass ein Mensch d\u00e4monisch belastet ist. Dazu gibt Rust keine Hinweise (nur, dass wir um die Gabe der Geisterunterscheidung beten sollen). Rust konnte beim Befreiungsdienst mit erfahrenen Seelsorgern zusammenarbeiten, u.&nbsp;a. mit Willem van Dam, John Wimber und Francis McNutt (157).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Jonathan Walzer bespricht ein Thema der Praxis: Er erz\u00e4hlt von seinen Erfahrungen beim Erl\u00e4utern von Jesu stellvertretendem Sterben in Kinder- und Jugendgruppen (Beitrag 16: \u201eDas Kreuz f\u00fcr Kids\u201c). Dabei erlebte er keine Verst\u00e4ndnis-Schwierigkeiten bei seinen Zuh\u00f6rern. Dass Kinder verstehen, dass S\u00fcnden sch\u00e4dlich sind, und dass uns Gott aus Liebe entgegenkam, um uns zur\u00fcckzuholen \u2013 das ist wohl nachvollziehbar. Aber dass die S\u00fcnde des Einzelnen so schlimm ist, dass zur Wiedergutmachung ein Unschuldiger einen brutalen Tod erleiden musste, ist wohl schon schwieriger zu erfassen. Um die Notwendigkeit dieses dramatischen Opfers plausibel erscheinen zu lassen, werden Menschen mitunter angeleitet, sich selbst als durch und durch s\u00fcndhaft zu betrachten. Aus psychologischer Sicht gibt es jedoch Bedenken dagegen, Kindern ein solches Selbstbild nahezubringen. Aber vielleicht pr\u00e4sentierte Walzer die Botschaft vom Kreuz anders? Dar\u00fcber sagt er leider nichts, und auch nicht, woraus er schlie\u00dfen konnte, dass die Kinder und Jugendlichen diese Botschaft wirklich verstanden. Konkret wird Walzer vor allem bei der Angabe von \u00e4u\u00dferen Details wie \u201eHerbst 2022\u201c oder \u201eTeilnehmerzahl\u201c\u2026 (191).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sammelband enth\u00e4lt eine breite Palette an Beitr\u00e4gen: Das gilt schon im Blick auf ihre Verst\u00e4ndlichkeit: Leicht zu lesen sind die pers\u00f6nlichen Erfahrungen von Thomas Greiner (Beitrag 14: \u201eWie meine Predigten neue Kraft bekamen\u201c). Dagegen sind die dogmatischen Analysen von Maximilian Zimmermann weit anspruchsvoller (Beitrag 10: \u201eAnselms Satisfaktionslehre im Vergleich mit der biblischen S\u00fchnelehre\u201c). Was die Inhalte betrifft, so konzentrieren sich die Beitr\u00e4ge jeweils auf bestimmte Facetten, etwa auf die Trennung von Vater und Sohn am Kreuz (Michael Bendorf in Beitrag 5: \u201eGott zerrei\u00dft sich f\u00fcr uns\u201c), auf den \u201eS\u00fchnetod Christi\u201c (Uwe Swarat in Beitrag 7 \u00fcber \u201eTheologische Kontroversen\u201c von ca. 1600 bis heute) oder auf die abwertende Betrachtung des Opfers im Alten Testament, besprochen von Guido Baltes (Beitrag 8: \u201eMit Jesus gegen Judentum und Reformation?\u201c) und Siegbert Riecker (Beitrag 9: \u201eVerst\u00f6rende Grausamkeit, primitives Gottesbild?\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Der Sammelband \u201eDie Kraft des Kreuzes\u201c wagt sich an ein schwieriges Thema heran. Dieses ist zentral f\u00fcr den christlichen Glauben. Das auch bei einem Teil der Theologen anzutreffende Unverst\u00e4ndnis macht es n\u00f6tig, sich mit diesem Thema weiter zu befassen, ausgehend von den zahlreichen biblischen Aussagen dazu, und \u2013 wie in diesem Band geschehen \u2013 mit Respekt vor den traditionellen Deutungen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Franz Graf-Stuhlhofer, BSc, ehem. Lehrbeauftragter an Hochschulen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauke Bielefeldt (Hg.): Die Kraft des Kreuzes. 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