{"id":2489,"date":"2025-04-21T14:39:36","date_gmt":"2025-04-21T14:39:36","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2489"},"modified":"2025-04-21T14:39:37","modified_gmt":"2025-04-21T14:39:37","slug":"elisabeth-graeb-schmidt-martina-kumlehn-hg-das-boese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2489","title":{"rendered":"Elisabeth Gr\u00e4b-Schmidt \/ Martina Kumlehn (Hg.): Das B\u00f6se"},"content":{"rendered":"\n<p>Elisabeth Gr\u00e4b-Schmidt \/ Martina Kumlehn (Hg.): <em>Das B\u00f6se.<\/em> <em>Marburger Jahrbuch Theologie XXXV.<\/em> Marburger Theologische Studien 143. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2024, kart., XXXI+136 S., \u20ac 34,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/de\/marburger-jahrbuch-theologie-xxxv\">978-3-74-07682-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Vor dem genaueren Blick in diesen Sammelband zum ewigen Problem des B\u00f6sen \u2013 die Herausgeberinnen nennen es in ihrem Vorwort mit R\u00fcdiger Safranski das \u201e\u201aschwarze Loch\u2018 unserer Existenz oder den \u201aAbgrund, der sich im Menschen auftut\u2018\u201c (VI) \u2013 etwas mehr Formales, aber gleichzeitig auch Qualifizierendes vorneweg. Das <em>Marburger Jahrbuch Theologie <\/em>(MJTh) ist eine Reihe innerhalb der \u201eMarburger Theologische Studien\u201c, die 1947 von Hans Gra\u00df und Werner Georg K\u00fcmmel begr\u00fcndet wurden. Immer wieder wurden \u201ehei\u00dfe\u201c Themen aufgegriffen bzw. alte aktualisiert. Letzteres gilt auch f\u00fcr den hier anzuzeigenden Band.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Sache und zu diesem Sammelband nun die folgenden sieben Punkte:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Notger Slenczka steuert keinen \u00fcblichen Beitrag bei, aber er f\u00fchrt auf S. IX-XXI in die f\u00fcnf Beitr\u00e4ge sehr ausf\u00fchrlich und sehr gut ein. Zudem f\u00fcgt er am Ende des Sammelbandes eine Rezension an zu Klaas Huizing: <em>Lebenslehre. Eine Theologie f\u00fcr das 21. Jahrhundert<\/em>, G\u00fctersloh: G\u00fctersloher, 2022. Er lobt ihren sprachlichen Duktus und bemerkt: \u201eman liest diese Dogmatik wirklich gern\u201c (108). Eine ihrer Besonderheiten ist die Platzierung der Lehre von der S\u00fcnde in den Prolegomena, was zu einer \u201eUmbildung auch der Soteriologie und damit der Christologie\u201c f\u00fchrt (114). In einer Mail an seinen Lektor schreibt Huizing sehr offen: \u201eIch habe die Absicht, die traditionellen Best\u00e4nde der Dogmatik kr\u00e4ftig umzuformen\u201c (<em>Lebenslehre,<\/em> 34). So sehr ich Huizing kritisiere, mindestens ebenso sehr ist Slenczkas abschlie\u00dfender Bewertung \u201eanregend\u201c zuzustimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Nach einem ersten, kurzen Reinlesen und im Blick auf das weite Feld des B\u00f6sen zwei Beobachtungen, die erste nurmehr am Rande, die jedoch inhaltlich relevant ist: RGG, TRE und ELThG bieten jeweils einen Artikel s.&nbsp;v. \u201edas B\u00f6se\u201c; der anzuzeigende Band schlie\u00dft sich dem an. Das B\u00f6se wird also neutral gefasst, nicht personal; die einzige Ausnahme findet sich auf 30f (Wolter). Fehlt dann aber nicht die Verbindung? Fordert das biblische Denken nicht prim\u00e4r ein personales Verst\u00e4ndnis?<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Sodann die weitere Beobachtung, dass das B\u00f6se ein zentraler Gegenstand in Religion und Theologie, in der Moral, in Religions- und Kulturwissenschaft, in der (Religions-)philosophie und in der philosophischen Ethik ist. Sieht man das B\u00f6se als S\u00fcnde oder zumindest im Kontext von S\u00fcnde (so beispielsweise Wilfried H\u00e4rle: <em>Dogmatik,<\/em> Berlin: De Gruyter, \u00b32007, 466\u2013481), dann geh\u00f6rt es zweifelsohne zu den \u201e42 gro\u00dfe[n] W\u00f6rter[n]\u201c, die \u201eSchl\u00fcssel zur Botschaft der Bibel\u201c sind, so Titel und Untertitel einer Ver\u00f6ffentlichung Egbert Ballhorns aus dem Jahr 2024. Entsprechend zahlreich und vielartig ist die Literatur zum Thema das \/ der B\u00f6se, besonders geh\u00e4uft nach dem Zweiten Weltkrieg \/ Holocaust und erneut seit wenigen Jahren (ich z\u00e4hlte seit Susan Neiman: <em>Das B\u00f6se denken. Eine andere Geschichte der Philosophie,<\/em> Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004 mindestens sechs deutschsprachige, meist psychologisch-sozial oder philosophisch orientierte Werke; in den Anmerkungen wird weitere, vor allem auch theologische Literatur genannt).<\/p>\n\n\n\n<p>3. Friedhelm Hartenstein schl\u00e4gt in seinem kultur-hermeneutischen Essay \u201eFiguren des B\u00f6sen im Alten Testament\u2026\u201c weite B\u00f6gen. In den vielen Fragen um das B\u00f6se sind mir zwei Stellen aus der Urgeschichte sehr wichtig. Die Schlange tritt in Gen 3,1 wie aus dem Nichts und v\u00f6llig unerkl\u00e4rt aus dem Kreis der restlichen Tierwelt heraus und verf\u00fchrt Eva. Das \/ der B\u00f6se ist einfach da, wieso und warum wird nicht gesagt. Etwas zweites, nach der Sintflut sehr \u00fcberraschendes ist die restitutio der Sch\u00f6pfung und Gottes Treueversprechen und Verhei\u00dfung in Gen 8,21f, obwohl \u201edas Dichten und Trachten des menschlichen Herzens b\u00f6se ist von Jugend auf\u201c. Werden da nicht neutestamentliche T\u00f6ne angeschlagen (vgl. beispielsweise R\u00f6m 2,4)?<\/p>\n\n\n\n<p>4. Michael Wolter sondiert \u201eDie Rede vom B\u00f6sen im Neuen Testament\u201c. Gut, dass alle ber\u00fccksichtigten Bibelstellen auf griechisch und deutsch abgedruckt sind. Zwei S\u00e4tze Wolters unterstrich ich mir dick: \u201eDer Blick auf das B\u00f6se und seine Macht ist von vornherein durch die Perspektive seiner \u00dcberwindung bestimmt\u2026\u201c (36). Und im Res\u00fcmee: \u201eB\u00f6se und B\u00f6ses sind b\u00f6se und sollen darum nicht sein\u201c (55). Gerne h\u00e4tte ich mehr zur entsprechenden Bitte im Vaterunser (\u201eund erl\u00f6se uns vom B\u00f6sen\u201c) und zur Apokalypse gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Heiko Schulz (er bedenkt das B\u00f6se im Konnex mit der Theodizeefrage) und Dietrich Korsch bringen systematisch-theologische Gesichtspunkte ein. Letzterer beginnt seinen Beitrag plakativ-thetisch: \u201eDas B\u00f6se ist durch und durch paradox. Es ist erschreckend und anziehend zugleich, scheint voller Kraft zu stecken und verschwindet doch im Nichts.\u201c (86) Bevor die Vaterunserbitte \u201eund erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen\u201c nicht erf\u00fcllt ist, muss man jedoch realistischerweise von der Pr\u00e4senz des B\u00f6sen ausgehen. Das B\u00f6se scheint, was seine Orte, Zeiten, beteiligte Personen und Ausma\u00dfe angeht, grenzenlos zu sein, von sehr klein bis weltweit. Bereits auf den ersten Seiten der Bibel geht es um den \/ das B\u00f6se. Es geh\u00f6rt also von Anfang an zur menschlichen Existenz, und erst der Drachensturz in der Offenbarung (12,9) l\u00e4utet das Ende der unheilvollen Geschichte ein (vgl. 20,10: die endg\u00fcltige Vernichtung des B\u00f6sen).<\/p>\n\n\n\n<p>6. Christian Polkes (als <em>donum superadditum <\/em>eingestufter) Beitrag \u201eVom B\u00f6sen. Biblisch-theologische Erkundungsg\u00e4nge\u201c besteht aus leider nur acht l\u00e4ngeren Thesen (ohne Anmerkungen). Denn er verstarb wenige Wochen nach der Fr\u00fchjahrstagung 2023. Er fragt eingangs, ob das B\u00f6se in der Alltags- und Politiksprache nicht als<em> mysterium fascinosum et tremendum<\/em> mit anderem Vorzeichen versehenes G\u00f6ttliches verstanden werden k\u00f6nne. Im Appendix schreibt er: \u201eDas B\u00f6se bannen \u2013 das l\u00e4sst sich als ein erstes Gebot f\u00fcr jede zivilisatorischen Leistung formulieren\u201c (135). Dann \u2013 auf der darauf folgenden Seite \u2013 seine letzten beiden S\u00e4tze: \u201eIm B\u00f6sen finden Ethik und Religion eine ihrer Quellen. Das mag ern\u00fcchternd klingen, aber realistisch ist es allemal\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Diese ersten sechs Leseeindr\u00fccke machen hoffentlich Lust darauf, sich privat und \/ oder im Kollegenkreis neu (oder wieder) auf das Thema <em>das \/ der B\u00f6se <\/em>einzulassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer i. R. Dr. Gerhard Maier, Neuffen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elisabeth Gr\u00e4b-Schmidt \/ Martina Kumlehn (Hg.): Das B\u00f6se. Marburger Jahrbuch Theologie XXXV. Marburger Theologische Studien 143. 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