{"id":2501,"date":"2025-04-21T14:47:37","date_gmt":"2025-04-21T14:47:37","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2501"},"modified":"2025-04-21T14:56:23","modified_gmt":"2025-04-21T14:56:23","slug":"raymond-r-hausoul-gods-future-for-animals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2501","title":{"rendered":"Raymond R. Hausoul: God\u2019s Future for Animals"},"content":{"rendered":"\n<p>Raymond R. Hausoul: <em>God\u2019s Future for Animals. From Creation to New Creation,<\/em> Eugene: Wipf &amp; Stock, 2023, Pb., 266 S., \u20ac 37, \u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781666703405\/gods-future-for-animals\/\">978-1-6667-0340-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Raymond R. Hausoul, angegliederter Wissenschaftler an der <em>Evangelischen Theologischen Faculteit <\/em>(ETF) in Leuven (Belgien) greift mit diesem Buch ein stark vernachl\u00e4ssigtes Thema in der christlichen, und insbesondere der evangelikalen Theologie auf: die Stellung der Tiere. Der Autor wagt ein breit angelegtes biblisch-theologisches Panorama. Die ersten f\u00fcnf Kapitel sind den Er\u00f6ffnungskapiteln des Genesisbuches gewidmet, wobei die Frage des Todes von Tieren in der urspr\u00fcnglichen Sch\u00f6pfung einen breiten Raum einnimmt (Kapitel&nbsp;4 insbesondere zur Frage der tierischen oder vegetarischen Nahrung und Kapitel&nbsp;5 zum Thema der aus Fellen hergestellten Kleidung). Kapitel&nbsp;6 behandelt den Bund mit Noah; Kapitel&nbsp;7 Tierrechte und Verantwortlichkeit von Tieren in der Tora. Kapitel&nbsp;8 und&nbsp;9 interessieren sich f\u00fcr Tiere in den alttestamentlichen Propheten, und Kapitel&nbsp;10 f\u00fcr die Haltung von Jesus zu Tieren. Kapitel&nbsp;11 bis&nbsp;13 konzentrieren sich dann auf das, was man aus den biblischen Texten zur Zukunft der Tiere ableiten kann: Kapitel&nbsp;11 stellt die Frage, ob die neue Sch\u00f6pfung eine v\u00f6llige Neusch\u00f6pfung darstellen wird oder ob es sich um eine Erneuerung der ersten Sch\u00f6pfung handelt (der Autor schlie\u00dft auf eine Kombination von Kontinuit\u00e4t und Diskontinuit\u00e4t); Kapitel&nbsp;12 entwirft ein theologisches Bild der Tiere im Eschaton; und Kapitel&nbsp;13 stellt abschlie\u00dfend die Frage, ob das Eschaton sich durch vegetarische Nahrung auszeichnet (es scheint mir, dass der Autor die Frage mit Ja beantworten m\u00f6chte, aber auch um Schwierigkeiten dieses Ansatzes wei\u00df).<\/p>\n\n\n\n<p>Hausoul greift f\u00fcr seine weitreichende theologische Abhandlung auf umfangreiche Quellen zur\u00fcck (das Literaturverzeichnis umfasst 19&nbsp;Seiten, erstaunlicherweise keine Arbeit von Bernd Janowski), zitiert j\u00fcdische und christliche Exegeten aus unterschiedlichen Epochen und erg\u00e4nzt die Arbeit am biblischen Text durch Ausfl\u00fcge in die alte und neue Geschichte. Die Arbeit wird abgerundet durch Verzeichnisse der zitierten Autoren und Werke und ein Themenverzeichnis, die es dem Leser erm\u00f6glichen, sich leicht im Buch zurecht zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider fehlt es dem Werk an pr\u00e4zisen methodologischen Grundlagen. Nur in der Behandlung der alttestamentlichen Propheten legt der Autor dar, wie er deren Bildsprache auslegt (136\u2013143). In der sehr ausf\u00fchrlichen Behandlung der Genesistexte fehlt eine klare Er\u00f6rterung ihres literarischen Genres. Der Autor f\u00fchrt wohl die k\u00fcnstlerische Gestaltung von Genesis&nbsp;1 aus (er spricht von der \u201eartificial structure of Genesis&nbsp;1\u201c [7]; auch an anderen Stellen sp\u00fcrt man, dass Englisch nicht die Muttersprache des Autors ist). Hausoul erw\u00e4hnt auch einige j\u00fcdische Exegeten (insbesondere Rashi [9]), welche die Sch\u00f6pfungstage nicht w\u00f6rtlich auslegen, l\u00e4sst den Leser aber alleine mit der Frage, welche Lesart der urspr\u00fcnglichen Autorintention entspricht. Was die Schlange angeht, listet der Autor verschiedene Meinungen auf, warum sie als Symbol des B\u00f6sen in Genesis&nbsp;3 gew\u00e4hlt wurde, versucht aber nicht, zwischen ihnen zu w\u00e4hlen (43\u201345). In einem sp\u00e4teren Kapitel scheint der Autor nun die Schlange w\u00f6rtlich zu verstehen, ohne dies weiter zu begr\u00fcnden, sondern schlie\u00dft aus dieser Lesart, dass die Bibel Tieren moralische Verantwortlichkeit zuschreibt, so dass sie f\u00fcr ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen werden k\u00f6nnen (66). Dies dient als Erkl\u00e4rung, warum sich Tiere heute nicht rein vegetarisch ern\u00e4hren: \u201eGod gave all living creatures freedom\u201c \u2013 eine Freiheit, welche die Tiere dazu missbraucht haben, dem schlechten Beispiel der Schlange zu folgen, so der Autor (66). Bei anderen Elementen der Genesistexte r\u00e4umt jedoch Hausoul nicht-w\u00f6rtlichen oder sogar v\u00f6llig spekulativen Interpretationen einen gro\u00dfen Platz ein (wie z.&nbsp;B. der Ansicht des antiken Rabbis Eleazar, dass die Namensgebung der Tiere durch Adam bedeutet, dass Adam Sex mit den Tieren hatte [41]), l\u00e4sst aber oft den Leser alleine mit der Frage, wie glaubw\u00fcrdig solche Auslegungen ist (im konkreten Fall erw\u00e4hnt er die M\u00f6glichkeit, dass es sich um \u201eintellectual or spiritual sex\u201c handeln k\u00f6nne, ohne zu erkl\u00e4ren, was dieses Oxymoron bedeuten soll).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt gewinnt der Leser den Eindruck, dass Hausoul sich bei der Exegese im Wesentlichen auf das Sammeln von m\u00f6glichen Interpretationen beschr\u00e4nkt, ohne dass ersichtlich wird, nach welchen Kriterien er bei der Auswahl der zitierten Autoren vorgeht und wie zwischen den verschiedenen Interpretationen zu entscheiden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso bleibt unklar, nach welchen Kriterien der Autor die zu behandelnden biblischen Texte ausgew\u00e4hlt hat und wie er entschieden hat, welche Schwerpunkte dabei zu setzten sind. So beschr\u00e4nkt er sich nicht auf das, was Genesis&nbsp;1 speziell zum Thema Tiere beizutragen hat, sondern behandelt ausf\u00fchrlich alle Sch\u00f6pfungstage, obwohl es dazu ausreichend Literatur gibt und der (informierte) Leser nichts Neues erf\u00e4hrt (7\u201320). Im Gegenzug dazu werden die seltener behandelten Hiobtexte, die die l\u00e4ngsten biblischen Texte zur Tierwelt \u00fcberhaupt sind, nur beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt. Ihr Beitrag zu einem biblischen Verst\u00e4ndnis des Tieres bleibt somit weitestgehend im Dunkeln. Ebenso wird der bedeutendste neutestamentliche Text zur eschatologischen Hoffnung der nicht-menschlichen Natur \u2013 R\u00f6mer 8,19\u201322 \u2013 wohl mehrfach erw\u00e4hnt; aber auch hier bleibt der Autor eine ausf\u00fchrliche Behandlung schuldig und die verschiedenen Auslegungsans\u00e4tze werden nicht genannt, geschweige denn argumentativ gegeneinander abgewogen (150f, 191f).<\/p>\n\n\n\n<p>Aufs Ganze betrachtet bleibt vorliegende Abhandlung hinter den geweckten Erwartungen zur\u00fcck. Der Leser kann hier wohl eine Reihe von Informationen zum Thema finden; ein exegetisch fundiertes Gesamtbild entsteht aber nicht. Dennoch ist Raymond R. Hausoul daf\u00fcr zu danken, ein stark vernachl\u00e4ssigtes Thema aufgegriffen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Lydia Jaeger ist Dozentin und akademische Beraterin am Institut Biblique de Nogent-sur-Marne (Frankreich) und akademische Direktorin des Centre d\u2019enseignement et de recherche interdisciplinaire \u00e9vang\u00e9lique (CERIE). Sie ist assoziiertes Mitglied des St. Edmund\u2019s College (University Cambridge, England).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raymond R. Hausoul: God\u2019s Future for Animals. 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