{"id":2520,"date":"2025-10-04T14:29:59","date_gmt":"2025-10-04T14:29:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2520"},"modified":"2025-10-04T14:30:16","modified_gmt":"2025-10-04T14:30:16","slug":"volker-halfmann-der-liebende-gott-und-sein-heiliger-zorn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2520","title":{"rendered":"Volker Halfmann: Der liebende Gott und sein heiliger Zorn"},"content":{"rendered":"\n<p>Volker Halfmann: <em>Der liebende Gott und sein heiliger Zorn,<\/em> Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2023, 370 S., Hb., \u20ac 25,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/der-liebende-gott-und-sein-heiliger-zorn.html\">978-3-417-24179-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Kann man heute noch vom Zorn Gottes sprechen? Und wie l\u00e4sst sich dieser mit dem Wesen eines liebenden Gottes vereinbaren? Pastor Volker Halfmann kennt die Spannung aus eigener Erfahrung: Etwa 40 Jahre litt er unter einem krankhaft angstmachendem Gottesbild. Dennoch warnt er davor, die Botschaft vom Zorn Gottes aus R\u00fccksicht auf traumatisierte Menschen zu vermeiden. Das aber w\u00e4re naheliegend, fokussieren wir doch zunehmend das subjektive Wohlgef\u00fchl. Ein z\u00fcrnender Gott scheint hier hinderlich. Der Verf. beobachtet auch bei Christen, wie \u201edie Ehrfurcht vor Gott, die Notwendigkeit des Gehorsams sowie die Dringlichkeit der Evangelisation als \u201aRettung vor dem Zorn\u2018\u201c (20f) zur\u00fcckgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch umfasst 19 Kapitel in vier Teilen: Der gesamtbiblische Befund, eine Auswahl theologiegeschichtlicher Stimmen, die dogmatische Einordnung sowie aus den drei Teilen gefolgerte Konsequenzen f\u00fcr Glauben und Verk\u00fcndigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die biblische Rede vom Zorn Gottes ist nach Halfmann keine menschlich interpretierte Beschreibung, sondern g\u00f6ttliche Offenbarung. Auch durch diese will Gott erkannt werden. Unsere Bilder von Zorn \u2013 ma\u00dflos, blindw\u00fctig, um-sich-schlagend \u2013 sollten wir nicht in biblische Beschreibungen hineinlegen. Biblische Autoren, so Halfmann, verwenden f\u00fcr den g\u00f6ttlich Zorn andere Begriffe als beispielsweise antike Schriften f\u00fcr den rachs\u00fcchtigen Zorn der G\u00f6tterreligionen. Gott ist und bleibt der ganz andere. Das gilt auch f\u00fcr seine Liebe. F\u00fcr den Theologen ist klar: \u201eOhne Zorn Gottes keine Liebe und Barmherzigkeit Gottes\u201c (35).<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr schaut er sich einige Bibelstellen an, die \u00fcberwiegend gut gew\u00e4hlt sind. In wenigen einzelnen (z.&nbsp;B. Hiob) scheint mir mehr ein pers\u00f6nliches Empfinden als tats\u00e4chlicher Zorn Gottes vorzuliegen. Im Alten Testament entspringt Gottes Zorn seiner Liebe, die keine anderen G\u00f6tter neben sich duldet. Auch seine Sehnsucht nach Gerechtigkeit l\u00e4sst ihn zornig werden angesichts menschlichen Unrechts (vgl. Amos). Als Sch\u00f6pfer, K\u00f6nig und Richter dieser Welt wird er \u2013 gerecht und zu Recht \u2013 zornig \u00fcber Missachtung seiner Person und Werte, was seinen H\u00f6hepunkt im Tag des Herrn findet (z.&nbsp;B. Jesaja, Joel). Gleichzeitig bleiben manche Handlungen Gottes f\u00fcr uns schlicht auch r\u00e4tselhaft. Zeichen seines Zorns k\u00f6nnen die Aktivierung der Fremdv\u00f6lker (Richterzeit), Naturkatastrophen und Plagen (Exodus) oder Krankheit\/Tod sein. Jedoch begrenzt Gott seinen Zorn (Ps 30,6; Jes 54,8-10), sein Wesen ist Barmherzigkeit (Hes 18,23).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Neuen Testament untersucht der Theologe Bibelstellen aus den Evangelien, Paulus und der Offenbarung. Jesus gebrauche das Wort Zorn zwar nur einmal (Endzeitreden), aber seine Verk\u00fcndigung (z.&nbsp;B. Gleichnisse) wie sein Handeln (z.&nbsp;B. gegen unbu\u00dffertige St\u00e4dte) enthalten \u201ezahlreiche Motive, die mit der Botschaft vom g\u00f6ttlichen Zorn verbunden sind\u201c (92). Paulus verwendet das Wort \u201eGnade\u201c \u00f6fter als alle anderen neutestamentliche Autoren. Dennoch ist \u201ein seinem Denken weiterhin Raum f\u00fcr den Zorn Gottes\u201c (100), wie Halfmann aufzeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Indem Halfmann die neutestamentlichen Stellen nach demselben Muster untersucht wie die des Alten Testaments, zeigt er auf: Es gibt keinen Unterschied zwischen einer Zeit bzw. einem Gott des Zorns (AT) und der Liebe (NT), wie oft angenommen. Diese Denkweise sei \u201efundamental unbiblisch\u201c (126). Gott selbst, die Propheten, Jesus und die Apostel haben alle dieselbe Botschaft: Der Mensch soll umkehren, um statt Gericht Gottes Heil zu erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Halfmann stellt gut verst\u00e4ndlich pr\u00e4gende Stimmen der Kirchengeschichte dar. Seine Auswahl von griechischer Philosophie \u00fcber Marcion, Laktanz und Thomas von Aquin \u00fcber Luther bis zu Schleiermacher, Ritschl und Barth begr\u00fcndet er beispielhaft damit, dass ihre Ans\u00e4tze positiv wie negativ \u201ebis heute pr\u00e4gend\u201c (181) sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bringen wir gesund und biblisch Gottes Liebe und seinen Zorn zusammen? Der Pastor ist \u00fcberzeugt: Gottes leidenschaftliche und alles gebende Liebe kann seit Christus nur von dessen Leben und Sterben her verstanden werden. Da sei die Rede vom lieben Gott nicht nur irref\u00fchrend, sondern unangemessen. Auch m\u00fcssen wir in Gottes Liebe seine Heiligkeit und Gerechtigkeit integrieren. In Anlehnung an Wilfried H\u00e4rle ist der Zorn Gottes Ausdruck seiner k\u00e4mpferischen, echten und gemeinschaftssuchenden Liebe. Die Botschaft vom Zorn Gottes schw\u00e4cht seine Liebe nicht ab, sie wird dadurch \u201evielmehr konkretisiert\u201c (201).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Exkurs behandelt die Frage, ob Jesus am Kreuz den g\u00f6ttlichen Zorn bes\u00e4nftigte. Anhand der teils missverst\u00e4ndlich interpretierten Satisfaktionslehre Anselm von Canterburys verdeutlicht der Verf.: Die \u201eGenugtuung\u201c bezieht sich nicht auf den Vater, sondern auf die Vers\u00f6hnung der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Halfmann fasst die Kernaussagen des bisher Erarbeiteten in einer 20-Punkte-Liste zusammen. Diese bietet zugleich eine Erkl\u00e4rung des Evangeliums. Einige Formulierungen eignen sich gut f\u00fcr die Verk\u00fcndigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibende Aufgabe dieser sei es, \u201edie Botschaft vom Zorn Gottes christusgem\u00e4\u00df\u201c weiterzugeben (221). Was das hei\u00dft und wie es gelingt, darum geht es im vierten Teil des Buches. Das Verh\u00e4ltnis von Wahrheit und Liebe taucht immer wieder auf. Es beinhaltet nicht die Frage \u201eob\u201c, sondern \u201ewie\u201c die Botschaft vom Zorn Gottes im Reden und Leben vorkommt. Der Verf. behandelt pr\u00e4gende Einflussfaktoren f\u00fcr das Gottesbild \u2013 Kindheit, Elternhaus, Gemeinde, Schule, pers\u00f6nliche Krisen \u2013 und betont die Notwendigkeit, sich am biblisch offenbarten Bild Gottes zu orientieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wertvoll sind auch seine Ausf\u00fchrungen zur Ehrfurcht in Kapitel 17. Wer Gottes Liebe tief erfahren hat, in dem entsteht Ehrfurcht, die sich auch in Liebesgehorsam und Anbetung zeigt. F\u00fcr die Verk\u00fcndigung gilt das Vorbild von Jesus: in Liebe und Barmherzigkeit handeln und zugleich zur Umkehr aufrufen, angesichts des bevorstehenden Gerichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Kirche m\u00fcsse wieder neu wagen, Gottes Wort auf aktuelle Ereignisse anzuwenden: also denkend und fragend die M\u00f6glichkeit auszusprechen, ob manches Weltgeschehen auch gerichtlicher Umkehrruf Gottes sein k\u00f6nnte. Halfmann nennt das den prophetischen Konjunktiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Halfmanns Buch ist gr\u00fcndlich recherchiert, biblisch fundiert und gut gegliedert. Ihm gelingt es, anspruchsvoll exegetisch wie systematisch-theologisch zu arbeiten und leicht verst\u00e4ndlich zu bleiben. Im vierten Buchteil finden sich viele wertvolle Gedanken. Die letzten beiden Kapitel wirken auf mich an manchen Stellen jedoch etwas langatmig, teils wiederholend und mit kleinen Spr\u00fcngen versehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts seiner Biografie gibt der Autor im letzten Abschnitt des Buches \u2013 ein Exkurs \u2013 Hinweise zu einem hilfreichen Umgang mit einem angstmachenden Gottesbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bibeltexte werden in der Regel nicht nur genannt, sondern \u00fcberwiegend nach Elberfelder oder Hoffnung f\u00fcr Alle zitiert. Am Buchende finden sich ein zehnseitiges Literaturverzeichnis sowie das Fu\u00dfnotenverzeichnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte das Werk des Autors nicht nur f\u00fcr lesenswert. Es ist ein wichtiger Beitrag zu einem biblisch fundierten Gottesverst\u00e4ndnis und Glaubensleben. Es spricht nicht nur Theologen an, sondern auch Seelsorger und interessierte Christen, die ihre Sicht auf Gottes Liebe und Zorn vertiefen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Michael Schwantge, Gemeinschaftspastor der Ev. Stadtmission Oppenheim, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Instituts f\u00fcr Ethik und Werte Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volker Halfmann: Der liebende Gott und sein heiliger Zorn, Holzgerlingen: SCM R. 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