{"id":2523,"date":"2025-10-04T14:35:02","date_gmt":"2025-10-04T14:35:02","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2523"},"modified":"2025-10-04T14:35:24","modified_gmt":"2025-10-04T14:35:24","slug":"johannes-traichel-evangelikale-und-homosexualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2523","title":{"rendered":"Johannes Traichel: Evangelikale und Homosexualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p>Johannes Traichel: <em>Evangelikale und Homosexualit\u00e4t. F\u00fcr eine Kulturreform, <\/em>4., erg\u00e4nzte Auflage, Hammerbr\u00fccke: jOTA, 2024, Pb., 314 S., \u20ac 19,95, ISBN <a href=\"https:\/\/concepcion.de\/index.php\/produkt\/evangelikale-und-homosexualitaet\/\">978-3-949069-08-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Johannes Traichel ist Pastor der <em>Freien evangelischen Gemeinde<\/em> in Donaueschingen. In Bezug auf das Praktizieren homosexueller Neigungen vertritt er einen konservativen Standpunkt: Solches Praktizieren sei aus biblischer Sicht abzulehnen. F\u00fcr seine eigene Sichtweise bevorzugt Traichel die Bezeichnung \u201etraditionell\u201c und stellt sie einer \u201eprogressiven\u201c (oder \u201erevisionistischen\u201c) Sichtweise gegen\u00fcber (50f). Ich halte den Begriff \u201eprogressiv\u201c f\u00fcr geeignet, da er respektvoll klingt, setze ihn aber immer in Anf\u00fchrungszeichen, denn ob diese Sichtweise wirklich \u201efortschrittlich\u201c ist, ob sie uns als Christen voranbringt \u2013 genau das ist die zu kl\u00e4rende Streitfrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer bei \u201eKulturreform\u201c (so im Untertitel) an Revision\/revisionistisch denkt, wird entt\u00e4uscht. Diesen Begriff erl\u00e4utert Traichel erst am Ende seines Buches (274): Homosexuell Empfindende sollen in unseren Gemeinden ebenso willkommen sein wie andere Menschen (vielleicht m\u00fcssen manche Christen eine innerlich reservierte Haltung ablegen). Diese \u201eKultur der Gnade und Barmherzigkeit\u201c wird vielen Homosexuellen jedoch zu wenig sein, solange wir ihre gelebte Homosexualit\u00e4t ablehnen und ihnen unter Hinweis auf eine \u201eKultur der Heiligung\u201c einen z\u00f6libat\u00e4ren Lebensstil nahelegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem Thema f\u00e4llt es vielen Menschen schwer, sich sachlich mit einer Position auseinanderzusetzen. Das zeigt bereits ein Blick auf die Bewertungen bei Amazon: Je nach eigenem Standpunkt wird Traichels Buch empfohlen oder kritisiert, eine mittlere Bewertung (mit 3 Punkten) gibt es nicht. Das entscheidende Beurteilungskriterium scheint die N\u00e4he zur eigenen Meinung zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem Streitthema ist ein sachlicher Zugang wichtig, um nicht zus\u00e4tzlich zu emotionalisieren. Traichel vermeidet einen k\u00e4mpferischen Ton. Er versucht die Erfahrungen auf diesem Gebiet realistisch einzusch\u00e4tzen. Im Abschnitt \u201eGibt es Ver\u00e4nderungen?\u201c (38\u201340) nennt er beide M\u00f6glichkeiten: Dass es in Bezug auf die sexuelle Orientierung bei manchen Menschen zu Ver\u00e4nderungen kommt, aber bei anderen nicht; beide M\u00f6glichkeiten sind auch bei \u00e4nderungswilligen homosexuell Empfindenden zu beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Traichel wendet sich an ein breites Publikum, das an biblischer Orientierung interessiert ist.&nbsp; Er st\u00fctzt sich auf Fachliteratur und setzt sich mit anderen Sichtweisen auseinander. Diese Stimmen kommen in zahlreichen Zitaten zu Worte. Darin sehe ich einen Vor- und einen Nachteil: Der Leser bekommt in Traichels Buch die \u00c4u\u00dferungen anderer Autoren im Original vorgesetzt. Der Stil wirkt dadurch jedoch weniger fl\u00fcssig. Die Zitate und Hinweise belegt Traichel in insgesamt ca. 600 Fu\u00dfnoten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Schwerpunkte des Buches sind, wie der Titel vielleicht erahnen l\u00e4sst, Bibelstellen zur (Homo-)Sexualit\u00e4t sowie der konkrete Umgang mit Betroffenen in Gemeinden. Die im Buch angesprochenen Facetten des Themas betreffen die biblische Exegese, die Ethik und die pastorale Praxis, also sehr unterschiedliche Felder der Theologie.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Auslegung der Bibelstellen bezieht Traichel au\u00dferbiblische Quellen mit ein. In Bezug auf die Zeit des Alten Testaments ist die Quellenlage allerdings \u201e\u00e4u\u00dferst d\u00fcnn\u201c (65). Weit umfassender ist die au\u00dferbiblische Quellenlage zur Zeit des Neuen Testaments und davor. Hier widerspricht Traichel (81\u201386: \u201eZu 4:\u201c) der Behauptung \u201eprogressiver\u201c Christen, dass es dauerhafte und einvernehmliche homosexuelle Beziehungen in der Antike nicht gegeben h\u00e4tte (woraus oft abgeleitet wird, dass die biblischen Warnungen sich nur auf die damals verbreiteten, nicht gleichberechtigten Konstellationen beziehen w\u00fcrden). Dazu sind folgende zwei antike Autoren zu beachten: Plutarch berichtet von der \u201eHeiligen Schar\u201c von Theben \u2013 das war eine aus m\u00e4nnlichen Liebespaaren bestehende Armee. Platon schreibt von lebenslangen Beziehungen zwischen Erwachsenen (im <em>Gastmahl <\/em>192, \u00fcber homosexuelle Paare: \u201esie bringen ihr ganzes Leben mit einander zu\u201c). Der Exkurs <em>Sex in der Umwelt des NTs<\/em> (72\u201392) wurde f\u00fcr diese Auflage von 2024 (erste Auflage 2022) deutlich verbessert.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Traichel vertritt beim Thema Homosexualit\u00e4t einen traditionellen Standpunkt: Homosexuelle Praxis ist aus biblischer Sicht abzulehnen. Durch seinen sachlichen Stil zeigt er, wie eine Auseinandersetzung bei diesem heiklen Thema angelegt werden kann. Sein Miteinbezug au\u00dferbiblischer Quellen und neuerer Sachb\u00fccher zum Thema erweitert den Horizont des Lesers.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Franz Graf-Stuhlhofer, BSc, ehem. Lehrbeauftragter an Hochschulen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Traichel: Evangelikale und Homosexualit\u00e4t. 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