{"id":2536,"date":"2025-10-04T15:34:14","date_gmt":"2025-10-04T15:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2536"},"modified":"2025-10-04T15:34:14","modified_gmt":"2025-10-04T15:34:14","slug":"christian-peters-luthertum-und-pietismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2536","title":{"rendered":"Christian Peters: Luthertum und Pietismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Christian Peters: <em>Luthertum und Pietismus. Die Kirche von Soest und die neue Fr\u00f6mmigkeit (1650\u20131750)<\/em>, Ver\u00f6ffentlichungen der Historischen Kommission f\u00fcr Westfalen Neue Folge 80, M\u00fcnster: Aschendorff, 2024, 972 S., Hardcover, \u20ac 69,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.aschendorff-buchverlag.de\/detailview?no=15147\">978-3-402-15147-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Aus langj\u00e4hriger intensiver Quellenarbeit ist ein opus magnum entstanden, das ein Beispiel daf\u00fcr bietet, welche Entwicklung die Fr\u00f6mmigkeit in der lutherischen Kirche vom Ende des 17. bis zur Mitte des 18. Jh.s in einem eingegrenzten Bereich genommen hat. Es ist nicht nur ein f\u00fcr die regionale Kirchengeschichte wichtiges Werk, sondern kann gleicherma\u00dfen als Vorbild dienen, die oftmals hochkomplexe Fr\u00f6mmigkeitsgeschichte zwischen lutherischer Orthodoxie, Pietismus und beginnender Aufkl\u00e4rung dadurch \u00fcberschaubarer zu machen, indem man sich auf eine Region begrenzt \u2013 ohne dabei freilich den Blick auf weitere Dimensionen zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk gliedert sich in drei gro\u00dfe Abschnitte, denen der \u00fcbliche Anhang mit Quellen und Registern beigef\u00fcgt ist. Der erste Teil (13\u2013177) ist eine zusammenh\u00e4ngende Beschreibung der Kirchengeschichte von Soest in dem im Buchtitel genannten Zeitraum. Als \u201eR\u00fcckgrat\u201c der Erz\u00e4hlung (\u201eZentralgestalt\u201c, 11) dient der Soester Pfarrer Johann Nikolaus Sybel (1690\u20131759), von dessen Biographie ausgehend die \u201everschiedenen Spielarten des Pietismus\u201c (12) behandelt werden, die in Soest auftauchen. Dabei kommen aus der Historiographie des Pietismus Bekannte wie Johann Mercker (60\u201372 mit zahlreichen Editionen von Briefen in Teil 2) und Johann Christoph Nungesser (30\u201341) und unbekanntere Personen (Johann Gottfried Kopstadt) vor sowie die gro\u00dfen pietistischen Zentren Halle und Herrnhut. Streitbare Lutheraner wie der eher lokal wirksame Jost Wessel Rumpaeus (1676\u20131730) werden ausf\u00fchrlich \u2013 insbesondere in seinem Verh\u00e4ltnis zu dem Pietistengegner Johann Friedrich Mayer und Valentin Ernst L\u00f6scher \u2013 dargestellt (111\u2013131, mit Briefen in Teil 2). Ebenso wird die beginnende Aufkl\u00e4rung Wolffscher Pr\u00e4gung geschildert, die \u2013 exemplarisch f\u00fcr die theologie- und fr\u00f6mmigkeitsgeschichtliche Entwicklung \u2013 zu einer Ann\u00e4herung der alten Rivalen (Luthertum und Pietismus) gegen\u00fcber den neu aufgekommenen Ideen f\u00fchrte (126). Im zweiten Teil (179\u2013748) werden zahlreiche Quellen ediert, auf denen der Bericht von Teil 1 fu\u00dft. Sie werden jeweils mit ausf\u00fchrlichen Biogrammen und Erkl\u00e4rungen kommentiert. Die Texte selbst werden in unterschiedlicher Weise pr\u00e4sentiert (vollst\u00e4ndig, in Ausz\u00fcgen oder in Form von Zusammenfassungen). Ihre Fundorte werden gewissenhaft dokumentiert. Im ersten Teil wird in den Fu\u00dfnoten jeweils auf die in Teil 2 vorgelegten Quellen verwiesen, so dass es sich empfiehlt, beide Teile synchron zu lesen. Der dritte Teil (751\u2013902) ist eine alphabetisch nach den Autoren geordnete Bibliographie von 30 \u201elokal und regional handelnden Personen\u201c (749), die insgesamt 778 Titel enth\u00e4lt, darunter 671 Schriften der Personen selbst und 107 Dedikationen oder Gegenschriften. Auch in dieser Bibliographie finden sich die Biogramme der erw\u00e4hnten Personen, soweit sie nicht schon in den beiden ersten Teilen vorkommen. Die in den Anmerkungen vorgenommenen Bez\u00fcge zu anderen Titeln der Bibliographie sind f\u00fcr die Zuordnung von gro\u00dfer Hilfe. Die Titelangaben selbst sind ausf\u00fchrlich, k\u00fcrzen aber, wenn n\u00f6tig und m\u00f6glich, die \u00fcblichen ausufernden barocken Titel. Die allermeisten sind mit Hinweisen auf Bibliotheksstandorte oder digitale Nachweise versehen. Erg\u00e4nzt wird diese Liste noch durch eine vollst\u00e4ndige Bibliographie (mit denselben Zusatzangaben versehen) von weiteren gedruckten Quellen (Anhang, 4.1; 903\u2013918). Hier h\u00e4tte man sich (bei den angef\u00fchrten Spenerwerken \u00fcberpr\u00fcft) vorstellen k\u00f6nnen, auch Neueditionen aufzuf\u00fchren. Um die kommentierenden Anmerkungen in Teil 1 zu entlasten, h\u00e4tte man durchgehend auf diese beiden Bibliographien (Teil 3 u. Anhang 4.1) verweisen k\u00f6nnen (was nur gelegentlich geschehen ist, z. B. Anm.\u00a0199), anstatt die genannten Titel mehrfach zu bibliographieren (z. B. 67 Anm. 196 mit Werken von Mercker und Barop). \u00c4hnliches l\u00e4sst sich auch zur Sekund\u00e4rliteratur sagen, die im Verzeichnis Anhang 4.3 erneut genannt wird. Diese marginal kritischen Anmerkungen sollen aber nicht den Eindruck des opulent gestalteten Bandes eintr\u00fcben lassen, der mit zahlreichen Bildnissen versehen ist und zudem auf 48 Seiten (481\u2013528) durch viele auf Hochglanz gedruckte Photographien \u00fcber die im Band genannten Kirchen und ihrer Ausstattung einen nachdr\u00fccklichen Eindruck verschafft. Aber nicht nur f\u00fcr den lokal interessierten Leser bietet sich eine anregende Lekt\u00fcre (etwa durch die Ver\u00f6ffentlichung einer von Sybel entworfenen \u201eneuen Kirchenordnung\u201c f\u00fcr Soest, 467\u2013480, 529\u2013594, und einer \u201eSoestischen Kirchen-Agende\u201c, 595\u2013748), sondern die Arbeit ist ein ausgesprochen wichtiger Baustein der ideengeschichtlich bedeutsamen Fragestellung des Verh\u00e4ltnisses von Luthertum, Pietismus und Aufkl\u00e4rung, die nicht ohne die Grundlage von lokal bestimmten Forschungsarbeiten auskommt. F\u00fcr die Erforschung der Ausstrahlung wichtiger Zentren wie Halle und Herrnhut sind die regionalen, \u00fcberregionalen und internationalen Auswirkungen schon immer wichtig. Die vorliegende Arbeit dient nun als Exempel f\u00fcr eine solche Untersuchung in einer \u00fcberschaubaren Region, indem sie \u2013 h\u00e4ufig unbekannte und jedenfalls bislang unver\u00f6ffentlichte \u2013 Quellen von beiden Seiten (Halle und Soest, 11) vorstellt. So werden beispielsweise in Halle virulente Themen (Testimonien f\u00fcr Theologiestudenten und Predigtamtskandidaten [Teilabdruck der preu\u00dfischen Verordnung aus dem Jahr 1718, 273\u2013276]; Waisenhaus und Armenf\u00fcrsorge [91\u201396] und dergleichen mehr) in der konkreten Situation in Soest behandelt. Hinzu wird die Frage thematisiert, wie sich unterschiedliche Pr\u00e4gungen des Pietismus (z. B. radikalpietistische durch Johann Mercker) und ihre \u00dcberg\u00e4nge (z. B. der Einfluss von Johann Konrad Dippel, 69, und der Widerstand dagegen, 228 u. \u00f6.) in der Diskussion vor Ort zeigen. Auch das getr\u00fcbte Verh\u00e4ltnis zwischen Halle und Herrnhut hat seine Auswirkungen auf die Soester Verh\u00e4ltnisse (162f). Mithin handelt es sich um ein Werk, das f\u00fcr die Pietismusforschung insgesamt von Bedeutung ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Klaus vom Orde, Halle (Saale)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian Peters: Luthertum und Pietismus. 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