{"id":2542,"date":"2025-10-04T15:39:56","date_gmt":"2025-10-04T15:39:56","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2542"},"modified":"2025-10-16T15:56:31","modified_gmt":"2025-10-16T15:56:31","slug":"jennifer-wasmuth-wyr-gleuben-all-an-eynen-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2542","title":{"rendered":"Jennifer Wasmuth: \u201eWyr gleuben all an eynen Gott\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Jennifer Wasmuth: <em>\u201eWyr gleuben all an eynen Gott\u201c. Das Nicaeno-Constantinopolitanum in seiner Bedeutung f\u00fcr Martin Luther und Philipp Melanchthon<\/em>, Sp\u00e4tmittelalter, Humanismus, Reformation \/ Studies in the Late Middle Ages, Humanism, and the Reformation (SMHR) 141, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2024, geb., 601 S., \u20ac&nbsp;119,\u2013 ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/wyr-gleuben-all-an-eynen-gott-9783161615382\/\">978-3-16-161538-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In \u00f6kumenischen Gespr\u00e4chen nimmt das \u201eNicaeno-Constantinopolitanum\u201c (NC) eine prominente Stellung ein, um eine gemeinsame Bekenntnistradition trotz konfessioneller Unterschiede zu betonen. Denn nahezu alle Spielarten der nachkonstantinischen Kirchen stimmen darin \u00fcberein, dass es der dreieinige Gott war, der die Kirche gr\u00fcndete und auch erhalten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr besinnt sich die weltweite Christenheit auf das erste Konzil von \u00f6kumenischer Tragweite zur\u00fcck, das im Jahr 325 in Niz\u00e4a (heute \u0130znik, T\u00fcrkei) tagte. Die gemeinsamen Feierlichkeiten der Kirchen zu diesem Jubil\u00e4um sind von einem Geist der Einheit getragen, in der die Kirchen ihre gegenseitige Verbundenheit auf der Grundlage des NCs betonen. Aber ist dieses Bekenntnis zum Bekenntnis ausreichend, um gemeinsam in die Zukunft zu blicken? Denn die Gestalt der Konfessionen geht mitunter auf die Auslegung des NCs zur\u00fcck, ein Umstand, den die Kirchenf\u00fchrer bei aller Aufbruchstimmung auf dem Weg zu einer Kirche vergessen zu haben scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Habilitation von Frau Jennifer Wasmuth setzt genau hier an. Sie zeigt die Rezeption des NCs bei Luther und Melanchthon und wie ihre Interpretationen zu einer Ausformung einer spezifisch lutherischen Theologie beitrugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Forschungsteil gliedert W. einerseits nach der reformatorischen NC-Rezeption im Lichte der Dogmengeschichtsschreibung des 19.\/20. Jahrhunderts, andererseits nach dem gegenw\u00e4rtigen Forschungsstand der Rezeption des NC in der Reformation.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hauptteil ihrer Arbeit ist klar gegliedert: (1) Zun\u00e4chst fragt W. nach der Bedeutung des NCs im Sp\u00e4tmittelalter. Hier zeigt sich, dass das NC deutlich weniger verbreitet als das Apostolicum war, obgleich dessen Auslegung sich am NC und Athanasianum orientieren musste. \u201eDas NC \u2013 und mit ihm das Athanasianum \u2013 galt damit als die herrschende dogmatische Norm\u201c (123). (2) Danach klopft W. Luthers Rezeption des NCs unter verschiedenen Gesichtspunkten ab, so u. a. in seinen Gottesdienstordnungen, Liedgut, Predigten und Katechismen. \u00dcberraschendes f\u00f6rdert W. hier zutage. Ausgehend von Luthers Streichung des \u201egl\u00e4uben und\u201c im ersten Hauptteil der Artikel: \u201eDiese Artikel sind in keinem Zank noch Streit, weil wir zu beiden Teilen dieselbigen gl\u00e4uben und bekennen\u201c legt sie \u00fcberzeugend dar, dass f\u00fcr Luther die blo\u00dfe gemeinsame Bekenntnisgrundlage f\u00fcr ein \u00f6kumenischer Gespr\u00e4ch nicht ausreichend war, sondern dieses Bekenntnis \u201emuss im rechten Glauben angenommen werden\u201c (211). Entgegen der gel\u00e4ufigen Forschungsmeinung, dass Luther auf das NC insistierte, weil es Reichsrecht war und er die reformatorische Kirche auf einen juristisch gesicherten Boden stellen wollte, verhielt er sich geradezu entgegengesetzt. Etwa in seiner Schrift gegen Latomus problematisierte er das Homousios (188\u2013191) und in den Schmalkaldischen Artikeln f\u00fchrte er das Athanasianum statt des NCs an (212). \u00dcberhaupt beobachtet W. sehr scharf, dass Luther f\u00fcr seine biblische Begr\u00fcndung der altkirchlichen Trinit\u00e4tslehre in einem viel h\u00f6heren Ma\u00df auf das Apostolicum und Athanasianum als auf das NC zur\u00fcckgriff. Offenbar \u201ewar [\u2026]\u201c Luther \u201e[\u2026] an dem Text des NC nicht sonderlich gelegen.\u201c (173) (3) Schlie\u00dflich besch\u00e4ftigt sich W. mit Melanchthons NC-Rezeption. W. grenzt sich von dem Forschungsurteil eines konzilianten Melanchthon deutlich ab, eines \u201eLeisetreter[s]\u201c gegen\u00fcber Luther, und zeichnet das Bild eines Melanchthon, der gegen\u00fcber T\u00e4ufern und Antitrinitariern unerbittlich war, um gegen\u00fcber den Feinden der Reformation ihre \u00dcbereinstimmung mit den Lehrentscheidungen der Alten Kirche zu demonstrieren (454\u2013455). Viel st\u00e4rker als Luther rezipierte er das NC, \u201eweil [\u2026 es] sowohl der dogmatischen Vergewisserung nach ,innen\u2018 als auch der apologetischen Absicherung nach ,au\u00dfen\u2018 in besonderer Weise zu dienen vermag\u201c (290). W. beobachtet, dass, obgleich Melanchthon sich viel intensiver mit dem NC auseinandersetzte als Luther, er \u201eden Zusammenhang zwischen Gotteslehre und Soteriologie\u201c dennoch nicht klar herausstellte und sich in Spekulationen verlor (458).<\/p>\n\n\n\n<p>Alles in allem ist das Buch eine gelungene Arbeit. Der an dieser Themenstellung interessierte Leser wird nicht zu kurz kommen, sondern wird beim Lesen von Erkenntnis zu Erkenntnis hecheln m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Vikar Jonathan Schneewei\u00df, Doktorand, Ebhausen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jennifer Wasmuth: \u201eWyr gleuben all an eynen Gott\u201c. 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