{"id":2545,"date":"2025-10-04T15:43:34","date_gmt":"2025-10-04T15:43:34","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2545"},"modified":"2025-10-04T15:43:34","modified_gmt":"2025-10-04T15:43:34","slug":"augustine-m-reisenauer-augustines-theology-of-the-resurrection","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2545","title":{"rendered":"Augustine M. Reisenauer: Augustine\u2019s Theology of the Resurrection"},"content":{"rendered":"\n<p>Augustine M. Reisenauer: <em>Augustine\u2019s Theology of the Resurrection<\/em>, Cambridge: Cambridge University Press, 2023, Hb., XVI+275 S., \u00a3 88,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/books\/augustines-theology-of-the-resurrection\/2F5EEE4CE70E18855279ACFB5980BE07\">978-1-009-26906-3<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Augustin von Hippo starb am 28. August 430, Bu\u00dfpsalmen betend und mit festem Glauben an die Auferstehung. Die Auferstehung ist keinesfalls lediglich ein kirchliches Dogma, vielmehr pers\u00f6nlich erlebte Realit\u00e4t und Hoffnung f\u00fcr den Bischof von Hippo. Diese Perspektive leitet den Dominikaner Augustine M. Reisenauer, der mit <em>Augustine<\/em><em>\u2019<\/em><em>s Theology of the Resurrection <\/em>sein erstes Buch vorlegt. Es verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Die Zentralit\u00e4t der Auferstehung in Augustins Denken und Werk soll offengelegt werden. Damit nimmt der Autor eine Spur auf, die von Gerald O\u2019Collins gelegt worden ist. W\u00e4hrend dieser besonders die Auferstehung Jesu Christi in den Blick nimmt und die moderne Relevanz der Apologetik Augustins aufzeigt, will Reisenauer auch die Auferstehung der gesamten Menschheit bedenken sowie Augustins Denkprozess nachvollziehen. Der lose chronologische Aufbau unterst\u00fctzt dies im ersten Abschnitt, im weiteren Verlauf werden fr\u00fche und sp\u00e4te Texte Augustins gemischt herangezogen, ohne dass dies explizit kontextualisiert und problematisiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch besteht aus vier Teilen mit jeweils drei Kapiteln und ist insgesamt hervorragend zu lesen. Reisenauers breite Kenntnis des augustinischen \u0152uvres quer durch seine Genres und Schaffensperioden sowie sein immenser Respekt f\u00fcr den Kirchenvater sind klar erkennbar. Der Verfasser versteht es, die vielf\u00e4ltigen Themen nicht ausufern zu lassen, sondern sich stets auf sein Hauptanliegen zu konzentrieren. Dass dabei einige augustinische Kernpunkte nur sehr knapp angeschnitten werden, ist unvermeidlich. Bemerkenswert ist, dass Reisenauer die Auferstehung nicht nur theologisch analysiert, sondern deutlich macht, dass sie letztlich nur von \u201ainnen\u2018 verstanden werden kann, von jenen, die selbst Teil dieses Mysteriums sind; an mehreren Stellen wird eine tiefe Ehrfurcht vor diesem zentralen Glaubensgeheimnis sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Hauptteil <em>Early Considerations of the Resurrection<\/em> (17\u201371) zeigt Reisenauer auf, dass Augustin bereits in seinen fr\u00fchesten Schriften von der Auferstehung spricht, und f\u00fchrt vor, warum er die Charakterisierung Augustins nach seiner Bekehrung als Platoniker oder Krypto-Manich\u00e4er f\u00fcr nicht haltbar h\u00e4lt. Bereits hier k\u00f6nne Augustin positiv von der Inkarnation und der leiblichen Auferstehung Christi sprechen, auch wenn viele \u00c4u\u00dferungen noch unklar sind und weiterer Ausarbeitungen bed\u00fcrfen. Die in diesem fr\u00fchen Stadium entwickelten Theorien der Auferstehung als eine R\u00fcckkehr zu Eden und etwas sp\u00e4ter als Verwandlung in einen Engelsk\u00f6rper interpretiert Reisenauer als experimentelle Theologie. Eindr\u00fccklich betont er, dass Augustin zwar sein Verst\u00e4ndnis weiterentwickelt, doch dabei tiefer in die biblische Offenbarung eintaucht und \u00c4nderungen zulasten philosophischer Vorannahmen vornimmt. Der \u00fcberlieferte Auferstehungsglaube ist f\u00fcr ihn eine Konstante, in dessen Mysterium er tiefer eintaucht und der als hermeneutische Mitte Anthropologie, Kosmologie und Eschatologie neu ordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Abschnitt <em>The Resurrection of Jesus Christ<\/em> (73\u2013118) erl\u00e4utert Reisenauer, wie Augustin in <em>Contra Faustum Manicheum<\/em> (datiert auf 400\/402) zu dem \u201eculminating moment of theological coherence\u201c (73) gelangt, indem er die Auferstehung Jesu Christi reflektiert. In der antimanich\u00e4ischen Auseinandersetzung lernt und verteidigt er die bleibende Bedeutung des menschlichen K\u00f6rpers Jesu, der durch die Auferstehung Unverweslichkeit erlangt: \u201ethe flesh itself is changed for the better, not exchanged for something better\u201c (82; vgl. 147). Bereits hier kann man dem auferstandenen Christus im Glauben begegnen, seine Auferstehung ist auf das engste verbunden mit der der Gl\u00e4ubigen. Christi \u201aPascha-Mysterium\u2018 (ein Lieblingsausdruck des r\u00f6misch-katholischen Autors) stelle f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen sowohl <em>sacramentum<\/em> hinsichtlich der geistlichen als auch <em>exemplum<\/em> hinsichtlich der leiblichen Auferstehung dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese beiden Dimensionen werden im Folgenden entfaltet, wobei sich zun\u00e4chst der dritte Abschnitt <em>The Resurrection of the Human Spirit<\/em> (119\u2013172) der historischen, in der Zeit erlebten Auferstehung \u2014 pietistisch der \u201aBekehrung\u2019 \u2014 widmet. Soteriologie wird hier durch die Brille der Auferstehung verstanden, wobei die geistliche Auferstehung zugleich an die leibliche Auferstehung gekn\u00fcpft und ihre Voraussetzung ist. Besonders interessant ist Kapitel 8, in dem der Verfasser Augustins <em>Confessiones<\/em> als eine Auferstehungsgeschichte interpretiert: es sei \u201ethe story of how the God of Jesus Christ resurrected his soul from spiritual death in sin to spiritual life in the risen Lord.\u201c (139) Ob Reisenauers These in dieser Zuspitzung tragf\u00e4hig ist, bleibt abzuwarten, schlie\u00dflich ist <em>conf<\/em>. ein vielschichtiges Werk mit reicher Motivik und Bildersprache. Jedoch ist es sein Verdienst, die Auferstehung als existenzielle, theologische Deutung des Lebens Augustins sichtbar zu machen. Immer wieder weist der Autor darauf hin, was f\u00fcr eine radikale Neuausrichtung durch die geistliche Auferstehung im Leben eines Gl\u00e4ubigen gegeben ist, nicht zuletzt hinsichtlich seiner Einbindung in die sakramentale Gemeinschaft der Kirche, die gemeinsam die endzeitliche Auferstehung erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser eschatologischen Auferstehung besch\u00e4ftigt sich der vierte Hauptteil <em>The Resurrection of the Human Flesh<\/em> (173\u2013240). Zun\u00e4chst bespricht Reisenauer Augustins Verteidigung der leiblichen Auferstehung gegen (platonische) Kritik. Wenn auch die Auferstehung der toten K\u00f6rper am Ende der Zeit sich unserer Erfahrung entzieht, habe der Glaube daran und das theologische Nachdenken dar\u00fcber doch eine feste Grundlage in der Schrift und dem auferstandenen Christus. Was Reisenauer \u201eeschatological imagination\u201c (216) nennt, habe auch den spirituellen Sinn, die Gl\u00e4ubigen mehr und mehr auf die Auferstehung hin auszurichten. Besonders die beiden letzten B\u00fccher von <em>De civitate Dei<\/em> leiten schlie\u00dflich Reisenauers Ausf\u00fchrungen zu der leiblichen Auferstehung der Verdammten beziehungsweise der Erl\u00f6sten. Dabei beweist Augustin ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr Grenzf\u00e4lle menschlicher Existenz: auch siamesische Zwillinge, Menschen mit extremen Behinderungen oder F\u00f6ten, die in der Welt kaum als Menschen im vollen Sinne anerkannt wurden beziehungsweise werden, sind in seiner Sicht Tr\u00e4ger der Auferstehungshoffnung. Gerade an ihnen erweist sich Gottes Macht und G\u00fcte in der eschatologischen leiblichen Auferstehung: \u201eThe resurrection is humanity\u2019s crowning comeback. It is our finest moment of resilience, the gracious accomplishment of which belongs to the God of the resurrection.\u201c (5)<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zu bedauern, dass formale Gegebenheiten, wie das Fehlen eines Stellenregisters, die ungew\u00f6hnlich organisierte Bibliographie und fehlende lateinische Textstellen, die Nutzung etwas erschweren. F\u00fcr die Augustinforschung hat Reisenauers Buch dennoch einen hohen Wert, gibt es doch Anlass, Augustins Werke sowie theologische Kernthemen in neuem Licht, n\u00e4mlich im Licht der Auferstehung zu betrachten. Auch f\u00fcr Gl\u00e4ubige ohne kirchengeschichtlichen Schwerpunkt ist das Buch in h\u00f6chstem Ma\u00dfe fruchtbar, es f\u00fchrt nicht nur in Augustins Reflexionsprozess ein, sondern leitet zugleich in immer tiefere Dimensionen des Mysteriums der Auferstehung. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heindrikje Kuhs, M\u00fchlacker<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Augustine M. 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