{"id":2557,"date":"2025-10-04T16:50:45","date_gmt":"2025-10-04T16:50:45","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2557"},"modified":"2025-10-04T16:50:45","modified_gmt":"2025-10-04T16:50:45","slug":"matthias-freudenberg-andreas-muehling-peter-opitz-hg-reformierte-bekenntnisschriften-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2557","title":{"rendered":"Matthias Freudenberg \/ Andreas M\u00fchling \/ Peter Opitz (Hg.): Reformierte Bekenntnisschriften"},"content":{"rendered":"\n<p>Matthias Freudenberg \/ Andreas M\u00fchling \/ Peter Opitz (Hg.): <em>Reformierte Bekenntnisschriften, Bd. 4\/2: 1814\u20132019. Teilband 2: 1933\u20131967<\/em>, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2025, Ln., VIII+384 S., \u20ac 99,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/kirchengeschichte\/59107\/reformierte-bekenntnisschriften\">978-3-525-55468-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die reformierte Bekenntnisbildung war nie abgeschlossen. Auch der vorliegende Band 4\/2 der <em>Reformierten Bekenntnisschriften<\/em> (RefBS) belegt diese deutliche Differenz zum Bekenntnisbegriff der <em>Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche<\/em> (BSELK), die lediglich neu herausgegeben werden (zuletzt 2014), die jedoch seit 1577 zehn an der Zahl geblieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der <em>Helvetischen Konsensusformel<\/em> 1675 endete die Epoche inhaltlich streng altprotestantisch-orthodox formulierter reformierter Bekenntnisse (Teilband 3\/2,2). \u00dcber das weitere Vorgehen hatte sich der urspr\u00fcngliche Herausgeberkreis um Heiner Faulenbach und Eberhard Busch bei Beginn der Edition noch nicht geeinigt (Bd. 1\/1: 2002, 22, Anm. 61, vgl. 4\/1, 5). Der erste Teilband von Band 4 hatte die neu einsetzende Bekenntnisentwicklung und Internationalisierung des 19. Jahrhunderts (und damit auch der Erweckungsbewegung) \u00fcber Europa hinaus dokumentiert (4\/1: 2022); Gegenstand des neusten Teilbandes 4\/2 (2025) ist der Prozess aktuellen Bekennens im 20. Jahrhundert bis 1967.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann es nicht oft genug hervorheben \u2013 und es ist auch immer wieder festgestellt worden \u2013, dass die <em>Barmer Theologische Erkl<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rung<\/em> (BTE, 1934) epochale Bedeutung f\u00fcr die Abfassung weiterer reformierter Bekenntnisse hatte (\u201eAusgangspunkt f\u00fcr eine noch nicht abgeschlossene Phase neuer Bekenntnisbildung in den reformierten Kirchen\u201c, 4\/1, 4). Karl Barth betonte, es k\u00f6nne kein reformiertes \u201eWeltbekenntnis\u201c geben, es m\u00fcsse vielmehr ein konkreter Anlass f\u00fcr neues Bekennen gegeben sein (4\/1, 4). So sind die neueren Bekenntnisse mit jeweils besonderem Inhalt, ausgel\u00f6st durch einen speziellen kirchlichen, gesellschaftlichen oder politischen Anlass, auf dem Hintergrund der weltweiten Ausbreitung reformierter Kirchen entstanden. \u201eDie neueren Bekenntnisse seit 1933\/1934 dokumentieren das aktuelle Bekennen einer Kirche vor Ort und haben ausdr\u00fccklich partikularen Charakter\u201c (4\/1, 4). Kriterien zur Aufnahme in Teilband 4\/2 der Auswahlausgabe reformierter Bekenntnisse sind wie bei den vorher ver\u00f6ffentlichten Texten deren kirchliche und \u00f6ffentliche Approbation sowie ihr repr\u00e4sentativer Charakter.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Bekenntnistexte, die in der kirchlichen Notlage w\u00e4hrend des Dritten Reiches entstanden sind, bilden den Auftakt von insgesamt zw\u00f6lf Dokumenten: <em>Eine theologische Erkl<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rung zur Gestalt der Kirche (D<\/em><em>\u00fc<\/em><em>sseldorfer Thesen)<\/em> 1933 (Nr. 103, 1\u20139), <em>Erkl<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rung <\/em><em>\u00fc<\/em><em>ber das rechte Verst<\/em><em>\u00e4<\/em><em>ndnis der reformatorischen Bekenntnisse in der Deutschen Evangelischen Kirche<\/em> 1934 (Nr. 104, 11\u201325) und die bekannte <em>Barmer Theologische Erkl<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rung<\/em> 1934 (Nr. 105, 27\u201338). \u2013 Die <em>D\u00fc<\/em><em>sseldorfer Thesen<\/em> (Text: 7\u20139) hatten \u201eeine erhebliche Wirkung\u201c (4) in den reformierten Gemeinden des Deutschen Reichs im Vorfeld der Bildung der staatlich gewollten neuen \u201eReichskirche\u201c. \u2013 Die \u201eErkl\u00e4rung\u201c (Text: 17\u201325) vom Anfang des Jahres 1934 war inhaltlich mit der Ablehnung deutsch-christlicher Lehrmeinungen und auch im Aufbau der einzelnen Artikel im Bekennen der rechten und Verwerfen der falschen Lehre ein wichtiger Vorl\u00e4ufer der BTE. \u2013 Auf der ersten gemeinsamen Synode lutherischer, reformierter und unierter Kirchen in (Wuppertal-) Barmen wurde schlie\u00dflich am 31. Mai 1934 die <em>Barmer Theologische Erkl<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rung<\/em> (Text: 33\u201338) verabschiedet, die f\u00fcr den Aufbau einer \u201eBekennenden Kirche\u201c innerhalb der deutschen Reichskirche von hervorragender Bedeutung war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Glaubenserkl<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rung der Reformierten Kirche in Frankreich (ERF)<\/em> 1938 (Nr. 106, 39\u201351) bezeugt die Vereinigung theologisch unterschiedlicher reformierter Kirchen zu einer Kirche, die 2013 mit der Evang.-Lutherischen Kirche eine Union zur Vereinigten Protestantischen Kirche in Frankreich eingingen (46f). \u2013 <em>In den Th<\/em><em>\u00e8<\/em><em>ses de Pomeyrol<\/em> 1941 (Nr. 107, 53\u201375) artikulieren die Reformierten Frankreichs ihren Glauben angesichts der Bedrohung durch das totalit\u00e4re System der Hitler-Diktatur und der Judenverfolgung (These 7, 72, Z. 15\u201321).<\/p>\n\n\n\n<p>Als Frucht der erstarkenden \u00d6kumenischen Bewegung wird die erste Union bisch\u00f6flicher und nicht-bisch\u00f6flich verfasster Kirchen S\u00fcdindiens in der Kirchengeschichte bis heute herausgestellt. Das umfangreiche wichtigste Dokument des Vereinigungsprozesses, <em>Proposed Scheme of Church Union in South India<\/em>, 1942 (Nr. 108, 77\u2013208) ist f\u00fcr die Sammlung ausgesucht worden. Ein von alle Gemeinden akzeptiertes bisch\u00f6fliches Amt wird unter der Bedingung angenommen, dass kein partikulares Verst\u00e4ndnis des Bischofsamtes f\u00fcr alle verpflichtend gemacht werden d\u00fcrfe (101\u2013102 u. 122\u2013123, 137\u2013154; vgl. bes. 102, Z. 2 u. 23f u. 122, Z6\u20139). \u2013 Der <em>Plan of Church Union in North India and Pakistan<\/em> 1965 (Nr. 113, 281\u2013335) ist ma\u00dfgeblich von der s\u00fcdindischen Kirchenunion, aber noch mehr durch die <em>Proposed Basis of Union<\/em> von Kirchen in Ghana (Westafrika) beeinflusst (285). Aus europ\u00e4ischer Sicht ist erstaunlich, dass der Union mit Anglikanern auch baptistische, br\u00fcderische sowie methodistische Kirchen beigetreten sind und sich auch \u00fcber Kindertaufe, Glaubenstaufe (308f u. d. baptistische Zusatzerkl\u00e4rung 334f) und \u00c4mterordnung verst\u00e4ndigen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pastoralbrief <em>Herderlijk schrijven van de Nererlandse Hervormde Kerk (Pastoral Letter of the Dutch Reformed Church)<\/em> 1941 (Nr. 109, 209\u2013232) dokumentiert die Bem\u00fchung der Nederlandse Hervormde Kerk, ihre kirchlich-theologische Existenz angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung zu behaupten (Text: 223\u2013232). Erstaunlich ist die Tatsache, dass das kurze Schreiben \u00fcber eine Seite dem Thema Israel bzw. Kirche und Judentum widmet (229f). \u2013 Diese Tradition f\u00fchrt die theologische Erkl\u00e4rung der Niederl\u00e4ndischen Generalsynode <em>Fundamenten en Perspectieven van Belijden<\/em> 1949 (Nr. 110, 233\u2013253) fort, indem sie die bleibende Erw\u00e4hlung Israels betont (236 u. Abs. 17, 252).<\/p>\n\n\n\n<p>Das kurze <em>Glaubensbekenntnis der Kirche Christi in Japan<\/em> 1953 (Nr. 111, 255\u2013259) wird sowohl auf Japanisch (Transkription in lateinischer Schrift) als auch auf Deutsch abgedruckt (Text: 258f). \u2013 Das <em>Statement of the Christian Faith<\/em> 1956 (Nr. 112, 261\u2013280) ist die letzte Bekenntnisschrift, die von der Presbyterian Church of England herausgegeben wurde. Es z\u00e4hlt zusammen mit dem Westminster Bekenntnis, der <em>Savoy Declaration<\/em> (beide: RefBS 3\/2), der <em>Declaration and Address<\/em> des Thomas Campbell (1809) und der <em>Declaration of Faith<\/em> (1967) zum Bekenntnisstand der <em>United Reformed Church of England and Wales<\/em>. Ein ausf\u00fchrlicher Abschnitt des <em>Statements <\/em>befasst sich mit <em>Social Order<\/em> (Abs. VI, 278f). \u2013 Den Band 4\/2 der Reihe <em>Reformierte Bekenntnisschriften<\/em> beschlie\u00dft ein Bekenntnis der <em>United Presbyterian Church in the U.S.A.<\/em> von 1967 (<em>The Confession of 1967<\/em>, Nr. 114, 337\u2013376). Christologie und Eschatologie des Textes sind von der Allvers\u00f6hnungslehre gepr\u00e4gt (Teil I.A.1 u. Teil III). Aus der Vers\u00f6hnung des Menschen in Christus werden gesellschaftspolitische Folgerungen gezogen, die eine optimistische Anthropologie der Machbarkeit des Guten widerspiegeln (II.A.4. u. III). Man k\u00f6nnte kritisch zur\u00fcckfragen, ob hier nicht die alte Forderung von Augustinus an Pelagius wiederkehren m\u00fcsste, die Konsequenzen des umfassend verstandenen S\u00fcndenfalls f\u00fcr den Zustand der Welt und in der Lehre vom doppelten Weltausgang zu bedenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Band 4\/2 zeigt , wie sich die \u00f6kumenische Verpflichtung, Kirchentrennungen nicht als historisches Schicksal zu sehen, positiv in einer wachsenden Zahl unierter Bekenntnisse ausgewirkt hat. Deshalb \u2013 und nicht nur aus diesem Grund \u2013 ist es richtig, die Reihe bis in die Gegenwart fortzusetzen. Hierbei zeigt sich, \u201e&#8230; dass reformierte Kirchen in aller Welt die urspr\u00fcnglich in den europ\u00e4ischen reformierten Kirchen gepr\u00e4gte Verpflichtung zum erneuten Bekennen bei neuer Einsicht innovativ aufgreifen\u201c (RefBS 4\/1, 6).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Schriesheim<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Freudenberg \/ Andreas M\u00fchling \/ Peter Opitz (Hg.): Reformierte Bekenntnisschriften, Bd. 4\/2: 1814\u20132019. 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