{"id":2578,"date":"2025-10-04T17:18:59","date_gmt":"2025-10-04T17:18:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2578"},"modified":"2025-10-04T17:18:59","modified_gmt":"2025-10-04T17:18:59","slug":"nijay-gupta-the-affections-of-christ-jesus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2578","title":{"rendered":"Nijay Gupta: The Affections of Christ Jesus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nijay Gupta: <em>The Affections of Christ Jesus. Love at the Heart of Paul\u2019s Theology<\/em>, Grand Rapids: Eerdmans, 2025, Pb., xvii + 241\u00a0S., $\u00a034,99, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/9780802877161\/the-affections-of-christ-jesus\">978-0802877161<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zentrum der paulinischen Theologie ist das Motiv der \u201eLiebe\u201c. So un\u00fcberschaubar die Paulusforschung mit ihren st\u00e4ndig neuen Ans\u00e4tzen geworden ist, so \u00fcberraschend erscheint es fast schon, dass Nijay Gupta (Neutestamentler am Northern Seminary in Illinois und Mitherausgeber von zwei neueren englischsprachigen Paulus-Sammelb\u00e4nden) erst jetzt eine derart simple These als Forschungsl\u00fccke erkennt und sie mit dem vorliegenden Werk zu begr\u00fcnden versucht (11).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon im Vorwort wird deutlich, dass die Studie nicht im allumfassenden Sinne zu verstehen ist, sondern bestenfalls als eine Ann\u00e4herung an das Thema: Gupta macht explizit deutlich, keine langatmigen methodologischen Vor\u00fcberlegungen aufstellen (dazu verweist er auf sein fr\u00fcheres Werk, \u201ePaul and the Language of Faith\u201c, das sich mit der Zentralit\u00e4t des Motivs des Glaubens bei Paulus befasst) oder die Auswahl seiner Grundannahmen \u2013 unter anderem die paulinische Verfasserschaft des Epheserbriefes, die Verwurzelung von Paulus im Alten Testament sowie die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Paulus zur Jesus-Tradition \u2013 verteidigen zu wollen (ix\u2013xii).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Einf\u00fchrung wird das Defizit deutlich gemacht: So w\u00fcrden schon in der Untersuchung des Liebes-Motivs bei Augustinus die paulinischen Einfl\u00fcsse vernachl\u00e4ssigt (3), ebenso die Tatsache, dass W\u00f6rter aus der (hier noch nicht n\u00e4her definierten) \u201elove language\u201c \u00fcber 100 Mal und in jedem Brief des Corpus Paulinum vorkommen (4). Als Beispiele f\u00fcr Vernachl\u00e4ssigungen des Themas Liebe in der Paulus-Forschung werden Standardwerke von Dunn und Wright aufgef\u00fchrt (8).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor der Autor das eigentliche Thema der Studie behandelt, folgt in den ersten vier Kapiteln eine interdisziplin\u00e4re Begriffsdefinition. Diese umfasst eine Betrachtung des Konzepts \u201eLiebe\u201c aus philosophisch-psychologischer Perspektive (unter anderem werden C.S. Lewis, die feministische Aktivistin bell hooks und die \u201eappraisal theory of emotions\u201c ins Gespr\u00e4ch gebracht, 13\u201331), eine knappe Betrachtung der relevanten neutestamentlichen W\u00f6rter (32\u201336), eine Betrachtung des Konzepts im Alten Testament und der j\u00fcdischen Tradition (37\u201355), eine etwas ausf\u00fchrlichere Analyse der griechischen Begriffe (56\u201373) sowie einen Abriss des Motivs in der Jesus-Tradition (74\u201395).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Untersuchung \u2013 nach einem \u00dcberblick \u00fcber das Motiv der Liebe bei Paulus (96\u2013111) \u2013 besteht aus einer Verortung des Motivs in den paulinischen Themenfeldern Evangelium (112\u2013128, mit Fokus auf R\u00f6m 5-8), Religion (129\u2013148, mit Fokus auf der Schema-Tradition) und Gemeinschaft (149\u2013164) bzw. Liebe zu Au\u00dfenstehenden (165\u2013182). Etwas idiosynkratisch wirkt das letzte Kapitel, das sich der These widmet, die Liebe sei das Hauptthema des Epheserbriefes (183\u2013205). Die Konklusion besteht aus sechs thesenhaften Formulierungen (206\u2013215), etwa, dass die paulinische Fokussierung auf Gottes Liebe in den j\u00fcdischen Heiligen Schriften und Tradition verwurzelt ist (211\u2013212). Ein Anhang mit fr\u00fchchristlichen Bez\u00fcgen zu Liebe zu Gott bzw. Liebe zum N\u00e4chsten rundet die Arbeit ab (217\u2013218).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt gelingt es Gupta, seine simpel klingende These auf eine entsprechend unkomplizierte Art zu erl\u00e4utern, wobei die Darstellung sich gut als Einstieg f\u00fcr Paulus-Laien eignet. Es findet eine Diskussion mit aktueller Literatur und Forschungstrends statt (wenn auch mit Schwerpunkt auf englischsprachige Quellen); kontroverse Debatten werden dabei gemieden. Wie schon in der Einf\u00fchrung deutlich wird, erhebt die Studie nicht den Anspruch, einen radikal neuen Ansatz zu pr\u00e4sentieren. Entsprechend unkontrovers fallen die Schlussfolgerungen aus. Vor allem der interdisziplin\u00e4re Zugang, der die Untersuchung von einem starr begriffsgebundenen Ansatz abgrenzt, wirft einen neuen Blick auf die Thematik (z.&nbsp;B. die emotionale Komponente der Liebe, 24\u201330) und schafft Potenzial f\u00fcr Verkn\u00fcpfungen zwischen der paulinischen Theologie und praktisch-theologischen Fragestellungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St\u00e4rken des Buches sind zugleich seine Schw\u00e4chen. Zwar klingt die These der Zentralit\u00e4t von Liebe bei Paulus plausibel, jedoch wirft ihre Begr\u00fcndung viele Fragen auf. Die fehlenden methodologischen \u00dcberlegungen ausgenommen, f\u00e4llt ein hoher Grad an Eklektizismus auf: W\u00e4hrend sich der AT-Teil stark auf das Schema fokussiert, wird etwa dem Hohelied wenig Beachtung geschenkt; \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit der Gewichtung von R\u00f6m 5-8 gegen\u00fcber etwa Gal 2,20 im sechsten Kapitel. Phil 1,8 \u2013 immerhin die Inspiration hinter dem Buchtitel! \u2013 wird neben einer kurzen Erw\u00e4hnung nur knapp im Schlussteil der Arbeit thematisiert (210-211). Lediglich etwa die H\u00e4lfte der Studie widmet sich den eigentlichen Paulusbriefen, wobei selbst hier noch die methodologisch unpassende Darstellung von Paulus in der Apostelgeschichte (171\u2013176) sowie im letzten Kapitel der Epheserbrief dazuz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die Untersuchung des Epheserbriefs als Kr\u00f6nung der Studie \u2013 an sich eine gewagte wie willkommene Abwechslung (und bezeichnend f\u00fcr den englischsprachigen Raum, in dem es noch vergleichsweise viele Vertreter der paulinischen Verfasserschaft gibt) \u2013 ist eher entt\u00e4uschend, weil es sich um eine relativ unsystematische Betrachtung handelt, bei der kaum eine Auseinandersetzung mit Experten des Epheserbriefes stattfindet. Dies gilt im \u00dcbrigen, wie oben bereits erw\u00e4hnt, bis zu einem gewissen Grad f\u00fcr die gesamte Arbeit. Insbesondere deutschsprachige Paulus-Standardwerke, wie etwa von Horn, Schnelle oder Becker \/ Wischmeyer, werden nicht beachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass es der Studie gelingt, f\u00fcr ein in der Paulusforschung eher vernachl\u00e4ssigtes Thema zu sensibilisieren \u2013 und das im Dialog mit dem (zumindest in bestimmten Teilen der Erde) aktuellen Forschungsstand und auf eine zug\u00e4ngliche Weise. Mit Gupta zu schlussfolgern, dass \u201eanything that can be said about Paul\u2019s theology is really about love\u201d (207), f\u00e4llt am Ende der Arbeit dennoch schwer \u2013 zu selektiv, unausgewogen und oberfl\u00e4chlich f\u00e4llt daf\u00fcr die exegetische Analyse im Hauptteil aus. Da ist die These, \u201eLiebe\u201c sei das Zentrum der paulinischen Theologie, wohl doch komplexer und bedarf gr\u00fcndlicherer Untersuchungen, beispielsweise von einzelnen Briefen des Corpus Paulinum nach dem Motiv der Liebe. Bleibt zu hoffen, dass \u201eThe Affections of Christ Jesus\u201c dazu anregt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Alexander Dalinger, Doktorand an der TU Utrecht \/ FTH Gie\u00dfen, Gastdozent an theologischen Ausbildungsst\u00e4tten in Deutschland und der ehemaligen UdSSR \u00fcber die Kontaktmission<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nijay Gupta: The Affections of Christ Jesus. 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