{"id":258,"date":"2017-05-01T19:53:36","date_gmt":"2017-05-01T19:53:36","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=258"},"modified":"2019-11-01T14:35:50","modified_gmt":"2019-11-01T14:35:50","slug":"tobias-lehmann-evangelikal-orientierte-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=258","title":{"rendered":"Tobias Lehmann: Evangelikal orientierte Schulen"},"content":{"rendered":"<p>Tobias Lehmann: <em>Evangelikal orientierte Schulen \u2013 geschlossene Systeme oder exemplarische Bildungsr\u00e4ume? Theologische Hintergr\u00fcnde, bildungstheoretische Reflexionen und schulp\u00e4dagogische Perspektiven<\/em>, Schulen in evangelischer Tr\u00e4gerschaft 19, M\u00fcnster: Waxmann, 2015, 440 S., \u20ac 39,90, <a href=\"https:\/\/www.waxmann.com\/waxmann-buecher\/?no_cache=1&amp;tx_p2waxmann_pi2%5Bbuch%5D=BUC124527&amp;tx_p2waxmann_pi2%5Baction%5D=show&amp;tx_p2waxmann_pi2%5Bcontroller%5D=Buch&amp;cHash=8176cceda355d5fc41fc9afe2b15ce47\">ISBN 978-3-8309-3325-0<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Lehmann_Schulen.pdf\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Lehmann_Schulen.pdf\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Lehmann_Schulen.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Lehmann_Schulen.pdf\"><\/a><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Lehmann_Schulen.pdf\"><\/a><\/p>\n<hr>\n<p>Tobias Lehmann will in seiner Dissertation das Proprium evangelikal orientierter evangelischer Schulen in Deutschland erheben und untersuchen, wie dieses Proprium sich theologisch und p\u00e4dagogisch niederschl\u00e4gt. Zu diesem Zweck stellt er nach einem einleitenden Kapitel (11\u201324) die evangelikale Bewegung in Deutschland dar (25\u201381). Die Wurzeln dieser Bewegung sieht er im Pietismus, der Erweckungsbewegung des 19. Jhs. und Einfl\u00fcssen aus Nordamerika. Er betont einerseits die Zusammengeh\u00f6rigkeit der unterschiedlichen evangelikalen Gruppen, die sich in der Zusammenarbeit in der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) ausdr\u00fcckt, andererseits sieht er auch Spannungen zwischen einer konservativen Str\u00f6mung, die die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift vertritt, und einer offeneren pietistischen Richtung. Lehmann expliziert nirgends seine eigene theologische Position. Zahlreiche wertende Bemerkungen machen aber deutlich, dass er den konservativen Evangelikalismus sehr kritisch sieht, w\u00e4hrend er der pietistischen Richtung wohlwollend gegen\u00fcbersteht.<\/p>\n<p>In den folgenden Kapiteln bedenkt Lehmann den bildungspolitischen (82\u2013136), bildungstheoretischen (137\u2013222) und schulp\u00e4dagogischen (223\u2013286) Hintergrund jeweils aus theologischer Perspektive. Bildung in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen bed\u00fcrfe eines schulischen Tr\u00e4gerpluralismus. Evangelische Schulen erhielten ihre Legitimation durch ihr besonderes Schulprofil. Evangelikale Schulen betonten in diesem Zusammenhang besonders die Rolle der Lehrpersonen (an die die Anforderung gestellt werde, dass sie das Schulprofil authentisch mittragen und mitgestalten k\u00f6nnen) und einer gelebten <em>praxis pietatis<\/em>. Als paradigmatisch f\u00fcr den Umgang mit dem Verh\u00e4ltnis von Theologie und Naturwissenschaft im Unterricht betrachtet er die Sch\u00f6pfungs- und Evolutionsthematik. Er kritisiert die Behandlung des Kreationismus als ernstzunehmende Position und weist auf die offizielle Haltung der DEA hin, die im \u201eThemenbuch zur Systematischen Theologie\u201c des AfeT zum Ausdruck komme. Hier sei der Beitrag von Reinhard Junker zum Kreationismus lediglich ein Exkurs, w\u00e4hrend der Hauptbeitrag von Hermann Hafner deutlich mache, dass Gotteserkenntnis aus Glauben und wissenschaftliche Welterkenntnis zwei unterschiedliche Wirklichkeitsperspektiven seien.<\/p>\n<p>Das sechste Kapitel (287\u2013320) gibt einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die evangelikale Schulbewegung in Deutschland. Nach der Gr\u00fcndung der Freien Evangelischen Schule in Reutlingen 1973 habe es in den 1980er Jahren eine Welle von Schulgr\u00fcndungen gegeben. F\u00fcr das Schuljahr 2013\/14 z\u00e4hlt er 53 Schulen mit mindestens einem Sekundarbereich, in denen 32.618 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unterrichtet wurden. Als Bekenntnisgrundlage werde an den Schulen h\u00e4ufig die Glaubensbasis der DEA genannt.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sentation des eigentlichen Forschungsvorhabens erfolgt im siebten Kapitel (321\u2013394), das sicherlich der aufschlussreichste Abschnitt des Buches ist. Lehmann hat eine Befragung der Schulleitungen evangelikaler Schulen durchgef\u00fchrt, an der sich immerhin 50 der 53 angefragten Schulen beteiligten. Einige Ergebnisse der Befragung sollen kurz skizziert werden. Nach Einsch\u00e4tzung der Schulleitungen stammen etwa 40% der Sch\u00fclerschaft aus Familien, die nicht nur Mitglied einer Kirche sind, sondern auch regelm\u00e4\u00dfig am Gottesdienst und gemeindlichen Leben partizipieren. Von den 1.429 Lehrkr\u00e4ften des Sekundarbereiches geh\u00f6rten 52,8% einer evangelischen Freikirche an, w\u00e4hrend 29,4% in der evangelischen Landeskirche und 8,9% in evangelisch-landeskirchlichen Gemeinschaftsverb\u00e4nden beheimatet waren. Auf einer Skala von 1 bis 5 stimmten alle Schulleitungen der Aussage \u201eDie Bibel ist das Zeugnis des offenbarten Handelns Gottes in der Geschichte\u201c mit dem Wert 4 oder 5 zu, w\u00e4hrend die Aussage \u201eDie Bibel ist das widerspruchsfreie Wort Gottes\u201c von 58,5% diesen Zustimmungswert erhielt. Dem Satz \u201eDer biblische Sch\u00f6pfungsbericht bietet ein plausibles naturwissenschaftliches Alternativmodell zur Evolutionstheorie\u201c stimmten nur 36,5% mit dem Wert 4 oder 5 zu. In der Frage \u201eWorin sehen Sie das entscheidende Profil der Schule?\u201c herrschte gro\u00dfe \u00dcbereinstimmung darin, dass die Schule durch gl\u00e4ubige Lehrkr\u00e4fte gestaltet wird und dass der Glaube nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt wird. Die gr\u00f6\u00dften Standardabweichungen gab es bei den Items \u201eEine Schule, in der sich die Unterrichtsinhalte am Deutungsrahmen der Bibel orientieren\u201c und \u201eEine Schule, die sich durch ein reformp\u00e4dagogisches Konzept auszeichnet\u201c. Hier wird deutlich, dass die Sichtweisen auseinandergehen. Auf die Frage \u201eWie stark hat sich ihre Schule in ihrem christlichen Profil im Vergleich zu den Gr\u00fcndungsjahren ver\u00e4ndert?\u201c antworteten 45,9% mit \u201egar nicht\u201c (Werte 1 und 2), 29,7% mit \u201esehr stark\u201c (Werte 4 und 5). Die Ver\u00e4nderungen werden \u201esehr oft auf eine \u00d6ffnung in personeller, theologischer, ethischer und gesellschaftlicher Perspektive gegen\u00fcber einer fr\u00fcher st\u00e4rker vorherrschenden Enge und Abgrenzung zur\u00fcckgef\u00fchrt\u201c (371).<\/p>\n<p>Lehmann findet in der evangelikalen Schullandschaft die Spannungen wieder, die er schon im zweiten Kapitel in der evangelikalen Bewegung insgesamt diagnostiziert hat. Er sieht ein evangelikal-konservatives Paradigma und ein evangelikal-offenes Paradigma, wobei seine Untersuchung nahelegt, dass sich der Schwerpunkt in Richtung auf letzteres verschiebt. Im Res\u00fcmee kommt er zu dem Ergebnis, dass die Untersuchung zeige, \u201edass es f\u00fcr die Schule weichenstellend und richtungsweisend ist, ob das Ziel von Bildung und Schule vorrangig in einem geschlossenen bibelorientierten Weltverst\u00e4ndnis oder in einer offenen menschenorientierten Weltverantwortung gesehen wird. An dieser Stelle scheint sich zu entscheiden, ob evangelikal orientierte Schulen eher als geschlossene Systeme oder aber als exemplarische Bildungsr\u00e4ume in den Blick kommen\u201c (410). Evangelikal-konservative Schulen werden sich vermutlich in der Beschreibung als geschlossene Systeme nicht wiederfinden und auch f\u00fcr sich als Erziehungsziel eine offene menschenorientierte Weltverantwortung angeben. Lehmanns Bewertung ergibt sich aber folgerichtig aus seiner Grundhaltung gegen\u00fcber den Str\u00f6mungen innerhalb des Evangelikalismus.<\/p>\n<p>Neben dem m. E. nicht ganz ausgewogenen Verh\u00e4ltnis zwischen der Pr\u00e4sentation der eigentlichen Forschungsergebnisse und den sehr umfangreichen theoretischen Vor\u00fcberlegungen, ist die geringe Schriftgr\u00f6\u00dfe des Druckes zu bedauern, die die Lekt\u00fcre ausgesprochen m\u00fchsam macht. Die Arbeit hat aber dessen ungeachtet ihre Bedeutung als erstes umfassendes Forschungsvorhaben zu evangelikalen Schulen in Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Ralph-Thomas Klein, Gymnasiallehrer AHF Gie\u00dfen sowie Lehrbeauftragter Freie Theologische Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\"><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tobias Lehmann: Evangelikal orientierte Schulen \u2013 geschlossene Systeme oder exemplarische Bildungsr\u00e4ume? 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