{"id":2595,"date":"2025-10-04T17:38:07","date_gmt":"2025-10-04T17:38:07","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2595"},"modified":"2025-10-04T17:38:07","modified_gmt":"2025-10-04T17:38:07","slug":"ruth-conrad-homiletik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2595","title":{"rendered":"Ruth Conrad: Homiletik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ruth Conrad: <em>Homiletik<\/em>, Kompendien Praktische Theologie 7, Stuttgart: Kohlhammer, 2024, kt., 170 S., \u20ac\u00a032,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/homiletik-34086.html\">978-3-17-034086-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Homiletik w\u00e4chst durch Erfahrung. Auf dieser Tatsache gr\u00fcndet auch die vorliegende Publikation, in der die Autorin ihrer jahrelangen homiletischen Vermittlungserfahrung auf 145 Seiten mit anschlie\u00dfendem Literaturverzeichnis und Index Raum schafft. Auf dem Hintergrund der bereits in den Anf\u00e4ngen der Praktischen Theologie gef\u00fchrten Diskussion um Theorie und Praxis leitet Dr. Ruth Conrad ihre Darlegung ein mit der Feststellung \u201eDie Praxis geht der Theorie voraus\u201c und meint damit auch, dass das Evangelium der Kirche vorgeordnet ist. Deshalb ist die Kirche selbst nicht Gegenstand der eigenen Verk\u00fcndigung. Denn: \u201eKirche gibt es aufgrund des Wortes Gottes\u201c \u2013 nicht umgekehrt (44). Sie stellt in ihrem Konzept die gelungene Reflexionsfolie von Individualit\u00e4t und Sozialit\u00e4t in den Vordergrund und nimmt mit diesen Dimensionen ein in der Praktischen Theologie wesentlich gewordenes Spannungsfeld auf. Dieses stellt sie in die Verbindung von Predigtziel und Kirchenbild. In ihrer Habilitationsschrift lassen sich hierzu vertiefende Kerngedanken und weitere Hintergr\u00fcnde gut nachvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Band 7 der Reihe \u201eKompendien Praktische Theologie\u201c gibt die Verfasserin, Professorin f\u00fcr Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Homiletik, Liturgik und Kirchentheorie an der Theologischen Fakult\u00e4t der Humboldt-Universit\u00e4t in Berlin, Kernpunkte ihrer eigenen, gewachsenen Vermittlung wieder. Ihren aktuellen Forschungsfokus hat sie u. a. auf die \u201eKulturtheorie und Kulturgeschichte der christlichen Predigt im interkulturellen und interreligi\u00f6sen Vergleich\u201c gelegt. Das spiegelt sich sowohl in der Bandbreite der integrierten Sichtweisen bez\u00fcglich konfessioneller Unterschiede, als auch kultureller Differenzierungen zwischen US-Kontext und deutschem Umfeld (insbesondere bzgl. Terti\u00e4rmedien, 92) wider. Ebenso zeigen es Hinweise auf islamische Predigten (39) im Sinne einer komparativen Homiletik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Verlauf der dicht verfassten Darlegung werden besonders Verbindungen mit den drei Perspektiven 1) Homiletik und Kirchentheorie (Kirchenbild \/ Predigtziel), 2) Pluralit\u00e4t der Predigtkulturen und 3) wechselseitige Dynamik zwischen individueller Religion und deren gemeinschaftlicher Praxis (Individualit\u00e4t \/ Sozialit\u00e4t) hervorgehoben. Dabei verfolgt sie das Ziel, Predigt als soziale Praxis darzustellen und die Zielgruppe als konstituierende Gr\u00f6\u00dfe zu definieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend sich im ersten Teil Grundlagen zu Begriffen, Kontexten, Themen der Homiletik, dem aktuellen Diskurs und der Zusammenhang von Kirchenbild und Predigtideal finden, spiegelt der zweite Teil exemplarisch historische Konstellationen entlang theologiegeschichtlicher Linien wider. Dabei reichen die Darstellungen von der Reformation \u00fcber Pietismus und Aufkl\u00e4rung, sowie Schleiermachers Grundlegungen der Praktischen Theologie bis hin zum Beitrag der Empirie und einer digitalen Kirche. Im abschlie\u00dfenden dritten Teil geschieht eine Systematisierung der bisherigen Inhalte in den Wechselverh\u00e4ltnissen, die sie als Bew\u00e4ltigungsaufgabe f\u00fcr Predigtpersonen ansieht: Liturgie und Emotion, Person und Tugend sowie Absicht und Inhalt (vertiefend dazu Conrads Werk \u201eWeil wir etwas wollen! Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Predigt mit Absicht und Inhalt\u201c). Abschlie\u00dfend greift sie die einleitende Thematik von Kirchenbild und Predigtideal auf und endet mit einer offenen Frage. Eine nach ihrem Konzept verstandene Predigt bringt den origin\u00e4ren Beitrag christlicher Religion f\u00fcr eine humane Welt zur Darstellung (143). Ob dies gelingt, bleibt eine offene Frage, aber die Autorin ist zuversichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der spezielle homiletische Ansatz von Conrad zeigt eine Aktualisierung von Schleiermachers Theologie- und Religionsverst\u00e4ndnis. Diese Perspektive ist angereichert mit guter wissenschaftlich-fundierter Literatur und Bandbreite. Entt\u00e4uscht sieht sich (wie die Autorin selbst betont) ein Leser, der \u00dcberblickswissen sowie Tipps und Hinweise f\u00fcr die Erstellung und Umsetzung der Predigt in der Praxis sucht. Ebenso wird ein dogmatischer Standpunkt vernachl\u00e4ssigt, da sich die Autorin von dogmatischen, ethischen und moralisierenden Ans\u00e4tzen distanziert. Hier werden positionelle Differenzen deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Werk hat sich vor allem der prinzipiellen Homiletik verschrieben und bietet dennoch auch konkrete Anregungen f\u00fcr die Gottesdienst- und Predigt-Reflexion. Hier integriert die Autorin spezielle Hinweise zu digitaler Kirche und den Dimensionen von Medien (89ff) und das aufgegriffene kulturwissenschaftliche Konzept von Emotion als soziale Praxis (113f, \u201eWelche Emotionen m\u00f6chte ich ausl\u00f6sen?\u201c). Ebenso stellt sie heraus, welcher Anteil an \u00f6ffentlicher Partizipation in der religi\u00f6sen Kommunikation Frauen zukommt, und w\u00fcrdigt dabei besonders die M\u00f6glichkeiten zu Beginn des Pietismus. Dies regt zum Weiterdenken an und dient als Anreiz zur weiteren Forschung und der W\u00fcrdigung der von damals ausgehenden pr\u00e4genden Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Wechselspiel, wie sie es nennt, zwischen Kirchenbild und Predigtziel (10) hat sie \u2013 nach Eigenaussage &#8211; eher einen homiletischen Essay als ein Kompendium verfasst. Die F\u00fclle und Breite an integrierten homiletischen Modellen mag dem widersprechen. Dem Stil und Spiel mit anregenden Gedanken nach ist dem zuzustimmen. Der Ansatz einer liberalen prinzipiellen Homiletik mit der Zielsetzung humanit\u00e4rer Religion (im Sinne Schleiermachers) w\u00fcrdigt stark den Einzelnen und den jeweiligen Fokus. Das Pl\u00e4doyer f\u00fcr Menschenfreundlichkeit (142) und eine reflexive Haltung, die auch Gef\u00e4hrdungen aufgreift, die Fluchttendenzen in Appell und Moral betreffen, sind positiv hervorzuheben und regen zum \u00dcberdenken eigener Predigtt\u00e4tigkeit an. Denn die Lebensfragen der Menschen in den Blick zu nehmen, ver\u00e4ndert die Tonlage, wie sie betont. Sicherlich w\u00e4re aber nicht nur die Tonlage, sondern auch die Melodie und vor allem die Quelle des vermittelten Inhalts dabei nicht unerheblich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so scheint es, dass bei diesem Ansatz zwar ein Au\u00dfen mit sozialer Wirkung angestrebt wird, diese Ausrichtung letztlich jedoch den Einzelnen mit seiner eigenen religi\u00f6sen Kraft allein l\u00e4sst und nicht mit einer anderen Welt rechnet, au\u00dfer der sozialen. Insgesamt erscheint der Band als eine hilfreiche Darlegung zur Unterscheidung von darstellendem und wirksamem Handeln in der Predigt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Joachim Klein, Fachbereichsleiter Praktische Theologie am Theologischen Seminar Adelshofen<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ruth Conrad: Homiletik, Kompendien Praktische Theologie 7, Stuttgart: Kohlhammer, 2024, kt., 170 S., \u20ac\u00a032,\u2013, ISBN 978-3-17-034086-2 Homiletik w\u00e4chst durch Erfahrung.<\/p>\n","protected":false},"author":115,"featured_media":2596,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2595","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/115"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2595"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2595\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2597,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2595\/revisions\/2597"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2596"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}