{"id":2613,"date":"2025-10-04T18:14:37","date_gmt":"2025-10-04T18:14:37","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2613"},"modified":"2025-10-04T18:14:38","modified_gmt":"2025-10-04T18:14:38","slug":"martin-breul-aaron-langenfeld-hg-der-glaube-im-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2613","title":{"rendered":"Martin Breul \/ Aaron Langenfeld (Hg.): Der Glaube im Denken"},"content":{"rendered":"\n<p>Martin Breul \/ Aaron Langenfeld (Hg.): <em>Der Glaube im Denken. Eine Philosophiegeschichte,<\/em> Freiburg: Herder, 2023, geb., 448 S., \u20ac 28,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral\/shop\/p2\/76492-der-glaube-im-denken-gebundene-ausgabe\/\">978-3-451-39384-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Insgesamt sieben Punkte m\u00f6chte ich zu dem Buch und seinem Umfeld markieren und festhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Das Thema Glaube ist unersch\u00f6pflich. Es begann im Alten Testament (vgl. Otto Kaiser, \u201eGlaube II. Altes Testament\u201c, in: <em>RGG<\/em>\u2074, Bd. 3, Sp. 944-947), und als der Glaube \u2013 noch genauer: Jesus Christus \u2013 in die Welt kam (Gal 3,23), da steigerte sich das Reden vom Glauben \u201eexplosionsartig\u201c (vgl. Eberhard J\u00fcngel, \u201eGlaube IV. Systematisch-theologisch\u201c, in: <em>RGG<\/em><sup>4<\/sup>, Bd. 3, Sp. 953-974, hier Sp. 953). Und bis heute setzt sich das Reden von Gott und vom Glauben in sehr vielf\u00e4ltiger Art und Weise fort, auch wenn es phasenweise (sehr) still war bzw. ist und es von Anfang an vom Zweifel und vom Atheismus begleitet ist. Atheistische Denkweisen werden bei Breul \/ Langenfeld von ihrem Ansatz her nat\u00fcrlich nicht pr\u00e4sentiert und nur vereinzelt und nur beil\u00e4ufig theologisch anfangsweise reflektiert!<\/p>\n\n\n\n<p>2. Dass der Glaube in seinen vielerlei Gestalten (Stichworte sind Religionswissenschaft und Religionsgeschichte), also auch der christliche Glaube eine Geschichte hat, ist im ersten Abschnitt unmittelbar ersichtlich. Bei Wilfried H\u00e4rle (<em>Dogmatik, <\/em>Berlin: De Gruyter, <sup>3<\/sup>2007, 73) liest man die folgenden erhellenden S\u00e4tze: \u201eChristlicher Glaube hat in allen seinen Erscheinungsformen selbst teil an der Geschichte und damit auch an der Ver\u00e4nderlichkeit und Wandelbarkeit [\u2026] Er ist eine geschichtlich <em>bedingte <\/em>Gr\u00f6\u00dfe, die den jeweiligen kulturellen, gesellschaftlichen, politischen [und philosophischen] Bedingungen nicht entnommen ist, sondern an ihnen teilhat.\u201c Breul \/ Langenfeld sind daf\u00fcr ein gl\u00e4nzendes Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Joachim Matthes (1930-2009) wies in seiner <em>Einf<\/em><em>\u00fc<\/em><em>hrung in die Religionssoziologie 2. Kirche und Gesellschaft, <\/em>Reinbek: Rowohlt, 1969, 152 auf den amerikanischen (Religions-)Soziologen Charles Y. Glock und dessen Beschreibung von Religion hin. Leider wurden beide im deutschsprachigen Denk- und Sprachraum nicht in der Breite aufgenommen. In Christian Danz u. a. (Hg.): <em>Transformation of Religion. Interdisciplinary Perspectives, <\/em>Paderborn: Brill Sch\u00f6ningh, 2023 revitalisiert und aktualisiert Hans Gerald H\u00f6dl die f\u00fcnf Dimensionen von Religion nach Glock. Demnach geht es zwar auch ums religi\u00f6se Wissen, um Katechismen, Bekenntnisse und Dogmen, genauso jedoch auch um die rituelle Praxis, um religi\u00f6se Empfindungen und das individuelle Erleben, sowie das individuelle und gemeinschaftliche Tun. Breul und Langenfeld konzentrieren sich mit dem Stichwort \u201aDenken\u2018 auf die erste Dimension des Glaubens. Das gro\u00dfe Thema ist das Mit-, Neben- und Gegeneinander von Philosophie und Theologie.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Die (katholische) Grund\u00fcberzeugung Breuls und Langenfelds ist, \u201edass der Glaube nicht im Widerspruch zur Vernunft stehen kann\u201c (11). Erkl\u00e4rte doch Papst Benedikt XVI. in einer Generalaudienz 2012: \u201eDie katholische Tradition hat von Anfang an den sogenannten \u201aFideismus\u2018 abgelehnt, der der Wunsch ist, gegen die Vernunft zu glauben. <em>Credo quia absurdum<\/em> (ich glaube, weil es absurd ist) ist keine Formel, die den katholischen Glauben interpretiert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>5. Neben den vielen M\u00e4nnern gelangen nur drei Frauen zur Darstellung (Edith Stein, Hannah Arendt und ganz zum Schluss Judith Butler). Wichtiger ist erstens: Die Herausgeber sind personal orientiert; man vermisst strukturierende und ganze Epochen charakterisierende, zusammenfassende Beschreibungen. Eher beil\u00e4ufig geschieht dies nur in einzelnen Beitr\u00e4gen. Und wichtig ist zweitens: Au\u00dfereurop\u00e4ische und sehr fr\u00fche philosophische Denkans\u00e4tze bleiben leider bei Breul \/ Langenfeld au\u00dfen vor.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Die beiden Herausgeber gaben sich und ihren 47 Mitautoren die folgenden drei sehr guten, weil produktiven Leitfragen mit:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e(1) Welche Relevanz hat das dargestellte philosophische Denken f\u00fcr die Theologie?<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Was sind die wichtigsten und originellen Erkenntnisse des Philosophen \/ der Philosophin oder der Str\u00f6mung?<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Welche Literatur empfiehlt sich zur vertieften Auseinandersetzung mit dem philosophischen Denkansatz?\u201c (12).<\/p>\n\n\n\n<p>7. Der erste Philosoph, der von Thomas Sch\u00e4rtl dargestellt wird, ist Platon, neben Sokrates und Aristoteles einer der gro\u00dfen Athener Philosophen in der Antike. Bis auf die Bemerkung, dass \u201eunter dem Stichwort \u201aplatonischer Theismus\u2018 in der gegenw\u00e4rtigen Religionsphilosophie eine Position verhandelt, die \u2013 analog zum<em> Timaios<\/em> \u2013 Gott abstrakten Entit\u00e4ten (Ideen, Universalien, Propositionen) untergeordnet oder gegen\u00fcber gestellt denkt\u201c (25), erfolgt kein weiterer Gegenwartsbezug. Leider. Denn da w\u00fcrde man gerne mehr erfahren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer i. R. Dr. Gerhard Maier, Neuffen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martin Breul \/ Aaron Langenfeld (Hg.): Der Glaube im Denken. 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